KROMLEK: Ist es truer, ein Flötenloch zuzuhalten?

KROMLEK-Fronter Alphavarg gibt Auskunft zum Heidentum, Trollen und seinem Engagement für Tibet – und zeigt dabei: Es gibt noch Bands, die sich nicht aus Imagegründen vom Humor und vom gesunden Menschenverstand verabschiedet haben.

Heidnisch inspirierter Metal erfreut sich seit einigen Jahren wachsender Popularität. Mittlerweile entpuppt sich der Segen der zahlreich vorhandenen Pagan Metal-Bands bisweilen als Fluch, da das Herauspicken der Rosinen schwieriger und zeitintensiver geworden ist. Eine dieser schmackhaften Rosinen sind die Franken KROMLEK, deren Spielfreude das aktuelle Werk Strange rumours…distant tremors in höhere Sphären hebt. Und auch das Interview mit Frontmann Alphavarg – ja, das Pseudonym wurde in der Tat passend gewählt – zeigt: Es gibt noch Bands, die sich nicht aus Imagegründen vom Humor und vom gesunden Menschenverstand verabschiedet haben. So lässt sich denn auch das Engagement in Sachen Freiheit für Tibet verstehen…

Als ich euer Werk Strange rumours…distant tremors zum ersten Mal in den CD-Player gelegt habe, fiel mir noch vor den ersten Tönen etwas Spezielles beim Artwork auf. Zum einen ist sogleich klar, dass ihr wohl im Pagan / Viking Metal-Genre zuhause seid. Aber etwas bricht mit den fast schon konventionellen Runen im Inlay: Die Flagge von Tibet mit dem Aufruf Free Tibet. Auch auf eurer Website habt ihr Statements zu dieser Angelegenheit. Ich für meinen Teil finde es toll, wenn jemand die Aufmerksamkeit auf die politische Situation in Tibet lenkt, vor allem, da das Thema in der allgemeinen wirtschaftlichen Goldgräberstimmung, die bezüglich China herrscht, meistens totgeschwiegen wird.
Wie bist du auf dieses Thema aufmerksam geworden? Und warum ist es dir so wichtig, dass es selbst auf dem Inlay wieder aufgegriffen wird? Was müssen die Leute deiner Meinung nach darüber wissen?

Als ich für mich selbst das Gefühl hatte bzw. die Erkenntnis erlangte, dass sich mein spirituelles Spektrum nicht alleine auf germanischen Paganismus beschränkt und mein Streben nach universeller Wahrheit nur dann von eventuellem Erfolg gekrönt sein wird, wenn ich mich den großen, uralten Lehren der Sanatana Dharma (Sanskrit für die ewige Religion) und des Lamaismus, dem tibetischen Vajrajana-Buddhismus öffne, erweiterte ich meinen Geist für eben diese. Seinen Anfang nahm es allerdings schon früher. Ich kann nicht mehr genau sagen, wo, wann genau und zu welchem Anlass ich zum ersten Mal Seine Heiligkeit, den XIV. Dalai Lama im Fernsehen erblickte. Dies war einer der seltenen, erhabenen Momente, in welchen ich im Innersten tief berührt wurde. Diese Aura – man merkt, dass er kein normaler Mensch sondern ein Bodhisattva ist…

So beschloss ich, mich näher mit Tibet zu verfassen und je tiefer ich in die Materie vordrang, desto größer wurde meine Erschütterung und desto glühender loderte mein Hass gegen die Welt, gegen all jene Bastardstaaten, welche, von Kapitalismus und wirtschaftlichem Globalisierungsbestreben zerfressen, wegsehen, wenn eines der wertvollsten und edelsten Kultur- und Geistesgüter der Welt (ich kann hier wirklich von einer Weltseele sprechen) vergewaltigt und vernichtet wird… und warum? Weil – wie du bereits erwähntest – die ganze Welt dem Wirtschaftsimperialisten China in den gelben Arsch kriecht, um ein möglichst großes Stück vom blutigen Kuchen abzubekommen… Am deutschen Transrapid in China klebt das Blut tausender unterdrückter Stämme und Minderheiten! Aber stört das diese Bastarde in Berlin? Im Gegenteil! Sie verwehren Seiner Heiligkeit sogar den offiziellen Staatsempfang um die deutsch-chinesischen Interessen nicht zu belasten!

