BANG YOUR HEAD 2005: Der Festivalbericht

"I survived Balingen" stand auf dem T-Shirt, das man am ersten Festivaltag zu seinen Getränkebons dazu bekam. Wer hätte zu diesem Zeitpunkt geahnt, dass dieses Stück Stoff zu einer Art Kultobjekt avancieren sollte.

Das Festival

Freitag, 24. Juni 2005

Morgana Lefay | Kamelot | Amon Amarth | Doro | Gamma Ray | Saxon

Samstag, 25. Juni 2005

Nasty Savage | Jag Panzer | Tankard | Nevermore | Candlemass | Hanoi Rocks | Mike Tramp´s White Lion | Dio | Twisted Sister

Das Festival

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I survived Balingen stand auf dem T-Shirt, das ich für mich vollkommen unerwartet überreicht bekam, als ich am ersten Festivaltag meine ersten 30 Getränkebons erwarb. Auf der Vorderseite prangte ein dickes Kampftrinker und somit war die Tendenz eher die, dieses nett gemeinte Präsent lieber klammheimlich irgendwo in der Tasche verschwinden zu lassen. Wer hätte zu diesem Zeitpunkt geahnt, dass dieses Stück Stoff zu einer Art Kultobjekt avancieren sollte.

In der Presse und auch in verschiedenen Foren wurde das Thema schon ordentlich breit getreten, es dürfte hinlänglich bekannt sein, dass das 10jährige BANG YOUR HEAD-Jubliäum kurz davor stand zur totalen Desaster-Veranstaltung zu werden. Nicht zuletzt dank der schnellen Reaktion aller Offiziellen dürfte das Festival für den allergrößten Teil der Besucher dennoch ein starkes und natürlich auch denkwürdiges Ereignis gewesen sein.

Das Wetter meinte es an diesem Wochenende wirklich nicht besonders gut mit einem. Fast schon gnadenlos war es in all seinen Extremen. Das begann schon am Donnerstag, an dem bereits ein großer Teil der Besucher anreiste. Gegen elf Uhr morgens vor Ort waren die ersten beiden Zeltplätze bereits belegt, auf dem dritten waren noch einige gute Plätze vorhanden. Gerade mit Aufbauen fertig, war man von Zelten eingekreist. Es war schon enorm, wie schnell sich die Campingplätze füllten und so ging es nicht lang, bis die Leute weitere Wege zum Festivalgelände auf sich nehmen musste. Schon jetzt knallte die Sonne richtig prall auf die Köpfe der Banger, was die Bierlaune bei den Anwesenden nicht minderte. Im Gegensatz zum letzten Jahr wirkte die Stimmung wieder deutlich freundlicher, die Leute wirkten gut gelaunt und positiv.

Dasselbe Bild am ersten offiziellen Festivaltag. Die Sonne knallte ohne Gnade auf die Menschen nieder, was die Banger aber nicht davon abhielt, schon zu früher Stunde auf dem Festivalgelände zum Opening-Act MORGANA LEFAY vor der Bühne zu stehen. Deutlich war es am Publikumsandrang abzulesen, was für ein hochkarätiges Billing da auf dem Programm stand – eigentlich war von Beginn an auf dem Open Air-Gelände richtig viel los, gegen Abend fast schon zu viel. Dennoch denke ich, hat man die absolute Schmerzgrenze noch nicht erreicht und mit einem bogenförmigen Wellenbrecher im vorderen Zuschauerteil wurde auch gleich dem Sicherheitsgedanke Rechnung getragen. Dennoch liegt die Hoffnung darauf, dass in Zukunft nicht mehr Karten verkauft werden.

Erneut relativ happig: die Essens- und Getränkepreise. In der Beziehung hat sich das BANG YOUR HEAD noch nie besonders positiv hervorgetan, angesichts der Hitze konnte man sich dennoch massiver Umsätze sicher sein, was sogar dazu führte, dass die Wasservorräte teilweise an einzelnen Ständen zu neige gingen und man gewisse Wartezeiten in Kauf nehmen musste, bis wieder Vorrat heran geschafft wurde. Vor allem am zweiten Tag war es manchmal schon fast ärgerlich, wenn man von einem Stand zum nächsten trottete und wieder auf leere Kisten stieß. Das Bon-System machte das Ganze nicht unbedingt erträglicher – um es mal so auszudrücken.

Sehr gut hingegen die Duschen im hinteren Teil des Geländes. Bei den Hitzen des ersten Festivaltages waren die dann auch heiß begehrt und die Leute nahmen die Möglichkeit sich auf diese Weise abzukühlen dankbar an. Das beste überhaupt!

