DOOM SHALL RISE III: Der Festivalbericht

DOOM SHALL RISE III: Der Festivalbericht

Das Festival

Freitag, 15. April 2005

Lahar | Well of Souls | The River | Mirror of Deception | Warning | Thunderstorm

Samstag, 16. April 2005

Gorilla Monsoon | Rising Dust | Isole | Burning Saviours | The Gates of Slumber | Beyond Belief | Pale Divine | Mar de Grises | Place of Skulls



DOOM SHALL RISE – und das bereits im dritten Jahr! Frank Hellweg und Jochen Fopp haben die Gemeinde wieder zusammengerufen und willig kamen die Disciples of Doom nach Göppingen in die Chapel.

Zum zweiten Mal diente die alte Kirche im Stauferparkgelände des schwäbischen Städtchens als Austragungsort des weltweit größten Doom Metal Festivals und es sollte sich auch in der Wiederholung als ideale Örtlichkeit beweisen. Und das auch bei erhöhtem Kartenkontingent – so hat man die Zahl von 500 auf 600 Wochenendtickets gesteigert, wobei die Chapel mit gut 560 zahlenden Gästen geradezu ideal befüllt war.

Viele Veränderungen zum Vorgängerjahr gab es ansonsten nicht. Die Bands spielten im Altarbereich, im hinteren Teil der Halle boten verschiedene Händler ihr Doom-Angebot an, bei dem man auch einige Raritäten entdecken konnte. Zudem hatte der Grau-Mailorder im Keller-Café Crypta einen Stand aufgebaut. Dort gab es dann auch diverse Getränke und – für viele lebenswichtig – Kaffee. Vor der Chapel gab es einiges leckeres zu Essen – das nicht unbedingt günstig, dafür aber in guter Qualität.

Doom Shall Rise III
Die perfekte Location – die Chapel im Göppinger Stauferparkgelände

Noch nicht ganz ideal ist die Unterbringungsproblematik gelöst. Zwar hatten einige Leute dann doch ihre Zelte auf dem Wiesengelände vor dem Gebäude aufgeschlagen, durch die bereits im letzten Jahr bestehende Problematik war diese Aktion aber eher als kritisch zu sehen. Löblich: um die Zelte herum sah es dieses Jahr recht ordentlich aus, dafür richteten die Auto-Schläfer einen umso größeren Schaden. Ein Haufen Müll, überall verteilte Flaschen und dämliche Späße wie ein Grill nachts mitten in der Straße sind der Grund, dass nächstes Jahr definitiv kein Zelten mehr erlaubt ist. Extrem schade, denn genug Leute haben den Bitten der Organisatoren, entsprechend auf die Sauberkeit auf dem Gelände zu achten, Folge geleistet. Der Rest der Besucher nahm den Weg zu den etwas weiter entfernten Unterkünften gerne in Kauf, auch wenn man ein paar Schritte mehr tun musste. Letztendlich benötigte aber die Chapelcrew länger zum Wegräumen des Drecks um das Gebäude, als die DSR-Crew für den Abbau und die Reinigung der Halle.

Ansonst ist das DOOM SHALL RISE herrlich entspannt organisiert. Man ist einfach da und muss sich nicht mit irgendwelchen Widrigkeiten herumschlagen. Die Toilettensituation ist zu keinem Zeitpunkt bedenklich, lange Wartezeiten in irgendeiner Form gibt es nicht. Wenn man irgendwo anstehen musste, dann allerhöchstens an den umlagerten Verkaufsständen.

Der Sound: zum großen Teil hervorragend, von einigen Ausfällen abgesehen! Das nenn ich vorbildlich. Und die Atmosphäre? Die war bei diesen Rahmenbedingungen selbstverständlich bestens! Angenehmer kann man ein Festivalwochenende eigentlich nicht verbringen.

Wenn es etwas zu beklagen gibt, dann die Tatsache, dass das Billing vielleicht nicht ganz mit den beiden Vorjahren mithalten konnte. Kennt man aber die Schwierigkeiten, mit denen die Veranstalter des DOOM SHALL RISE durch diverse Absagen dieses Jahr zu kämpfen hatten, dann will man sich nicht beklagen. Letztendlich waren auf jeden Fall alle angekündigten Bands vor Ort und die holten das Beste aus sich heraus. Da war definitiv keine Enttäuschung dabei, vielmehr einige sehr angenehme Überraschungen!

Bleibt letzten Endes also die bange Frage: gibt es ein Doom Shall Rise auch im Jahr 2006? Ja, die Veranstalter haben es bereits angekündigt und somit kann man sich schon jetzt auf die vierte Ausgabe des Events freuen!

