NECROPHOBIC: Mit der Zeitmaschine zu Baby Jesus

NECROPHOBIC-Frontmann Tobias Sidegård gibt Auskunft über Zeitreisen, Magie und die Kombination Voodoo + Fussball.

NECROPHOBIC sind seit über 17 Jahren ein fester Wert, wenn es zu schwedischem Death Metal allererster Güteklasse kommt. Mit dem letztjährigen Hrimthursum haben die vier Stockholmer ihrer Diskographie ein weiteres Schmankerl hinzugefügt. Somit höchste Zeit, beim bizarren Captain Jack Sparrow des Death Metals – besser bekannt als Tobias Sidegård – anzurufen und nachzuforschen, was hinter Hrimthursum steckt und was uns noch bevorsteht. Gleich zu Gesprächsbeginn bekundet der gute Mann, dass er soeben Myspace für sich entdeckt habe. Nach einigen Minuten Sinnierens über diese neue Plattform rückt das Gespräch in Richtung Interviews. Diese überlässt der Fronter meistens lieber seinen Kollegen Sebastian Ramstedt (NIFELHEIM) und Joakim Sterner, doch es gibt auch Ausnahmen, selbst wenn im Vorfeld kein Auftritt zu absolvieren war.

Euer letztes Album Hrimthursum hat mich schon ganz zu Beginn erstaunt, da das Cover-Artwork opulenter und detailreicher ausgefallen ist als einige Covers aus eurer Vergangenheit – mit Ausnahme vielleicht vom Darkside-Cover. Wer ist für das Hrimthursum-Artwork verantwortlich?

Das Darkside-Cover stammt von Christian Wåhlin. Für das Hrimthursum-Cover zeichnet sich Tyrant (NIFELHEIM) verantwortlich. Er ist ein sehr guter Künstler und hat ein Gefül für Details. Wir haben viele seiner Arbeiten gesehen und wollten ihn deswegen für das Artwork unseres neuen Albums engagieren. Und es war eine gute Wahl. Wenn immer man sich das Cover von Hrimthursum betrachtet, entdeckt man wieder neue Dinge. Es gibt so viele Details darin und man kann es sich für immer anschauen.

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Wenn immer man sich das Cover von ´Hrimthursum´ betrachtet, entdeckt man wieder neue Dinge. Es gibt so viele Details darin und man kann es sich für immer anschauen. – Tobias Sidegard über das Artwork zu Hrimthursum

Das mit den Details stimmt, es hat wirklich eine Art Tiefe an sich, die man nicht oft zu sehen bekommt. Eine Art von Tiefe habt ihr ja auch bei der Produktion von Hrimthursum bekommen. Anders als bei euren alten Alben hat es nicht mehr diesen coolen Sunlight Studio-Sound, sondern einen anderes, druckvolleres Klanggewand. Wieso habt ihr die Studios gewechselt und seid bei den House of VooDoo Studios gelandet? Und inwiefern war der Aufnahmeprozess anders?

Das Zauberwort zum Unterschied heißt: digital. Die neue Produktion ist digital und nicht mehr analog. Zum Studiowechsel kam es, weil Thomas vom Sunlight Studio aufs Land gezogen ist. Also wäre es ziemlich mühsam geworden mit den Aufnahmen, wenn wir immer diese Distanz hätten zurücklegen müssen. Also haben wir uns dazu entschlossen, etwas Neues auszuprobieren.

Mein bester Freund, Anders Bentell, hatte gerade ein neues Studio in seinem Haus eingerichtet. Also haben wir alles dort aufgenommen und wir haben versucht, die beste Qualität zu erhalten. Wir haben das gesamte Abmischen inklusive Equalizer-Sachen Fredrik Folkare (UNLEASHED) überlassen. Und er musste nur kleine Sachen ausbessern, da wir alle im Studio gut gearbeitet hatten. Zum ersten Mal waren wir somit erst beim Endmix dabei, alle vorherigen Mischarbeiten hatte er schon vorher allein erledigt. Die Hauptverantwortung für den guten Sound liegt somit eindeutig bei Fredrik. Geholfen hat allerdings sicher auch, dass wir im neuen VooDoo Studio qualitativ hochwertiges Equipment hatten – zum Beispiel klasse Mikrophone von Neumann. Und abgesehen davon weiß Anders auch, was er tut.

