DOOM SHALL RISE VII am 09. und 10. April 2010 in der Chapel in Göppingen

Das DOOM SHALL RISE ging in die siebte Runde. Nachdem mir letztes Jahr ein Holland-Urlaub dazwischen kam, sollte also dieses Jahr meine DSR-Premiere werden. Unter Mithilfe von unserem Redaktions-Chefdoomer und DSR-Mitveranstalter Frank kamen wir direkt in der Göppinger Innenstadt unter und nutzen die freie Zeit vor dem Festivalbeginn an beiden Tagen zum Geocachen in Göppingen, wobei wir einige interessante Sehenswürdigkeiten der hübschen, kleinen Stadt kennenlernten. Doch zurück zum Festival. Die Versorgung mit Getränken und Essen wurde zu akzeptablen Preisen in und vor der Chapel gewährleistet. Zwischendurch bestellte ich dann auch mal eine scharfe Rote, nur um enttäuscht festzustellen, dass es sich nur um eine Wurst handelte, was wiederum den Kurs von zwei Euro fünfzig erklärte.

Was das Billing anging konnte das DSR dieses Jahr mal wieder mit einigen Hochkarätern – für mich vor allem ISOLE und MOURNING BELOVETH – sowie im Nachhinein THE 11TH HOUR, JEX THOTH und DIE Überraschung NOMAD SON aufwarten, musste allerdings auch gleich vier Absagen hinnehmen, zwei davon ziemlich kurzfristig. Besonders die Absage des Samstags-Headliners IRON MAN war natürlich schmerzhaft, wurde aber, soviel sei schon mal verraten, durch einen saustarken Auftritt von MIRROR OF DECEPTION zumindest teilweise kompensiert. (agony & ecstasy)

Freitag, 09. April 2010

SEAMOUNT

DSR
Guter Auftritt, trotzdem ein wenig enttäuschend – SEAMOUNT

Die Aufgabe, das diesjährige DOOM SHALL RISE zu eröffnen, wurde den Würzburger Doom Rockern SEAMOUNT zu Teil. Da ich mich im Vorfeld des Festivals natürlich ein bisschen mit den angekündigten Bands beschäftigt hatte, bin ich dem Auftritt eigentlich mit der freudigen Erwartung entgegen gegangen, es hier mit dem optimalen Opener für das Festival zu tun zu haben. Nur leider schien die Band es sich in den Kopf gesetzt zu haben, sich eher auf den entspannten Aspekt ihres Doom/Hardrock Gemisches zu konzentrieren. An den sehr doomigen, anscheinend dem ntodrm Album entnommenen, Songs gibt´s eigentlich nicht viel zu meckern, nicht das ich hier falsch verstanden werde. Aber, ganz davon abgesehen, dass diese mir persönlich einfach besser gefallen, wäre es nicht deutlich cleverer gewesen, dem Publikum zum Festivalauftakt mit ein paar schweren, fetzigen Rockern ordentlicher einzuheizen? Stormchaser, That Witch (vom Light II Truth Album) und Torch of Doom fanden jedenfalls nicht nur bei mir den größten Anklang, auch wenn viele prägnante Lead Elemente in Erstgenanntem vom noch nicht ganz optimalen Spund verschluckt wurden. Dass die Band auf der Bühne auch überwiegend kaum mehr als Standfußball präsentierte und sich nicht besonders um Publikumsinteraktion scherte, machte den Auftritt auch nicht gerade überzeugender. Immerhin klang Sänger Phil Swanson, übrigens sehr sympathisch mit Brille auf der Nase, live deutlich weniger Ozzy-like als auf Platte, sondern stimmlich ne ganze Ecke kräftiger. Das mögen jetzt harte Worte für einen eigentlich ziemlich guten Auftritt sein, aber da spielt halt auch eine nicht unerhebliche Portion persönlicher Enttäuschung mit rein. (Angel of despair)

