PRIMORDIAL: Beharrlichkeit zahlt sich aus

PRIMORDIAL: Beharrlichkeit zahlt sich aus

Beharrlichkeit zahlt sich aus. Dieser Satz kam mir aus zwei Gründen als Titel für dieses Interview in den Sinn. Zum einen scheint sich die Beharrlichkeit PRIMORDIALs endlich auszuzahlen, denn mit ihrem neuen Album bekommen die Iren scheinbar endlich die Aufmerksamkeit, die ihnen zusteht. So räumte man in den Soundchecks diverser Magazine gewaltig ab und schaffte es auch hier bei vampster in die Jahres-Top-Listen von gleich vier Redakteuren. Und das zu Recht, denn mit To The Nameless Dead haben PRIMORDIAL – da bin ich mir inzwischen völlig sicher – ihr bisher bestes Album abgeliefert.

 

Zum anderen zahlte sich auch meine Beharrlichkeit aus. Ganze vier Termine zum Telefoninterview mit Alan mussten vereinbart werden, bis ich den guten Mann an einem Montagabend nach einer Doppelfolge Lost endlich an die Strippe bekam. Belohnt wurde ich mit einem ausfürlichen, sehr interessanten Gespräch mit einem redseligen und freundlichen Alan, der sich viel Zeit nahm und nahezu eine Stunde lang meine Fragen beantwortete.

Hi Alan. Erst einmal herzlichen Glückwunsch zur neuen CD. To The Nameless Dead ist das beste Album, dasihr bisher gemacht habt. Es kombiniert nahezu alle Einflüsse eurer bisherigen Alben. Die Wildheit von Storm Before Calm, die epischen Momente von Spirit The Earth Aflame und die traurigen, melancholischen Sachen von The Gathering Wilderness. War das so geplant oder eher Zufall?

So ziemlich alles bei PRIMORDIAL passiert zufällig. Wir machen keine Pläne ein aggressives, episches oder düsteres Album aufzunehmen. Es kommt wie es kommt. Wir sitzen nicht rum und entscheiden, dass wir ein Album machen, das eine Kombination aus diesen und jenen Dingen ist. Es gibt keinen großen Plan, kein Design.


Und ich bin nicht der einzige, dem das neue Album gefällt. Ihr habt in allen großen deutschen Print-Magazinen Top-Reviews bekommen. Auf eurer
Homepage habt ihr diese Bewertungen mit dem Kommentar Last one who did this? IRON MAIDEN! veröffentlicht. Ihr scheint also wirklich stolz auf die guten Kritiken zu sein.

Gute Kritiken sind immer hilfreich. PRIMORDIAL waren schon immer eine Art Kritiker-Band. Aber Nummer Eins in all diesen Magazin-Soundchecks zu werden war schon ziemlich merkwürdig. Das passiert normalerweise Bands wie ARCH ENEMY oder DIMMU BORGIR, Bands, die nicht nur bei den Black Metal-Fans Anklang finden, sondern auch beim Power Metal-Fan oder was auch immer. Es war also schon echt komisch. Zumindest aus Kritiker-Sicht sind wir also vom Rand der Szene soweit gekommen, dass die Magazine uns auch mal für einen Monat oder zwei ihr Hauptaugemerk schenken. Ob die Leute die CD nun kaufen oder nicht muss sich noch zeigen. Mit all diesen Voraussetzungen hätten wir eigentlich in Deutschland in die Charts einsteigen müssen. Sind wir aber nicht. Also haben die Leute vielleicht doch stattdessen die neue ENSIFERUMCD oder so gekauft.


Du erwähntest gerade Bands, die verschiedenen Fan-Schichten gefallen. Ich denke, das kann man auch über PRIMORIDAL sagen. Klar, ihr habt eure Wurzeln in der Black Metal-Szene, aber eure Fans kommen aus allen möglichen Metal-Szenen – würde ich vermuten.

Ich denke Metalblade realisieren auch gerade, dass PRIMORDIAL eine Band ist, die durchgehend auf einem Niveau verkauft. Die letzte CD hat ich in Deutschland gut genug verkauft um zu charten – eben nur über einen längeren Zeitraum. Die Leute sind also nicht gleich alle in der ersten Woche in die Läden gerannt und haben sich die CD gekauft. Ich weiß nicht, was das über PRIMORDIAL aussagt, aber es stimmt: Wir haben Black Metal-Fans, totale Underground-Fans, sogar Power Metal und Gothic Metal-Fans mögen PRIMORDIAL. Manchmal kann das vom kommerziellen Standpunkt her eine Katastrophe sein, weil du in keine Kategorie passt und die Leute Schwierigkeiten haben zu verstehen, was du tust. Ein perfektes Beispiel sind DESTROYER 666. Zu brutal für normale Metal-Fans, nicht genug Black Metal für die Black Metal Fans, nicht genug Death Metal für die Death Metal-Fans, nicht Mainstream-thrashig genug für THE HAUNTED-Fans. Trotzdem eine brillante Band. Ich schätze, das passiert mit Bands, die ihren eigenen Sound haben.


Zumindest respektieren die meisten Leute
PRIMORDIAL für das, was ihr tut.

Nun, ich schätze wenn du das was wir tun nicht respektieren kannst, musst du ein verdammter Idiot sein. Sechs Alben ohne Kompromisse in siebzehn Jahren und wir haben niemals irgendwen kopiert. Wenn du das nicht hören kannst, musst du schon ein bisschen taub sein, um ehrlich zu sein.

PRIMORDIAL
PRIMORDIAL 2008: Paul MacAmlaigh (bass), A. A. Nemtheanga (vocals), Ciaran MacUiliam (guitar), Michael O´Floinn (guitar), Simon O`Laoghaire (drums)

Wie war es, im Sommer aufzunehmen?

