SOLITUDE AETURNUS: New Days of Doom

SOLITUDE AETURNUS: New Days of Doom

SOLITUDE AETURNUS haben sich durch die lange Wartezeit auf das neue Album und die vielen Ankündigungen, Verschiebungen und Absagen bei ihren Fans nicht unbedingt beliebt gemacht. Doch oh Wunder, das verdammt starke, neue Album Alone entschädigt für vieles und die Welt scheint von einem Tag auf den anderen wieder vollkommen in Ordnung. Dennoch – insgeheim ist ein Restzweifel geblieben, die Steve Moseley im E-Mail-Interview aus der Welt zu schaffen versucht… Dass Sänger Robert Lowe bei CANDLEMASS einsteigen würde, war zum Zeitpunkt des Interviews übrigens noch nicht offiziell bekannt – wundert euch also nicht über die Fragen und Antworten gegen Ende.

SOLITUDE AETURNUS Interview 2006 – New Days of Doom>

Es lässt sich schwer vermeiden, euch nicht nach der langen Wartezeit auf das neue Album zu fragen. Ich will es mal folgendermaßen formulieren: Seit dem Release eures letzten Albums hat euer ehemaliger Bassist Lyle Steadham mit seiner Band GHOULTOWN eine Mini-CD, zwei großartige Alben, eine Mini-Comic-Serie und ein Live-Album veröffentlicht, hat viele Live-Shows gegeben, die Band aufgelöst, eine neue Band gegründet, an einem Album gearbeitet, die neue Band aufgelöst, GHOULTOWN reformiert und nun das dritte Album veröffentlicht. Klingt für mich ziemlich beeindruckend… 😉

Viele unterschiedliche Dinge haben zu dieser langen Wartezeit zwischen den Alben geführt, unter anderem der Ausstieg unserer langjährigen Freunde, Gitarrist Edgar Rivera und Schlagzeuger John Covington. Ich will nicht zu sehr ins Detail gehen, warum sie die Band verlassen haben, es reicht zu sagen, dass es eine Kombination aus persönlichen Problemen, Familienangelegenheiten und Terminkonflikten war. Beide bleiben sehr gute Freunde und werden es für uns immer sein. Wir wünschen ihnen weiterhin das größte Glück mit allem, was sie tun.
Nachdem Edgar ging, übernahm ich die Gitarre. Glücklicherweise erwies sich dies als weicher Übergang für John Perez. Wir waren anfangs beide etwas ängstlich, da wir die musikalische Integrität der Band erhalten wollten, für die sie bekannt wurde. Glücklicherweise verband sich mein Schreibstil und Gitarrensound ganz einfach mit dem von John und das Gefühl der Band blieb intakt. Wir haben zunächst einige Leute ausprobiert, bevor wir James Martin ins Spiel brachten, um die Bass-Position zu füllen. Das alles hat uns ordentlich Zeit gekostet. Ich habe zuvor bereits mehrere Jahre mit James innerhalb und außerhalb anderer Bands zusammengearbeitet, einschließlich dem CONCEPT OF GOD-Projekt, das wir gemeinsam mit Robert Lowe und John Covington im Dezember 2000 hatten. James ist fantastisch und er passt perfekt zu SOLITUDE. Wir haben auch über ein Jahr mit einem anderen Schlagzeuger gearbeitet, bevor wir auf Steve Nichols stießen, was hervorragend funktionierte. James und Steve sind beides großartige Menschen und es ist ein Vergnügen mit ihnen zu arbeiten.

Das ist die Kurzfassung……..Proben, Terminkonflikte, das Album schreiben, Bandmitglieder antesten, Scheidungen, Kinder kriegen, Nebenprojekte, neue Jobs, Live-Shows und das Leben im Allgemeinen zusammengenommen ergeben zirka 8 Jahre.

Abgesehen von den vielen Verschiebungen, musstet ihr in dieser Zeit einige Shows absagen und die vermeintlich legendäre Rückkehr auf europäische Bühnen auf dem letztjährigen DOOM SHALL RISE-Festival wäre ebenfalls beinahe in einem Fiasko geendet. Alles zusammengenommen, waren viele Fans (einschließlich mir) ziemlich enttäuscht. Als die letzte Ankündigung eines Veröffentlichungstermins für Alone kam, hat mich das in keiner Weise mehr berührt. Schauen wir mal… war meine Reaktion darauf. Versteht ihr, dass sich die Fans zu Teilen von euch abgewendet haben?