GARDEN OF WORM

DSR
REVEREND BIZARRE für Arme – GARDEN OF THE WORM

Nach dem passablen Start, den SEAMOUNT hingelegt hatten, folgte dann auch direkt der musikalische Tiefpunkt mindestens des ersten Festivaltages: die Finnen GARDEN OF THE WORM konnten mit ihrem recht traditionellen und minimalistisch arrangierten Doom nicht wirklich überzeugen. REVEREND BIZARRE für Arme kam mir bereits nach wenigen Minuten in den Sinn. Der Gesang erinnerte stimmlich durchaus ein wenig an die Landsmänner, war jedoch durch und durch uncharismatisch und vor allem immer wieder mal derbe neben der Spur. Der Versuch, die Musik durch einige etwas vertracktere Elemente aufzupeppen, wollte auch nicht wirklich gelingen, dazu war die Instrumentalfraktion einfach nicht tight genug. So plätscherte die Musik mehr oder weniger vor sich hin und riss einen ab und zu durch all zu auffällige Ausrutscher aus den Gedanken. (danielw)

THE 11TH HOUR

DSR
Eine mächtige Death Doom-Wand – THE 11TH HOUR

Was ich im Vorfeld online von THE 11TH HOUR gehört hatte, klang vielversprechend. Dementsprechend freute ich mich auf die Band um Ed Warby und Rogga Johansson. Letzterer war allerdings beim DSR nicht am Start, die Growls übernahm dafür Pim von OFFICIUM TRISTE, der seinen Job absolut überragend erledigte. Seine mächtigen Growls waren absolut atemberaubend und gingen durch Mark und Bein. Ed Warby übernahm Gitarre und Klargesang und gab sich auch auf fremden Posten keine Blöße. Apropos Gitarristen, davon hatten THE 11TH HOUR gleich drei Stück an Bord, was für eine fette Riffwand sorgte, die immer wieder von melodischen Leads durchbrochen wurde. Von diesen hätte es meiner Meinung nach auch gerne noch ein paar mehr sein dürfen. Ergänzt wurde das ganze durch atmosphärische Synthies und Pianoklänge vom Band welche der  Death Doom-Wand den letzten Schliff gaben. Mit dieser starken Performance verwiesen THE 11TH HOUR die beiden voran gegangenen Bands ganz klar auf die Plätze und ernteten auch im Publikum die bisher besten Reaktionen was sich später auch am Merchandise-Stand deutlich bemerkbar machte. (agony & ecstasy)

ISOLE

DOOM
Wenig neuere Songs, stimmlich nicht ganz auf der Höhe, trotzdem super – ISOLE

ISOLE galten für mich als absolut sichere Nummer, sie waren bei diesem Festival quasi auf Nummer eins gesetzt, nachdem sie mit ihrem epischen, von mehrstimmigem Gesang geprägten Doom bislang stets restlos begeistern konnten. Zwar legten die Schweden immer noch einen starken Auftritt hin, der einen großen Teil der restlichen Bands blass aussehen ließ. Dennoch schaffte es das Quartett aus Gävle zum ersten Mal, mich ein kleines bisschen zu enttäuschen.

Einen entscheidenden Anteil daran hatte die Songauswahl, bei der man sich allzu sehr auf die klassischeren Songs der ersten beiden Alben konzentrierte, anscheinend in dem Glauben, das neuere Material würde bei einem Publikum, wie es auf dem DOOM SHALL RISE anwesend ist, nicht ankommen. So wurde von den beiden letzten Alben, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, nur jeweils ein Song gespielt. Nun sind die ersten ISOLE-Alben ja alles andere als schwach – aber eine fast identische Setlist hat man von der Band in der Vergangenheit eben schon oft genug gehört, und so einige neuere Perlen kamen dadurch leider nicht zum Zug.