Die richtig große Abkühlung sollte dann aber am Freitagabend folgen. Von ein paar wenigen Tropfen angekündigt, freute man sich im ersten Moment wahrlich über die temperartursenkende Nässe von oben. Wenige Sekunden später fielen die Wassermassen auf die unvorbereiteten Festivalbesucher nieder. Mit geballten Kräften rettete man, was zu retten war, doch die Stangen der Pavillions bogen sich angesichts der Windböen wie Butter in den eigenen Händen durch. Kurz darauf schlugen einem dann die Hagelkörner auf die Finger als wollten sie einem sagen Finger weg, ich nehm dieses Pavillion so oder so auseinander! Um ehrlich zu sein: uns erwischte das Unwetter nicht ganz so hart wie andere. Die Zelte blieben stehen, das Pavillion hat nicht den großen Sachwert, die Klamotten blieben trocken – von denen abgesehen, die man am Leib hatte. So herrscht in unserem Lager mehr Partystimmung, denn Angst vor der Apokalypse. Erst als das Unwetter dann vorbei war, sah man die Ausmaße des Ganzen. Zelte wurden teilweise einfach umgeblasen, andere standen mit Wasser voll. Innerhalb kürzester Zeit waren Rettungskräfte vor Ort um das Chaos in Maßen zu halten. Sanitäter liefen über die Zeltplätze, fragten jeden einzelnen nach Verletzungen und es war keine Stunde vergangen, da wurde einem bekannt gegeben, dass in der benachbarten Sporthalle eine Notunterkunft errichtet wurde, wo man entsprechende Versorgung fand.

Der Anblick am nächsten morgen war dann noch ein Stück krasser. Überall trockneten die Leute ihr Gepäck, Pavillion-Stangen lagen wie moderne Kunstwerke über das ganze Campinggelände verteilt, teilweise schütteten Leute ihre Zelte aus wie Wasserkanister.
Ungewissheit dann auch am Eingang zum Festivalgelände. Zum Zeitpunkt, als DEMON bereits auf der Bühne stehen sollten, waren die Geländetore noch geschlossen. Im Innern hörte man fleißiges Werken und wie man nach einiger Zeit von den Security-Leuten erfuhr, war vor allem noch nicht klar, wie lange es noch dauern könnte, bis die Bühne derart trocken gelegt war, dass sie wieder nutzbar sein sollte. Nicht zuletzt durch diverse Nachrichtenmeldungen verursacht, machten auch Gerüchte die Runde, das Festival würde komplett abgesagt werden. Gleichzeitig wurde natürlich spekuliert, wie man mit den Zeitverzögerungen umgehen würde, wusste doch jeder, welche strengen Maßstäbe die Stadt Balingen für die Sperrstunde des Festivals anlegt.

Die Entscheidung, letztendlich jede Band spielen zu lassen, wurde dann von der Mehrheit der Besucher als richtig empfunden. Und ganz ehrlich: dieser Festivalablauf hatte was: jede Band ging voller Energie auf die Bühne, spielte ausschließlich große Hits – für Lückenfüller war da definitiv keine Zeit – und derart kurze Umbaupausen erlebt man eigentlich auf keinem Festival. Natürlich war der Auftritt der persönlichen Faves in dem Fall immer zu kurz und dennoch wurde die Stimmung durch diese Vorgehensweise immer besser.
Schon zur Mittagsbild dann auch wieder das Bild des Vortages: gnadenlose Sonne von oben, drückende Schwüle von unten. Nach und nach kehrte auch wieder Partystimmung ein und die fand mit den Auftritten von DIO und TWISTED SISTER ihren absoluten Höhepunkt. Von einem Moment auf den nächsten waren die Wiedrigkeiten der Nacht vergessen und was blieb war ein unvergessenes Festivalerlebnis, von dem man auch noch seinen Enkeln erzählen kann.

Freitag, 24. Juni 2005

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MORGANA LEFAY

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Morgana
Ein Opener, wie man ihn sich nur wünschen kann – MORGANA LEFAY

Mit Swedens Most Headbanging Band eröffnete Horst Odermatt pünktlich um 10 Uhr morgens das Bang Your Head-Jubiläumsfestival und ließ dann erst mal einige Pyros krachen. Es folgte das Maleficium-Intro und dann stürmten die Schweden die Bühne und zeigten, dass sie der Ankündigung auch wirklich gerecht werden. Für die einen erstaunlich, für die anderen eher nicht, waren tatsächlich schon sehr viele Leute vor der Bühne versammelt. Und auch wenn MORGANA LEFAY von den Fans in der Abstimmung zum Eröffnungsact gewählt wurden, zeigte sich doch deutlich, welcher Beliebtheit sich die Wiedervereinigten erfreuen können. Source of Pain wirkte auch sofort als Publikumsmagnet und die Stimmung war vom ersten Ton an bestens. Master of the Masquerade zog das Tempo gleich nochmal an und entsprechend gings auch auf der Bühne ab. Definitiv gehören MORGANA LEFAY zu den besten Live-Bands, was durch die enorme Tightness vor allem bei den komplexeren Breaks zusätzlich unterstrichen wird. Schade nur, dass der Sound zu diesem Zeitpunkt die Heavyness der Truppe noch nicht so richtig aufs Publikum transportieren konnte – zumindest von unserer Position aus fehlte es einfach noch etwas am richtigen Wums, der das ganze in andere Sphären erhoben hätte. Dennoch: keiner der Anwesenden schaffte es auch nur ansatzweise, sich dem Groove der Riffmaschine zu entziehen und so war zumindest anerkennendes Mitwippen angesagt. Charles Rytkönen wurde einmal mehr seiner Frontmannposition ohne Abstriche gerecht, brachte die Stücke mit einer enormen Energie rüber, durchlebte die Songs, schaffte es dabei aber auch spielend, den Entertainer zu geben. Mit Hollow, Grand Materia und I Roam lag bei dem relativ kurzen Set ein deutlicher Schwerpunkt auf dem aktuellen Album, dennoch ließen es sich MORGANA natürlich nicht nehmen, zumindest ihre größten Stück zu spielen: To Isengard und Maleficium. Gerade der letzte Song sorgte für kollektives Bangen und ließ Rytkönen noch mal Raum für das ein oder andere Mitsingspielchen. Und bei denen hatte er angesichts des Publikums natürlich ganz leichtes Spiel, zumal dieses schon von ganz alleine in den Pausen zu entsprechenden Chören ansetzte. Objektiv habe ich MORGANA sicher schon in besserer Verfassung erlebt, dennoch reihte sich das Ganze schön brav in die Serie hervorragender Auftritte ein und was anderes erwarte ich von dieser Band auch nicht. (Fierce)

