MOUNTAINS OF DEATH 2011: Ein unbeugsames Festival in den Schweizer Voralpen

MOUNTAINS OF DEATH 2011: Ein unbeugsames Festival in den Schweizer Voralpen
 
Vor elf Jahren betraten einige Muothataler Death Metal-Fans Schweizer Neuland: Sie führten das erste MOUNTAINS OF DEATH-Festival durch. Ein Festival, das sich bewusst auf (Brutal) Death Metal und eine Spur Grindcore konzentriert und sich nie hat verbiegen lassen. Nach der elften Ausgabe dieses Jahr im August ist Schluss – und die Schweiz um DAS Metalfestival ärmer. Ein Festival, das nicht nur mit einer absolut einzigartigen Atmosphäre punkten konnte, sondern auch seine eigene kulinarische Kreation hatte – das Brotsandwich. Der Zeitpunkt ist gekommen, um mit den Organisatoren Reto und Stefan das Festivalleben Revue passieren zu lassen… 
 
Nach dem elften MOUNTAINS OF DEATH war es das mit (Brutal) Death Metal-Festivalaktivitäten im Muotathal. Warum hört ihr auf?
Stefan: Nun ja, das ist nicht ganz so leicht zu erklären, denn grundsätzlich bin ich dem Festival noch immer sehr verhaftet und ich bedaure es, mein Engagement dafür beenden zu müssen, doch leider gab es keine andere Lösung. Das MOUNTAINS OF DEATH ist einem natürlichen Wachstum unterworfen. Das ist einerseits sehr interessant und spannend und macht das Festival bestimmt noch sehr ausbaufähig, doch andererseits brauchen solche Projekte immer mehr Aufmerksamkeit und dem entsprechend auch mehr Zeit. Und eben diese fehlt je länger je mehr, denn das MOUNTAINS OF DEATH war und ist schon immer nur ein Hobby gewesen… 
Mein Engagement für Studium und Beruf sowie weitere private Interessen lassen einfach keine Kompromisse mehr zu. Das ist schade, aber eben… ich engagiere mich lieber an wenigen Orten richtig, als an vielen nur halbherzig. Es kann nämlich ganz schön zermürbend sein, den eigenen Ansprüchen nicht wirklich gerecht zu werden. Somit war es unumgänglich, Prioritäten zu setzen, und diese liegen längerfristig gesehen leider nicht beim Festival.
Reto: Bei mir ist es ähnlich, ich bin mit vielen anderen Sachen beschäftigt und der Aufwand fürs MOUNTAINS OF DEATH wird immer mehr. Ein entscheidender Grund war auch, dass der Festivalplatz verkauft wird, und je nach Käufer uns der Platz nicht mehr zur Verfügung stehen wird.
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Welches war das beste MOUNTAINS OF DEATH für dich und warum?
Stefan: Ich glaube, dass uns das Letzte – also zehnjährige – wirklich gut gelungen ist. Sogar das Wetter hat mal eine Ausnahme gemacht und es hat nur für kurze Zeit geregnet. Von organisatorischer Seite konnten wir ebenfalls einige Neuerungen umsetzen. Das hat echt Spaß gemacht.
Reto: Von mir aus gesehen ist es auch das 10jährige-Jubiläum. Weil super Wetter, geile Bands, zufriedenstellender und relativ entspannter Organisationsverlauf.
Welches war der verrückteste Rockstar-Wunsch, den eine Band je hatte (die Band muss natürlich nicht genannt werden, falls du das nicht willst)? Und wie bist du damit umgegangen?
Stefan: Rockstars? Da wir zum Glück ein Death Metal und Grindcore Festival sind, haben Rockstars bei uns nix verloren. Sonst hätten wir ja gleich SLAYER buchen können… hahaha!
Reto: KRISIUN wollten mal ein paar ausgewählte Früchte, die wir ihnen natürlich sofort aus dem Dorflädäli besorgten. Ansonsten hatten wir noch nie Spezialwünsche. Das zeigt auch die Umgänglichkeit der Bands am MOUNTAINS OF DEATH.
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Was war das Ekligste, was du auf dem Festivalgelände vor, während oder nach dem Festival je gefunden hast? Und was hast du damit gemacht?
