METAL ASSAULT IV: Posthalle, Würzburg, 08.02.2014

METAL ASSAULT IV: Posthalle, Würzburg, 08.02.2014

Eigentlich ist es ja Wahnsinn, elf Stunden lang Heavy Metal live zu präsentieren. Eigentlich war mir das klar, aber irgendwie siegte meine Neugier über meine Vernunft. So traf ich bereits rechtzeitig in der Würzburger Posthalle ein, um mitzubekommen, dass STALLION klassischen Heavy Metal spielen. Nicht zuletzt dank des guten Gesangs und der flotten Gitarrenarbeit konnte die Band zahlreiche Frühaufsteher vor die Bühne locken. SPEEDTRAP machten beinahe nahtlos weiter, agierten dabei allerdings roher und rotziger. Den Fans gefiel das, so dass auch hier einiges los war vor der Bühne. MASTERS OF DISGUISE boten im direkten Vergleich mehr Melodie und mehr Geschwindigkeit. Die zweite Gitarre half dabei, auch wenn der Gesamtsound weniger druckvoll, dafür breiiger war. Angesichts des sehr hohen Lautstärkepegels war dies kein Wunder. Das Publikum war einmal mehr sehr interessiert am Bühnengeschehen, während ich mit dem Image der Band nichts anfangen kann und mich lieber auf die Suche nach Essen machte. Nach der Verabschiedung ihres Ex-Schlagzeugers im Rahmen der SAVAGE GRACE-Nummer Bound To Be Free war dann für viele erst einmal Pause angesagt.

Zum Glück konnte man sich zwischendurch hinten in der Halle durch das Angebot zahlreicher Händler wühlen oder einfach nur auf den Bierbänken ausruhen. So wurde es bei FUNERAL NATION in der vorderen Hallenhälfte zum ersten Mal  leerer. Mit ihrem altbackenen Thrash schaffte die Band es nicht, viele Neugierige anzulocken. Wie steif die Vorstellung tatsächlich war, merkte man, als JAGUAR mit einer Extraportion Spielfreude an die NWoBHM erinnerten. Die Musik war robust genug, um auch über 30 Jahre nach ihrem Entstehen reizvoll zu klingen. Wie angekündigt lag der Schwerpunkt auf dem Power Games-Album, von dem man u.a. Master Game, The Fox und natürlich den Opener Dutch Connection zu hören bekam. Aber auch Frühwerke wie Axe Crazy und Stormchild wussten zu gefallen. Insbesondere der Sänger hatte mächtig Spaß in den Backen und war gut bei Stimme. Und von seinem Hüpfmikrophonständer können sich DRAGONFORCE noch etwas abschauen.

Die frisch reformierten POLTERGEIST sorgten bei den anwesenden Thrash-Fans für reichlich Begeisterung. Pfeilschnelles Riffing traf auf klassisches Geshoute – wenn man die Augen schloss war es wieder 1989. Bei mir – als Thrash-nur-selten-Hörer – sorgten die Verlockungen der CD-Stände dafür, dass ich nach ein paar Stücken Pizza noch einige weitere CD-Käufe tätigte.

POLTERGEIST

Auch wenn ich die Band seit über 20 Jahren höre, hatte ich SKYCLAD bis dahin noch nie live gesehen. Ich muss gestehen, dass ich erleichtert war, an diesem Abend nicht nur neueres Material zu hören. Tatsächlich wurden nur Lieder der ersten fünf Alben gespielt. Die Stimmung steigerte sich Stück für Stück und erreichte bei Just What Nobody Wanted, The Widdershins Jig, Spinning Jenny und dem Rausschmeißer Thinking Allowed ihren Höhepunkt. Kevin Ridley präsentierte sich als grundsympathischer Frontmann, der mit der Banddiskographie zwar gelegentlich durcheinander kam, dafür aber stimmlich bestens aufgelegt war.

Bei OMEN wurde es vor der Bühne schließlich wieder richtig voll. Die Band feierte den 30. Geburtstag ihres Debüts Battle Cry, wozu passenderweise Ur-Schlagzeuger Steve Wittig mit an Bord war. Ich schonte meine Kräfte, zumal ich OMEN lieber als hungrige Band anno 1997 mit zwei Gitarren in Erinnerung behalte, wie sie seinerzeit FATES WARNING die Show stahlen. Für Nostalgiker war der Auftritt beim METAL ASSAULT freilich ein gewohnt tolles Vergnügen. Nachdem die Band in den letzten Jahren häufiger in hiesigen Landen live aktiv gewesen war, lockerten dieses Mal alte Nummern wie Be My Wench, Bring Out The Beast und The Axeman das Geschehen auf. Zwischendurch gab es mit Hammer Damage auch noch einen neuen Song sowie natürlich ein paar andere Bandklassiker (Termination! Teeth Of The Hydra!). Von den Besuchern gab es dafür reichlich Beifall, auch wenn es zwischendurch diverse Holpler gab.

