MOONSPELL, KREATOR, WITCHERY, MANIC MOVEMENT – Stuttgart, Röhre, 1. 2. 2000

Die Kombination dieser vier Bands klang sehr vielversprechend. MANIC MOVEMENT boten einen tadellosen Set, mit dem sie sich sicher neue Fans bescherten, WITCHERY traten wie erwartet einfach Arsch, KREATOR enttäuschten ein wenig durch ihr lasches Auftreten und MOONSPELL hatten wie immer ihren besonderen Flair – aber auch die ein oder andere Überraschung auf Lager…

Die Kombination dieser vier Bands klang sehr vielversprechend. MANIC MOVEMENT boten einen tadellosen Set, mit dem sie sich sicher neue Fans bescherten, WITCHERY traten wie erwartet einfach Arsch, KREATOR enttäuschten ein wenig durch ihr lasches Auftreten und MOONSPELL hatten wie immer ihren besonderen Flair – aber auch die ein oder andere Überraschung auf Lager. Doch tretet selbst ein, in die Stuttgarter Röhre…



MANIC MOVEMENT



Nur um die 50 Leute hatten sich pünktlich zu Manic Movement in der Röhre eingefunden, anscheinend wussten viele nicht, dass das Konzert vom LKA in die Röhre verlegt wurde. Umso ärgerlicher, da Manic Movement einen ordentlichen, für eine junge, unerfahrene Band sogar ziemlich professionellen Set hinlegten. Das bemerkte auch das Publikum: interessierte sich noch kaum jemand für die ersten Takte zu Trapped Inside the Sun, so füllte es sich vor der Bühne von Song zu Song immer mehr und nach dem letzten Song riefen einige Leute sogar nach Zugaben. Sowas haben wir bei einem unbekannten Opener echt selten erlebt.

Und ich bleibe dabei, wenn diese Band so weiter macht, dann wird sie bald eine der ganz großen Melodic Death Metal Bands – es lebe die Schubladisierung – sein, das Zeug dazu hat sie! Und es ist schon erstaunlich, wie selbstsicher und doch sympathisch die belgischen Jungspunde sich präsentieren – abgesehen vom Schlagzeuger Olli scheint keiner älter als 20 zu sein.

Besonders Frontmann Maarten growlt sich mit einer Souveränität und Intensität durch die Titel, die jedes Metallerherz überzeugen sollte. Das Material der wirklich starken Debütscheibe A Thousand Sufferings kommt live ziemlich brachial aber dennoch differenziert rüber. Und dass ich hier nicht nur einfach eine meiner Lieblingsbands abfeiern will, bewiesen die neu ankommenden Besucher, die sich, statt sich zuerst wie gewohnt an der Bar ein Bier zu holen, gleich vor die Bühne stellten.

Im Gegensatz zu anderen Bands an diesem Abend (siehe unten) kamen Manic Movement ohne Spielfehler durch ihr Set und besonders Bassist Sven spielt auf seinem sechseitigen Bass(!), als ob er mit dem Ding in der Hand geboren worden wäre. Die Optik war gut, der Sound war gut, die Songs sind ohnehin klasse, was will man mehr. Mit ihrer Version von Jaques Brels Amsterdam verabschiedeten sich Manic Movement vom Stuttgarter Publikum. Ein gelungener Auftakt!

Von Maarten konnten wir später am Abend noch erfahren, dass Manic Movement als Opener für Samael im Gespräch sind, zu gönnen wäre es ihnen. Wer sie also nicht zusammen mit Moonspell sehen konnte, der hat bei der anstehenden Samael Tour die Möglichkeit dazu – und noch Gelegenheit, sich vorher A Thousand Sufferings zuzulegen.

Und nach einer angenehm kurzen Umbaupause ging es auch schon weiter mit den Vampir-Killers themselves..:




WITCHERY




Langsam wurde es voll in der Röhre und die Befürchtung, dass wie bei Agent Steel die Woche zuvor wieder nur knapp hundert Leute da sein würden, hatte sich nicht bewahrheitet. Überhaupt, man sah in Stuttgart verhältnismäßig wenig typische Gothic Metal Fans, scheinbar hatten die Namen Witchery und vor allem Kreator fast genauso gezogen wie Moonspell. Die Spaßvögel von Witchery boten ein bitterernstes Set, Spielfreude gepaart mit Black Metal Persiflage – zumindest verstehe ich die Band so.

Es war eine Menge Bewegung auf der Bühne, Bassmann Sharlee und die Gitarristen Richard und Jensen strotzten nur so vor Power und Bewegungsdrang und verliehen so der Witchery Show ein Rock n´Roll-Attitude. Sänger Toxine erinnerte live irgendwie an einen stolzierenden, bösen Gockel – sehr lustig, ihm zuzusehen. Über mangelnde Ausstrahlung des Sängers kann man sich aber echt nicht beklagen.