Fakt ist, dass seit der Gewaltbesatzung Tibets durch Maos Kulturrevolution vor 58 Jahren 6.000 Klöster und Hunderttausende Lamas, Mönche und Zivilisten (das Tragen oder Zeigen eines Bildes vom Dalai Lama ist nach wie vor eine Strafhandlung und wird von den Gewaltbesatzern brutal geahndet) eingesperrt, gefoltert und getötet wurden! Und 2008 feiert sich China als Olympia-Gastgeber mit weltoffenem Flair, während auf dem Dach der Welt die Menschenrechte mit Füßen getreten werden!

So, das war jetzt sehr ausführlich, aber mir liegt das Thema sehr am Herzen! Wer sich weiter informieren möchte sollte sich die Zeit nehmen, die Homepage der Tibet-Initiative zu besuchen. Ich weiß, viele werden sich fragen was hab ich mit einem Land zu tun, das so weit weg ist? oder für unsere elitären Neuheiden warum sollte sich ein Germane für Buddhisten einsetzen? – ganz einfach: Das ist eine Frage der Weltverantwortung. Es gibt stammesübergreifende, moralische Verpflichtungen, denen ein jeder Mensch überantwortet ist!

Danke für diese Ausführungen. Wie gesagt, ich finde es auch wichtig, dass auf diesen Umstand hingewiesen wird. Warst du eigentlich selber schon einmal in Tibet oder hast du es vor?

Selbstverständlich habe ich es vor. Aber es wird ein sehr zeitaufwendiges Unterfangen werden, da ich quasi eine spirituelle Pilgerreise von Indien (natürlich inklusive einem Besuch in Dharamsala) in den Himalaja nach Tibet anstrebe. Höhepunkt ist die Kora, die rituelle, 55 km lange Umrundung des heiligsten aller Berge, des Kailash.

Bis jetzt kannte ich nur eine Band, die sich für Free Tibet eingesetzt hat. Da alle drei Brüder bei PURTAG Tibeter sind, war es fast schon logisch, dass dieses Thema bei ihren Konzerten präsent war. Bei KROMLEK dürfte es eher eine Überraschung sein, da man bei Viking Metallern doch eher historische Themen, die weiter zurückliegen und einen skandinavischen Schwerpunkt haben, erwartet. Haben Leute an euren Konzerten schon mal negativ auf euer Tibet-Engagement reagiert? Wenn ja, inwiefern?

Bislang waren die Reaktionen rein positiver Natur. Und sollte sich auch nur eine dieser erbärmlichen Kreaturen negativ zu dieser Art Engagement äußern, so sei ihm jegliches Existenzrecht abgesprochen. Wer das nicht versteht, der hat kein Recht, die gleiche Luft zu atmen wie ich! Wir haben die Einnahmen aus unserem letzten Konzert in unserer Heimatstadt Swinforde der Tibet Initiative Deutschland e.V. gespendet und es gab niemanden, der dies nicht gut geheißen hätte. Ganz zu schweigen von den Mitgliedern der initiative, welchen ich das Geld persönlich am 48. Flaggentag (10. März) ausgehändigt habe!

Das ist schön, dass ihr positives Feedback auf euer Engagement erhalten habt. Verweilen wir noch rasch bei außermusikalischen Aspekten. Ihr habt auf eurer Site ein Statement gegen Rechts abgedruckt. Oft ist es ja so, dass Bands sich einfach als unpolitisch bezeichnen, dann jedoch auch nicht reagieren, wenn Rechte an ihren Konzerten auftauchen. Hattet ihr schon mal negative Erlebnisse in dieser Hinsicht? Oder habt ihr schon mal negatives Feedback wegen eurem Statement bekommen?

Wenige. Wir haben natürlich auch in Swinforde ein paar äußerst erlesene Prachtexemplare der Gattung NSBM-Lutscher… Aber das sind harmlose Halbmenschen, arme Würstchen, die sich nicht anders zu produzieren wissen… Für solche Subjekte habe ich den Terminus Kompensieren durch Profilieren kreiert. Bei besagtem Gig in unserer Heimat wollte doch tatsächlich so ein Knilch mit LANDSER-Shirt rein… Wir selektieren natürlich, so weit wir können, aber oft sind wir eben nur als Band sprich: als Gast bei einem Konzert anwesend, da kann es nicht auch noch unsere Aufgabe sein, das Publikum zu filzen, das ist dann wirklich Sache des Veranstalters. Das Statement soll in allererster Linie klar machen, dass KROMLEK niemals eine politische Band war, ist und sein wird.