Hinzu kam, dass Gitarrist und Sänger Crister diesmal stimmlich nicht ganz auf der Höhe war. Die gewohnte Perfektion des zweistimmigen Gesanges gab es diesmal leider nicht zu bestaunen. Trotz allem für mich der Höhepunkt des ersten Festivaltages. (danielw)

40 WATT SUN

DSR
Die Erben von WARNING – 40 WATT SUN

Tja, welcher Doomer hat diesem Augenblick nicht entgegen gefiebert? Dass Patrick Walker nach dem tragischen Ende von WARNING schon etwas Neues in der Hinterhand hatte, war ja bereits bekannt. Doch was genau sich hinter dem nebulösen Namen 40 WATT SUN verbirgt, war bis zu diesem Augenblick vollkommen ungewiss. Und nur wenige Augenblicke nach diesem Augenblick dürfte jedem Anwesenden jedoch klar gewesen sein: WARNING sind nicht tot, sie haben sich nur umgezogen. Man könnte lediglich den Eindruck gewinnen, dass der Sound ein bisschen konzentrierter geworden ist, aber das sind letztendlich nur Nuancen. Es sind nach wie vor die stoisch vor sich hin kriechenden, warm hallenden Akkorde, die zauberhaften Melodien und das gefühlvolle Bassspiel, welche einen auf einer Welle von Gefühlen davon treiben ließen. Und über all dem thronte der ergreifende Gesang Patrick Walkers. Er war es, der einen in emotionale Sphären trug, von denen man vor dem ersten Kontakt mit diesem nicht einmal wusste, dass sie existieren. Niemand, aber auch niemand, transportiert mit seiner Stimme ein derart aufrichtiges Gefühl von tiefster Trauer. Jedes Wort ist erfüllt von einer Ehrlichkeit, die es unmöglich macht, sich der Botschaft der Texte zu entziehen, fast so, als spiegelten sie die eigene Gefühlswelt wieder. Da bleibt kein Auge trocken. Oder vielleicht doch? Für diesen Fall hatten 40 WATT SUN ein ganz besonderes Schmankerl in der Hinterhand: das von Seiten des Publikums mehrfach geforderte Footprints, den besten Song des vielleicht besten Doom Metal-Albums dieses Jahrzehnts (ich spreche hier von Watching From A Distance von WARNING). Und die halbe Chapel sang mit. Unbeschreiblich. Pure Magie. Sinnlos zu versuchen, es in Worte zu fassen. DAS musikalische Highlight des gesamten Festivals. Meiner Ansicht nach. Weniger ergebene Fans könnten vielleicht bemängeln, dass die Lieder sich einander sehr stark ähnelten, dass Patricks Gesang weinerlich sei und sowieso nicht viel auf der Bühne los war. Tu ich aber nicht. Alles Spießer. (angel of despair)

MOURNING BELOVETH

DSR
Iren mit grünem Licht – MOURNING BELOVETH

So langsam machte sich dezente Müdigkeit breit, doch MOURNING BELOVETH sollte es gelingen, noch einmal die letzen Reserven zu aktivieren. Um viertel nach zwölf legten die Iren mit The Sickness, dem Opener des letzten Albums A Disease For The Ages los. Dazu gab es, passend zur Band von der grünen Insel grünes Licht. Und was tat es? Es leuchtete grün! Später sollte es aber auch noch andere Farben geben, nur falls das irgendjemanden interessiert. Inzwischen war es etwas leerer in der Chapel geworden. Viele Songs würden MOURNING BELOVETH heute nicht bieten, nach dem zwölfminütigen Opener folgte bereits der Viertelstünder The Apocalypse Machine vom Vorgänger A Murderous Circus welchen Sänger Darren gleich zwei Mal ansagte. Auch die restlichen Songs bewegten sich längentechnisch in ähnlichen Dimensionen, so dass die Stunde Spielzeit für gerade mal sechs Songs reichte wobei MOURNING BELOVETH alle vier Studioalben mit mindestens einem Song berücksichtigten. Das Stageacting der Iren beschränkte sich zwar größtenteils auf einen der Gitarristen, aber auch so verfehlten die ausladenden Kompositionen der Iren ihre Wirkung nicht und mobilisierten, zumindest bei mir noch mal, die letzten Reserven. Vielleicht wäre eine eher in Richtung Power Doom tendierende Band als Headliner wirkungsvoller gewesen, doch für mich waren die Iren neben NOMAD SON und ISOLE ganz klar das Highlight des ersten Tages. (agony & ecstasy)