LAHAR

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Lahar live auf dem Doom Shall Rise 2005
Legten als Festivalopener die Messlatte ordentlich hoch – LAHAR

Die Opener-Bands waren auf diesem Doom Shall Rise wirklich hervorragend gewählt, denn sowohl bei GORILLA MONSOON am zweiten Tag, als auch bei LAHAR war die Stimmung im Publikum schon von Anfang an auf einem Höhepunkt. Die Holländer eröffneten das Doom Shall Rise III mit „Days of Doom“ dann sehr aussagekräftig und gleichzeitig mächtig heftig. Sänger Bert legte mit seinem durchdringenden Organ die Messlatte für das gesamte Festival gleich richtig hoch und wusste auch als Frontmann sehr zu überzeugen. Auffallend sogleich das coole Mikro im 60er-Stil, das Bert für sein Stageacting enorm zweckdienlich einzusetzen wusste. Der Mann lebte seine Musik so richtig aus, legte sich immer voll rein und sank dabei auch mal auf die Knie um den Lyrics Ausdruck zu verleihen. LAHAR sorgten mit ihrem Wechsel aus ruhigen Passagen und schweren Dampfwalzenriffs innerhalb ihrer Songs für reichlich Abwechslung und die von Zeit zu Zeit eingestreuten BLACK SABBATH-Riffs brachten noch den richtigen Groove ins Spiel. Das Ganze wurde vom Publikum begeistert angenommen, Stücke wie „It is Death“, „Terrors in the Whale“ und „The Apocalyptic Machine“ wurden kräftig bejubelt. Und so war dieser Auftritt nicht nur für Bert eine schweißtreibende Angelegenheit. Ein hervorragender Festivalauftakt und die CDs gingen gleich mal weg wie warme Semmeln. So muss das sein. (Fierce)

WELL OF SOULS

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Well of Souls live auf dem Doom Shall Rise 2005
Die Pechsträhne halt an, die Band macht das Beste daraus – WELL OF SOULS

Eigentlich sollte der Auftritt auf dem dritten Doom Shall Rise für WELL OF SOULS ja ein Wendepunkt in der Karriere darstellen. Doch die Band hatte die Rechnung nicht mit sich selbst gemacht. Kurze Zeit vor dem Auftritt hat sich Gitarrist Frank Hellweg eine Sehne im Schultergelenk eingeklemmt und damit er sich diese beim Auftritt nicht komplett kaputt macht, hat ihm der liebe Onkel Doktor auch keine Schmerzspritze verabreicht. Zu Beginn des Gigs kämpfte er zudem noch mit technischen Problemen an seinem Gitarrenkabel und dadurch, dass er die Songs leicht anders spielen musste, fiel es nicht immer leicht, die Stücke sofort zu erkennen. Die technischen Probleme legten sich dann schon nach kurzer Zeit und auch der Sound wurde besser, wodurch allmählich Fahrt in die Show kam. Vor allem Sänger Petro wirkte hochmotiviert und ließ sich durch gar nichts beirren, auch wenn er mit der Doppelrolle Bassist/Sänger stellenweise doch etwas überfordert schien. Schon beim zweiten Song gab es dann die große Überraschung: ein neuer Song! „Sunlight Drowns my Sorrow“ kann als Titel ja durchaus positiv bewertet werden und tatsächlich strahlte auch das flotte Stück ansich eine sehr aufbauende Atmosphäre aus. Spätestens bei „Flying“ schienen die Jungs all die Probleme rund um den Gig vergessen zu haben und legten sich so richtig ins Zeug. Wie gesagt war vor allem Petro die treibende Kraft bei diesem Gig und stellenweise schien es, als würde man sich mit einem Lächeln dem eigenen Schicksal ergeben und aus der Not eine Tugend zu machen. So war für Fans der Band klar, dass man den Gig nach „Lost my Way“ eigentlich nur mit der ewigen Bandhymne „Legion of Doom“ beenden könnte. Und so lag der Auftritt letztendlich ganz in der Tradition der Truppe, auch wenn man sich von dieser gerne gelöst hätte. Die Jungs sind eben Vollblut-Doomer… 😉 (Fierce)

THE RIVER

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The River live auf dem Doom Shall Rise 2005
Musik zum Abtauchen – THE RIVER