KAMELOT

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Kamelot
Brachten ihre Songs technisch einwandfrei, showmäßig aber etwas lahm rüber – KAMELOT

Um von KAMELOT live auf einem Festival richtig begeistert zu sein, muss man mit dem Songmaterial der Truppe vermutlich wirklicht richtig gut vertraut sein. Die Aussage, dass Sänger Roy Kahn live eh regelmäßig abkackt, kann ich für den Bang Your Head-Gig zwar nicht bestätigen, insgesamt boten KAMELOT aber dennoch eine etwas lahme Performance. Das macht es einem nicht leichter, die Band zu bewerten, gerade dann, wenn man ihr relativ neutral gegenüber steht. KAMELOT haben ihre Anziehungspunkte – vor allem in der Stimme von Khan selbst. Live kommt die Band aber nicht unbedingt besonders sympathisch rüber. Die Instrumentalfraktion ist im Posen geübt und bereits nach dem ersten Song hat man das notwendige Repertoir durch. Die Stimme von KAMELOT wirkt teils sehr gestelzt und wenig nahbar, selbst wenn man sich vom wohlig warmen Gesang angesprochen fühlt. Letztendlich spielten KAMELOT ihr Zeug und damit war eigentlich gut. Songs wie The Spell, Karma, Forever, Edge of Paradise, oder das von Flammenpyros unterstützte March of Mephisto können einen dabei mal mehr, mal weniger fesseln und so hätte man sich an dieser Position dann doch eher einen Arschtreter gewünscht, wie es MORGANA LEFAY definitiv gewesen wären. (Fierce)

AMON AMARTH

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Amon
mittlerweile Festivalstandard ohne Überraschungen: AMON AMARTH

Dann und wann tauchen beim Bang Your Head auch etwas härtere Bands auf – da musste auch beim zehnjährigen Jubiläum was dabei sein. Es dürfte keinen gewundert haben, dass es diesmal AMON AMARTH waren. Die Schweden spielen ohnehin überall, also auch mal wieder auf dem Bang Your Head. Die Frage, ob sie sich mit ihrer konstanten Präsenz auf wirklich jedem Festivalacker in Europa einen Gefallen tun, liegt auf der Hand – denn so ganz allmählich hat man sich satt gesehen an den Wikingern.
Dazu kam, dass diejenigen, die sich trotzdem voll Vorfreunde in die vorderen Reihen gestellt hatten, mit einem matschigen Sound bestraft wurden. Im Riff- und Trommelgedröhn war bei den ersten Songs kaum was vom Gesang zu hören. Dafür gabs was zu sehen: Mit großen Gesten und der Frage „Sind Sie bereit?“ überbrückte Sänger Johann Hegg die Pausen zwischen den Songs – wenn er nicht gerade sein Trinkhorn in die Luft streckte oder sich das Bier hinterstürzte.
Da der Soundbrei die eigentlich guten Songs in eine durchgängig monotone Dröhnung verwandelte, machten sich etliche auf den Weg zum Bierstand – und siehe da, etwas weiter hinten klangen Stücke wie „The Pursuit of Vikings“ und „The Fate of Norns“ plötzlich so druckvoll wie man das gewohnt ist.
AMON AMARTH-Shows sehen immer und überall gleich aus: fliegende Haare und Bärte, gen Himmel gereckte Fäuste und je nach Witterung mehr oder weniger gerötete, nackte und mehr oder weniger schweißglänzende Oberkörper. Das macht es nicht unbedingt einfacher, eine einzelne Show zu bewerten. Man kennt die Songs, man kennt das Stageacting und auch Knaller wie „Death in Fire“ und das unvermeidliche „Victorious March“ verlieren nach der x-ten Wiederholung einfach ihre Kraft. Waren AMON AMARTH früher ein Garant für eine Stunde Kurzweil, sind sie heute zum Festivalstandard ohne Überraschungen abgestiegen – da sah wohl auch die Mehrheit des Publikums so, denn die Band hatte in der Vergangenheit schon für mehr Begeisterung gesorgt. (andrea)

DORO

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Doro
Gibt immer und überall alles: DORO