Samstag, 10. April 2010

CALLIOPHIS

DSR
Ließen ordentlich die Sau raus – CALLIOPHIS

CALLIOPHIS hatten dann zu Beginn des zweiten Tages die Aufgabe, die erkrankten Saudis von GRIEVING AGE würdig zu vertreten. Über das mit der Würdigkeit könnte man jetzt streiten, aber einen guten Job machten die Jungs aus Chemnitz, die sich über ihre spontane Chance sowas von einen abgefreut haben, auf jeden Fall. Schön grimmiger, bitterer Death Doom mit ganz leichtem Funeral Einschlag war angesagt. Da wo am Vortag THE 11TH HOUR und  MOURNING BELOVETH gelegentlich melancholische Melodien in ihren Sound eingebettet hatten, prügelten CALLIOPHIS einem zäh dröhnend ein Zeitlupenriff nach dem anderen um die Ohren. Sanfte Töne? Fehlanzeige. Dafür, und das trifft man nun recht selten, bewiesen sie, dass sie auch die Sau raus lassen und mächtig rocken können. Gerade dieser Moment zeigte, dass man es hier mit einer sehr tighten Truppe zu tun hat, die noch die eine oder andere Schandtat vor sich hat. Darüber hinaus wusste Sänger Thomas mit seinem sehr kraftvollen Gesang vollends zu überzeugen. Leider hatten CALLIOPHIS das Pech, im diesjährigen Billing von derart starker Konkurrenz eingerahmt zu sein, dass ihr simpler, aber kompetent und leidenschaftlich dargebrachter, Sound einen gewissen Eindruck von Beliebigkeit hinterließ. (angel of despair)

SHEVER

DSR
Böse, finster und abgründig – SHEVER

Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse Mädchen spielen auf dem DSR.  Oder so ähnlich. Zumindest zählt der Death/Funeral Doom, den SHEVER auffuhren, zum bösesten, finstersten und abgründigsten, was unterhalb der Drone Grenze zu finden ist. Oder sollte man ehr sagen, versuchten aufzufahren? Denn bevor es richtig losging, streikte erst mal die Technik. Das war zum Glück aber schnell in Ordnung gebracht, so dass es flott, oder eher kriechend, weitergehen konnte. Dabei begann das alles noch vergleichsweise harmlos. Zunächst noch ohne Sängerin Alex  stimmten Gitarristin Jessica und Bassistin Nadine einen beschwörenden Chor Gesang an und bauten mit hypnotisch schleppenden Riffs eine dichte und, trotz der frühen Stunde, finstere Atmosphäre auf. Mit Alex´ Aufkreuzen, und vor allem ihrer rastlosen, hibbeligen Performance, wandelte sich das Bild dann aber. Ihr rastloses, wütendes und gleichzeitig verzweifeltes Gebrüll verpasste dem Sound eine neue, viel unbequemere Dimension. Da ist nicht viel mit sich-fallen-lassen und dergleichen. Viel eher ließen sich die massiven Riffs in einen selbst fallen und zerfraßen einen, gleich einer Woge von Finsternis, welche von der Bühne schwappte, aufgepeitscht durch das prägnante Bassspiel. Da wird in Dilirio selbst ein lockerer BLACK SABBATH-Groove zu etwas unfassbar Fiesem verdreht. Zwar brauchte man auf Dauer nicht auf kleine Auflockerungen, etwa in Form klarer Gesangspassagen oder, von Nadine eigens auf die Bühne dargebrachten, eingestreuten Geigenklängen, zu verzichten, aber sich von diesen Farbtupfern blenden zu lassen wäre Augenwischerei gewesen. Durch sie wurde das schwere, monoton hypnotische Riffing lediglich kontrastiert und wirkte so nur noch zermürbender. Lediglich der letzte Song Hagazussa vermochte mich mit seinen leicht lärmigen Ansätzen nicht ganz so vom Hocker zu reißen. Aber kann ja auch nicht immer trist vor sich hindoomen, gerade wenn die Band an sich, wenn man das gut gelaunte Gebaren zwischen den Liedern und später am Merch Stand bedenkt, gar nicht mal so ein miesepetriger Haufen zu sein scheint. An der Performance der Mädels gab es dagegen absolut nichts zu meckern. Die Band fuhr genau den richtigen Mittelweg zwischen dem Ausdruck kraftvollen Death Metals und schwerer Doomigkeit. Definitiv eines der diesjährigen Highlights. (angel of despair)