Die Briten THE RIVER ließen die Gitarren dann wieder ordentlich dröhnen. Doch wie es das Klischee vorgibt – sobald eine Frau auf der Bühne am Mikro steht, wird alles etwas nachdenklicher und gefühlvoller. Sängerin Vicky ist so ein typisches Beispiel einer Frontfrau, die die weibliche Feinfühligkeit mit einem angenehmen Selbstbewusstsein koppelt und die Leute so in ihren Bann zieht. Dennoch wurde recht schnell deutlich, dass die Musik von THE RIVER eher zum darin versinken gemacht ist und nachdem das die Band schon tat, folgte auch das Publikum. Insgesamt war auf der Bühne also etwas wenig los, also nix wie abgetaucht in den Sound der Band und alle Antennen auf Empfang für die Atmosphäre der Musik. Die Mischung aus dröhnenden Gitarrenriffs und ruhigen, sphärischen Teilen passt zu THE RIVER hervorragend, auch wenn man dazu geneigt ist, automatisch wieder mit Vergleichen zu THE GATHERING oder THE THIRD AND THE MORTAL anzukommen. Großer Pluspunkt ist dabei sicherlich die Natürlichkeit, mit der die Truppe rüber kommt und die Power, die in erster Linie von der Gitarrenfraktion erzeugt wird. Die Songs: A Close Study, White Library, Alone with my Thoughts, Amber und Broken Window. (Fierce)

MIRROR OF DECEPTION

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Mirror of Deception live auf dem Doom Shall Rise 2005
Tight wie nie zuvor – MIRROR OF DECEPTION

WOW! Es ist mir ja fast peinlich, aber dies war der erste Auftritt mit dem aktuellen Line-Up, dem ich bislang beigewohnt habe. Und der hat mich wahrhaftig umgehauen. Der Hammer, was die Jungs inzwischen für einen Druck aufbauen. Mit „Bleak“ ging es von Anfang an richtig gut ab auf der Bühne und auch die Leute strömten bei den ersten Tönen nach vorne, um MIRROR OF DECEPTION nach allen Regeln der Kunst abzufeiern. Wirklich erstaunlich, wie die Leute sich mitreißen ließen und man sich gegenseitig aufputschte. „Asylum“ folgte und die Stimmung war schon auf einem Hochpunkt. Ja doch, diese „neuen“ MIRROR OF DECEPTION spielen tatsächlich unglaublich gut zusammen und vor allem die Kombination „Siffermann/Müller“ funktioniert auch live prima. „Entgleiten“ stand als nächstes auf dem Programm, dem „Ship of Fools“ folgte, das bereits jetzt zu den Highlights eines MIRROR OF DECEPTION-Konzerts gehört. Hier merkte man ganz besonders, was die Truppe für eine Energie auf die Bretter bringt und was für eine Power auf das Publikum losgelassen wird. Unglaublich gut dann der Übergang zu „Deception Island“, der kaum bemerkt wurde und jetzt trumpften Siffi und Josef nochmal so richtig auf. Da wird gesungen, da wird geschrien und Michael hat sich ohnehin zu einem Hammer-Frontmann entwickelt, dem man gerne kleine Ausrutscher gönnt. Seine Ausstrahlung ist ungebrochen. „Vanished“ brachte dann etwas Ruhe in den Gig und auch die BATHORY-Coverversion „Ode“ – Quorthon gewidmet – konnte den Stimmungspegel der ersten Stücke nicht ganz halten. Von lautstarken Zugaberufen wollte dennoch keiner absehen und so kamen MIRROR OF DECEPTION einmal mehr auf die Bühne um ihren ewigen Hit „Weiß“ zum Besten zu geben. Die Emotionen kochten also noch mal hoch und dann war es auch schon vorbei. Fazit: vor einem entsprechend großen und eingeschworenen Publikum regieren MIRROR OF DECEPTION supreme und in diesem Line-Up ist man zu einer echten Macht erstarkt. Macht weiter so, Jungs! (Fierce)

WARNING

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Warning live auf dem Doom Shall Rise 2005
Lösten eine wahre Euphorie aus – WARNING