Auch DORO verbringt ihre Sommer gerne auf den Festivalbühnen. Und irgendwie tut sie mir fast schon ein wenig leid, denn wie immer erwarteten alle Fans Uralt-Stücke. Den Erwartungen entsprach DORO und spielte das übliche „Greatest Hits“-Programm: „I rule the ruins“, „Always live to win“, „True as steel“ und „Für immer“ – die Ballade widmete sie dem Organisatorenpaar Horst Odermatt und Ines Franz. Wo wir gerade bei Widmungen sind: Zur Box-Hymne von Regina Halmich „She´s like Thunder“ hielt Doro auch einen kleinen Vortrag.
Eigentlich ist egal, was sie auf der Bühne macht, das Publikum macht alles mit und feiert die Frau, als wäre es ihre letzte Show. Die Bühne wurde nach oben gefahren, beim letzten „Song Burn it up“ züngelten Flammen am Bühnenrand, die Band und ihre Chefin posten, als wäre die Zeit in den Achtzigern stehen geblieben – es gab genug zu sehen auf der Bühne.
Ob man mit dem Publikum in Balingen nun unbedingt Englisch sprechen muss, ist Geschmackssache – sieht man es als Zugeständnis an die vielen nicht-deutschen Besucher, ist es eine nette Geste. Unbestreitbar ist, dass Doro trotz ihrer langen Karriere immer und überall alles gibt. Deshalb hatte ich auch in Balingen wieder den Eindruck, dass sich voll hinter ihrer Musik steht – auch wenn ihre neuen Songs kaum jemand hören will und eine Coverversion von „Breaking the Law“ mehr bejubelt wird als manches der eigenen Stücke. Sie scheint sich damit abgefunden zu haben und wenn man die überschwänglichen Reaktionen des Publikums als Maßstab nimmt, dann ist sie nach wie vor auf dem richtigen Weg. Immerhin hat sie soviel Bühnenpräsenz, dass sie alle Blick auf sich zog und der Gastauftritt von Chris Caffry deshalb kaum wahrgenommen wurde. (andrea)

GAMMA RAY

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Gamma
Technische Probleme drückten die Stimmung – GAMMA RAY

GAMMA RAY mussten zu Beginn ihres Auftritts in allererster Linie mal mit technischen Problemen kämpfen. So kam die Truppe um Kai Hansen mit ordentlicher Verspätung auf die Bühne, nachdem sie bereits Minuten zuvor angesagt wurden und auch schon nach dem ersten Song war erneutes Pausieren angesagt. Für mich symptomatisch dabei: in früheren Zeiten hätten GAMMA RAY einen derartigen Vorfall ein ganzes Stück lockerer und verspielter überbrückt – da bin ich mir ganz sicher. Stattdessen gab es ein paar wenig sagende Worte zur langen Live-Pause und dem neuen Album, die wenig Stimmungsfördernd wirkten. So ertrug man also die Auszeit brav, um sich dann auch musikalisch zeigen zu lassen, dass die Band ihre beste Zeit eindeutig direkt nach dem Ausstieg von Ralf Scheepers hatte. Rebellion in Dreamland trat wieder einmal mächtig Arsch und sorgte für freudige Blicke im Publikum. Doch auch das folgende neue Stück Blood Religion vom kommenden Album klang vielversprechend und auch der eingebaute Mitsingpart funktionierte schon bei der Feuerprobe. Danach sank in unserem Lager die Aufmerksamkeit mit jedem Song merklich und man bekam das typische GAMMA RAY-Programm geboten, das beim Bang Your Head wenig spontan verlief. Richtig aufhorchen wollte man eigentlich erst wieder mit dem HELLOWEEN-Hit I want out, der auch heute noch großartig funktioniert, und das wars dann schon. GAMMA RAY in okayner Verfassung kann man abschließend also sagen, auch wenn Kai Hansen gesanglich nicht ganz auf der Höhe war. Von einer neuen Frische, die man aus der Live-Pause mitgenommen hat, spürte man allerdings wenig. (Fierce)

SAXON

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Biff Byford hat viel gesehen. Als Headliner blickte er auf tausende von Menschen, zwischendurch gab er Auftritte beim Schützenfest in Dingenskirchen, und seit ein paar Jahren steht er wieder am Abend auf den großen Bühnen. Ähnliche Höhen und Tiefen hat auch die Diskografie der Engländer. Auch wenn SAXON Stücke von neueren Alben wie „Man and Machine“ auf die Setlist mogelten, besonnen sich SAXON auf die Höhen und legten den Schwerpunkt wieder einmal auf Klassiker wie „Wheels Of Steel“, „Strong arm of the Law“, „Never surrender“, 20.000 Feet“, „747 – Strangers in the night“, „Dogs of War“, „Motorcycle Man“ und natürlich „Crusader“ und „Princess of the Night“.
Schön wäre gewesen, wenn SAXON auch „Broken Heroes“ gespielt hätten – haben sie aber nicht. Man kann es halt nicht allen Recht machen und angesichts der rundum guten Show fielen die ganz persönlichen Wünsche des Publikums insgesamt gesehen auch nicht weiter ins Gewicht.
Es ist schon erstaunlich, wie fit die alten Herren auf der Bühne wirken und welche Altersgruppen sie ansprechen. Von jungen Fans mit dem ersten Bartflaum im Gesicht bis zu wohlbeleibten älteren Herren, denen das Achtziger-Jahre-Tourshirt um den Bauch spannt, singen alle mit und freuen sich über die ausgedehnten Singspielchen. Rechte Hälfte gegen linke Hälfte und umgekehrt, der Sänger behauptete, er könne nichts hören, also noch mal von vorne – alles wie gehabt und trotzdem macht es bei SAXON immer Spaß. Warum? Weil Biff Byford ein guter Frontman ist, der sein Publikum immer weiter antreibt – und es in den Auftritt einbezieht. Ob es nun wirklich sinnvoll ist, nach fast jedem Song zu fragen, was der geneigte Fan denn nun als nächsten hören möchte, ein schnelles oder ein langsames Stück, ein altes oder ein neues, ist trotzdem fraglich. Vielleicht braucht einige Mitglieder der Band zwischendurch auch einfach nur eine kleine Pause. Die wäre dann wenigstens charmant versteckt. Ganz sicher keine Pausen braucht Bassist Nibbs, der war kaum zu bändigen, rannte von rechts nach links, hüpfte herum und schraubt sich fast den Kopf ab. Eine feine Sache, dieser Auftritt – das sahen offenbar viele so, denn in den vorderen Reihen war ordentlich was los.