Es hat jeden verdammten Tag geregnet. Diesen Sommer hat es in Irland 63 Tage lang geregnet. Nicht den ganzen Tag, aber zumindest ein mal pro Tag. Und in England gab es fürchterliche Probleme mit Überflutungen und sintflutartigen Regenfällen. Wenn wir eine Woche später gekommen wären, hätten wir es vielleicht gar nicht mehr zum Studio geschafft. Alles was wir bisher aufgenommen haben, war im Winter. Und im Gegensatz zu dem, was viele Leute vielleicht denken, ist der Winter in Dublin nicht gerade aufregend oder majestätisch. Es ist sehr grau, windig und regnerisch. Wir wollten dem einfach entfliehen, dem Chaos der Großstadt und irgendwo ins Nirgendwo gehen, um uns auf das zu konzentrieren, was wir tun. Von diesem Standpunkt aus gesehen war es gut, aber das Wetter hat keinen Unterschied gemacht. Das schlechte Wetter folgt uns.


The Gathering Wilderness wurde in den Cauldron Studios aufgenommen. Du warst damals mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Trotzdem habt ihr für die Aufnahmen von To The Nameless Dead das Studio gewechselt.
Warum dies?

Das Cauldron Studio ist ziemlich teuer, was ein sehr wichtiger Grund war. Außerdem ist es mitten in Dublin und wir wollten weg von dort, aus Dublin raus kommen. Es ist wichtig sich manchmal selbst herauszufordern und Dinge zu tun, die unbequem sind – eine neue Umgebung und mit neuen Leuten arbeiten.


Ihr habt zwei Wochen gebraucht, um
To The Nameless Dead aufzunehmen. Andere Bands brauchen so lange um den Drum-Sound richtig einzustellen.

Ja, scheiß auf so etwas. Wir haben in dreizehn Tagen aufgenommen UND gemischt. Die tatsächlichen Aufnahmen haben also etwa sieben oder acht Tage gedauert. Dann ein paar Tage für Overdubs und Anpassungen beim Gesang und drei Tage für den Mix. Ich steh nicht auf solchen Scheiß und suche nicht nach dem perfekten Sound. Ich denke nicht, dass so etwas überhaupt existiert. Du musst die Atmosphäre und die Energie der Songs einfangen, und wenn dir das gelingt, höre ich mir lieber etwas an das wie BLASPHEMY klingt, als etwas das wie ARCH ENEMY klingt. Ich habe kein Interesse an diesem modernen, klinischen, technischen, digitalen plastikmäßigen Metal-Sound. Wir haben versucht zurück zu gehen. Das fängt beim Drumsound an, der nach späten Siebzigern oder frühen Achtzigern klingt. Wir haben alles analog aufgenommen, alte Verstärker und alte Gitarren benutzt und so viel wie möglich live aufgenommen, sogar einige Gesangspassagen. Kein Audio-Tune, kein Click-Track. Nichts dergleichen – einfach nur gespielt. Ich finde die Leute denken manchmal einfach zu sehr darüber nach. Manchmal muss man schlicht auf sein Bauchgefühl hören und das tun, was sich am besten anfühlt. Und das ist die Art und Weise, wie wir die Sache angehen. Die andere Sache ist, dass wir uns gegenseitig umbringen würden, wenn wir vier Wochen lang zusammen im Studio wären. Wir sind keine Menschen, die man vier Wochen lang zusammen an einem Ort einsperren kann. Das würde nicht funktionieren, das ist nicht die Art und Weise wie PRIMORDIAL arbeiten. Wir proben nicht jede Woche – wir sind einfach nicht so eine Band.


Viele Meilensteine im Black Metal oder Metal allgemein wurden ja in nur wenigen Tagen eingespielt.

Ja, wenn BLACK SABBATH ihr erstes Album in drei Tagen aufnehmen können, brauchst du keine drei Monate für dein verdammtes Album, denn es wird immer noch schlechter als das erste BLACK SABBATH-Album klingen und das ist die verdammte Wahrheit. Wir proben immer noch wie 1991. Wir schicken uns keine mp3´s oder sitzen am Laptop und schneiden Songs zusammen. Wir fünf in einem beschissenen Proberaum – schreien, streiten und reden. Einfach menschliche Interaktion, was sehr wichtig für eine Band ist, um nach fünf Leuten, die zusammen spielen, zu klingen und nicht nach einer Maschine.


Ich lese das immer wieder bei Bands. Wir leben weit auseinander und schicken uns die Songs über´s Internet. Das ist nicht die Art und Weise auf die Rock´n´Roll kreiert werden sollte.

Exakt, da stimme ich völlig mit dir überein. Du musst im Proberaum stehen mit dem verdammten Rauch, dem Schweiß, dem Trinken und dem Fluchen, den verschiedenen Persönlichkeiten, den Witzen und den verdammten Auseinandersetzungen. Das ist notwendig um etwas zu produzieren, was menschlich klingt. Für einige Bands mag die andere Arbeitsweise funktionieren aber wir brauchen einfach diese menschliche Interaktion.

Das Ergebnis klingt absolut großartig. Die Gitarren und insbesondere das Schlagzeug klingen so wie eine Extrem Metal-CD klingen sollte. Gerade in der Modern Metal-Szene gibt es soviel digitalen Bullshit. Diese ganzen Produktionen klingen doch alle gleich. To The Nameless Dead klingt warm, organisch und roh.

Ich denke, dass einige Black und Death Metal Bands mal einen Blick auf die Doom-Szene werfen sollten, eine Szene mit der ich mich schon immer beschäftigt habe. Wir haben dieses Studio gefunden, weil einige Leute von Metalblade UK für Rise Above, das Label von Lee Dorian von CATHEDRAL gearbeitet habe. Wir kennen ihn ein wenig und haben ihn gesagt, dass wir ein Studio mit altem Equipment suchen. Er sagte, dass er ein Studio kennt, in dem auch schon WITCHCRAFT und ELECTRIC WIZARD aufgenommen haben. Es gehört eine Typen der mal bei HAWKWIND war und preislich ist es auch in Ordnung. Wir sind also dort hin gegangen und haben so günstig aufgenommen, wie manche Bands mit Pro-Tools und ähnlichem Kram. Okay, ich verstehe, dass die Situation im Musikgeschäft sich verändert. Die Bands verkaufen immer weniger Alben und haben somit weniger Geld für Aufnahmen zur Verfügung. Also ist das Aufnehmen mit Pro-Tools im Proberaum für manche Bands wahrscheinlich wirklich die beste Möglichkeit und das ist auch in Ordnung. Aber wenn ich sehe, dass einige Bands wirklich diesen klinischen, seelenlosen Sound haben wollen – das ist es was ich hasse. Wenn du das Beste gibst, was du kannst, aber nun mal nur zweieinhalb Tausend CDs verkaufst, ist das absolut verständlich. Du musst deine Musik ja irgendwie an den Mann bringen. Aber wir hatten nun mal die Möglichkeit, es anders zu machen. Ich denke dass eine Menge Black und insbesondere Death Metal-Bands einiges lernen könnten, wenn sie sich mal eine verdammte AUTOPSY-Scheibe anhören. Du brauchst diesen maschinellen Sound nicht. Ich höre mir nichts an was so klingt.