Wer glaubte, dass die Schwaben an diesem Abend nicht mehr getoppt werden könnten, der hatte sich reichlich getäuscht. Doch wer hätte denn wirklich geglaubt, dass WARNING auf dem Doom Shall Rise III derart einschlagen könnten. Wer die Truppe als Support von JACK FROST und MIRROR OF DECEPTION vor einigen Jahren erleben durfte, der sah die Engländer in erster Linie als echter Doom-Underground-Geheimtipp an. Beim DSR III schien wirklich jeder mit der Band vertraut zu sein und genauso schien auch jeder genau auf diese Band gewartet zu haben. Wie WARNING diese Begeisterung auszulösen vermochte, wird man einem Außenstehenden kaum plausibel erklären können. Die Jungs spielten ihre traurigen Hymnen in aller ausgiebigen Langsamkeit und zogen die Stücke dermaßen konsequent in die Länge, dass wohl nur eingefleischte Doomer an diesen Endlosschleifen einen Gefallen finden können. Doch schon der Opener „The Return“ rief beeindruckend ins Gedächtnis, was für großartige Melodielinien diese Band zu schreiben in der Lage ist. Schon mit dem zweiten Stück „Footprints“ folgte ein neuer Song, der vielleicht zu einem der besten zählen könnte, den WARNING je geschrieben haben. Was für eine wunderbar traurige und gleichzeitig aufbauende Melodie? Oh Mann war das schön, fast schon wie eine Mischung aus OVERSOUL und WHILE HEAVEN WEPT. Im Gegensatz zu den Amis brachte Pat Walker die Vocals aber exakt und treffsicher, was das ganze umso herrlicher machte. Dass man es bei WARNING dennoch nicht mit totalen Trauerklößen zu tun hat, ließ man vor allem in den Ansagen durchblicken. So stellte Pat auch klar, dass man in bester Laune wäre und gleichzeitig machte sich die Liveabstinenz der letzten Jahre zu keinem Zeitpunkt bemerkbar. Das neue Stück „Watching from a Distance“ folgte und mit „How can it happen?“ schloss man den Set bereits nach vier Songs ab. Was danach passierte ist einfach nur als unglaublich zu beschreiben. WARNING verabschiedeten sich von der Bühne und das Publikum tobte. Selbst die Band hatte wohl nicht damit gerechnet, dass man derart abräumen würde und so machte die Kunde schnell die Runde, dass WARNING keine weiteren Songs mehr eingeprobt hatten. Dennoch – der Applaus hörte nicht auf, wurde im Gegenteil sogar lauter. Mit Flaschen wurde auf die Bühnenbretter geklopft, der ganze Saal tobte. Nach einiger Zeit erschien dann auch Pat wieder auf der Bühne und erklärte, dass man leider keinen Song mehr spielen könne. Damit ließ sich die Meute aber nicht abspeisen und so sah man sich dann doch gezwungen, noch mal die Instrumente in die Hand zu nehmen und ein zweites Mal „The Return“ zu spielen – passender könnte ein Titel wohl nicht sein. Diese Rückkehr gehört zu den Magic Moments, die man als Fan und vermutlich auch als Band nie vergisst. Grandios! (Fierce)

THUNDERSTORM

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Thunderstorm live auf dem Doom Shall Rise 2005
Konnten trotz ihres Einsatzes nicht ganz als Headliner überzeugen – THUNDERSTORM

THUNDERSTORM fungierten bereits 2003 bei der ersten Auflage des Festivals, als Freitags-Headliner. Damals wurden sie dieser Rolle absolut gerecht, hatten aber auch ein vergleichsweise leichtes Spiel, nachdem SEMLAH aufgrund der peinlichen Vorstellung ihres volltrunkenen Sängers Joleni nicht allzu viel reißen konnten. Das war dieses Jahr anders. Nach dem großen Auftritt von WARNING hätte zwar keiner mehr von den sympathischen Italienern erwartet, dass sie noch einen drauf setzen würden. Dennoch war der THUNDERSTORM-Gig eine kleine Enttäuschung. Sicher, die Band mühte sich redlich ab. Fabio klebte nicht am Mikro-Ständer, sondern sorgte ordentlich für Bewegung auf der Bühne, und die Songs des neuen Albums, die die Italiener in ihren Set einbauten, sind starke Doom-Kompositionen, die sich hinter den alten Stücken nicht zu verstecken brauchten – allen voran „Black Light“ und „In My Arms Of Misery“ mit seinen tollen Ohrwurm-Melodien.

Doch wurde bei diesem Auftritt auch deutlich, dass sich die Band in einer kreativen Sackgasse befindet. So fiel schnell auf, dass viele THUNDERSTORM-Songs nach einem sehr ähnlichen, vorhersehbaren Muster gestrickt sind und immer wieder ähnliche, typische Melodien verarbeitet werden. Spannend ist das nicht – im Gegenteil. Zeitweise fiel es sogar schwer, einzelne Songs zu identifizieren, und spätestens das sollte der Band zu denken geben – auch wenn dies teilweise auf den schlechten Sound zurückzuführen sein mag, mit dem die Band selbstverschuldet zu kämpfen hatte. Insbesondere bei den schnellen Songs waren die Rhythmus-Gitarren nur undeutlich zu hören. Auch gesangstechnisch hat man Fabio schon besser erlebt. Die hohen Vocals klangen einfach gepresst und zu dünn, so dass man sich fragt, warum er diesen mittlerweile so häufig einsetzt, wo sich doch auch bei diesem Auftritt zeigte, dass er in mittleren Tonlagen heimisch ist dort und sein ganzes Charisma ausspielen kann. Natürlich mussten THUNDERSTORM um 2 Uhr morgens auch gegen die Müdigkeit der Doomer anspielen. Gründe dafür, dass es während des Auftrittes merklich leerer wurde, sollte man also nicht ausschließlich in der Darbietung der Italiener suchen. Dennoch bleibt zu hoffen, dass man THUNDERSTORM in Zukunft in besserer Verfassung erleben darf, denn der eigentliche Headliner an diesem Tag waren eindeutig WARNING. (doomster)