Stefan: Für Ekliges ist Reti zuständig. Aber als wir vor einigen Jahren als Give-Away gratis Präservative verteilten, hatten wir anschließend eine ganz schöne Sauerei auf dem Campingplatz…
Reto: Ja genau, fürs Eklige bin ich zuständig. Scheiße wegputzen von den Idioten, die in die Sägerei geschissen haben.
Was ist das Merkwürdigste, was du je gegessen hast (egal ob auf dem MOUNTAINS OF DEATH oder sonst wo)?
Reto: Das Brotsandwich: lecker, aber mühsam zum essen.
Stefan: Na ja, ich esse Fleisch… ist das nicht schon merkwürdig genug?
Welche Band wolltest du immer mal haben für das MOUNTAINS OF DEATH, aber es  wurde nie wahr? Warum gerade diese Band?
Reto: Wir wollten einige, und haben auch einige buchen können. Ich hätte noch gerne ein paar Bands ans MOUNTAINS OF DEATH geholt, aber manchmal war es schlichtweg nicht möglich, wegen Line-Up Problemen der Bands oder dem lieben Geld. CANNIBAL CORPSE wären halt schon kultig gewesen, aber es hat leider nicht geklappt. Bei mir gibt es auch diverse Bands aus dem Metal/Deathcore-Bereich, die ich gerne am MOUNTAINS OF DEATH gesehen hätte (wenn ich denn überhaupt Zeit dazu gehabt hätte), aber wir wollten dem treuen Publikum auch mit der Bandauswahl treu bleiben und nicht andere Stilrichtungen dazu mischen.
Stefan: Da gäbe es noch so einige. Wir könnten bestimmt nochmals 11 Festivals mit jeweils 30 oder mehr Bands machen. Ich finde ja auch Grindcore und Metal respektive Hardcore ganz nett – somit wären Bands wie EXCREMENTORY GRINDFUCKERS, die Wuäschtbuem alias ULTRAWURSCHT oder auch andere Acts wie CATARACT oder VALE TUDO auf jeden Fall super am MOUNTAINS OF DEATH anzusehen gewesen. Aber natürlich gibt es auch andere Bands wie zum Beispiel LECHEROUS NOCTURNE, die ich gerne eingeladen hätte. Weiter gefallen mir Acts wie ULCERATE oder CROWBAR – doch solche sind wohl nur beschränkt MOUNTAINS OF DEATH-tauglich mit ihrer Musik. Eben zu viele, um sie alle aufzuzählen. Geschweige denn um sie zu buchen.
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Welche Band auf dem Billing war immer dein persönlicher Traum, der damit am MOUNTAINS OF DEATH wahr wurde?
Ich denke, mit KRISIUN (2005) ging es einen grossen Schritt nach vorne. Das war in dem Jahr, als unsere Weggefährten von der METAL DIE HARD FRONT das Booking am MOUNTAINS OF DEATH das erste Mal unterstützten. Von da an wurden die Acts immer internationaler und auch bekannter. Mit SUFFOCATIONDYING FETUSMISERY INDEXIMMOLATIONNECROPHAGIST, etc. ließen sich in den letzten Jahren immer wieder tolle Headliner verpflichten. 
Allerdings war es uns ein Anliegen, sich bei der Bandauswahl nicht ausschliesslich auf selbige zu konzentrieren, sondern eben auch weitere spannende Bands präsentieren zu können. Ganz nebenbei diente das MOUNTAINS OF DEATH auch Schweizer Bands dazu, sich einem größeren und internationaleren Publikum präsentieren zu können. Obschon der Auftritt natürlich nicht für alle in gleichem Maße wichtig war…
Reto: Für mich und viele der heimischen Helfer war früher SUFFOCATION ein absoluter Traum, der sich dann auch erfüllte. Ansonsten gab es immer wieder kleine Träume, die sich erfüllten, vor allem bei kleineren Bands wie DISAVOWED oder SEVERE TORTURE, die für mich ins All-Star-Billing des MOUNTAIN OF DEATHs gehören.
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Auf welche Band freust du dich dieses Jahr am meisten? Warum?