PRIMORDIAL
To The Nameless Dead wurde in 13 Tagen aufgenommen und gemastert.

So, dann lass uns doch mal auf die neue CD zu sprechen kommen. Wer sind die namenlosen Toten?

Die namenlosen Toten sind Menschen, die als Statistiken enden, Menschen nach denen Monumente, Statuen oder Mahnmäler benannt sind. Das Konzept des Albums handelt von Nationen. Darüber, was Menschen denken lässt, dass ein Land ihres ist, die Verschiebung von Grenzen. Wenn du dir eine Karte aus dem 18. Jahrhundert ansiehst, wirst du Länder sehen, die nicht mehr existieren und in 50 Jahren wird es Länder geben, die jetzt nicht existieren. Es geht darum, was mit der Folklore, der Geschichte, Kultur und der Sprache dieser Länder geschehen ist, den Leuten, die ihr Leben für eine größere Sache gelassen haben, weil sie glaubten, eine bessere Umgebung zu schaffen, nicht nur für sich selbst, sondern für Ihre Kinder. Menschen, die sich gegen die Tyrannei großer Imperien erhoben haben. Auf diesem Album hat mich vor allem die neuere Geschichte fasziniert. Aber es ist ein universelles Konzept. Die Leute sagen oft, dass es bei PRIMORDIAL nur darum geht, europäisch zu sein. Aber das ist nicht wahr. Es ist ein universelles Konzept über Märtyrer, Nationen und Entfremdung. Du kannst dich selbst darin finden, egal ob du aus Peru oder Palästina kommst.

hr habt die Texte zu jedem Song des Albums sowie einige Liner-Notes mit auf die Promo gepackt, was sehr ungewöhnlich ist, da die Plattenfirmen es scheinbar unnötig finden, dass die Journalisten die Texte kennen. Ich gehe mal davon aus, dass ihr darauf bestanden habt, da die Texte ein wichtiger Teil der Musik PRIMORDIAL´s sind.

Das ist richtig. Ich spreche häufig mit Journalisten, die an unseren Texten interessiert sind. Ich weiß also, dass die Leute über die Texte sprechen wollen wenn sie mich interviewen und deswegen müssen sie natürlich wissen, worum es auf dem Album geht. Es geht nicht um Einhörner, Drachen oder darüber, wie viel Bier wir trinken und somit ist es nicht so einfach, ein Interview zu machen. Wenn du mir simple, blöde Fragen stellst, wirst du auch simple, blöde Antworten erhalten. Die Leute wissen, dass sie sich damit beschäftigen müssen und deshalb wollten Metalblade auf jeden Fall die Texte auf der Promo haben. Es gibt den Leuten mehr Einsicht und macht die Interviews interessanter.

Das ist absolut richtig, insbesondere für eine Band wie PRIMORDIAL. Es ist aber eben das erste mal, dass ich das gesehen habe.

Wirklich? Das zeigt wohl, wie wichtig einigen Bands ihre Texte sind.

Ja, und ich finde das wirklich gut. Es ist wichtig. Für das Interview, für alles. Um die Musik von PRIMORDIAL wirklich zu erleben. Es ist eben nicht nur die Musik sondern auch die Texte.

Das geht eben alles Hand in Hand. Wenn du dir die Limited Edition des Albums anschaust, da kommt wirklich alles zusammen. Das ist Kunst und keine Unterhaltung. Man sollte es als Gesamtkunstwerk betrachten in dass jede Menge Liebe zum Detail eingeflossen ist.

Das übergreifende Konzept eines Teils der Songs des neuen Albums handelt von Nationen und dem kulturellen Erbe.

Ja, das stimmt. Es ist kein komplettes Konzeptalbum aber es gibt diesen roten Faden.

Ein Thema, das dir sehr wichtig zu sein scheint. Fürchtest du den Verlust deiner Kultur und Geschichte?

Ich denke, dass muss man. Sie dir die Welt doch an. Die Medien, Regierungen und Konzerne hätten uns doch gerne als eine einzige konsumierende Masse. Konsum durch Angst. Je mehr du konsumierst, desto mehr können sie dich davon ablenken, was sie wirklich tun, deine Kultur verkaufen und die Geschichte umschreiben, um Profit zu machen. Und das ist eine große Gefahr für unser aller Kultur. Wenn du nicht weißt, wo deine Wurzeln sind, kannst du nicht in der schönen neuen Welt überleben. Sie wollen, dass wir nur noch konsumieren. Und traurigerweise ist es genau das, was viele Leute tun. Sie sind mehr mit Prominenten beschäftigt oder damit, wie gefährlich die Welt doch ist, obwohl in vielen Gegenden die Welt deutlich ungefährlicher ist als zum Beispiel vor 100 Jahren. Die Welt ist kompliziert. Nichts ist schwarz oder weiß. Die Leute sagen oft PRIMORDIAL sind dies oder das, aber die Welt ist nicht nur schwarz und weiß. Es gibt eine Menge grau in unserer Welt.