SOLITUDE
Das Coverartwork bringt es zum Ausdruck: Alone könnte das düsterste Album der Bandgeschichte sein.

Ja, ich kann verstehen, dass solche Dinge für die Fans ziemlich entmutigend sind. Es war einfach eine Sache von schlechter Kommunikation. Nicht jeden hat die komplette Geschichte erreicht, was innerhalb des SOLITUDE-Camps passiert.
Eigentlich waren wir fast an dem Punkt, das Album aufzunehmen, als der erste Line-Up-Change dazwischenkam. Dasselbe geschah mit dem zweiten Line Up-Wechsel. Solche Dinge brauchen Zeit, um gelöst zu werden. Wir arbeiten viele Stunden, jemanden gut genug in das Material einzuführen, und dann musst du das alles nochmal machen mit jemand völlig anderem.
Wir gehen erst ins Studio, wenn jeder mit jedem einzelnen Song vollkommen zufrieden ist. Wenn uns also jemand nach unseren Fortschritten fragte, war unsere spontane Reaktion ja, wir sind fast bereit dazu, aufzunehmen. Und dann kam die Serie von Line Up-Wechsel, von denen ich erzählt habe. Wir haben der Presse jedes Mal mit bestem Gewissen geantwortet, wenn sie uns danach gefragt hat. Es war nicht so, dass die News falsch gewesen wären oder dass die Presse keine korrekten Informationen hatte – sie hatte einfach nicht alle Informationen.

Die Fans in Europa blieben aber letztendlich immer loyal. Wie sieht es in den USA aus?

Ich bin mir sicher, dass es einige Fans gab, die enttäuscht waren, aber letztendlich hatten die Leute überall sehr viel Verständnis für die Situation.

Könnt ihr in eurer Heimat also nach wie vor auf eine Fanbasis blicken, oder müsst ihr die Fans erst wieder zurückgewinnen?

Ich denke die meisten Leute, die diese Art von Musik mögen, bleiben treu. Selbst wenn es in den Staaten hauptsächlich um Kommerz und Popularität geht, sind die meisten True Metal-Fans nicht besonders empfänglich für derartige Marketing-Einflüsse. Wenn sie auf unsere Musik gestoßen sind, dann nicht wegen des Radio-Airplays. Die Radiostationen spielen derartige Musik hier nicht. Ich bezweifle also, dass die Musikszene hier einen Einfluss auf die Herzen der SOLITUDE-Fans hatte. Ich würde sogar sagen, dass die SOLITUDE-Fanbasis stärker denn je ist.

Wie sieht die Live-Situation in den USA aus? Hofft ihr momentan auf eine große Tour oder konzentriert ihr euch eher auf Europa?

Wir konzentrieren uns hauptsächlich darauf, in Europa zu spielen. Das liegt am Markt hier in den Staaten – wie ich bereits erwähnt habe. Die wenigen Metal-Läden, die übrig sind und noch nicht geschlossen haben, sind ziemlich klein und ziehen keine Massen, wie man sie benötigt, um im Business zu bleiben. Es ist für eine Band wie SOLITUDE viel schwieriger, eine Tour zu organisieren und dabei genug Geld für Essen und Benzin zu verdienen, und noch viel weniger, dass etwas für die Stromrechnung und Miete übrig bliebt. In Europa sieht das anders aus. Die Leute mögen immer noch unterschiedliche Musikrichtungen, Doom Metal inbegriffen. Das ermöglicht es uns, in Europa mit viel weniger Kosten zu spielen, als hier in den Staaten.
Ich bin zuversichtlich, dass im Laufe des Jahres immer mehr Termine dazukommen werden. Bislang sind wir für eine Show in Polen im Februar gebucht, wo wir eine Live-DVD aufnehmen werden. Soweit ich weiß, sind auch ein paar weitere Festivalauftritte in Arbeit…. Mexico im März und Chicago im April eingeschlossen. Wir lieben es alle, in Europa zu spielen und wir werden hoffentlich die Möglichkeit bekommen, Alone eine Zeit lang in Europa promoten zu können.