Samstag, 25. Juni 2005

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NASTY SAVAGE

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Nach knapp 1 ½ Stunden Wartezeit vor verschlossenen Geländetoren, ließ uns die Ankündigung, dass frühestens gegen 13 Uhr mit den ersten Bands zu rechnen ist, zunächst wieder den Rückzug auf den Campingplatz antreten. Kurz nach 13 Uhr auf dem Weg zum Gelände bekamen wir dann gerade noch die letzten Töne von VICIOUS RUMORS mit und auch die Umbaupause fiel derart überraschend kurz aus, dass wir den zweiten Festivaltag mit dem zweiten Song von NASTY SAVAGE beginnen ließen. Das war dann eigentlich auch der perfekte Einstieg für diese Band, denn Psycho Psycho drückt die Ausstrahlung der Truppe bestens aus. Schwergewicht Ronnie stapfte in seiner unnachahmlichen Art über die Bühne und unterhielt das Publikum auf seine typische Sicko-Weise. XXX wurde als nächstes angeraunt und Nasty-Ronnie geriet immer mehr in Rage, ließ irgendwann auch Mütze und Brille fallen und auch seine Hintermannschaft fing allmählich das springen und hüpfen an. Zum Höhepunkt des Ganzen konnte man auf Grund der kurzen Spielzeit aber leider nicht ansetzen, die Flimmerkisten blieben also verschont und somit fehlte auch ein wichtiger Teil der NASTY SAVAGE-Show. Mit Metal Knights war dann leider auch schon Schicht im Schacht und so erlebte man die Truppe in guter, aber nicht außergewöhnlichen Verfassung. Spaß hats dennoch gemacht.

JAG PANZER

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Bei der US-Metal-Legende JAG PANZER tat die kurze Auftrittszeit definitiv am meisten weh – da wären so viele Songs gewesen, die man unbedingt hätte hören wollen und kaum hat die Band mal mit spielen losgelegt, sollte es aus Sicht der Fans eigentlich gar nicht mehr enden. The Mission öffnete den viel zu kurzen Reigen, bei dem einem wieder einmal bewusst wurde, was für eine großartige Band da eigentlich gerade spielt. Genau so muss eine geile Power Metal-Band auf der Bühne präsent sein und kein bisschen anders. Es ist diese ganz besondere Mischung aus anspruchsvoller Musikalität und Power, die hier in ganz herausragender Weise zum Vorschein kommt. Hier zeigte sich vor allem der Unterschied zu dem, was KAMELOT am Vortag auf der Bühne abzogen. Gepose bekommt man auch hier genug und von der Gestik sind die beiden Sänger ebenfalls relativ nahe. Während ein Roy Khan aber unnahbar über die Bühne stolziert, überträgt sich das Adrenalin im Blut von Gott Conklin in kürzester Zeit auf die Zuschauer. Da ist sofort die Verbindung da, die eine gute Live-Show ausmacht und so waren die Zuschauer bereits mit dem ersten Song vollkommen entzückt. Mit Black wählte man als zweiten Song dann DEN JAG PANZER-Klassiker der dritten Bandära, für den der Tyrant wohl auch ein Faible für Grunzvocals entdeckt hat. Mit Iron Eagle stand dann leider auch schon der letzte Song des Sets auf dem Programm, mit dem man die Fans aber nochmal richtig anfixte. Lauthals wurde mitgesungen und spätestens jetzt wollte man es nicht wahrhaben, dass man diese Band nicht länger zu sehen bekommt. Hammergeil einfach nur – in allen Belangen.

TANKARD

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Tankard
TANKARD sorgten in kürzester Zeit für Gute Stimmung vor der Bühne.

Gerre hat ziemlich abgenommen – das dachten sich wohl alle im Publikum, als der TANKARD-Sänger auf die Bühne stapfte. „Rectifier“ war der erste Song, und auch wenn das ordentlich groovte und rockte, war vor der Bühne erstmal wenig los. Vermutlich, weil sich viele noch mit den nötigen Utensilien für die kommenden 15 Minuten rüsten mussten. Schließlich stand noch „Die with a beer in your hand“ auf der Setlist und da kam dann auch das erste Mal etwas Stimmung auf. Zuvor musste Gerre aber noch mal eindringlich an das Publikum appellieren, sich doch bitte etwas zu bewegen, denn „Chemical Invasion“ wurde ohne nennenswerte Reaktionen vom Publikum wahrgenommen. Bei „Freibier“ und „Empty Tankard“ waren dann auch alle wach und zum ersten Mal an diesem Tag stellte sich trotz voll gelaufener Zelte und einer ereignisreichen Nacht bei vielen Party-Stimmung ein, lachende Gesichter vor der Bühne und darauf, die Fans kamen in Bewegung. Und dann war leider schon wieder Schluss. Schade, denn TANKARD hatten es in sehr kurzer Zeit geschafft, eine richtige Festivalatmosphäre zu schaffen. Dafür hatten sie sich redlich den ein oder anderen Schluck verdient!