GORILLA MONSOON

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Gorilla Monsoon live auf dem Doom Shall Rise 2005
Rockten den Doom nach allen Regeln der Kunst – GORILLA MONSOON

Die Organisatoren des Doom Shall Rise verstehen es einfach, die richtigen Bands an die so unbeliebte Opener-Stelle zu setzen. Sicherlich wären GORILLA MONSOON auch würdig gewesen, zu einem späteren Zeitpunkt zu spielen, doch schafften sie es mit ihrem rotzigen Sound und ganz viel Rock’n’Roll, die Müdigkeit bei allen Anwesenden hinwegzufegen und vor allem die Chapel bereits zu früher Stunde zu füllen – insofern eine optimale Wahl. Dabei ließen sie sich auch nicht davon beirren, dass es gleich beim zweiten Song zu Problemen mit der Snare-Drum und dem Bass kam. Ersatz war schnell zur Hand, und in der Zwischenzeit gab man einfach einen Soundtrack zum Kiffen zum Besten in Form von sphärischen, effektbeladenen Gitarrenklängen. Weiter ging es dann mit einer mitreißenden Mischung aus CROWBAR und ENTOMBED, mal flott rockend, mal doomig kriechend, immer aber mit einer Unmenge an Spielfreude, wie sie keine andere Band des Festivals an den Tag legte. Da störte es auch nicht weiter, dass der Sound zunächst etwas unausgewogen war – der Bass dröhnte etwas zu laut, während der rotzige Schreigesang von Jack Sabbath ein wenig in den Hintergrund gemischt war. Die Dresdner, meisterliche Poser im positiven Sinne, hatten das Publikum, das nach kurzer Aufwärmphase richtig abging, richtig gut im Griff. Highlights des Sets war das viel bejubelte „Codeine Commander“ von der aktuellen Demo-CD „Demonstrating Heavieness“. Die Band räumte mit ihrem einfachen, aber effektiven Doom-Rock’n’Roll dermaßen ab, dass sogar noch eine Zugabe drin war in Form von „Born To Lose“. Schade für die Christstollen-Doomer, dass die Split-Single mit WEED IN THE HEAD noch nicht erhältlich war, denn mit diesem energiegeladenen Auftritt hat man sich sicherlich eine Menge neuer Fans erspielt. Eine der Überraschungen des Festivals! (doomster)

RISING DUST

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Rising Dust live auf dem Doom Shall Rise 2005
Konnten das Publikum nicht an sich binden – RISING DUST

Als anschließend die Franzosen RISING DUST die Bühne betraten, war es in der Chapel ungleich leerer als beim phänomenalen Gig von GORILLA MONSOON, und die Reaktionen derer, die sich den Auftritt des Trios überhaupt anschauten, waren nicht annähernd so enthusiastisch. Das alles mag daran liegen, dass die von sehr SABBATH-lastigem Riffing geprägte Musik ziemlich eintönig war. Den meisten Songs fehlte es an Wiedererkennungswert, was durch die rhythmische Gleichförmigkeit nicht gefördert wurde. Viele der Stücke waren recht flott und im 6/8-Shuffle-Rhythmus gehalten. RISING DUST rifften unbeirrt vor sich hin, wirkten dabei aber ziemlich ideenlos, und von Ausnahmen wie „Don’t Burn The Witch“ einmal abgesehen waren die Gesangslinien völlig austauschbar. Auch wirkten die Gitarrensoli ziemlich willkürlich, waren oft unpassend und schienen keinesfalls ausgearbeitet worden zu sein. Einziges Erkennungsmerkmal der Band war der Gesang von David, der mit seiner gewöhnungsbedürftigen Stimme ziemlich aus dem Rahmen fiel. Zu mehr als Höflichkeitsapplaus reichte all das jedoch nicht aus. Vielleicht wäre auch mehr drin gewesen, wenn die Band etwas mehr mit dem Publikum kommuniziert hätte, anstatt stur ihre Songs herunterzuspielen. Mit den knappen und nicht immer verständlichen Ansagen gelang es den Franzosen jedenfalls nicht, eine Verbindung zu ihren Zuhörern aufzubauen. (doomster)