Die Musik auf Alone ist wirklich großartig und wenn ich ehrlich bin, hätte ich nicht mit einem derart starken Album gerechnet. Ist vielleicht auch ein positiver Aspekt an dieser langen Verzögerung, dass ihr Zeit hattet, immer wieder neu an den Songs zu feilen?

Alone ist kein Ergebnis jahrelangen Probens. Das Material ist ziemlich genau so wie bei jedem anderen Album entstanden. Der einzige echte Vorteil, so viel Zeit zwischen den Veröffentlichungen zu haben, ist die Fülle an Material. Wir haben schon einige Songs fertig, die aufgenommen werden können, und hoffentlich können wir das Nachfolgealbum Ende des Jahres veröffentlichen. Die Musik von Alone wurde nicht neu geschrieben, überarbeitet oder neu arrangiert, weil wir viel Zeit hatten. Wir schreiben Lieder, und wenn wir alle zur Überzeugung gelangen, dass es gut klingt, machen wir weiter und schreiben weitere Songs. Wir überarbeiten existierendes Material nicht.

SOLITUDE
Ich habe noch nie jemanden getroffen, der so hingebungsvoll Musik macht wie er. Und selbst wenn Mr. James Martin heutzutage einen etwas anständigen Haarschnitt trägt, dann hatte er doch über zwei Dekaden hinweg mehr Haare auf seinem Kopf, als die meisten Metalbands zusammen. Lasst euch nicht von seinem unschuldigen Äußeren und seinem breitgefächerten musikalischen Talent täuschen – Steve Moseley über seinen langjährigen Freund und jetzt Mitmusiker.

Die Songs auf Alone sind also nicht eine Art Best-of dessen, was ihr in den letzten sechs Jahren geschrieben habt?

Nein, Alone ist kein Best-of-Album. Wenn wir Songs schreiben, dann kommt es vor, dass wir ein Lied nicht auf das Album packen, weil es nicht zum Rest passt. Das kann die verschiedensten Gründe haben, aber wir mustern einen Song niemals deshalb aus, weil wir ihn nicht gut genug finden oder weil ein anderer Song besser ist. Wenn das Material nicht gut genug ist, dann wird daraus auch nie ein Song.

Die Musik auf Alone wurde von John Perez und mir während der letzten acht Jahre geschrieben. Einige der Stücke begleiten uns bereits seit 1999 oder länger, und bei einigen Songs haben wir beschlossen, sie im Studio fertig zu stellen. Die meisten Stücke wurden im selben Zeitraum während der Proben von der Band gemeinsam arrangiert.

Würdest du uns einen kleinen Einblick geben, wie die Band heutzutage arbeitet? Probt ihr noch wöchentlich oder sogar mehrmals in der Woche?

Wir proben nach wie vor zwei Mal in der Woche. Das ist ein Terminplan, der für uns zu funktionieren scheint.

Also kann man SOLITUDE AETURNUS nach wie vor als Band bezeichnen? Die Struktur hat sich nicht gelockert, im Gegensatz zu den Anfängen der Band?

Richtig, SOLITUDE ist nach wie vor eine Band. Wir hatten vielleicht mit ein paar unglücklichen Umständen zu kämpfen, die außerhalb unserer Kontrolle lagen und den Release unseres letzten Albums verzögerten, aber wir sind ziemlich alive & kicking.

Euer Bassist James scheint ein cooler Mensch zu sein, aber auf der Bühne wirkt er optisch ein bisschen deplatziert. Wie wir gehört haben, ist er ein passionierter Disco-Fan und er spielt außerhalb von SOLITUDE AETURNUS in einer solchen Band, wohin er sicher auch sehr gut passt…

James Martin ist ein hervorragender Musiker und ein sehr enger persönlicher Freund von mir. Er isst, atmet und schläft Musik. Wenn er nicht mit uns probt, dann verbringt er seine Freizeit damit, mit Michael Harris, John Inman oder verschiedenen Coverbands Musik zu machen. Und ja, manchmal spielt er Disco, Country, Blues, Jazz und andere Arten von Musik. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der so hingebungsvoll Musik macht wie er. Und selbst wenn Mr. James Martin heutzutage einen etwas anständigen Haarschnitt trägt, dann hatte er doch über zwei Dekaden hinweg mehr Haare auf seinem Kopf, als die meisten Metalbands zusammen. Lasst euch nicht von seinem unschuldigen Äußeren und seinem breitgefächerten musikalischen Talent täuschen: Er ist Hard Core, extrem Hard Core!