NEVERMORE

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Nevermore
Abgemagert wie der kleine Bruder von Peter Tägtgren – NEVERMOREs Warrel Dane

Was für ein merkwürdiger Auftritt. Wäre es nicht schlichtweg falsch, derartige Meinungsäußerungen kundzutun würde ich sagen schaut, dass die Jungs wieder Alkohol und Drogen zu sich nehmen. Wobei dieser Gig auf mich gleichzeitig verstörend, als auch faszinierend wirkte. Das begann schon, als Warrel Dane die Bühne betrat. Mann, was war dieser Kerl abgemagert. Die Haare wirkten kaputt, wie man es bei dem man mit der legendären Haarlänge noch nie gesehen hat und durch die Ringe unter den Augen und das eingefallene Gesicht wollte man ihm schon eine Geschwisterschaft mit Peter Tägtgren in die Schuhe schieben. Mit Enemies of Reality war das Fieber dann gleich wieder voll da, die Truppe machte ordentlich Druck und man freute sich einfach, NEVERMORE erneut live erleben zu können. Doch die Gefühle wurden immer gemischter. Während Dane zwischen kleinen Ausfällen und großen Momenten wechselte, wirkte die Hintermannschaft tight wie eh und je. The River Dragon überraschte als zweiter Song, hätte man doch eher neueres Material von NEVERMORE erwartet – von dem gab es aber nicht einen einzigen Song. Stattdessen musste man immer mehr bemerken, dass zwischen den einzelnen Musikern an diesem Tag eigentlich gar nix passiert. Da war keinerlei Kommunikation da, Dane spielte kurzfristig bei einem Gitarrensolo zwar den beeindruckten Beobachter, doch so richtig herzlich wirkte auch das nicht. Vielmehr wurde der Sänger zwischen zwei Songs fast schon hysterisch, als ihn Jeff Loomis über einen mir nicht bekannten Umstand informierte, schrie den Gitarristen kreischend für alle sichtbar an, um dann beleidigt wirkend in den nächsten Song einzusteigen. Sehr seltsam. Ein wichtiges Element bei NEVERMORE war für mich schon immer, dass gerade Dane alles andere als ein einfacher Charakter ist, an diesem Tag hatte das aber schon etwas unangenehmes und man wusste das Gefühl nicht so recht einzuordnen. Auch mit der Wahl von Heartcollector als drittes Stück, schien Warrel nicht so recht einverstanden und kündigte das ganze relativ lustlos mit ihr wisst was jetzt kommt – die große Ballade natürlich an. Mit Sound of Silence beendete die Truppe dann diesen merkwürdigen Gig mit dem Hit, dem man es nie zugetraut hätte einer zu werden und zurück bleibt die Hoffnung, dass dieser Auftritt nicht die Ankündigung schlechter NEVERMORE-Zeiten war.

CANDLEMASS

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Candlemass
Überzeugend auch mit dem neuen Songmaterial – CANDLEMASS

Same procedure as ever….stop! Was ist das? Ein neues Intro? Ein neuer Einstieg in den Gig? Wer geglaubt hätte, CANDLEMASS würden nach ihren fulminanten Reunion-Auftritten nun einen auf Alte Festivalhasen – wir machen ein Best-Of-Programm mit unseren alten Hits machen, der hat sich gründlich getäuscht. Dazu ist das neue Songmaterial aber auch einfach zu gut und spätestens wenn man die Schweden die Stücke mal live spielen hat sehen wird klar, dass die Kings of Doom echte Klassiker abgeliefert haben. So wundert es kaum, dass CANDLEMASS mit Black Dwarf in vollem Tempo in ihren Set einsteigen und als Opener ist das Stück auch bestens geeignet. Mirror Mirror folgt und die Doom-Gemeinde liegt auf den Knien. Bei der Performance zeigt sich die Truppe routiniert, aber nicht ausgelutscht. Vor allem Messiah Marcolin trägt natürlich seinen Teil dazu bei, dass jeder Auftritt irgendwie eigen ist. An diesem Tag scheint ihm besonders der Ausdruck Doom mit Gemüse zu gefallen, mit dem er dann auch in Assassin of the Light einsteigt. Wirklich erstaunlich, wie gut sich die neuen Songs in den Gig einschmiegen, es ist fast, als gehörten sie schon immer ins Live-Programm der Band. Bei Copernikus muss man die Fans zwar in die neuen Gesangschöre einführen, doch das hat schon nach ein paar Takten geschnallt wie es laufen muss. Der Effekt auf der nächsten Live-Scheibe ist also gesichert. Mit Solitude gibt es dann den nächsten großen CANDLEMASS-Hit, den Marcolin wieder einmal in voller Inbrust intoniert. Der ist an diesem Tag eh in bester Verfassung und trällert wie ein dicker Gott. Sein Stampfen über die Bühne macht die Sache zu einer urigen Angelegenheit und mit At the Gallows End und Bearer of Pain ist der Auftritt leider Gottes auch schon wieder vorbei. Sicher, CANDLEMASS hätten noch so viele unsterbliche Klassiker spielen können – ganz vorne dabei Samarithan. Das positive Fazit für mich dabei ist allerdings, dass man sich trotz dieser Tatsache die neuen Songs nicht aus dem Set gewünscht hätte, wie das bei manch anderem Alte-Herren-Gig der Fall ist. Und das ist der beste Beweis dafür, dass es CANDLEMASS trotz all der Querelen richtig gemacht zu haben scheinen.