Toxines Auftreten mit Corpsepaint und seinem am Körper mitgeführten Vampir-Killer-Kit verkörpert das Wirre und das Böse besser als viele andere Bands, die das versuchen – andererseits kann man irgendwie nie sicher sein, ob das nun ernst gemeint ist oder Witchery sich aus dem Klischee einen Spaß machen. Sicher ist hingegen, dass Toxine sich mit beeidruckender Kontinuität durch die Songs keift.

Gut, Stimmfetischisten würden eine Witchery-Show vermutlich fluchtartig verlassen – aber dieser Gesang passt einfach super zum Gesamtbild. Von The Reaper vom ersten Album bis zu House of the Raining Blood vom neuen Album war querbeet alles geboten, was sich ein Witchery Fan wünschen kann, aber letztendlich ist die Setlist bei Witchery auch relativ egal, da jeder Song ein Kracher ist. Der Coversong Fast As a Shark von Accept beendete diesen echt unterhaltsamen Gig. So bleibt zu Witchery nur ein Resümee: The Reaper got us!!. Do the W !!!




KREATOR




Nach Witcherys Breitseite wurde es nun etwas beschaulicher. Die Zeiten, dass Kreator live arschkicken sind vorbei – die Band hatte ihren Höhepunkt nun mal vor etwa zehn Jahren und diesen Status wird sie wohl auch nicht mehr erreichen. Trotzdem boten Kreator einen ganz passablen Gig, der aber deutlich von der zweiten Hälfte lebte und ein paar Schönheitsfehler hatte. Die erste Hälfte war dem Material der letzten Alben Endorama und Outcast gewidmet, was immerhin die ersten Reihen des Publikums erfreute – bei vielen Altfans aber eher für etwas Langeweile sorgte. Hinzu kam, dass Bassist Spiesi nicht nur einmal auf dem Griffbrett daneben lag und auch insgesamt nicht sonderlich motiviert schien.

Sehr schön war jedenfalls die Lightshow, die sich wirklich sehen lassen konnte. Als Mille & Co. dann endlich mit People of the Lie die von Anfang an lautstark geforderten Klassiker anstimmte, kam auch endlich wieder mehr Bewegung ins Publikum und bei Pleasure to Kill sah man dann den einzigen Stagediver des Abends durch die Lüfte segeln. So stellt man sich eben den Auftritt der einstmals größten Thrash Metal Bands Deutschlands vor!


Insgesamt hatte der Auftritt von Kreator eine unterkühlte Stimmung, die Musiker bewegten sich kaum, erst gegen Ende kam etwas Bewegung auf die Bühne. Gut, das kühle, wortkarge Auftreten, es gab während des ganzen Sets glaube ich nur zwei Ansagen von Mille, mag vielleicht zum Konzept der neuen Kreator gehören, mich überzeugten sie damit jedenfalls nicht. Naja, schade. Aber sei´s drum – dann müssen sich so Sturköpfe wie ich eben mit dem Kreator-Fernsehfilm Thrash Altenessen (oder so) von anno ´89 (?) – jedenfalls von damals, als alles besser war – begnügen. MOSH!!!




MOONSPELL




Was war ich gespannt auf Moonspell..! Die Show, die sie auf ihrer letzten Tour zu Sin/Pecado boten, war ja schlicht grandios. Viele Hilfsmittel wie Spiegelscherben oder eine große Erdkugel auf der Bühne und verschiedene Outfits Fernandos wurden in die Show miteinbezogen, sodass man fast von einer Variete-artigen Show sprechen konnte. Und auch im Interview mit Keyboarder Pedro war von einer aufwendigen Bühnenshow zum Butterfly Effect-Album die Rede.


Und was wurde an Show geboten..?!? Nichts, rein gar nichts! Okay, das war die Überraschung Nummer 1. Die zweite Überraschung war das Auftreten von Keyboarder Pedro und Bassist Sérgio, die beide anscheinend zuviel Coal Chamber oder vergleichbares konsumiert hatten und es ihnen augenscheinlich gleich tun wollten – anders kann ich mir deren seltsames Auftreten nicht erklären. Barfuß, mit nacktem Oberkörper, kurzen Haaren und beschmierten Gesichtern hüpften sie auf der Bühne rum und zerstörten damit die Atmosphäre, die Fernando alleine durch seine Anwesenheit aufbaute. Also, ich habe echt keine Ahnung, was Moonspell, restriktive die beiden Herren, damit ausdrücken wollten.


Sei´s drum – Ansonsten war der Gig gut, es wurde natürlich viel vom neuen Album gespielt, aber auch die Freunde der älteren Stücke kamen auf ihre Kosten. Opium wurde natürlich gespielt, ebenso Ruin and Misery oder Mephisto. Überraschung Numer 3: Moonspell haben Vampiria nicht gespielt! Dafür gab es als letzten Song Alma Mater, mit dem ein guter – aber nicht weltbewegender – Gig Moonspells beendet wurde.

Bericht: boxhamster & vampiria
Fotos: boxhamster