Gallows Hymn klingt völlig hoffnungslos und traurig. Wie die letzten Worte eines Mannes, der sein Ende kommen sieht. Irgendwie erinnert es mich – nicht nur Aufgrund des Songtitels – an At The Gallows End, meinen Lieblingssong von CANDLEMASS, nur dass dieser Song noch endgültiger, hoffnungsloser und depressiver klingt.

Vielleicht. Manchmal trifft man Leute, die man nur einmal pro Jahr oder alle paar Jahre mal trifft, zum Beispiel auf einem Festival. Dann setzt man sich zusammen und redet über Politik, Wirtschaft, Anthropologie , man redet über Gott und die Welt an diesem einen Nachmittag. Und ein Jahr später trifft man dieselben Leute wieder und stellt fest, dass sich nichts geändert hat. Ist es würdevoll andere Menschen um ihren Glauben zu beneiden, wenn man selber keinen Glauben hat oder ist es würdevoll seinen Mangel an Glauben mit ins Grab zu nehmen? Das ist es, worum es in diesem Song geht. Aber auch um das Konzept acta non verba, dass es Taten und nicht bloß Worten bedarf, wenn du etwas ändern möchtest. Aber ja, es ist auch ein recht hoffnungsloser Song.

 

As Rome Burns scheint fort zu führen, was Empire Falls begonnen hat. Den Tod unserer Kultur. Was mir aufgefallen ist sind die Liner Notes, in denen du schreibst The west is ripe for the picking, ready for the fall sowie We have nowhere to run when the blade comes in the darkest hours and it will come. Was wolltest du mit diesen Worten ausdrücken?

 

Wacht auf, ha ha ha! Realisiert was geschieht, dass wir unsere Kultur und Spiritualität, alles was uns in Europa verbindet, durch Kapitalismus ersetzt haben. Das paradoxe ist, während ich in einem Song über Spiritualität singe, singe ich im nächsten darüber, keine zu haben. Wir haben keine Glaubensstruktur mehr. Wir sind bereit für das Ende, den Fall der Imperien. Die Grenzen verschieben sich. Der Brennpunkt im mittleren Osten, Südamerika verändert sich hin zu mehr Demokratie und Freiheit, die amerikanische Außenpolitik versagt und China wird die nächste Großmacht sein. Wir leben in sehr interessanten und dunklen Zeiten. Eine wichtige Zeile auf dem Album lautet You may look away but your children will not und ich denke dies wird die letzte Generation sein, die die Probleme und Spannungen in der Welt ignorieren kann. Denn in den nächsten 20 – 30 Jahren wird – zumindest so wie ich es sehe – Blut in den Straßen fließen. Ich will nicht wie ein völlig hoffnungsloser Mensch klingen, aber für mich gibt es keine Erlösung in PRIMORDIAL. Wenn du Romantik, Eskapismus und Fantasy suchst, wirst du sie nicht in PRIMORDIAL finden. Bei PRIMORDIAL geht es um das hier und jetzt. Auch die Themen, die ich in einem historischen Kontext verwende, haben einen Nachklang in der Moderne. Wenn du also Einhörner reiten und Drachen bekämpfen willst, musst du woanders suchen, denn das ist nichts was mich je im Metal interessiert hat. Man könnte sagen, dass sich eine sehr düstere Sicht der Welt habe. Ich vergleiche Westeuropa mit Rom und wir sind Nero, der spielt, während Rom brennt. Ich weiß, das ist eine sehr lange Antwort…

Das ist kein Problem, wir haben keine Platzbegrenzung bei vampster. Ich habe auch gefragt, weil ich denke, dass diese Worte als rechte Propaganda ausgelegt werden könnten, wenn man es darauf anlegt. Von daher hat es mich auch als Fan interessiert, wie diese Worte zu verstehen sind.

Ich denke es ist ein allgemeines Problem der extremen Linken, alles, was ihnen nicht in de Kram passt, als rechtes Gedankengut zu deklarieren. Ich persönlich bin nicht an links oder rechts interessiert, sondern nur daran, was einen Sinn ergibt. Man könnte diese Zeilen auch so lesen, dass ich damit sagen möchte, dass der Islam Europa überrennt. Über anderen Glauben, deutlich stärkeren als unseren eigenen, der über unseren Mangel an Glauben siegt. Man kann viel in diese Zeilen hineinlesen wenn man will, und genau das ist der Grund für meine kryptischen Erklärungen. Denn du könntest genau so gut aus Palästina, dem Kosovo oder Indonesien stammen und etwas in diese Zeilen hinein interpretieren. Viele Linke denken, dass alles was mit Black Metal und Kultur zu tun hat, gleich ins rechte Lager gehört. Aber die extrem Linken finden, was immer sie wollen. Sie denken, ich muss ein Skinhead sein weil ich mir meinen Kopf rasiert habe. Das habe ich alles schon gehört, zum Teufel. Oder dass jemand nur weil er ein ROSE TATTOO-Shirt trägt ein Hooligan sein muss. Vielleicht mag er auch einfach nur ROSE TATTOO. Das ist doch alles Scheiße. Wenn jemand sich auf eine intellektuelle Debatte mit mir einlässt, stehen die Chancen gut, dass ich zu ihm durchdringen kann, aber die meisten Leute wollen das nicht hören. Sie wollen doch nur eine einfache Antwort wie Oh ja, IMPALED NAZARENE sind Nazis!. Dabei waren ein paar dieser Typen in den Achtzigern linke Punks. Aber das will keiner wissen. Wie auch immer. Das ist eine lange, komplizierte und langweilige Antwort. Die Sache bei PRIMORDIAL ist, dass unsere Liner Notes immerein wenig offen zur Interpretation sind. Ein gläubiger Moslem könnte diese Wort zum Beispiel lesen und denken Ja, ihr habt all eure Spiritualität durch Dekadenz ersetzt. Ihr seid bereit für den Fall und die Klinge wird von eurer eigenen Regierung kommen. Vielleicht würde jemand dies so sehen – wer weiß.

Wieder zurück zu erfreulicherem. Heathen Tribes handelt von all den Orten, an denen ihr gespielt habt und den Leuten, die ihr getroffen habt. Der Song ist also quasi PRIMORDIALS Version von Denim & Leather oder In Union We Stand – eine klassische Metal-Hymne.

