A PALE HORSE NAMED DEATH, TRANSPORT LEAGUE – Stuttgart, Universum, 28.03.19

Es war gar nicht so leicht zu finden, das Konzert von A PALE HORSE NAMED DEATH und TRANSPORT LEAGUE. Denn der Stuttgarter Club “Universum” hatte seinen Eingang seit unserem letzten Besuch so verlegt, dass er nur über einen Umweg über die direkt angrenzende U-Bahn-Haltestelle und eine Zwischenetage erreichbar war. Aber irgendwie haben sich dann doch noch ein paar Leute rechtzeitig für den Opener TRANSPORT LEAGUE im Club eingefunden. Was auch gut war, denn sonst hätten sie einen durchaus sehenswerten Konzertabend verpasst.

TRANSPORT LEAGUE rocken von der ersten Sekunde

Als Opener waren TRANSPORT LEAGUE aus Schweden perfekt gewählt. Musikalisch liegen zwar Welten zwischen ihnen und den vergleichsweise melancholischen A PALED HORSE NAMED DEATH, diese Mischung passte an diesem Abend trotzdem hervorragend. Los ging es mit “Swing Satanic Swing”, und sofort wurde klar, worum es hier für die nächste Stunde gehen soll: Staubiger Doom Rock mit ordentlich Metal-Schlagseite, aufgemotzt mit tief hängenden Gitarren, stampfenden Rhythmen und eingängigen Melodien. Tony Jelencovich präsentierte sich als symphathischer und guter Frontmann, sowohl was den Gesang als auch den Unterhaltungsfaktor anging.

Zwischen den Songs gab es immer wieder muntere Ansagen und Nachfragen, größtenteils in lustigem Deutsch, vor allem vor dem noch gar nicht erschienenen “Monster Human”, was das Quartett aber nicht davon abhielt, das Stück genauso inbrünstig in die Menge zu feuern wie die bereits bekannten Stücke.

So machten TRANSPORT LEAGUE ihe Sachge gut, trotz des auf Dauer doch recht monoton wirkendes Druming, das über die gesamte Spielzeit dann fast schon nervtötend war. Das Musikerkarusell hat sich über die Jahre bei den Schweden ja des öfteren mal gedreht, vielleicht sollte man hier nochmal über eine andere Besetzung nachdenken. Davon abgesehen war es ein kurzweiliger und überzeugender Auftritt.

TRANSPORT LEAGUE Setlist, Universum Stuttgart

Swing Satanic Swing
Holy Motherfucker
Thousand Eyes And One
Monster Human
Barabbas Venomous
Bitter Sand
Lost In The Desert Of Habib
Cannibal Holobeast
Cosmical Satanical

A PALE HORSE NAMED DEATH drosseln das Tempo – und steigern die Melancholie

Unsere letzte Begegnung mit A PALE HORSE NAMED DEATH war eine ganz besondere: Und zwar am 15. Januar 2012. A PALED HORSE NAMED DEATH spielten das letzte Konzert in der legenderen “Röhre” in Stuttgart, hier unsere Bilder vom Gig im Januar 2012. Die Röhre schloss am Tag darauf für immer ihre Pforten und Stuttgart war um einen Liveclub mit Kultstatus ärmer, um dem umstrittenen neuen Stuttgarter Bahnhof S21 Platz zu machen. Publikum und Band war damals bewusst, dass es sich also um einen ganz besonderen Abend handelt. Der melancholische Metal von A PALE HORSE NAMED DEATH passte so wunderbar zum traurigen Anlass, auch, dass der an diesem Abend recht kranke Sal Abruscato kaum einen Ton sauber herausbrachte und den Songs so eine deutlich kaputtere Note gab. Stark, dass er es damals trotzdem durchzog, auch wenn er sich quälte, und der Abend und die außergewöhnliche Stimmung so unvergesslich wurden.

Ganz so dramatisch war es dieses Mal also nicht – und auch der Gesang passte diesmal, obwohl Herr Avruscato an diesem Abend wieder etwas angeschossen wirkte. A PALE HORSE NAMED DEATH begannen mit “To Die In Your Arms” und überzeugten sofort mit klasklarem Sound, ihren drei Gitarren und dem mehrstimmigen Gesang. Das war vom ersten Moment an wirklich großartig. Die melancholische Stimmung von der Bühne schwappte  auf das Publikum über, das den kraftvollen aber sensiblen Metal bereitwillig in sich aufsog. Das Songmaterial der Amis war hervorragend gewählt, auch wenn das aktuelle Album “When The World Becomes Undone” nicht durchgehend zu überzeugen weiß. Doch die Setlist war in sämtlichen grau- und schwarzschattierungen bunt gemischt: Devil In The Closet, Love The Ones You Hate, das großartige Shallow Grave, Die Alone und das geniale Killer By Night waren weitere dunkle Highlights des Abends.

Johnny Kelly hatte sichtlich Spaß hinterm Schlagzeug

Dass es trotz aller Melancholie lustig zugeht bei A PALE HORSE NAMED DEATH, zeigte sich nicht nur in den launigen Ansagen von Sal Abruscato, auch der zweite Ex-TYPE O NEGATIVE Musiker auf der Bühne hatte sichtlich Spaß: Johnny Kelly machte sich einen Spaß draus, seinen Sängerkollegen das Konzert über mit Jägermeister abzufüllen. Die Becher wurden fleißig nachgefüllt und zwischen den Songs munter nach vorne gereicht. Sein Druming leidete nicht darunter: Wie jeher lieferte Johnny ein unglaublich präzises und auch in ruhigen Passagen raumfüllendes Schlagzeugspiel ab. Er ist nach wie vor der Beste, wenn es darum geht, mit wenigen Schlägen einen Song auszufüllen. Er weiß halt einfach, welches die richtigen sind.

Mit “Closure” vom aktuellen Album beendeten A PALE HORSE NAMED DEATH einen überzeugenden und kurzweiligen Konzertabend. Stimmung toll, Sound (trotz drei Gitarristen) hervorragend, Gesang spitze – da freuen wir uns doch schon auf den nächsten Gig der Herren aus Brooklyn.

A PALE HORSE NAMED DEATH – Setlist, Universum Stuttgart

To Die In Your Arms
Devil In The Closet
Love The Ones You Hate
Sleeping Death
Shallow Grave
Meet The Wolf
Vultures
Growing Old
Pill Head
Splinters
Crows Descend
Crack In The Walls
Die Alone
Killer By Night
Closure

Bilder: A PALE HORSE NAMED DEATH, TRANSPORT LEAGUE – Stuttgart, Universum – 28.03.2019

Markus
Markus ("boxhamster") hat das Magazin 1999 gegründet und kümmert sich um die Technik und die Weiterentwicklung von vampster, schreibt ab und zu Reviews und fotografiert bei Festivals und Konzerten.