BURNING SAVIOURS

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Burning Saviours live auf dem Doom Shall Rise 2005
Groovten Retro in den Nachmittag – Burning Saviours

Die Schweden BURNING SAVIOURS wirkten zumindest optisch wie die jüngste Band dieses Festivals, umso erstaunlicher, dass das Quartett den Retro-gerichtetsten Sound des Festivals boten. Auch kleidungstechnisch ließen die Burschen die 70er aufleben, da müssen ein paar Hippie-Eltern also ganze Arbeit geleistet haben. Besonders düster sind die BURNING SAVIOURS in ihrem Sound nicht. Vielmehr werden viele positiven Vibes verbreitet und gute Stimmung gemacht. Dabei wirkte man allerdings schon etwas nervös und schüchtern, aber auch nett und sympathisch. Nicht negativ gemeint: ich denke da wurden beim weiblichen Publikum durchaus auch Mutterinstinkte geweckt. Musikalisch bot man interessante Songaufbauten, schöne Gitarrenteile und die Riffs gingen schnell ins Ohr. Die besten Momente hatten die BURNING SAVIOURS eigentlich, wenn sie in bester BLACK SABBATH-Manier abrockten und dabei auch noch solierten. Was letztendlich aber trotz vieler guter Ansätze fehlte, war ein richtig überzeugendes Songwriting und ein mitreißendes Stageacting. So waren auch die Publikumsreaktionen ein Stück verhaltener als bei anderen Bands, dennoch wurden die BURNING SAVIOURS positiv aufgenommen und freundlich beklatscht. (Fierce)

THE GATES OF SLUMBER

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The Gates of Slumber live auf dem Doom Shall Rise 2005
Die metallische VITUS-Variante

THE GATES OF SLUMBER ließen ihren Gig relativ gemächlich angehen, um dann mit dem zweiten Song des Sets so richtig Druck zu machen. Jetzt wurde die Metal-Keule ausgepackt und das hatte die Truppe im Vorfeld ja auch schon angekündigt. Das sind noch Krieger der alten Schule und das spürte man spätestens bei „The Awakening“. Verdammt heavy zeigten sich die Amis und gleichzeitig aber auch ganz in der ernsten Tradition von SAINT VITUS. Dieser Einfluss wurde live extrem deutlich, THE GATES OF SLUMBER wirkten quasi wie der metallischere Spross der Doom-Giganten. Im weiteren Verlauf legte man wieder eine ordentliche Portion Langsamkeit nach und das Faible für ST. VITUS wurde überdeutlich spürbar. 😉 Leider muss man ganz ehrlich auch sagen, dass THE GATES OF SLUMBER nicht unbedingt sehr sympathisch rüber kamen. Das BURZUM-Shirt von Bassist Jason McCash war dabei nicht mal unbedingt ausschlaggebend, es war mehr dieses „sich selbst sehr ernst nehmen“, das das Trio ausstrahlte und dadurch etwas Unangenehmes hatte. Dabei ist die Band musikalisch wirklich hervorragend, teilweise kommt es einem vor wie eine Mischung aus VITUS und MOTÖRHEAD, was da durch die Gehörgänge strömt, aber so richtig mitreißen lassen wollte man sich nicht. Schwer zu beschreiben warum. Die Musik siegte dennoch – ergo war das Publikum begeistert und THE GATES OF SLUMBER ließen sich um eine Zugabe erst gar nicht lang bitten. Kaum hatte man den offiziellen Set beendet, servierte man den Fans einen neuen Song von der im Sommer erscheinenden Mini: „Iron Hammer“, ein treibendes Stück, mit einem echten Dampfhammer-Mittelteil – der Titel wurde also definitiv nicht falsch gewählt. Ja doch, guter Gig, der aber noch viel mehr hätte reißen können. (Fierce)

BEYOND BELIEF

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Beyond Belief live auf dem Doom Shall Rise 2005
Die Death-Metal-Band auf dem Festival – Beyond Belief