…ihr musstet ihn also nicht dazu zwingen, bei SOLITUDE AETURNUS zu spielen?

Wir mussten noch nie jemanden dazu zwingen, mit uns Musik zu machen. James war schon immer ein großer Supporter der texanischen Metal-Szene und wird es immer sein. James Martin hat vermutlich auf mehr texanischen Metal-Bühnen gestanden als wir alle zusammen. Nicht zuletzt hat er auch auf der G3-Tour mit STEVE VAI und JOE SATRIANI gespielt, und als Jon Oliva vor Jahren in die Stadt kam, um SAVATAGE-Material zu spielen,… war er der Bassist. James liebt Metal, und wir sind froh, ihn bei uns zu haben.

Das Drumming von Steve ist absolut großartig. Es macht einfach Spaß, ihm zuzuhören. Wie sehr waren Steve und James in das Songwriting des Albums involviert?

Sowohl James Martin, als auch Steve Nichols waren zum größten Teil am Arrangement des Albums beteiligt.

SOLITUDE
Robert Lowe hat im Januar 2007 auch bei CANDLEMASS die Sängerposition übernommen, nachdem Messiah Marcolin endgültig bei den Schweden ausgeschieden ist.

Der Titel des Albums ist Alone, was für mich sehr stark in Richtung des Debüttitels geht. Das, kombiniert mit der Musik auf dem neuen Album, legt den Schluss nahe, dass ihr versucht habt, wieder stärker in Richtung der Anfänge der Band zu gehen. Richtiges Gefühl?

Nein. Wir haben nicht versucht, das Feeling irgendeines unserer früheren Alben zu reproduzieren oder einzufangen.

Selbst wenn die Musik meiner Ansicht nach eine gewisse Nähe zu euren älteren Sachen hat, so ist es euch dennoch gelungen, den Songs eine Existenzberechtigung zu geben, da sie schlichtweg zeitlos ausgefallen sind und nicht so klingen, als hättet ihr Lieder geschrieben, die ihr schonmal gemacht habt, nur damals besser. Die Essenz des Dooms – um es kurz zu sagen. Wie würdet ihr Alone in eure Diskografie einreihen, die das neue Album ist immer das Beste-Geschichte mal vollkommen außen vor lassend.

Wir betrachten Alone einfach als das nächste Album von SOLITUDE AETURNUS. Wir versuchen nicht gegenüber anderen Alben oder sonstwas zu vergleichen oder zu bewerten. Die Alben – und jeder einzelne Song darauf – sind wie unsere Kinder. Wir lieben eines nicht mehr als das andere. Sie haben unterschiedliche Qualitäten, die sie einzigartig machen. Einige dieser Qualitäten und Charakteristiken erscheinen attraktiver als andere, aber insgesamt ergeben sie ein Ganzes.

Viele Fans hatten ihre Probleme in Adagio reinzufinden. Selbst Leute, die das Album lieben, haben dafür ihre Zeit gebraucht. Ich finde, das neue Album ist wieder ein ganzes Stück eingängiger. Es hat fantastische Riffs und Melodielinien, die sehr schnell hängen bleiben. Als ihr nach Adagio neues Material geschrieben habt, habt ihr euch da bewusst vorgenommen, wieder eingängiger zu werden?

Nein. Wir hatten nicht vor, ein eingängigeres Album zu schreiben. Wir haben einfach Songs geschrieben. Es gab keine versteckten Motive oder Ziele. Es ging uns nur darum, ein weiteres Heavy Metal-Album zu schaffen.