Was ja immer eine wichtige Voraussetzung ist. Bleiben wir gerade beim Sound, allerdings in einem anderen Zusammenhang. Im Intro zu eurem aktuellen Album hört man ein Baby schreien. Ist das ein echtes Baby oder ein Sample von echtem Babygeschrei?

Es ist der kleine Baby Jesus. Es ist ein echtes Sample von Baby Jesus. Ich habe eine Zeitmaschine und bin damit zu ihm zurück gereist. Dort habe ich dann Jesus´ Schreien aufgenommen.

Soso, eine Zeitmaschine. Welche Drogen nimmst du?

Alle. Das ist ja wohl klar, haha.

Dieses Thema werden wir wohl nicht weiter erörtern. Kommen wir lieber zum Titel, der ja für den Großteil der Menschheit nicht einfach auszusprechen ist. Wie seid ihr auf den Titel gekommen und hieß Hrimthursum schon von Anfang an so?

Das Album behandelt den Ragnarök, den Weltuntergang. Und die Hrimthurs sind diejenigen Giganten, welche die Welt mit erschaffen haben. Außerdem hat uns der Titel einfach gefallen und wir müssen immer wieder schmunzeln, wenn Leute Mühe haben, ihn korrekt auszusprechen. Den Albumtitel hatten wir schon ganz zu Beginn, als wir angefangen haben an Hrimthursum zu arbeiten. Es war ein Arbeitstitel und er ist einfach geblieben. Außerdem wollten wir diesen Titel, weil er anders ist. Und er hat eine mystische Aura, die sich auf das Album überträgt, weil viele Leute nicht wissen, was der Titel bedeutet.

Der Titel ist mit der altnordischen Mythologie verknüpft. Interessierst du dich schon länger für diese Mythologie und beeinflusst sie auch deine Art zu denken im täglichen Leben?

Es ist ein altisländischer Titel. Und ja, die altnordische Mythologie interessiert mich. Auch Sebastian ist daran interessiert, wir mögen es, Runen und alte Geschichten zu lesen. Und natürlich hat es auch einen magischen Aspekt, du kannst die alten Götter für magische Zwecke nutzen. Es beeinflusst mein tägliches Leben durchaus, es ist eine Art zu denken.

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Die altnordische Mythologie interessiert mich. Auch Sebastian ist daran interessiert, wir mögen es, Runen und alte Geschichten zu lesen. Und natürlich hat es auch einen magischen Aspekt, du kannst die alten Götter für magische Zwecke nutzen. Es beeinflusst mein tägliches Leben durchaus, es ist eine Art zu denken. – Tobias Sidegard.

Jetzt ist es ja nicht so, dass du dich auf die altnordische Mythologie beschränkst. Der Song Sitra Ahra hat zum Beispiel einen aramäischen Titel und den darin vorkommenden Golachab findet man in der Kabbalah im Zusammenhang mit dem Lebensbaum. Bist du etwa wie MADONNA an Kabbalah interessiert?

Es geht darum, in die Hölle zu reisen. Und nein, ich bin nicht wie MADONNA an Kabbalah interessiert. Die Hölle, die Schattenseite, Kliffoth. Das ist nicht MADONNAs Seite.

Also war es auch keine Blasphemie, was sie mit dem ABBA-Song gemacht hat?

Ich kenne ihre Version nicht einmal. Aber mir sind ABBA auch nicht heilig. Genausowenig wie EUROPE.

Kommen wir zurück zu den verschiedenen Mythologien.

Für uns ist das nicht allzu merkwürdig, Mythologien zu mischen. Im Grunde geht es in den Mythologien immer um dasselbe, einfach in verschiedenen Sprachen. Wenn man die südliche Macht beschreiben will, ist es für uns einfach, die nordische Mythologie zu benutzen, weil wir Skandinavier sind. Und als wir dieses Album aufgenommen haben, war der Winter schrecklich, es gab Schneestürme und Kälte – das perfekte Setting für unsere Kreationen.

Mythologie und Glaube sind ja oft eng verknüpft. Ihr habt mehrere Songs, bei denen man – nett ausgedrückt – einen dominanten, antichristlichen Ton ausmachen kann, sei es The slaughter of baby Jesus oder Nailing the holy one, um nur zwei zu nennen. Was ist deine persönliche Meinung zum Christentum?