UNSILENCE

UNSILENCE gehören zu den Bands, die ich schon seit Jahren mal live sehen wollte, bei denen ich aber zugleich ein bisschen Angst hatte vor dem, was mich erwarten würde. Das liegt schlicht daran, dass Gitarrist James Kilmurray, der vor einigen Jahren auch noch die nach dem Ausstieg von Andrew Hodson vakante Sängerposition übernahm, mich auf den bisherigen Aufnahmen ganz und gar nicht überzeugen konnte.

DSR
Trotz kleiner Makel ein solider Auftritt – UNSILENCE

Nun standen die Briten also auf der Bühne der Chapel und machten ihre Sache besser als erwartet. Klar, das Stageacting war sehr minimalistisch und muss in Zukunft definitiv verbessert werden. Ein Sangesgott ist James Kilmurray über Nacht auch nicht geworden. Er konnte jedoch größtenteils überzeugen und scheint an seinem Gesang viel gearbeitet zu haben. Die Setlist enthielt außerdem die eine oder andere Perle, wobei UNSILENCE immer dann am stärksten waren, wenn sie mit ihren drückenden Gitarrenriffs und Melodien ein wenig an die Landsmänner von SOLSTICE erinnerten. Keine Offenbarung, aber auch nicht die befürchtete Katastrophe, sondern ein solider Auftritt mit Raum für Verbesserungen. (danielw)

KODIAK

Das zahlreiche traditionelle Publikum verunsicherte KODIAK ein wenig, doch eigentlich ganz zu Unrecht. Denn obwohl die Drone Doom-Band aus Essen polarisierend wirkte und einige Zuschauer die Chapel verließen, KODIAK haben bewiesen, dass ihre Version des Doom tief unter die Haut geht. In kaltem Blau und mit viel Nebel eingelullt, legte sich ein langsames Dröhnen über die Anwesenden. Da konnte man glatt vergessen, dass draßen die Wolkendecke ein wenig löchriger wurde. Immerhin, die Atmosphöre, die KODIAK aufbauten, wurde von keiner anderen Band des Festivals übertroffen.

DSR
Atmosphärischer Doom, der unter die Haut geht – KODIAK

Ihre zwei Stücke, einmal von der aktuellen Split mit BLACK SHAPE OF NEXUS, einmal vom selbstbetitelten Debütalbum befanden sich in der Schnittmenge zwischen wunderschön und albtraumhaft. Immer ein konkretes Ziel vor Augen, aber doch verspielt, gab es eine Dreiviertelstunde intensivsten Drone, brodelnd, dann wieder leicht groovend, mit verschiedensten Effekten unterlegt. So wechselte Bassist Tommy während stehender Töne auch wieder an die Gitarre, um ein komplexeres Gesamtbild zu erlangen. KODIAK lieferten eindeutig einen starken Auftritt ab, vor allem für Freunde weniger traditionellen Dooms. Das, was OMEGA MASSIF und BLACK SHAPE OF NEXUS 2009 waren, haben KODIAK auf einmal abgeliefert. Gänsehaut.
(Captain Chaos)

RITUALS OF THE OAK

DSR
Trotz Erkältung stimmlich voll auf der Höhe – Sabine von RITUALS OF THE OAK

Nach dem vorangegangenen extremen Stoff sollte es im Anschluss mit RITUALS OF THE OAK deutlich melodischer und weniger anstrengend weiter gehen. Der Doom vom fünften Kontinent war episch und erinnerte ein wenig an eine relaxte Version von SOLITUDE AETURNUS. Es war schon überraschend, wie entspannt man diese Art von Doom auch vortragen kann, vor allem nachdem die Band vorher zum Soundcheck noch mit einem kurz angespielten FATES WARNING-Cover ganz andere Töne anschlug.