Zur Veröffentlichung von Adagio habt ihr mir erzählt, dass ihr eigentlich kürzere Alben vorzieht, es euch aber nicht möglich war, einen Song wegzulassen. Bei Alone gibt es nun neun reguläre Songs und ein Bonus-Epos für die Erstauflage. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ihr Embrace deshalb als schlechteren Song einstuft?

Nein. Wie ich zuvor erwähnt habe, hatten wir einfach das Gefühl, dass Embrace ein bisschen anders war, als die anderen. Nicht schwächer, einfach anders. Die meisten von uns bevorzugen allgemein kürzere Alben. Was das Fallen lassen eines Songs angeht, so war das bei Alone in keiner Weise der Fall. Wir wählen die Songs aufgrund ihres Verhältnisses zueinander aus. Es gab noch ein paar andere Songs, die man für Alone hätte aufnehmen können, aber diese Gruppierung erschien uns am attraktivsten, wenn man das Album als Ganzes, vom Anfang bis zum Ende, anhört.

Seid ihr euch bewusst darüber, dass ihr auf Alone mit das beste und abwechslungsreichste Gitarrenspiel in der Bandgeschichte abliefert? Habt ihr die Zeit genutzt, um intensiv für SOLITUDE AETURNUS zu üben?

Nein. Wir haben nicht speziell an der Gitarre geübt, um bessere Musiker zu werden. Es gibt für einen Musiker einen enormen Unterschied zwischen Proben und Üben. Wobei die meisten Leute durch konstantes Proben ihre musikalischen Fertigkeiten erhöhen. John Perez und ich teilen uns auf Alone die Songwriting- und Solo-Arbeit. Als ich vom Bass zur Gitarre gewechselt habe, war eine meiner Verantwortlichkeiten, die Soli zu spielen, die ursprünglich von Edgar Rivera aufgenommen wurden. Für die wenigen, die daran interessiert sind, wer auf Alone was macht, hier die Solo-Credits:

1. Scent of Death – John Perez
2. Waiting for the Light – intro solo John – middle solo
Steve
3. Blessed be the Dead – John
4. Sightless – Steve
5. Upon Within – Steve
6. Burning – Steve
7. Is There ? – Steve
8. Tomorrows Dead – *** no solo ***
9. Essence of Black – bridge themes John – outro melody Steve
10. Embrace – 1st John, 2nd Steve, 3rd John, 4th
Steve, 5th John, outro Steve

SOLITUDE
Das neue Gitarrenduo nach dem Ausstieg von Edgar Riveira: Steve Moseley und John Perez

Wie die meisten bereits wissen: die Songreihenfolge auf der CD-Hülle ist falsch. Und, wie die meisten nicht wissen, spiele ich wirklich gerne Gitarre. John Perez musste mich nicht dazu zwingen, statt Gitarre Bass zu spielen. Viele Leute meinen, John wäre der Herr über Allem, aber das ist nicht der Fall. Er hat mich höflich gefragt, ob ich dieses Mal die Gitarre statt dem Bass spielen möchte.

Ihr verwendet immer wieder diese orientalischen Melodielinien. Benutzt ihr sie, weil sie cool klingen, oder gibt es da ein besonderes Interesse an der orientalischen Kultur?

Wir benutzen oft diese östlich klingenden Skalen und Melodien, einfach, weil wir mögen, wie es klingt.

Für die Lyrics auf Alone habe ich mal folgende Statistik erstellt:
– Dark/Darkness – 6 Songs
– Death – 5 Songs
– God – 5 Songs
– Life – 5 Songs
– Pain – 5 Songs
– Vision – 5 Songs
Weitere immer wieder auftauchende Wörter sind Sorrow, Hell, Heaven, Black, Dreams, Pain, etc.
Das hört sich ja fast wie ein Konzeptalbum an… 😉 Es ist interessant, dass selbst nachdem das Album über eine so lange Zeitspanne hinweg entstanden ist, die Entwicklung der Lyrics derart fokusiert geblieben ist…

Wie du vielleicht weißt, hat Robert Lowe den Großteil der Lyrics für Alone geschrieben, genauso wie für den Vorgänger Adagio. Sollte es dabei etwas wie ein Thema, eine rote Linie oder ein Konzept geben… nicht dass ich es wüsste.
Ich denke Robert hat über eine Reihe unterschiedlicher Themen geschrieben, Tod und Spiritualität neben anderen inbegriffen.