Die Christen kamen zu den skandinavischen Ländern und brachten Gewalt. Wir bekämpfen Feuer mit Feuer. Wir wollen diesen Mist hier nicht. Momentan ist Schweden das sich am schnellsten dechristianisierende Land. Menschen hier werden anderweitig spirituell, mit Magie, Mystizismus oder sie glauben an einen höheren Geist. Ich denke, dass diese Entwicklung gut und gesund ist für unser Land. Wir unterstützen den Krieg gegen das Christentum auf unsere Art und Weise. Natürlich ist bei unseren Songs immer auch eine große Portion Humor dabei, vor allem in einem Titel wie The slaughter of baby Jesus. Das ist doch eine coole Idee, wie hätte die Weltgeschichte ausgesehen, wenn es wirklich passiert wäre, haha!

Hast du denn eine negative Einstellung gegen Religionen generell oder stört dich einfach das Christentum?

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Nicht alle Religionen verlangen Unterwerfung von ihren Anhängern. Darum haben ich und die anderen Jungs bei NECROPHOBIC auch nichts gegen Religionen generell – gegen das Christentum sind wir jedoch alle. Eine Religion, die Unterdrückung fördert, kann keine gute Sache sein.

Ich für meinen Teil bin einfach mehr der magischen Seite angehörig.
Generell habe ich nichts gegen Religionen. Aber ich finde es negativ, wenn sich Leute unterwerfen. Nicht alle Religionen verlangen Unterwerfung von ihren Anhängern. Darum haben ich und die anderen Jungs bei NECROPHOBIC auch nichts gegen Religionen generell – gegen das Christentum sind wir jedoch alle. Eine Religion, die Unterdrückung fördert, kann keine gute Sache sein. Und es ist auch nicht gut, wenn die Leute schwach werden und sich nicht mehr selber zu helfen wissen.

Nun kann man ja sehr wohl eine antichristliche Einstellung haben, ohne ein Satanist zu sein, der Rituale zelebriert. Hast du jemals bei satanischen Ritualen mitgemacht? Schließlich könnte man euren Fuck you, christ-Part während dem Song Nailing the holy one als Ritual sehen, in das ihr das Publikum miteinbezieht.

Das kann man schon so interpretieren.
Und ja, ich habe bei satanischen Ritualen mitgemacht, selbstverständlich! Natürlich sind solche Rituale nicht nötig, um Magie zu praktizieren, aber es macht das Ganze einfach interessanter, vor allem wenn andere Leute dabei sind. Ich habe schon viele Rituale zelebriert, auch Schwarze Messen. Natürlich mehr, als ich noch jünger war. Aber auch heute noch, einfach nicht mehr ganz so dramatisch. Heute zelebriere ich meine Rituale einfach in einer reiferen Art als nur ein schwarzes Cape zu tragen. Ich glaube es ist gut für junge Magier, solche Rituale auszuprobieren und ein Gefühl dafür zu bekommen.

Nun stößt deine Einstellung und das Image von NECROPHOBIC bei einigen Leuten sicherlich nicht auf Gegenliebe. Habt ihr schon jemals ernsthafte Probleme deswegen bekommen?

Nein, nicht wirklich. Es ist nicht so, dass wir in einigen Ländern keine Gigs spielen könnten. Manchmal bekommen wir böse Briefe und werden auf christlichen Websites verunglimpft. Aber darüber können wir nur lachen. Und es macht uns am Ende ja nur stärker.

Provokation kann aber auch ins Auge gehen, wie etwa bei IMPALED NAZARENE, denen einige Konzerte gestrichen wurden letztes Jahr.

Ja, aber solche Probleme hatten wir noch nie. Ich mag IMPALED NAZARENE und auch ihre Art zu provozieren. Wie mit ihrem ersten Album, das sie nicht an Norweger verkauft haben, haha!

Kommen wir zurück zu Hrimthursum. Ich liebe den Song I strike with wrath. Die Lyrics dazu haben du und Sebastian geschrieben – wie muss man sich dieses gemeinsame Lyrics-Schreiben vorstellen? Wer hatte die ursprüngliche Idee zu diesem Song? Und wer ist das lyrische Ich im Song? Ein Dämon?

Das lyrische Ich sind eher die Kräfte der Natur. Was der Welt passiert ist. Feuer. Es kommt von überall. Wir schreiben oft über dieses Thema. Bei diesem Song war es so, dass Sebastian mit dem Textschreiben angefangen hatte, dann habe ich einfach weitergemacht. Manchmal schreiben wir auch zusammen unsere Texte, aber nicht immer. Wir tauschen auch gerne Lyrics miteinander aus. So oder so sind wir eine feste Einheit in dieser Band.
Oh, hörst du meinen Kater schnurren?