Stefan: Immer diese Superlative… hahaha! HAEMORRHAGE find ich sehr cool. Weiter bin ich auf die Live-Performance von INGURGITATING OBLIVION gespannt… Aber auch mehrfach gesehene Bands wie BEHEADED oder DEFEATED SANITY, welche 2008 respektive 2009 einen Hammer-Gig am MOUNTAINS OF DEATH spielten, werde ich versuchen, zumindest in Teilen live anzuschauen. Daneben gehören natürlich Hausfreunde wie EMBALMING THEATRE oder CARNAL DECAY zum Pflichtprogramm… aber auch das neue Album von GORGASM verspricht einiges!
Reto: Hmm, GORGASM werden alles weghauen!
Es war jahrelang bekannt, dass SLAYER nie auf dem MOUNTAINS OF DEATH auftreten könnten, weil ihr das nicht wollt. Haben SLAYER je gefragt in diesen elf Jahren?
Stefan: Klar, seit SLAYER vom Gerücht Wind bekommen haben, dass es ein unbeugsames Festival in den Schweizer Voralpen gibt, an dem sie niemals spielen können, haben sie es versucht… immer und immer wieder! Nachdem sie es unter normalem Namen nicht schafften, waren ihnen keine Tricks zu schade, aber wir haben sie alle durchschaut und blieben standhaft… hahaha!
Reto: Hahaha…
Haha! Wie viele Brotsandwiches kannst du an einem MOUNTAINS OF DEATH essen, ohne dass dir schlecht wird?
Stefan: Mit oder ohne Kotzen zwischendurch? Hahaha… Am MOUNTAINS OF DEATH habe ich nicht so großen Appetit. Ich genieße am Mittwochabend ein feines Nachtessen, und die weiteren Tage lebe ich von einem ausgedehnten Frühstück – bis am Sonntagabend. Dann steht die obligate Pizza in der Vorhölle auf dem Programm, die schmeckt dann jeweils nochmals besser, als sie es unter dem Jahr schon macht.
Reto: Keines, ist mir zu mühsam zum Essen. Am meisten freue ich mich auch auf die Pizza!
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Welches Getränk an der MOUNTAINS OF DEATH-Bar ist dein Lieblingsgetränk?
Reto: Meins wäre Wodka Orange oder Kaffee Baileys. Aber eben, Alkohol liegt nicht drin bei so einer Verantwortung, darum Cola.
Stefan: Ganz klar Mineralwasser. Alles andere wäre nicht seriös als Veranstalter. Und außerdem gibt es andere Gelegenheiten zum Saufen!
Wann hast du das letzte Mal Stagediving betrieben?
Reto: Ob man es glaubt oder nicht, ich war noch nie stagediven.
Stefan: Keine Ahnung. Das muss schon sehr lange her sein. Auf jeden Fall trug ich damals noch keine Brille, sonst hätte ich diese bestimmt an jedem Konzert verloren.
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Wie sieht es aus mit Filmaufnahmen des MOUNTAINS OF DEATH XI? Wird es eine Abschieds-DVD geben?
Stefan: Eine spezielle Abschieds-DVD haben wir bis jetzt nicht geplant. Im Moment sind wir daran, die Probe-DVD 2009  in Etappen gratis auf unserem Youtube-Kanal ins Netz zu stellen. Die gesamte DVD 2009 werden wir nach dem Festival 2011 gratis zum Download anbieten. 
Die DVD 2010 werden wir als zweifache Doppel-DVD (also so lange wie 4 DVD‘s) in kleiner Auflage pressen lassen und am kommenden, letzten MOD zum Schnäppchenpreis anbieten. So zumindest der Plan.
 
Das Kamerateam wird auch dieses Jahr wieder vor Ort sein, um Bild sowie Ton aufzuzeichnen. In welcher Form das Material veröffentlichen wird, das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.
Wie viele Bands mehr werden es noch aufs Billing schaffen dieses Jahr?
Stefan: Geplant sind 32. Da 26 schon bestätigt sind, fehlen noch… ähm… sechs… oder so?
Warum haben GRONIBARD noch nie am MOUNTAINS OF DEATH gespielt?
Stefan: Für ihre Kostüme haben sie eindeutig zu wenig Frauen auf der Bühne… sonst hätten sie schon lange gespielt! Hahaha! Nein im Ernst – leider können wir nicht die Hälfte der Bands spielen lassen, die wir gerne sehen würden… Aber das geht wohl noch manchem Veranstalter so, und außerdem sind die Kostüme von EMBALMING THEATRE sowieso viel lustiger!