Ich empfinde die Texte auf Alone so ziemlich als die düstersten, die ihr je gemacht habt. Sieht du das auch so?

Ja, definitiv.

Gleiches gilt für das Cover-Artwork, das mit das trostloseste der Bandgeschichte darstellt – ich meine: die Situation auf dem Cover ist ziemlich endgültig…

Ich persönlich denke, dass der Typ auf dem Album-Cover so allein ist, wie man es nur sein kann. Ich würde sagen, er ist ziemlich einsam… das ist aber nur geraten.
Ich glaube Robert Lowe kam mit dem Cover-Konzept an. Er hat dabei mit Travis Smith kollaboriert, der eine fantastische Arbeit abgeliefert hat, die Gedanken visuell umzusetzen. Travis ist ein fantastischer Künstler.

Lass uns nochmal ein bisschen über die Show auf dem DOOM SHALL RISE-Festival letztes Jahr reden. DSR-Mitveranstalter Frank hat nicht zu viel rausgelassen, was im Hintergrund passiert ist, aber er meinte, dass der Rest der Band am Vorabend durch die Hölle gegangen ist. Was für ein Gefühl war es, als ihr die Möglichkeit hattet, endlich weitermachen zu können und vor einem echten Die-Hard-Publikum zu spielen, und plötzlich ohne Sänger dazustehen? Das muss nach dem ganzen Hick-Hack der letzten Jahre ein echter Schlag gewesen sein.
Wie war es für euch, als mehrere Sänger über Nacht zur Verfügung standen, um die Show zu retten? Timmy von DOOMSHINE und Erico von DANTESCO hatten nur wenige Stunden, um sich vorzubereiten, und Timmy hatte nicht mal die richtige CD rechtzeitig zur Hand. Unter diesen Umständen hat natürlich jeder sein Bestes gegeben, aber eine professionelle Show war wohl unmöglich.

SOLITUDE
John Perez musste sich gezwungenermaßen beim DOOM SHALL RISE 2006 mit Erico von DANTESCO, Timmy von DOOMSHINE und Gerrit von DAWN OF WINTER den Gesangspart teilen.

Wir machten den Umständen entsprechend das Beste daraus. Letztendlich war es definitiv ein einzigartiger Abend. Im Grunde war es so, dass Robert Lowe unvorhersehbare Schwierigkeiten hatte, die Staaten zu verlassen, aufgrund von Problemen mit seinem Pass. Die Behörden haben uns unglücklicherweise nicht rechtzeitig darüber informiert, bis es dann zu spät war. Das Problem wurde geklärt und Robert nahm das nächste Flugzeug, aber es ist nicht mehr rechtzeitig angekommen. Die erste Show haben wir also ohne ihn gespielt.
Es war ein unvergesslicher Abend. Wir waren erst unsicher, was wir tun sollten. Einen Moment lang dachten wir darüber nach, ob wir die Show absagen sollten, da wir glaubten, dass seine Stimme ein signifikanter Teil einer SOLITUDE-Show ist. Aber uns wurde klar, dass die ganzen Leute bereits da waren und es viel zu spät für eine Absage war. Sie warteten darauf, uns zu sehen – komme was wolle. John entschied sich, so viel Gesang wie möglich selbst zu übernehmen, und in letzter Minute fragen wir Erico von DANTESCO, Timmy von DOOMSHINE und Gerrit von DAWN OF WINTER, ob sie uns aushelfen könnten. Wir wussten nicht, was wir den Fans sagen sollten, wir wussten nur, dass wir da waren und spielen wollten… unglücklicherweise war Robert eben nicht dabei. Ich war erstaunt, wie nachsichtig das Publikum war. Viele kamen nach der Show und dankten uns, dass wir sie nicht abgesagt haben, wie es viele andere Bands getan hätten, und dass wir ihnen diese einmalige Erfahrung beschert hatten, die sich nie mehr wiederholen wird. Wir alle fühlen uns geehrt, so verständnisvolle und enthusiastische Fans zu haben. Erico, Timmy und Gerrit haben einen großartigen Job abgeliefert, haben die Songs teilweise zu ihren eigenen gemacht und ihnen eine einzigartige Atmosphäre verliehen. Wir hätten es ohne sie nicht durchziehen können. Wir sind dafür sehr dankbar. Diese Show wird unvergesslich bleiben, eine Nacht, in der uns so viele Freunde aus einer misslichen Lage herausgeholfen haben.