Eine der Bands, auf die ich mich eigentlich am meisten gefreut habe, waren definitiv BEYOND BELIEF. Ich bin mit dem Material der Band nicht besonders vertraut, was ich von der Truppe kannte, ließ mich aber auf einen der Höhepunkte des Festivals hoffen. Die Erwartungen wurden leider nicht erfüllt. Was auf Konserve wirkt, kommt live einfach nicht rüber. Und damit meine ich die traurige und düstere Atmosphäre, die man auf CD zu verströmen in der Lage ist. Live sieht man in BEYOND BELIEF eben eher den Death Metal Act und aus dieser Sichtweise heraus, sind BEYOND BELIEF weder songwriterisch, noch instrumental besonders herausragend. Die getriggerte Drum wirkte in diesem Umfeld fast schon als Armutszeugnis, was aber vor allem störte war die Kurzatmigkeit von Sänger A.J., was Atmosphäre nicht so recht aufkommen ließ. Die Intensität der Musik geht damit ein stückweit verloren und das ist bei BEYOND BELIEF eben das Merkmal, das den Sound interessant macht. Was der Sängerposten in diesem Fall ausmacht, zeigte man selbst eindrucksvoll, als OFFICIUM TRISTE-Sänger Pim die Bühne betrat und der Musik die Grabestiefe gab, die sie benötigt um wirklich zu wirken. Erstaunlich: Man hatte diesen Song nie zusammen geprobt, eine klasse Leistung von Pim! BEYOND BELIEF hatten wirklich sehr viele coolen Momente, diese wurden einfach durch zu vorhersehbare Teile verwässert. Dennoch: gegen Ende des Auftritts hin konnten man sich deutlich steigern und der Musik mehr Spannung mitgeben, „Blood Beach“ kam definitiv ziemlich gut auf den Punkt und mit „The burning of Redlands“ schloss man auch mit einem richtig guten Rausschmeißer ab. (Fierce)

ISOLE

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Isole live auf dem Doom Shall Rise 2005
Starker, introvertierter Auftritt – ISOLE

Mit dem Auftritt von ISOLE ging für viele Leute, die die Band bereits in den Neunzigern als FORLORN kennen gelernt haben – den Rezensenten eingeschlossen – ein langjähriger Traum in Erfüllung. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen, als die Schweden begannen, die ehemalige Kirche mit den erhabenen Klängen ihres nordischen Epic Dooms zu füllen. Stilistisch bewegte man sich irgendwo zwischen CANDLEMASS und BATHORY, nicht ohne dem allerdings eine ganz eigene, melancholische Note beizufügen. Was schon auf den alten Aufnahmen und auf dem ISOLE-Debüt „Forevermore“ verzaubern konnte, wirkte live ungleich eindrucksvoller: Der über weite Strecken zweistimmige, kristallklare und doch kräftige Gesang von Daniel Bryntse und Crister Ohlsson war von unbeschreiblicher Schönheit. Beeindruckend, dass die beiden Gitarristen ihre Gesangslinien auch dann völlig sauber darboten, wenn sie zeitgleich anspruchsvolle Gitarrenläufe zu spielen hatten. Für die Ansagen war interessanterweise nicht Daniel Bryntse verantwortlich, sondern Bassist Henrik, der im Übrigen beim großartigen „Moonstone“ zusammen mit ersterem einige blackmetallische Screams beisteuerte und zudem mitteilte, dass der in unserem Special noch als Session-Drummer angekündigte Jonas Lindström nun festes Bandmitglied sei.

ISOLE spielten nahezu das komplette Debütalbum, einzig auf den Titelsong mussten die Besucher verzichten. Passend zur melancholischen Musik, in die man sich einfach fallen lassen konnte, fiel auch die Show des Quartetts eher introvertiert aus. Die schüchternen Ansagen kamen stets sehr sympathisch rüber – was bei anderen als Manko angesehen wird, passte hier perfekt ins Bild. So ging ein starker und erinnerungswürdiger Auftritt leider viel zu früh, aber unter viel Applaus zu Ende – den Jungs hätte man noch gerne eine weitere Stunde zugehört. (doomster)

PALE DIVINE

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Pale Divine live auf dem Doom Shall Rise 2005
Von wild und ungestüm zu konfus und eintönig – PALE DIVINE