Du hast einen Kater?

Ja, einen Fenris-Kater. Hörst du ihn schnurren?

Ja, ich höre es. Der Name klingt aber ziemlich nach DARKTHRONE, fast schon etwas klischeehaft, haha.

Nix DARKTHRONE. Es ist der Wolf. Mein Kater ist grau und sah früher aus wie ein kleiner Wolf. Er wird jetzt dann zehn Jahre alt.

Mein Kater Natas ist ein Jahr jünger und schwarz.

Satan!

Ja, der Name hat sich so ergeben. Aber zurück zum NECROPHOBIC Songwriting. Wenn man sich die Credits von Hrimthursum anschaut, fällt auf, dass ihr wirklich alle am Songwriting und am Texten beteiligt zu sein scheint. Es ist also nicht so, dass jemand allein für alle Kompositionen verantwortlich ist. Wie muss man sich den Songwriting-Prozess vorstellen? Macht ihr Jam-Sessions im Proberaum oder präsentiert ihr einander die Ideen, die ihr zu Hause ausgebrütet habt?

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Es ist nicht so, dass er Sterner sagt, wie er die Drums dazu spielen soll und er schreibt mir auch nicht vor, wie ich die Vocals und die Bassmelodien dazu machen soll. Jeder ist für sein Instrument selber zuständig. Ich will meine Seele in meinen Teil der Musik stecken!

Nun, der Songwriting-Prozess hat sich über die Jahre hinweg etwas verändert. Meistens ist es so, dass wir einander treffen und einander simple Demos zeigen, die wir selber gemacht haben. Mittlerweile ist es so, dass Sebastian den Großteil der Musik komponiert. Aber es ist nicht so, dass er Sterner sagt, wie er die Drums dazu spielen soll und er schreibt mir auch nicht vor, wie ich die Vocals und die Bassmelodien dazu machen soll. Jeder ist für sein Instrument selber zuständig. Ich will meine Seele in meinen Teil der Musik stecken! Danach arrangieren wir den Song zusammen und bringen weitere Veränderungen an. Was auch immer es ist: Wir alle sind ein Teil davon. Jeder hat seine eigene Rolle und wir wissen, was wir tun. Wir können es alles selber tun.

Du bist ja schon fast 16 Jahre bei NECROPHOBIC dabei und neben dem Mitgründer Joakim Sterner bist du sozusagen der älteste in der Band. Hat sich das Arbeiten in der Band verändert, vor allem wenn man bedenkt, dass es auch einige Wechsel im Line Up gab?

Das Arbeiten in der Band hat sich natürlich verändert, da Mitglieder gekommen und gegangen sind. Der frühere Gitarrist David Parland und der jetzige Gitarrist Sebastian Ramstedt (NIFELHEIM) haben nichts miteinander gemeinsam. David konnte acht Monate an einem Riff sitzen und daran rumfeilen, Sebastian kann vier Songs in einer Woche komponieren. Sebastian ist sehr talentiert. David war auch talentiert, aber die beiden sind einfach grundverschieden. Was bei Sebastian dazukommt ist, dass er sehr locker ist, schnell arbeitet und kein großes Ego hat. Das ist angenehm beim Songwriting.
Johan Bergebäck (NIFELHEIM, Ex-DISMEMBER) ist ja das neueste Mitglied. Er ist sehr klug und hat schnell gemerkt, um was es bei uns geht. Wir sind wie vier Brüder. Und dieses Line Up ist das endgültige.

Gibt es etwas, was noch immer gleich ist wie zu Beginn? Außer Sterner, natürlich…

Außer Sterner? Hm. Der Bandname. Okay, wir hatten einmal ein anderes Logo. Aber eigentlich ist NECROPHOBIC immer NECROPHOBIC geblieben. Du kannst dir die alten Alben anhören und noch immer Ähnlichkeiten entdecken. Aber trotz des hohen Bandalters fühlen wir uns nicht alt, wir sind noch immer hungrig! Und du kennst uns ja, wir sind süße Jungs und gutaussehend noch dazu, haha!

In deinen Jahren bei NECROPHOBIC warst du allerdings auch noch in anderen Bands aktiv. Du warst 1997 mit THERION auf Tour – wie war das damals?