Oder Battle Hyms, ja! Es ist einfach nur ein simpler Heavy Metal-Song, es steckt kein weiteres Motiv, keine andere Bedeutung dahinter. Es ist einfach nur eine Hymne an all die Plätze, die wir gesehen haben. Als wir mit der Band angefangen haben, hätten wir nie gedacht, dass wir in Ländern wie Rumänien, Bulgarien, Griechenland oder Finnland spielen würden. Es war schon schwer genug nach Deutschland zu kommen. Es geht um Leute, die wir getroffen haben, großartige Erfahrungen, die wir gemacht haben. Dinge, an die ich mich erinnere. Ich hätte durchaus noch zwei oder drei weitere Strophen schreiben können. Es ist ein einfacher, straighter Heavy Metal Song. Ich muss zugeben, dass ich mich ein wenig schuldig gefühlt habe, als ich ihn geschrieben habe, weil ich dachte das ist zu simpel, das kann ich nicht schreiben. Ich bin es gewohnt, relativ komplizierte Texte zu schreiben, aber der Song funktioniert. Als wir im Studio waren, habe ich mir gedacht, vielleicht können wir mal eine echten Heathen Metal-Hymne schreiben, ohne Akkordeons oder so.

Oh ja, und ihr solltet anfangen Bärenfelle zu tragen.

 

Ich will diese Bands nicht angreifen, wir haben mit TURISAS oder KORPIKLAANI gespielt. Das sind nette Leute, aber das ist einfach nicht meine Musik. Ich kann die Dunkelheit in dieser Musik nicht finden, also habe ich keinen Bezug dazu, ha ha ha. Wir wollten einfach eine gute Heathen Metal-Hymne schreiben.

Der Song klingt jedenfalls nicht nach Humpa.

Ja, da hat du recht, ha ha ha.

Mir ist aufgefallen, dass alle Orte, die du erwähnst, in Europa liegen. Habt ihr bisher nicht die Möglichkeit gehabt in Amerika, Asien oder Afrika zu touren? Wo würdest du am liebsten mal mit PRIMORDIAL touren?

Wir haben einen Gig in Amerika gespielt und alles was wir gesehen haben, war der Flughafen von Chicago und das größte Einkaufszentrum der USA in Minnesota. Ich habe also nichts gefunden, über das ich hätte schreiben können. Ich habe mal etwas Zeit in Arizona verbracht und kurz darüber nachgedacht, etwas darüber zu schreiben. Aber es gibt noch genügend andere Länder, die nicht erwähnt wurden, ich hätte sicher noch zwei oder drei weitere Strophen schreiben können. Vielleicht schreibe ich ja mal einen zweiten Teil. Wir haben bisher noch nie in Asien oder Südamerika gespielt, was ich wirklich gerne mal tun würde. Jemand hat mich mal angeschrieben und gefragt ob wir in Indien spielen, was einfach nur großartig wäre und ich hoffe, dass wir nächstes Jahr in der Türkei spielen, was wirklich genial ist. Wir würden überall spielen. Ich würde gerne im mittleren Osten spielen. Ich bin fasziniert von der Politik, der Geschichte und der Kultur dort. Vielleicht können wir ja mal im Iran spielen. Iran, Syrien oder Palästina, das wäre großartig.

Länder in denen noch nicht jede Band gespielt hat.

Bands könne heutzutage auf Südamerika-Tour gehen und in El Salvador oder Guatemala spielen, nicht nur in Peru und Chile. Früher haben die Bands nur in Brasilien gespielt, jetzt kann auch in Kolumbien oder Venezuela spielen. Vielleicht spielen PRIMORDIAL nicht gerade die Musik, die in Südamerika all zu beliebt ist, aber fuck, ich würde liebend gerne dort spielen. Nur einmal. Vielleicht gehen wir einmal dorthin, bevor wir die Band zu Grabe tragen. Das wäre meine Ambition. Oder auch Russland, die Ukraine – allgemein Osteuropa. Leider wird unser Label die Idee einer Tour durch Osteuropa, die Balkanstaaten, wohl nicht so gut finden, da man dort nicht all zu viele Platten verkauft. Wir haben nicht mehr so viel Zeit wie früher, als wir noch jünger waren, aber Südamerika oder MexiKo wären auch klasse. Vielleicht irgendwann.

PRIMORDIAL
Es ist wichtig sich manchmal selbst herauszufordern und Dinge zu tun, die unbequem sind – PRIMORDIAL wollten für die Aufnahmen des neuen Albums dem Mief der Großstadt entkommen.

Seit A Journeys End hast du keine Songtexte mehr in irisch geschrieben. Habt ihr euch irgendwann dafür entschieden, keine irischen Texte mehr zu verwenden, oder kann man da in Zukunft noch mal mit etwas rechnen?

Wir haben darüber nachgedacht und hatten auch ein paar Zeilen für The Gathering Wilderness, aber es hat nicht gepasst. Wir haben auch darüber gesprochen, eventuell ein Akustik-Album zu machen, und wenn wir das tun, werden da sicher ein paar Songs auf irisch drauf sein. Ich würde gerne noch mal einen irischen Text schreiben. Aber ich denke eine der wichtigsten Dinge bei PRIMORDIAL ist, dass wir universell sind. Wir singen nicht nur darüber, irisch zu sein, über irische Mythologie oder darüber, dass 1056 dies und das in Irland passiert ist. Man sieht das oft bei skandinavischen Bands, da geht es um deren Kultur und die Menschen und du dringst quasi in ihre Welt ein. Mit PRIMORDIAL ist das etwas anders. Ich sage: Ich denke so und so über diese Welt, fühlst du das gleiche wie ich? Und dazu solltest du in der Lage sein, egal wo du her kommst. Ich denke, dass ist ein wichtiger Standpunkt. Aber ich sage damit nicht, dass das was andere Bands machen falsch ist. NEGURA BUNGET singen zum Beispiel auf rumänisch und es klingt großartig und nimmt mich mit in eine andere Welt.