Besonders herausragend war dabei die Gesangsleistung von Sabine Hamad. Sie wusste mit gefühlvollem, mittelhohem Gesang zu verzaubern, demonstrierte aber auch immer wieder mal, dass sie auch mit klassischem Metalgesang problemlos zu begeistern weiß. Dass die gute Frau an diesem Wochenende mit einer fetten Erkältung zu kämpfen hatte, merkte man ihr bei diesem Auftritt jedenfalls zu keiner Sekunde an. Die Wirkung, die ein erfolgreicher Auftritt auf dem DOOM SHALL RISE  haben kann, haben die Australier aber wohl unterschätzt. Die wenigen Exemplare ihres Albums Hour Of Judgement am Merchandising-Stand waren viel zu schnell ausverkauft, so dass so mancher leer ausging, der vom starken Auftritt der Band angefixt wurde. (danielw)

NOMAD SON

DSR
 DIE Überraschung des Festivals – NOMAD SON

Nachdem RITUALS OF THE OAK schon ziemlich abgeräumt hatten, kam die Band, die irgendwie keiner von uns so richtig auf der Rechnung hatte. Klar, die Hörproben auf MySpace klangen schon mal ziemlich gut, doch NOMAD SON räumten dermaßen ab, das hatte keiner von uns erwartet. Die Malteser, welche als erste Band des Festivals mit einem Keyboarder auftraten, legten pünktlich um zehn vor acht los. Und wie! Kraftvoller Power Doom, garniert mit Hammond-Orgel Sounds, die dem Ganzen manchmal fast etwas sakrales gaben. Dazu die Reibeisen-Stimme von Frontmann Jordan Cutajar, der mich hier und da sogar an David Wayne (R.I.P.) erinnerte. Und auch die Performance der Musiker war entsprechend spiel- und bewegungsfreudig. Jordan animierte zwischendurch immer wieder das sowieso schon mächtig steil gehende Publikum, immer wieder luden treibende Uptempo-Parts zum gepflegten Abschädeln ein. Meine Fresse, das war definitiv eine Überraschung und eines der Highlights des Festivals! (agony & ecstasy)

DOOMSHINE

DSR
Veröffentlichen bald endlich ihr zweites Album – DOOMSHINE

DOOMSHINE hatten ja die Ehre, das allererste DOOM SHALL RISE-Festival zu eröffnen, damals, im Jahr 2003. Nun waren sie also wieder am Start und legten einen guten Auftritt hin, auch wenn man sie schon mal stärker gesehen hat. Der sehr melodische Epic Doom der Schwaben konnte wie eh und je begeistern, auch wenn Frontmann Timmy nicht immer bestens bei Stimme war. Halb so schlimm, schließlich half ihm zumindest beim Monster Where Nothing Hurts But Solitude der maltesische Chef-Doomer Leo, seines Zeichens Sänger von FORSAKEN, der vorher in der ersten Reihe ordentlich abrockte. Das war stark, kam aber wenig überraschend, durfte ich diese Einlage doch bereits beim gemeinsamen Auftritt der beiden Bands im FZW in Dortmund bewundern. Ansonsten waren DOOMSHINE sympathisch und humorvoll wie eh und je. Und wenn sie das nächste Mal auf dem DOOM SHALL RISE spielen, dann gerne auch mit Album Nummer zwo im Gepäck. (danielw)

MAGMA RISE

DSR
Heavy Rock statt Doom und trotzdem gut – MAGMA RISE

Die Ungarn MAGMA RISE waren dann irgendwie nicht so richtig Doom, man tendierte eher in Richtung Heavy Rock, teilweise klang das Ganze fast wie eine gebremste Version von VOLBEAT, wozu auch Sänger Gábor Holdampf beitrug, der definitiv ein gewisses Poulsen-Timbre in der Stimme hatte. Davon mal abgesehen rockten MAGMA RISE aber ordentlich drauf los und nahmen es auch mal locker, als sie bei einem Song den Einsatz verpassten. Die einfach gestrickten, riff- und groovebetonten Songs waren auf jeden Fall nicht das verkehrteste zu diesem Zeitpunkt und so waren die Ungarn zwar sicher keines der Highlights des diesjährigen DSR, aber eine willkommene Abwechslung. (agony & ecstasy)