Zum Abschluss kam dann die Band, wegen der ich überhaupt nach Würzburg gereist war. Nach dem Tod von Mark Reale hatte ich schon befürchtet, die zeitlosen Meisterwerke von RIOT nie wieder live hören zu können. Doch nun waren Mike Flyntz und Don Van Stavern mit ihrer Fortsetzungsband RIOT V am Start – und hatten den Auftritt ganz im Gegensatz zum gewohnten RIOT-Verhalten nicht kurzfristig vorher wieder abgesagt. Allerdings hatten die beiden im Vorfeld den Abgang von Sänger Tony Moore und Terminschwierigkeiten von Bobby Jarzombek zu verkraften. Mit Todd Michael Hall als neuem Sänger schaut die Band nun aber nach vorne. Live war der Gesangsposten sicher kein leichter Job. Einerseits will man keine halbgare Kopie der Originale hören, andererseits sorgt jede allzu große Abweichung von der Vorlage instinktiv für Stirnrunzeln. Insofern war es ein geschickter Schachzug, das Instrumental Narita als Opener zu spielen. So konnte man sich erst einmal mit den anderen neuen (alten) Gesichtern vertraut machen, konkret: Frank Gilchriest (Army Of One, VIRGIN STEELE) am Schlagzeug und Nick Lee (ein langjähriger Gitarrenschüler von Mike Flyntz) an der zweiten Gitarre (beide spielerisch voll auf der Höhe). Bei Fight Or Fall zeigte Todd Michael Hall schließlich, dass er mühelos die hohen Gesangslinien der Thundersteel-Songs reproduzieren kann. Seine Eigenständigkeit blieb dabei auf der Strecke bzw. beschränkte sich auf seine Gel-Frisur, die im Anschluss sicher für mehr Diskussionen gesorgt hat als seine Gesangsleistung.

Das Programm bestand erwartungsgemäß überwiegend aus Songs der Moore/Van Stavern-Ära (Metal Soldiers, Wings Are For Angels, Johnny`s Back, Flight Of The Warrior, Sign Of The Crimson Storm). Im gleichen Fahrwasser bewegte sich auch der neue Song Metal Warrior, der traditionsbewusst dort weitermachte, wo zuletzt I`m Still Your Man aufgehört hatte. Überraschenderweise passte der neue Gesang am besten zu den Songs der ersten drei Alben, wo es weniger auf höchste Höhen und mehr auf das typische Speranza-Feeling ankommt. Beim eher unspektakulären Hard Lovin` Man beerbte Hall ein weiteres Mal Rhett Forrester (wie zuvor bei JACK STARR`S BURNING STARR) und bei Angel Eyes zeigte sich bedauerlicherweise, aber nicht unerwartet, dass dem neuen Frontmann in tieferen Lagen das Timbre und das Charisma von Mike DiMeo völlig fehlen. Mit Stücken wie Bloodstreets, Road Racin` und Warrior machten RIOT V gegen Ende hin aber wieder alles richtig und wurden entsprechend abgefeiert. Natürlich waren kurz vor Mitternacht nur noch etwa die Hälfte der insgesamt wohl gut 1000 Besucher aufnahmefähig. Insgesamt war der Auftritt von Flyntz, Van Stavern & Co. sicherlich sehr gut, was angesichts des herausragenden Songmaterials und der satten Vollbedienung (19 Songs!) auch kein Wunder ist. Ich bin mir bislang noch nicht ganz sicher, warum mich das Ganze nicht restlos begeisterte. Vielleicht lag es an der nachlassenden Kondition meinerseits. Vielleicht waren es die Erinnerungen an die Auftritte mit DiMeo, die im Laufe der Jahre unrealistisch rosig geworden sind. Vielleicht waren es die ständigen, unvermittelt eingeworfenen Mitsingspielchen?

RIOT

Insgesamt hatte fast jede Band ihre eigene Art, das Publikum anzusprechen. Mir persönlich gefielen die Engländer gut; sowohl JAGUAR als auch später SKYCLAD waren locker und entspannt drauf, wobei sie einfach nur ihren Spaß hatten. Das prollige Gebrüll von OMEN war ich von früheren Auftritten her bereits gewohnt, konnte aber immer noch nichts damit anfangen. Und das ständige Schwanken zwischen selbstverliebtem Gehabe und bescheidenem Geschichtsbewusstsein bei RIOT V fand ich zumindest zweifelhaft, da die Band ihre Zukunfstauglichkeit erst noch unter Beweis stellen muss.

Alles in allem war das vierte METAL ASSAULT somit ein unterhaltsames Ereignis mit verschiedenen Highlights für das ganze Publikum. Es wirkte tatsächlich wie ein kleines Geschwisterchen des KEEP IT TRUE-Festivals, wobei es davon profitierte, nicht in der Pampa, sondern direkt beim Hauptbahnhof und entsprechend in Laufnähe zu Hotels, Einkaufs- und Essmöglichkeiten stattzufinden. Außerdem war der Sound insgesamt zumindest ordentlich und die Gesamtorganisation praktisch einwandfrei.

Jutze
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