Oh ja, die spielen am Sonntag (das Interview fand am Montag den 17.12.2007 statt) in Köln. Ich freue ich schon total auf das Konzert.

Erwarte kein konventienelles Konzert, die sind wirklich besonders. Wir brauchen mehr Bands wie NEGURA BUNGET, echte Bands!

Ich habe mir deren letzte CD, Om geholt. Die ist wirklich beeindruckend.

Wir brauchen wirklich mehr Bands wie die, um diesem ganzen Mainstream Metal entgegen zu wirken. Alleine die Vorstellung, dass eine Band aus Rumänien durch Europa oder gar in Amerika tourt, wäre vor zehn Jahren unter Ceauºescu absolut unmöglich gewesen. Und da sind wir wieder beim historischen Aspekt. Diese Band nimmt einen Teil ihrer Kultur und bringt ihn dir nächstes Wochenende nach Köln. Das ist meiner Meinung nach wichtig, wichtiger als irgendein Scheiß über Drachen, Einhörner oder Engel.

Du scheinst Drachen und Einhörner wirklich zu hassen ha ha ha.

Ach weißt du, ich bin kein humorloser Typ. Ich bin eigentlich ein sehr humorvoller Mensch. Ich bin ein traditionelle Old School-Metalhead, ich liebe alte MANOWAR und VIRIGN STEELE. Aber ich hasse diesen ganzen modernen, seelenlosen Plastik-Pop-Kram. Ich habe nichts gegen die Bands, die damit angefangen haben, meinetwegen NIGHTWISH. Ich habe nur etwas gegen die dreißig Bands, die das ganze dann kopieren. Als ich zum Metal gekommen bin, stand dieser für Gewalt, Aggression und Dunkelheit. Es war Eskapismus aus einer brutalen Gesellschaft. Metal zu sein war ein Standpunkt genau dagegen. Unser Standpunkt zusammen gegen den ganzen Scheiß anzukommen. Heutzutage ist es für mich ein Produkt einer fetten, aufgeblähten, zufriedenen, reichen Gesellschaft, die sich für nichts mehr interessiert. Diese Musik hat nicht das Bauchgefühl und das Adrenalin, das mich damals zum Metal gebracht hat. Also scheiß doch auf diese Typen. Ich bin zu alt, um mich dafür zu interessieren, ob das, was ich sage, irgendjemanden aufregt. Es könnte mich nicht weniger interessieren. Wenn du dir diesen Kram anhörst ist das in Ordnung. Ich verstehe das bei den meisten Leuten. Manche Leute wollen sich einfach mit ein paar Freunden am Wochenende irgendwo treffen, in einer Garage spielen und Spaß haben. Das ist doch völlig ok. Ich habe auch kein Problem damit, wenn sich jemand die Musik von PRIMORDIAL einfach nur anhört und dabei ein paar Bier trinkt. Die Texte dringen sicher nicht zu jedem durch, der Englisch nicht als Muttersprache spricht. Alles was ich meine ist, dass ich ehrliche, wahrhaftige Bands bevorzuge. Bands, die es ernst meinen. Ich will jemanden auf der Bühne sehen, dem die Sache ernst ist, und es ist mir egal, wie viel diese Bands verkaufen. Es gibt glücklicherweise noch Bands wie NEUROSIS, ISIS, DEATHSPELL OMEGA, NEGURA BUNGET, REVEREND BIZARRE oder DESTROYER 666. Ich interessiere mich einfach nicht für irgendwelche Mainstream-Bands. Ich weiß, manchmal klinge ich wie ein grummeliger alter Mann.

Nein, nein, das ist für mich völlig in Ordnung.

Was soll ich tun? Viele Leute, die diese Musik mögen, halten mich wahrscheinlich für ein arrogantes Arschloch. Sie haben wohl Recht, ha ha ha. Ich meine, ich mag VIRIGN STEELE. Nicht unbedingt das neue Album, aber nimm zum Beispiel Invictus. Das Album hat so viel Energie. Es hat eine Geschichte, die für die Menschheit relevant ist. Du kannst dich selber in ihr sehen. Sie steht sozusagen in der Tradition griechischer und römischer Tragödien. Du merkst einfach, dass wirklich Aufrichtigkeit, Integrität und Passion in diese Musik eingeflossen sind. Und die Leute denken vielleicht bei anderen Bands, dass die Story dieser ähnelt, dabei ist es in dem Fall nur belangloser Fantasy-Kram à la Harry Potter.

Oh ja, darauf haben wir alle gewartet: Harry Potter Metal!

Der meiste Kram heutzutage ist genau das für mich. Das ist nichts für mich. Wenn andere Leute das hören wollen, habe ich kein Problem damit. Ich habe ja keinen Kodex nach dem ich den Leuten sage wie sie zu leben haben. Na ja, nicht jeder möchte wohl DEATHSPELL OMEGA, FUNERAL MIST oder REVENGE hören. Meine Party-Musik ist W.A.S.P. oder ROSE TATTOO, ich brauche also kein moderne Party-Musik. Ich habe schon den besten Kram. Wie auch immer, ich rede gerade ziemlichen Bullshit. Wie üblich.

Nach The Gathering Wilderness, habe ich nicht mehr mit einem Song wie Traitors Gate gerechnet. Er erinnert mich ein wenig an The Heretics Age. Was hat die Wut zurück gebracht?

Die Wut war niemals weg, sie war auf The Gathering Wilderness vielleicht nur etwas unterdrückt. Die Texte waren immer noch sehr wütend. Wir waren nie eine orthodoxe Black Metal-Band und haben nie mit einer Million Meilen pro Stunde gespielt. Wir versuchen das Songwriting dynamisch zu halten. Es ist gut so einen Song auf dem Album zu haben. Es gibt dir am Ende noch mal einen Tritt. Es ist wie ein Old School Black Metal-Song aber mit eher traditionellen Vocals. Und es funktioniert ziemlich gut. Ich höre mir immer noch wirklich schnellen und aggressiven Kram an, das tun wir alle. Wir sind keine dieser Bands die mit dreißig plötzlich nur noch PINK FOYD hören. Ich höre immer noch Sachen wie REVENGE, das sagt glaube ich alles.