Reto: Weil ich die Band nicht so toll finde.
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Was muss man unbedingt dabeihaben, wenn man ans MOUNTAINS OF DEATH XI geht?
Reto: Geld und Durst.
Stefan: Ich würde empfehlen, in etwa das mitzubringen, was man auf eine Grillparty mitnimmt: gute Laune, Hunger, Durst und einen Regenschutz. Denn wenn alle einen Schirm oder ähnliches dabei haben, dann wird es auch in diesem Jahr kaum regnen, und das wäre ja auch nicht verkehrt.
Ach ja… GANZ WICHTIG: DAS AUSGEDRUCKTE TICKET AUS DEM VORVERKAUF NICHT AM KÜHLSCHRANK VERGESSEN!
Was hast du garantiert immer dabei, wenn du am MOUNTAINS OF DEATH bist?
Reto: Handy.
Stefan: Ein Kopfkissen, somit kann ich auch mal unterwegs fünf Minuten pennen… und natürlich ein Satz Ohrstöpsel (Gehörschutz), falls ich wegen des hohen Lärmpegels Mühe haben sollte beim Einschlafen. Nein, natürlich nicht! Knopf im Ohr, um mit der Matrix verbunden zu sein, und im Rucksack das mobile Büro (also Listen etc.), um unterwegs die Übersicht nicht zu verlieren…
Auf welche Festivals gehst du außerhalb des MOUNTAINS OF DEATHs?
Reto: DEATHFEST, NEUROTIC DEATHFEST und NRW DEATHFEST.
Stefan: Das OBSCENE EXTREME FESTIVAL und seit zwei Jahren das NEUROTIC DEATHFEST gehören zu meinem jährlichen Festivalplan. Mehr geht leider kaum. Obschon es natürlich viele weitere, nette Festivals zu entdecken gäbe…
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Was machst du am 21. August 2011?
Reto: Festivalgelände aufräumen mit meinem Bautrupp. Am Montag kommt man nicht darauf, dass hier ein Festival stattgefunden hat.
Stefan: Am Sonntag nach der letzten Band ist noch lange nicht Schluss. Nach einer weiteren kurzen Nacht gönne ich mir – wie jeden Morgen – eine Dusche, und anschließend ein ausgedehntes Frühstück, bei dem ich mich auf die anstehenden Arbeiten vorbereite. Es gilt dann Abrechnungen zu erstellen, das Büro aufzuräumen und wieder reisefertig zu verpacken. 
Wenn es die Zeit erlaubt, helfe ich jeweils für einige Stunden Retis Bautrupp (also auf korrekt innerschweizerisch würde das Wort ja Buutrupp ausgesprochen), das sind die wilden Kerle aus dem Muotathal, die seit 2001 die Festivalinfrastruktur in ihrer Freizeit aufstellen und am Sonntag wieder abbrechen. Der lange Tag endet mit der besagten gemeinsamen Pizza in der Vorhölle, und dann ab nach Hause ins Bett. Am Montag darf ich wieder zur Arbeit.
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Was machst du am Wochenende des 20. August 2012?
Stefan: Ich gebe mir mit Reti am SUMMER BREEZE die Kante, hahaha… Keine Ahnung!
Reto: Gebe mir mit Arletti am SUMMER BREEZE die Kante.
Vielen Dank fürs Beantworten meiner Fragen!
Reto: Danke dir für den Support mit dem Interview. Wir hoffen, dass die Besucher nicht zu sehr enttäuscht sind, dass es das letzte MOUNTAINS OF DEATH ist, und sie noch ein weiteres Mal eine geile Metalparty mit uns feiern. Stay metal!
 
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Fotos: Andreas Szabo
Layout: Arlette Huguenin Dumittan 
Arlette Huguenin Dumittan
Arlette ist seit 2000 bei vampster und unsere Schweizer Fachfrau für schwarze Musik und vegane Backrezepte. Lieblingsbands: DARKTHRONE, MAYHEM, HAIL OF BULLETS. Genres: Black Metal, Death Metal, Dark Metal/Rock.