HANOI ROCKS>

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Endlich war es so weit. Endlich hatten die Spekulationen, wer denn nun Special Guest sei, ein Ende. Und für viele hatte offenbar auch erstmal der Spaß ein Ende. Denn viele, viele schienen sich auf MÖTLEY CRÜE gefreut zu haben. Das ließ zumindest das immense Shirt-Aufkommen an alten, verbleichtem MÖTLEY CRÜE-Shirts vermuten. Tja, und dann kündigte Horst Odermatt den Special Guest an: „Welcome HANOI ROCKS from Finnland!“ HANOI wer?! Egal, was die Finnen auf der Bühne veranstaltet hätten, sie hätten nie und nimmer eine Chance gehabt. Der Empfang war frostig, erste Buhrufe wurden laut und fast jeder maulte.
Zu sehen gab es etliche bunte Outfits aus der Mottenkiste des Achtziger-Jahre-Glam-Sleaze-was-auch-immer-Rocks. Zu hören gab es Songs aus der Mottenkiste. Für ein Festival wie das Bang Your Head eigentlich gar nicht verkehrt – und das ist nicht abwertend gemeint. Doch das Publikum hatten offenbar einfach keine Lust auf Michael Monroes Songs, seine bunte Federboas und Glitzerjäckchen und machte daraus auch keinen Hehl.
HANOI ROCKS ignorieren die Pfiffe und die Enttäuschung, sie ließen sich nicht aus ihrem Konzept bringen und wechselten ein ums andere Mal die Klamotten, spielten ihre altmodischen Songs und präsentieren mit stoischer Gelassenheit ein Revival einer längst vergangenen Zeit. Da ich MÖTLEY CRÜE nicht mag – erst recht nicht, seitdem ich die Bandbiografie gelesen habe, war mir es auch vollkommen egal, wer da auf der Bühne stand und konnte mir das farbenfrohe und glitzernde Spektakel in Ruhe ansehen. Und auch wenn nicht ein Song bei mir hängen geblieben ist, muss ich der Band für ihren Auftritt doch ein Respekt zollen. Bierbecher, die auf die Bühne flogen, eine Massenflucht aus den vorderen Reihen – und die Band spielte weiter. Dazu gehört entweder Mut, Starrsinn oder eine gestörte Wahrnehmung. Was immer es war, es war stark genug, der Band das nötige Durchhaltevermögen zu geben.

MIKE TRAMP´S WHITE LION

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Mike
Der bessere Very Special Guest – MIKE TRAMPs WHITE LION

Deutlich besser als der erste Überraschungsgast kam Mike Tramp mit seinem WHITE LION-Gig an. Zwar waren auch hier viele Stimmen laut, die nicht unbedingt begeistert ausfielen, die vielen Buuh-Rufe blieben allerdings aus. Mit Lights and Thunder sollte der Gig beginnen, an dem vor allem Mike Tramp selbst sichtlich Spaß hatte, auch wenn ihm vielleicht nicht bewusst ist, was er damit begonnen hat. Denn auf diese Weise reiht er sich in die Riege der alten Knochen ein, von denen die Fans auf alle Zeiten das eine erwarten: die ollen Kamellen aus den guten alten Zeiten. Mit Hungry gab es dann schon einen größeren Hit, der auch entsprechend beim Publikum ankam und mit Lonely Nights kam dann tatsächlich auch in mir dieses gewisse Feeling auf, auf Grund dessen WHITE LION im Gegensatz zu vielen anderen Poser-Bands der 80er in einem recht guten Ruf standen. Was die Band für mich zu etwas besonderem machte, war dieses spezielle melancholische Feeling in den Gesangsleads, das in der Weise vermutlich nur durch Mike Tramp selbst erzeugt werden kann. So richtig wollte mich der Gig aber dennoch nicht mitreißen, denn auch diese Truppe litt unter diesem speziellen wir wissen wie man richtig post – aber erwartet keine Persönlichkeit-Syndrom. Mike Tramp war der Blickfang und der Grund für diesen Gig und natürlich Stücke wie Broken Heart, Fight to Survive, Little Fighter oder Living on the Edge. Wait war nochmals ein richtig schöner Hit gegen Ende des Gigs, dem man mit Radar Love nochmal einen Stimmungsmacher hinten anknüpfte. Netter Auftritt, viel mehr gibt’s da eigentlich nicht zu sagen.