Erst muss ich anmerken, dass ich das neue THERION-Album gut finde. Ich selber war von 1994 bis 1997 bei THERION dabei. Es war eine sehr gute Erfahrung und ich habe viel über das Leben und das Touren gelernt. Es gibt keinen besseren Ort um etwas über das soziale Leben zu lernen als einen Tourbus. Darum wurde ich so schlau.

Ich vestehe. Vor Kurzem habe ich ein ORDER OF ISAZ-Demo bekommen und war ziemlich überrascht, dass ORDER OF ISAZ eher in Richtung Gothic Rock gehen. Welche Instrumente übernimmst du bei dieser Band? Der Gesang kann ja kaum von dir stammen…

Doch, im fünften Song singe ich schon. Ich töne halt immer eher nach Hard Rock – wenn es so klingt, dann singe ich. ORDER OF ISAZ ist ein Quintett, zwei der Mitglieder waren früher bei THERION dabei, der Sänger ist sonst bei MALEUS. Und der Drummer ist einer alter Punk, der in Schweden bekannt ist.

Ich war schon immer ein Fan der älteren Goth Szene und vom Post Punk, die Band FIELDS OF THE NEPHILIM finde ich zum Beispiel toll. Auf dem ORDER OF ISAZ-Demo spiele ich die Gitarre. Ich mag das Gitarrespielen und wollte es einfach mal ausprobieren. Obschon ich Goth Rock mag, wollte ich diesen Einfluss nicht bei NECROPHOBIC einbringen – und die anderen Jungs hätten das wohl auch nicht zugelassen. Also habe ich dieses Side-Projekt. Ich mag allzu wilde Stilmixturen eh nicht, vor allem wenn die Genres zu weit voneinander entfernt sind. Also ist ORDER OF ISAZ eher Gothic. Es ist ernsthaft und eher so wie der alte, wahre Gothic Stil. Es geht um Dekadenz und Staub.

Wie geht es denn jetzt mit ORDER OF ISAZ weiter?

Momentan arbeiten wir an einigen Songs. Das neue Demo werden wir dann an Plattenfirmen schicken. Es wir auf jeden Fall rauer als das erste Demo. Ich habe den Großteil der Songs zu Hause am Computer geschrieben. Auch die Texte stammen größtenteils von mir. Sie sind ein bisschen anders und zeigen eine andere Seite von mir. Bei NECROPHOBIC kommt nur die Schattenseite von mir zum Tragen.

ORDER OF ISAZ und NECROPHOBIC sind auf jeden Fall sehr verschieden. Deswegen würde ich gerne wissen, welche Band dich denn überhaupt zum Metal gebracht hat.

KISS! Ich habe schon als Kind KISS gehört. Dann viel britischen Heavy Metal. Ausserdem mag ich W.A.S.P. und IRON MAIDEN. Danach wurde es einfach immer härter. Erst Thrash, dann Death und schließlich Black Metal. Hier in Schweden läuft das bei den meisten so ab. Es ist cool, wenn man sich selber schon so früh finden kann im Leben. Ich habe mich sozusagen schon 1982 gefunden.

Wie alt bist du denn eigentlich?

Ich bin 32.

Ich hätte dich jetzt älter geschätzt – so von der musikalischen Erfahrung her…

Haha, Erfahrung! Ich bin der jüngste bei NECROPHOBIC. Aber wir sprechen nicht über das Alter, wir sind noch immer hungrig! Alles außer das Gehirn ist noch in Form, haha!

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Ich war schon immer ein Fan des Paradoxen. Ich kombiniere Vodoo und Fussball – diese Kombination macht für mich Sinn. – Mit BAJEN DEATH CULT machen Tobias und Sebastian Fußballhymnen für ihren Club Hamarby IF

Du und Sebastian habt ja auch noch eine andere Band am Start, die sich BAJEN DEATH CULT nennt und Fußballhymnen für Hamarby IF covert. Warum gerade Hamarby IF?

Wir covern keine Fußballhymnen, wir schreiben unsere eigenen! Hamarby IF ist das coolste Team der Welt. Bei BAJEN DEATH CULT sind neben uns zweien auch noch Mitglieder von UNLEASHED, GRAND MAGUS und GRAVE dabei. Wir wollten unseren Club unterstützen, also spielen wir Musik. Erst machten wir eine Mini-CD, dann ein Full Length-Album. Wir spielen manchmal live vor den Auswährtsspielen. In der Fanbasis von Hamarby IF hat es viele Hardrocker und Punks und alles mögen sie Fussball. BAJEN DEATH CULT ist jedoch keine ernsthafte Band.