PALE DIVINE konnten das Niveau von ISOLE dann leider nicht halten. Mit ihrem ganz traditionell gehaltenen Doom mit starkem Heavy Rock-Einschlag erging es den Amis ähnlich wie zuvor schon RISING DUST: Das häufig recht flotte Herumgeriffe war zwar ganz nett, mehr aber auch nicht. Den Riffs fehlte einfach das gewisse Etwas, in Sachen Hooklines war ebenso Fehlanzeige wie bei den Franzosen. Insgesamt ging man ziemlich wild und ungestüm zur Sache, wozu der raue Gesang von Greg Diener auch hervorragend passte. Manchmal allerdings übertrieben die Jungs es ein wenig und die Musik wirkte nicht mehr ungestüm, sondern einfach konfus. Leider war der Sound bei PALE DIVINE nicht der beste, da insgesamt zu undifferenziert. So kam es, dass die Gitarre beim Rhythmusspiel ein wenig unterging. Während der langen, bluesigen Solo-Passagen hingegen konnte sich der Sechssaiter gut durchsetzen. Diese Soli waren zwar zunächst noch recht interessant, auf die Dauer zeigte sich jedoch mal wieder, wie limitiert man als Gitarrist ist, wenn man sich alleine auf die abgenutzte Pentatonikskala stützt. Nicht viele schaffen es, da noch etwas herauszuholen, und Greg Diener gehörte leider nicht dazu. So plätscherte die Musik ein wenig vor sich hin. Einzig „Sins Of The Fallen“, ein Midtempo-Rocker mit zwingendem Groove, ließ zur Mitte des Sets noch einmal aufhorchen. (doomster)

MAR DE GRISES

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Mar de Grises live auf dem Doom Shall Rise 2005
Forderten das Publikum mit avantgardistischem Death-Doom – MAR DE GRISES

Was dann kam, war das absolute Kontrastprogramm und sicher nichts für engstirnige Anhänger des True Doom. Mit ihrem avantgardistischen Death-Doom, gespickt mit genrefremden Einflüssen aller Art, insbesondere aus dem Dark Metal, legten die Chilenen die künstlerische Messlatte verdammt hoch. Die zumeist überlangen, komplex arrangierten Kompositionen, in denen die von Frontmann Marcelo Rodriguez gespielten Keyboards eine tragende Rolle einnahmen, forderten den Zuhörern in der Chapel einiges ab. Verstehen konnte man das, was da zelebriert wurde, bei erstmaligem Genuss eigentlich nicht – dazu sind gewaltige Klangkulissen, wie sie etwa in „El otro“ auf den Hörer einwirken, einfach zu umwerfend, zu intensiv. Für viele war gerade dies aber sicherlich ein Grund, sich anschließend das Album zu kaufen. Genießen und staunen konnte man aber auch, wenn man mit der Musik von MAR DE GRISES vorher nicht vertraut war. Beeindruckend, wie die Band zwischen verschiedenen Stimmungen wechselte und welche Dynamik ihre Kompositionen boten. So wurde man als Hörer erst minutenlang eingelullt durch atmosphärische, verträumte Klänge, nur um dann durch disharmonische Metalgitarren und wuchtige Drums wieder herausgerissen zu werden. Auch Marcelo verstand es perfekt, zwischen klarem Gesang, Sprechgesang und schwarzmetallischem Gekreische zu wechseln. Eine beeindruckende Show, die einmal mehr deutlich machte, dass die Death-Doom-Szene weitaus mehr zu bieten hat als nur Abziehbilder von MY DYING BRIDE. (doomster)

PLACE OF SKULLS

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Victor Griffin und der mittlerweile deutlich rundere REVELATION-Sänger Dennis Cornelius, zwei Doom-Legenden, zeigten im Anschluss, wie man das, was PALE DIVINE zuvor versuchten, richtig macht. Stilistisch waren die beiden Bands durchaus ähnlich gelagert. Doch der bluesige Doom Rock von PLACE OF SKULLS wirkte ungleich überzeugender. Dies lag sicher nicht nur am druckvollen, gleichwohl äußerst transparenten Sound – insbesondere der warme, singende Gitarrensound Griffins wusste zu begeistern. Nein, der ehemalige PENTAGRAM-Gitarrist versteht es einfach, hochklassige Riffs aus dem Ärmel zu schütteln. Gepaart mit tollen Hooklines, seinen hochmelodischen Soli und dem Groove der Rhythmusfraktion ergab sich so ein zeitloser und mitreißender Sound, bei dem man einfach mitgehen muss. Besonders gut funktionierte das immer dann, wenn sich Griffin den Gesang mit Cornelius teilte. Dabei wurden Songs der beiden Alben „Nailed“ und „With Vision“ gleichermaßen berücksichtigt, und mit „Looking For A Reason“ gab es auch einen Ausblick auf das kommende Album der Band. Highlights des viel umjubelten Gigs waren der PENTAGRAM-Song „Too Late“ und das in der Zugabe gespielte „The Fall“. Zwar hatte der Auftritt einige Längen, war aber insgesamt doch ein würdiger Abschluss des dritten Doom Shall Rise-Festivals, der deutlich machte, dass PLACE OF SKULLS auch ohne Wino funktionieren können. (doomster)

Fierce
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