Kromlek
Der Albumtitel hat etwas schemenhaftes, etwas nicht Greifbares und eben dies galt es für mich zu visualisieren, diese diffuse, vage und dadurch meines Erachtens nach sehr stimmige Atmosphäre… – Alphavarg über das neue Album Strange Rumours…distant Tremors

Zurück zu eurem aktuellen Werk Strange rumours…distant tremors. Das Titelbild scheint schemenhaft Wurzeln darzustellen, auch im Booklet erscheinen Details wie etwa Bandfotos nur verfremdet und schemenhaft. Wieso habt ihr ein solches Artwork gewählt, dass einiges im Dunkeln lässt und wer zeichnet dafür verantwortlich?

Ich. Gestalterisch wie auch inhaltlich bzw. lyrisch bin ich Diktator. Da kommt mir kein anderer ran! Der Albumtitel hat etwas schemenhaftes, etwas nicht Greifbares und eben dies galt es für mich zu visualisieren, diese diffuse, vage und dadurch meines Erachtens nach sehr stimmige Atmosphäre… Schemenhaft auch deshalb, weil ich dieses Album als eine Art Präludium zum kommenden Werk erachte…

Ähnlich offen für Interpretationen ist ja auch der Albumtitel Strange rumours…distant tremors. Von was für Gerüchten und Erschütterungen ist hier die Rede? Und warum seid ihr auf diesen Titel gekommen, der sich vom Aussehen her stark von euren Songtiteln auf dem Album unterscheidet?

Ich finde den Klang einfach toll, der Titel hat eine herrliche, beinahe Mantra-artige Sprachmelodie. Ich könnte jetzt alles wiederholen, was ich eben bereits zur visuellen Ausführung erläutert habe, tue ich aber nicht. Stattdessen möchte ich nur folgendes dazu loswerden: Strange rumours…distant tremors ist vordergründig der Titel eben jenes Konzeptalbums, in welchem sich jene fernen Beben/Erschütterungen im Marschieren nahender Thursenheere manifestiert, also die mythologische / folkloristische Ebene KROMLEKs bedient. Darunter befindet sich noch eine weitere Ebene, nämlich jene, in welcher ich mich mit Atavismen und archaischen Überbleibseln in der Tiefenpsychologie des Menschen beschäftige. Repräsentativ hierfür ist insbesondere das wichtigste Stück des Albums: Harvest.

Eure Songs erreichen zusätzlichen Abwechslungsreichtum durch den Gebrauch von deutschen, englischen und schwedischen Lyrics. Diese Sprachenvielfalt ist nicht alltäglich, soweit ich weiß, bist du noch dazu fürs Schreiben der Texte verantwortlich. Wie kommt es, dass du auch schwedische Lyrics schreibst? Was für eine Verbindung hast du zu Schweden?

Verbindung? Keine. Nach meinem kulturellen und ästhetischen Empfinden ist Skandinavien nun einmal das Non plus Ultra. Schwedisch war hierbei einfach die erste Sprache, mit welcher ich in Berührung kam und mit welcher ich mich folglich etwas näher befasst habe. Hätte ich zum Beispiel WINDIR vor VINTERSORG entdeckt, würde ich heute vielleicht norwegisch texten…

Nun ist es so, dass all diese drei Sprachen auf Strange rumours…distant tremors zu hören sind. Setzt du diese Sprachen wegen ihrer spezifischen Klangfarbe bei einem Song ein und beim anderen nicht? Unter welchem Gesichtspunkt entscheidest du, in welcher Sprache ein Songtext sein wird?

Das hast du schon ganz richtig umschrieben, ich gehe tatsächlich nach der Klangfarbe und nach der Art der Komposition. Deutsch ist eine sehr harte, kantige Sprache, daher findet sie vor allem in Stakkato-dominierten Stücken Verwendung, während Englisch durch seinen ureigenen Sprachfluss wesentlich besser geeignet ist für Legatokompositionen… Schwedisch liegt irgendwo dazwischen, da verlasse ich mich auf meine Musen, haha…

Bei der bei KROMLEK vorhandenen Sprachenvielfalt – kannst du dir vorstellen, auch mal einen Songtext in einer toten Sprache zu schreiben (Altnordisch oder Latein)? Wenn nicht, wieso nicht?