Denkst du, dass diese Hilfsbereitschaft typisch für diese Doom-Familie ist?

Ja. Ich denke jeder in dieser True/Doom-Metal-Familie ist sehr eng mit ihr verknüpft, fast wie in einer richtigen Familie. Wir hätten für jeden von ihnen dasselbe getan, wenn Not am Mann gewesen wäre. Es ist für uns ermutigend, dass es so viele Leute da draußen gibt, denen die Musik wirklich wichtig ist.

Wenn ihr die Show gecancelt hättet, hätten euch vermutlich einige Leute gelyncht. Es war keine großartige Performance, aber letztendlich einmalig. Oder gab es sonst Shows in der Bandkarriere, die ähnlich verliefen?

Es gibt nichts Vergleichbares. Es wird immer einzigartig bleiben.

Als ihr die anderen Bands und die Fans gesehen habt, die deutlich zeigen, dass es immer noch eine sehr enthusiastische und aktive Doom-Szene im Underground gibt, hat es euch da doppelt geärgert, dass ihr so lange in einer Sackgasse gesteckt habt?

Natürlich hätten wir es vorgezogen, wenn Alone bereits vor 7 Jahren erschienen wäre, gefolgt von sechs weiteren Releases. Aber wie ich bereits sagte, lagen die Umstände nicht in unserer Hand. Glücklicherweise haben uns die meisten Fans verziehen und die Situation verstanden.

Euer Status in der Szene ist fast mit dem von CANDLEMASS vergleichbar. War die Wiedergeburt dieser Band ein weiterer Motivationsschub wieder Gas zu geben, oder hat man in den USA davon gar nicht so viel mitbekommen?

Wir wollen mit Alone in keiner Weise versuchen, unseren Status auszubauen oder Ruhm und Anerkennung zu erlangen. Das ist nicht unser Ziel. Wir wollen einfach Heavy Metal machen. Das ist unser Hauptfokus. Wir haben alle vom neuen CANDLEMASS-Album erfahren, weil wir alle Fans deren Musik sind. Das mit dem Status von CANDLEMASS vergleichbar freut uns sehr, das haben wir unseren Fans zu verdanken.

Letzendlich gibt es auf Alone einige Riffs und Leads, die etwas an CANDLEMASS erinnern. Zufall? Oder vielleicht sogar eine Verneigung vor den Kollegen aus Schweden?

Jede Ähnlichkeit zu CANDLEMASS oder einer anderen Band ist reiner Zufall. Wie auch immer sehen wir es als Ehre an, mit CANDLEMASS assoziiert oder verglichen zu werden. Wir versuchen nicht mit Absicht, jemanden zu imitieren, nicht mal uns selbst. Ich denke es ist unmöglich zu vermeiden, dass deine Musik mit der von jemand anderem verglichen wird. Und bei den wenigen Bands, die diese Musik spielen, ist es kein Wunder, wenn die meisten Leute an CANDLEMASS denken, wenn sie uns hören, und umgekehrt.

Zum Schluss eine Gewissensfrage: was können die Fans von SOLITUDE AETURNUS in nächster Zeit erwarten? Traut ihr euch noch, belastbare Aussagen zu treffen, was nach Alone bei SOLITUDE AETURNUS passieren wird?

Du solltest einen Texaner niemals herausfordern…hat dir das noch niemand gesagt?

Wir lieben Herausforderungen – wie wär´s mit einer doppelten?

Ich wage zu sagen, dass SOLITUDE AETURNUS dieses Jahr eine Live-DVD veröffentlichen werden, eine Days of Doom Vol. II-DVD und ein Nachfolger zu Alone und zusätzlich das CONCEPT OF GOD-Projekt, das ich mit Robert Lowe, John Covington und James Martin 2000 gemacht habe. Dieses Jahr dürfte gut werden für Doom-Fans.

Fierce
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