DIO

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Dio
Wunderschöne Setlist – DIO

Killing the Dragon again – gibt es eigentlich einen besseren Einstieg für einen DIO-Gig? Mit einem der größten Hits der aktuellen DIO-Phase war man richtig schön eingestimmt auf einen herrlich nostalgischen Trip, der sogar einige Überraschungen in sich bergen sollte. Egypt (The Chains are on) zum Beispiel gleich an zweiter Stelle des Sets, mit dem das Publikum richtig schön in die Fantasiewelt der alten Tage eingeführt wurde. Stand up and Shout brachte dann wieder die rock´n´rollige Seite der Band in den Vordergrund und dann … kam erst mal ein Schlagzeugsolo. An vierter Stelle des Sets! Ganz ehrlich, so kann ich nicht arbeiten! Da kann ein Schlagzeuger noch so gut sein, vor Song 9 geht so was einfach gar nicht. Entschädigt wurde das Publikum aber auf der Stelle mit dem ewigen Klassiker der Band Holy Diver. Und das zog so richtig. Hatte man bei den Vorbands in den hinteren Rängen immer nur vereinzelt Gesänge vernommen, war das nun das große Massenfest. Überall auf dem Gelände wurde das Stück lauthals mitgesungen, egal ob alt ob jung, ob Männlein oder Weiblein – das war schon richtig beeindruckend. Eine weitere ganz große Überraschung folgte mit Sunset Superman vom Dream Evil-Album, das für viele strahlende Gesichter sorgte – am liebsten hätte man noch viel mehr von diesem oft unterschätzten Werk gehört. Nach Man on the Silver Mountain folgte dann schon wieder ein Solo-Teil – diesmal mit dem Schwerpunkt bei der Gitarre, wobei bei DIO das ja nie so ganz getrennt wird, was aber absolut positiv zu bewerten ist. Erneut stieg man dann mit richtig schönem Rock´n´Roll in die letzte Runde des Sets ein: Stand up and Shout. Und das taten die Fans dann definitv bei der Ankündigung des nächsten Songs – Gates of Babylon vom RAINBOW-Album Long Live Rock´n´Roll mal wieder live zu erleben war einfach herrlich schön und als Ausklang war Heaven and Hell die perfekte Wahl. Zu den Einzelleistungen der Truppe muss man nicht viel sagen. Ronnie James Dio ließ wieder mal sein Goldkehlchen durch die leicht abgekühlten Festivallüfte schallen und bei dieser Hammer-Songauswahl konnte man einfach nur begeistert sein.

TWISTED SISTER

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Twisted
TWISTED SISTER: Ein passender Abschluss eines erlebnisreichen und aufregenden Festivals

Heimspiel für TWISTED SISTER – und damit Riesenerwartungen des Publikums an die Band. Dee Snider und seine Jungs waren sich dessen auch bewusst und hatten sich deshalb etwas ausgedacht: Sie spielten das komplette „Stay Hungry“ Album am Stück durch. Zumindest war es so angekündigt, von „am Stück“ und „durchspielen“ konnte jedoch keine Rede sein, denn Dee Snider ist – deutlich ausgedrückt – ein elender Labersack.
Und so hielt er auch bei diesem Bang Your Head zwischen den Songs ausschweifende Vorträge über sich, seine Band, sein Leben, das Musikbusiness, die Fans, NuMetal und MTV.
Etwas unglücklich schien die Tatsache, dass „We’re not gonna take ist“ der zweite Song auf dem Album ist und deshalb konsequenterweise auch direkt nach dem Opener „Stay Hungry“ verbraten werden musste – doch wann hat man schon beim zweiten Song einer Band eine solche Stimmung erlebt? Tausendfach grölten die Fans den Refrain und sehr schnell war die „TWISTED SISTER auf dem Bang Your Head“-Gänsehautstimmung da.
Wenn Snider nicht gerade redete, war er in Bewegung und präsentierte sein pink-schwarzes Outfit ausgiebigst von allen Seiten.
Die Idee, ein Album komplett durchzuspielen, hat ihren Reiz, doch zwischendurch flachte die Stimmung immer wieder ab – es ist halt doch ein Unterschied, ob man nur die Hits rausballert, die ohnehin jeder kennt, oder ob man als Headliner das Risiko eingeht, den einen oder anderen nicht ganz so beliebten Song zu spielen. Unterm Strich hat es dennoch gelohnt, das Wagnis einzugehen. Die Stimmung vom legendären Auftritt beim Bang Your Head 2003 war ohnehin einzigartig – und 2005konnte es nicht genauso werden. In einigen Momenten waren TWISTED SITER allerdings ganz dicht dran: Bei „Burn in Hell“, „The Price“ und „S.M.F.“ kochte die Balinger Messe. Ganz besonders „The Price“ waren magische Minuten, denn die Halbballade aus tausenden von Kehlen mitgesungen beeindruckt nicht nur jeden im Publikum, auch unter dem dicken Make-Up Sniders war so etwas wie Staunen zu erkennen.
Twisted Sister haben sich achtbar aus der Affaire gezogen und nach dem unvergesslichen Auftritt 2003 zwei Jahre später eine fast ebenbürtige Show geliefert. Viel zu früh war dann die Spielzeit um, das Feuerwerk über Balingen markierte am Himmel das Ende des Festivals – doch TWISTED SISTER kamen noch mal zurück auf die Bühne: Als endgültigen Rausschmeißer gab es die ROLLING STONES-Coverversion „You can`t Stopp Rock n´ Roll“. Ein passender Abschluss eines erlebnisreichen und aufregenden Festivals.

Hier findet ihr die Fotogallerie zum 10-jährigen BANG YOUR HEAD-Jubiläum.