In zwei Wochen haben wir wieder einen Gig. Inklusive Voodoo-Bemalung und Priesterkostüm für mich. Es ist ein bisschen wie KING DIAMOND. Außerdem gibt es einen magischen Zirkel dazu und wir zelebrieren Vodoorituale vor den wichtigen Spielen. Ich war schon immer ein Fan des Paradoxen. Ich kombiniere Vodoo und Fussball – diese Kombination macht für mich Sinn. Und die Leute reagieren positiv darauf.

Kommen wir in Sachen Zukunft auch zu NECROPHOBIC. Nach dem Mai-Release von Hrimthursum, das von der Presse sehr positiv aufgenommen wurde, wart ihr im Oktober 2006 auf Tour mit RAISE HELL und ORIGIN BLOOD. Was mich damals überraschte, war, dass die Konzerte nicht ausverkauft waren – schließlich hattet ihr nicht nur ein gutes Album im Gepäck. War diese nicht so gut besuchte Tour der Grund dafür, dass ihr jetzt neu bei der Dragon Productions Booking Agency seid?

Nun ja, wegen der Tour will ich keinen Sündenbock suchen. Wir wollten einfach mal etwas anderes versuchen, da es mit der vorherigen Agency einfach nicht klick machte. Und wegen der positiven Presseresonanzen zum Album hast du schon Recht – ich glaube, ich habe nur ein einziges negatives Review in Deutschland gesehen.

Wollt ihr gar noch einmal für die Promotion von Hrimthursum auf Tour gehen?

Wir sind noch nicht sicher. Letzte Woche spielten wir einen Gig in Stockholm und es war ein großer Erfolg. Wir dachten, wir sollten doch nochmals mit Hrimthursum auf Tour gehen, weil wir einige wichtige Städte in Europa ausgelassen hatten letztes Jahr. Bis jetzt ist jedoch nur sicher, dass wir am SUMMER BREEZE spielen. Aber wir hoffen, dass auch noch einige andere Festivals uns oder die Dragon Productions Booking Agency kontaktieren.

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Necrophobic: Sebastian Ramsted, Joakim Sterner, Tobias Sidegard, Johan Bergebäck

Das heißt eure Live-Pläne betreffen primär Festivals dieses Jahr.

Ja, SUMMER BREEZE auf jeden Fall. Und wenn uns andere Festivalauftritte angeboten würden, wäre das toll. Wir haben auch sonst einige Pläne. Wir würden gerne in England spielen und in Südamerika. Außerdem waren wir noch nie in den USA unterwegs. Wir hoffen, dass wir mit Dragon Productions diese besseren Möglichkeiten bekommen. Also, wir warten auf Gigangebote. Wenn ein Promoter dieses Interview liest: Kontaktiere uns!

Aber ihr bleibt bei Regain Records, oder?

Ja, es sieht so aus. Regain Records ist ein klasse Label. Der Inhaber hat einen guten Geschmack und kennt gute Bands.

Gleiches Label, neues Album?

Ja.

Gibt es schon Details zum Hrimthursum-Nachfolger?

Wir arbeiten zurzeit an etwa sechs Songs. Ich arbeite an vielen verschiedenen Texten und ich habe einige coole Ideen. Es wird auf jeden Fall viel Fuck und Satan darin haben! Ich glaube, wir werden nächste Woche damit beginnen, die neuen Songs zu üben. Und bevor du fragst und ich die Frage zum 100. Mal beantworten muss: Wir werden nicht wieder vier Jahre für unser nächstes Album brauchen! Da bin ich ziemlich sicher. Überhaupt läuft es sehr gut mit REGAIN RECORDS und dem Arbeiten am neuen Album. Wir haben keine finanziellen Probleme und wir müssen nicht sparen, wenn es um die Aufnahmen oder um neue Fotos geht. Das ist gut. Wir versuchen natürlich noch immer, mit unsereren Freunden zusammen zu arbeiten. Sie sind unsere Familie. Und unsere Freunde wissen, wer wir sind und um was es uns geht.

Promobilder: Label

Livebilder: Arlette Huguenin