Es hieß zuerst, dass die Bonus-Disc der Special-Edition eures neuen Albums eine Live-DVD mit eurem Auftritt vom ROCK HARD FESTIVAL enthalten soll. Nun ist es nur eine Live-CD dieses Konzerts. Warum keine DVD?

Das war nur ein Schreibfehler von Metalblade. Ich hab von ein paar Leuten gehört, die die CD in ihren DVD-Player gelegt haben und dann ziemlich sauer waren, dass sie nicht gelaufen ist. Aber das war nicht unsere Schuld.

 

 

Ist denn eine PRIMORDIAL-DVD geplant?

Ich würde gerne eine machen. Ich würde mir einige Orte in Europa aussuchen, dann dort umsonst spielen, ein langes Konzert mit ordentlicher Lichtshow und den Leuten einfach eine gute Show bieten. Ich hoffe, dass wir das dieses oder nächstes Jahr schaffen. Es wird wirklich Zeit, jeder andere außer und scheint schon eine DVD veröffentlicht zu haben.

 

Oder nimm mal MANOWAR, die haben bald mehr DVD´s als Studioalben.

Ja, die haben in den letzten Jahren ein paar veröffentlicht, schon sechs Stück oder so oder? Vier mal Hell On Earth und noch ein paar andere. Das ist wirklich etwas zu viel.

Was würde eine DVD von euch enthalten? Nur ein Konzert oder würdet ihr auch etwas Backstage Video-Material und Saufgelage mit auf die DVD packen?

Ich glaube diese ganzen Sauf-Geschichten sieht man sich nur einmal an und sie sind für die Leute, die es sich ansehen nicht annähernd so lustig, wie es für die Leute im Video war. Aber ich bin sicher, dass wir einiges an lustigem, blödsinnigem Material haben. Mit Sicherheit Aufnahmen, wo wir singen, was wir immer gerne machen, wenn wir betrunken sind. Das verblüfft manche Leute ganz schön, wenn wir dann alte irische Lieder singen.

PRIMORDIAL
Kein Fan von Drachen und Einhörnern – A.A. Nemtheanga

Ich habe euren Auftritt auf dem ROCK HARD FESTIVAL gesehen. Es war mein erstes PRIMORDIAL-Konzert und es war überwältigend zu sehen, wie du deine Texte lebst. Es gibt nicht viele Sänger, die auf der Bühne dermaßen emotional auftreten.

Ich denke wenn du sagst, was du meinst und meinst, was du sagst, solltest du in der Lage sein, das auch entsprechend rüber zu bringen. Ich könnte nicht genau so über Dinge singen, die mir nichts bedeuten, zu denen ich keine emotionale Verbindung habe. Wenn ich in fünfzehn Jahren mal Kinder habe und zurückblicke und mir denke, du hast fünfzehn Jahre deines Lebens damit verbracht über Sachen wie Harry Potter zu singen, dann wäre das für mich eine verschwendete Gelegenheit. Wenn wir einen Song wie The Coffin Ships spielen, dann bedeutet das etwas. Wir nehmen einen Teil unserer Geschichte, Kultur und unseres Erbes, etwas, das die Leute vielleicht nicht über Irland wussten, und machen die Leute darauf aufmerksam. Das war eine große irische Tragödie (Alan meint die Hungersnot und die dadurch ausgelöste Auswanderungswelle nach Amerika, bei der viele Iren ums Leben kamen, um die es in The Coffin Ships geht.). Und dadurch verstehen die Menschen vielleicht auch einen Teil ihrer eigenen Kultur oder Gesellschaft besser oder werden dadurch berührt. Und darum geht es, eine emotionale Verbindung zu den Leuten herzustellen und ein Konzert eignet sich nun mal sehr gut dafür. Es ist fast schon rituell und sollte nicht halbherzig gemacht werden.

Ich habe leider die Heathen Crusade Tour mit euch und MOONSORROW verpasst. Erzähl doch mal wie die Tour war?

Es war gut. Es ist heutzutage schwierig noch viele Leute zu ziehen, wenn du nicht mit einem Paket mit sechs oder sieben Bands unterwegs bist. Die Festivals zerstören die ganzen Touren irgendwie. Ok, Bands wie NECROS CHRISTOS würden wohl – wenn die meinetwegen mit ARCHGOAT oder so zusammen spielen – 200 oder 300 Leute ziehen, aber das liegt daran, dass diese Bands Underground-Fans ziehen, die ihre Bands nicht auf den Festivals zu sehen bekommen und bereit sind, weit zu fahren, um diese Band live zu sehen. Aber andere Bands, die vielleicht deutlich mehr Platten verkaufen, touren durch Europa und spielen vor 50 Leuten. Das liegt daran, dass jeder diese ganzen Bands schon zwanzig mal gesehen hat. Ich kann das verstehen. Du kannst dich an einem kalten Januar-Tag in dein Auto setzen und zwei Stunden fahren, um eine Band zu sehen, und zurück zu fahren, um am nächsten Tag nach fünf oder sechs Stunden Schlaf arbeiten zu gehen, oder du kannst dir die Band auf einem Festival ansehen, in der Sonne sitzen und ein Bier dabei trinken. Da ist es für ein Konzert schwer mitzuhalten. Aber wir haben uns gut geschlagen. Wir hatten so um die 200 Leute pro Nacht. Manchmal 150 oder 120 Leute. Immer noch nicht all zu viel, aber es ist heutzutage halt schwer, mehr als 300 Leute zu ziehen und es waren noch einige andere Bands unterwegs zu der Zeit. Aber vielleicht ziehen wir ja mit der erhöhten Aufmerksamkeit in den Medien auf der nächsten Tour mehr Leute. Eigentlich hatten wir geplant eine größere Band zu supporten, aber ich habe keine Ahnung welche Band das sein sollte.

Du hast Gastauftritte auf den neuen Alben von MARDUK und DESASTER gehabt. Wie ist es dazu gekommen?