Altnordisch eine tote Sprache? Nun gut, Isländisch bzw. Altisländisch stammt vom Altnorwegischen ab, aber dennoch hat es sehr viele Gemeinsamkeiten mit dem Altnordischen. Ich bin in der Tat bestrebt, altnordische Lyrik zu verfassen, allerdings bräuchte ich hierfür auf jeden Fall einen Lektor, da ich nicht vorhabe, einfach ein paar Zeilen aus der Edda abzukritzeln, wenn dann schreibe ich eigene Lyrik. Ich bin sogar momentan dabei, einige meiner Gedichte ins Altnordische zu übertragen…
Latein kommt für mich nicht in Frage, das ist Besatzersprache. Genauso ist es, wenn man einen Tibeter zwingt, Chinesisch zu schreiben/sprechen!

Kromlek-Interview
…für unsere elitären Neuheiden: Warum sollte sich ein Germane für Buddhisten einsetzen? – ganz einfach: Das ist eine Frage der Weltverantwortung. – KROMLEK setzen sich leidenschaftlich für das tibetische Volk ein und haben kein Verständnis für die NSBM-Szene.

Nun schreibst du alle Lyrics, bist für den Gesang zuständig und trägst noch dazu das Pseudonym Alphavarg, welches die Assoziation zum Alphawolf, zum Anführer über das Rudel, zulässt. Wie bist du zu diesem nicht alltäglichen Pseudonym gekommen?

Das Pseudonym besteht länger als jedes meiner Bandprojekte. Es entstammt meiner persönlichen Philosophie und deutet zum einen mein ureigenes Totem, den Wolf (sinnigerweise ist das auch mein Nachname) an, zum anderen deklariert es de facto einen gewissen diktatorischen Aspekt meiner Persönlichkeitsstruktur. Aber da spielt jetzt zu viel an persönlicher Erfahrung über die Jahre meiner bewegten Biografie hinein, dass ich einfach auf Machiavellis Il Principe verweisen möchte.

Vargr bezeichnet im Altnordischen im Übrigen nicht nur Wolf, sondern auch den Verbrecher, ein Vargr i veum war beispielsweise ein Häretiker, ein Ketzer… Ich bin ein moderner Vargr i veum, der sich sinnigerweise in jene Zeiten sehnt, aus welchen dieser Terminus stammt.

Lässt sich die Assoziation mit dem Alphavarg dahingehend weiterspinnen, dass du beim Songwritingprozess die tragende Rolle einnimmst? Oder arbeitet ihr alle zusammen an den jeweiligen Songs? Und – diktieren deine Lyrics die Musik oder entsteht zuerst die Musik, und du fügst dann die Texte hinzu?

Ich würde gerne mehr Einfluss auf die Kompositionen nehmen, allerdings beherrsche ich weder ein Instrument, noch bin ich des Komponierens mächtig… obwohl auf dem Nachfolger von Strange rumours…distant tremors sogar ein Riff von mir enthalten sein wird!
Das Prozedere verläuft meistens so, dass der Band ein neuer Song vom jeweiligen Komponisten (Hrim oder Hrisdolgr) vorgestellt wird, wir reden darüber, ich äußere meine Vorstellung bezüglich des Sounds und in welche gedankliche Richtung ich das Stück haben will. Wenn dann der komplette Song steht, verfasse ich den passenden Text zu den Bildern, welche mir vor dem geistigen Auge entstehen…

Im deutsch getexteten Folkthing ist vom Metgenuss die Rede (Met soll unsren Geist beflügeln). Allerdings habe ich auch mal aufgeschnappt, dass du selber keinen Alkohol trinkst. Wie kannst du dann das Publikum zum Met-Trinken motivieren, wenn du selber nicht mittrinkst? Und was trinkst du selber am liebsten?

Ich motiviere das Auditorium nicht zum exzessiven Met-Konsum, vielmehr handelt es sich bei Folkthing um den Teil einer Geschichte, in welcher es um Trolle geht, welche vor dem Antritt des letzten großen Feldzugs gegen die parasitären Midgardbewohner, also Menschen, noch einmal ausgelassen zechen, so wie es wohl jeder tun würde, dem das unausweichliche Ende bevorsteht. Das Stück ist somit fiktiv. Aber mal ganz im Ernst: könntest du dir zu einer solch beschwingten Folkmelodie einen ernsteren Text vorstellen? Ich nicht, und wie ich eben ausgeführt habe, fasse ich die Bilder in Worte, welche Melodien in meinem Kopf malen…

Dass ich militanter Antialkoholiker bin, sollte mittlerweile ja kein Geheimnis mehr sein. Die Frage nach meinem Lieblingsgetränk erinnert mich irgendwie an diese Poesiealben aus der Grundschule, haha. Hm, lass mich überlegen… Arabischen Gewürztee schätze ich sehr! Den brauche ich vor jedem Auftritt, da schwöre ich drauf!