JEX THOTH

DSR
Ganz großes Kino – JEX THOTH

An JEX THOTH lag es nun, die Ehre der US Bands, von denen bis auf jene alle abgesagt hatten, zu retten, wofür sie dank der kurzfristigen Absage von IRON MAN auch gleich ein bisschen Zeit extra zur Verfügung gestellt bekamen. Und die wurde auch vollstens genutzt. Schon mit den ersten Tönen zeigte die Band, zunächst noch ohne Sängerin Jex, dass sie anders ist als die Bands, die man an diesem Wochenende schon bestaunen durfte. Zum einen war da die enorme Bewegungsfreude, welche lediglich hinter der von ISOLE zurückstecken musste. Auch die Verwendung des Tastenbrettes wurde hier auf ein ungewohntes Level getrieben. Und zu guter Letzt kamen auch die Freunde knarzigen Schnodderdooms endlich mal auf ihre Kosten. Denn dieser war eine wahre Wonne. Man kann sich das in etwa so vorstellen, als hätten sich  ELECTRIC WIZARD auf einem wirren Trip zwischen  DEEP PURPLEs Fireball und BLACK SABBATHs Vol. 4 in den 70ern verirrt. Dazu fegte Keyboarder Clay wie in Trance über die Tasten und prägte das Ganze mit psychedelischen Klängen. Wobei dieser exzentrische Sound anscheinend nicht allen zugesagt hat, wie man anschließend hat unken hören, wovon ich für meinen Teil aber nicht wirklich etwas mitbekommen habe. Ich war viel zu sehr damit beschäftigt, mich aus den Fängen von Mrs. Thoth zu winden. Die Band war ja aus rein musikalischer Perspektive schon ein echtes Highlight, aber die Darbietung dieses Höllenweibes setzte der Chose die Doom-Krone auf. Nicht nur, dass sie eine begnadete Sängerin ist, welche auch den Vergleich mit namenhaften Größen angesagter Musikgenres nicht scheute. Nein, da auf der Bühne stolzierte die geborene Frontfrau. Mal kühl und distanziert, mal geheimnisvoll und zurückhaltend und auch mal lasziv und verträumt verkörperte sie perfekt die Stimmungen der Lieder, als hätte man da eine leibhaftige Hexe vor sich auf der Bühne. Ganz, ganz großes Kino. (angel of despair)

MIRROR OF DECEPTION

DSR
Brachten die Lebensgeister noch mal zurück – MIRROR OF DECEPTION

Mit MIRROR OF DECEPTION spielte die Band von Mitveranstalter Jochen Fopp als letzte Band anstatt der ausgefallenen IRON MAN. Und das schwäbische Doom-Kommando sollte sich als würdiger Ersatz erweisen und lieferte eine engagierte und mitreißende Performance ab. Auch Sänger Siffi lieferte eine astreine Leistung ab, das hatte ich vom DAYS OF DOOM in Dortmund vor ein paar Jahren nicht ganz so prall in Erinnerung. Mit ihrem energetischen Power Doom sorgten MIRROR OF DECEPTION noch mal richtig für Stimmung zur späten Stunde. Während ich bei JEX THOTH trotz der unbestreitbaren Geilheit des Auftritts stehend K.O. war, brachten MOD die Lebensgeister noch vehementer zurück als MOURNING BELOVETH am Vortag. Das bekamen allerdings nicht mehr alle Besucher mit, denn nach JEX THOTH war das Festival für viele gelaufen und manch einer machte sich auf den verfrühten Heimweg. Jene, die ausharrten, bekamen allerdings das volle Brett, inklusive des vermutlich ersten Doom-Songs auf schwäbisch, DAS nenne ich mal kauzig. Gegen Ende des Auftritts zollten dann auch wir dem langen Wochenende Tribut und verließen die Chapel, während MIRROR OF DECEPTION die siebte Auflage des DOOM SHALL RISE würdig beschlossen. (agony & ecstasy)

Fotos: Daniel Westheide

Fotos ISOLE und Titelbild: Markus Veyhle

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.