Für MARDUK habe ich auf zwei Tourneen Merchandise verkauft und ausgeholfen. Wir sind wirklich gute Freunde geworden und haben einiges gemeinsam, sowohl musikalisch, als auch darin, wie wir einige Sachen sehen. Mortus ist dann irgendwann auf mich zugekommen und hat mir erzählt, dass er einen Song geschrieben hat und dass ich die Hälfte des Gesangs übernehmen soll. Ich bin also nach Schweden und nach einem langen Anreisetag sind wir ins Studio und haben den Song in zwei oder drei Stunden aufgenommen. Es war klasse.

Bei DESASTER ist das etwas anders gelaufen. Ich habe den Song hier zu Hause eingesungen ohne den Input der Band. Ich habe auch den kompletten Song gesungen, aber sie haben dann nur diese vier Zeilen verwendet. Ich war mir zuerst nicht sicher, ob die Musik von DESASTER wirklich zu meinem Gesang passt, aber die Jungs sind wirklich gute Freunde und es ist eine Ehre für mich auf ihrem Album zu sein. DESASTER sind keine Spaß-Band, sondern meinen es wirklich ernst, das muss man unterstützen. Das waren also zwei völlig Unterschiedliche Herangehensweisen, aber beide haben mir viel Spaß gemacht.

Ich schätze also mal, dass ihr jetzt mit MARDUK auf Tour gehen müsst, damit wir Accuser / Opposer live hören können.

Wir haben zusammen in Arnhem gespielt.

Ja, ich weiß. Ich war da und habe auf den Song gewartet!

Das haben wohl viele Leute, aber wir hatten den Song leider nicht geprobt. Das Problem ist, dass es ein schwieriger Song ist, sowohl für mich, als auch für Mortus. Und den Song zu bringen und in den Sand zu setzten wäre noch schlimmer gewesen als ihn nicht zu spielen. Also haben wir uns darauf geeinigt, dass wir das nächstes Jahr auf ein paar Festivals machen. Vorher werde ich den Song noch ein paar mal üben. Es ist schwer, jemand anderes Text zu singen, und ich würde mich nicht gut dabei fühlen, wenn ich auf die Bühne gehen und den Song versauen würde. Wir werden wohl definitiv auf dem METAL MANIA in Polen spielen, aber ich hoffe, dass wir auch ein paar Festivals in Deutschland spielen.

Würdest du dir jemals irgendwelche Gastmusiker oder Sänger auf eines eurer Alben holen?

Daran liegt mir nicht viel. Ich habe mit Mortus darüber geredet, eventuell ein paar Zeilen zu singen, aber ich weiß nicht genau wie er sie interpretieren würde. Die Texte von PRIMORDIAL sind sehr auf meine Stimme zugeschnitten, ich weiß also nicht, ob das funktionieren würde. Ich meine, es könnte funktionieren, der Kerl hat wirklich the voice of hell. Ich weiß nicht, wir haben ja keine Gitarren-Soli, wir können uns also niemanden als Gastmusiker holen, um ein Solo zu spielen. Ich wüsste echt nicht wenn wir bekommen könnten. Es ist nicht so, dass wir immer nein gesagt hätten, es hat sich einfach nichts ergeben. Wir haben auch keine Thrash-backing vocals.

Na ja, Gang-Shouts auf einem PRIMORDIAL-Album wären wohl auch nicht wirklich das wahre.

Nein, wohl eher nicht. Vielleicht wenn wir ein EXODUS-Cover spielen würden.

Was hällst du als old school-Metaller von neuen Musik-Vertriebsmöglichkeiten wie Donwloads? Denkst du, dass dies die Zukunft der Musikindustrie ist? Keine CDs oder Platten mehr, sondern nur noch Datentransfer über das Internet?

Ja, das wird wohl in fünf Jahren oder weniger so sein. Ich denke, wir haben es mit einer ganzen Generation von Menschen zu tun, für die Musik einfach nicht mehr den Stellenwert hat, den sie für mich oder auch dich hat.

Und hier machte leider die Batterie meines Diktiergerätes schlapp, so dass der Rest von Alan´s ausführlicher Antwort zu diesem Thema leider vom Winde verweht wurde, da ich, anstatt das Interview zu unterbrechen und die Batterien zu wechseln, panisch nach Batterien suchte und kein Wort sagte, während Alan munter weiter redete… Aber pünktlich zur nächsten Frage hatte ich erfreulicherweise Batterien gefunden und eingelegt.

Was können wir von PRIMORDIAL in 2008 erwarten? Sind schon irgendwelche Live-Aktivitäten geplant?

Keine Ahnung, ha ha ha. Einige Konzerte und Festivals. Ich bin noch nicht sicher was wir machen und was wir nicht machen, ob wir touren, mit wem wir touren. Wir haben eine Menge Angebote und die Band erhält mehr Aufmerksamkeit als je zuvor. Es ist irgendwie merkwürdig, dass wir jetzt, in einer so späten Phase der Band, diese Aufmerksamkeit bekommen. Ich meine, manche Leute haben vielleicht erst vor Kurzem von uns gehört, aber wir machen das schon seit sechzehn, siebzehn Jahren und haben sechs Alben veröffentlicht. Ich denke nicht, dass wir noch mit vierzig auf der Bühne stehen werden, aber man weiß ja nie. Ich denke, man wird uns irgendwo sehen.

Danke für deine Zeit. Irgendwelche letzten Worte?

Ich hoffe, unsere Fans nächstes Jahr auf Tour zu sehen. Ich bin nicht so arrogant und grummelig wie ich klinge. Ich denke, das beste, was ich sagen kann ist, dass wenn du dich selbst als Individuum siehst, du in der Lage sein solltest dich in PRIMORDIAL wieder zu finden. Und wenn du dich nicht als Individuum siehst, dann weiß ich nicht, warum du noch lebst, ha ha ha. Keine Ahnung, irgend so was. Danke für deine Zeit! Ach ja, du könntest versuchen mich nicht nach einem zu schwierigen Typen klingen zu lassen, ha ha ha.

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.