Ebenfalls sehr präsent in euren Lyrics ist die nordische Mythologie, sei es in Herjan oder Strandhagg, um nur zwei Songs zu nennen. Woher stammt dein Interesse an der nordischen Mythologie und Geschichte?

Nun, Strandhagg ist eher historischen als mythologischen Ursprungs…Interesse ist hier eindeutig der falsche Begriff, aber damit hatte ich schon häufig zu kämpfen, denn etwas interessant zu finden impliziert automatisch, dass man außen vor ist, man betrachtet etwas von außen mit einem gewissen Interesse. Meinen Paganismus aber lebe ich, er ist meine Religion, er bestimmt meine Art zu denken, zu handeln und eben auch Lyrik zu verfassen. Den Ursprung zu ermitteln ist hierbei wohl ein Ding der Unmöglichkeit, fest steht, dass ich weit über eine Dekade in dieser Weltsicht lebe, nur einen Fixpunkt in meiner Biographie vermag ich nicht auszumachen. Ich kann mich aber erinnern, bereits in der Grundschule meine Mappen mit Wikingern verziert zu haben, haha!

Solche Mappen haben es ja sogar schon ins Residenz Evil geschafft… Mit dem Interesse an der nordischen Mythologie und den Wikingerzeiten geht meistens auch ein Interesse am Heidentum einher. Was bedeutet für dich das Heidentum und inwiefern ist es in der heutigen technisierten Welt noch lebbar?

Kromlek-Interview
Die Götter scheren sich einen Dreck um unserer irdisches Leben und säkulares Dasein, Othinn hat kein Interesse daran, in das Leben einzugreifen. – Paganismus heißt für KROMLEK, sein Leben selbständig zu führen.

Dass man Heidentum immer mit zotteligen Schraten in Lehmhütten gleichsetzt… Heiden sind keine Wilden! Wichtig ist ein bestimmtes Grundbewusstsein, nicht, ob jemand eine Tunika oder einen cK-Pulli trägt, eine bestimmte Weltsicht, welche geprägt ist von der tiefen Verbundenheit mit der Natur, aber eben auch solche Aspekte wie die eigene Wertschätzung… Der Christ bekommt von Anfang an suggeriert, er sei dank der Erbsünde der letzte Dreck, solange er auf dieser Erde wandelt… Sehr pervers, diese Sekte! Man muss sich einfach irgendwann entscheiden, entweder den Weg des Wolfes oder den Weg des Schafes zu gehen. Beide brauchen eine Gemeinschaft, ein Kollektiv, allerdings unterscheidet sich die Art der Lebensführung exorbitant. Der Christ vertraut und verweist in allem auf seinen himmlischen Vater, er ist völlig abhängig und schiebt alle Verantwortung auf eine höhere Instanz, während der Paganist sein Leben selbstständig führt. Die Götter scheren sich einen Dreck um unserer irdisches Leben und säkulares Dasein, Othinn hat kein Interesse daran, in das Leben einzugreifen. Die großen Eckpunkte unseres Lebens sind ohnehin vorbestimmt, somit liegt es an uns allein, wie wir damit umgehen! Paganismus ist zudem immer und überall lebbar, denn es handelt sich um eine Sache des Kopfes und des Herzens und nicht des Milieus.

Soweit ich gesehen habe, fließen gewisse Elemente aus der Wikingergeschichte auch in eure Live-Darbietungen ein. In einem Videoclip eines Live-Auftritts trägst du etwa einen historisch aussehenden Helm. Wie wichtig ist das Image für eine Viking Metal-Band deiner Meinung nach? Und wie bist du darauf gekommen, diesen Helm live zu tragen? Schließlich sieht er so aus, als ob er den Sehradius etwas einschränken würde…

Tja, das Einzige was ich sehen muss, ist der Bühnenrand, damit ich nicht runterfalle, haha!

Nun, ich habe es bislang immer als wichtig empfunden, ein stimmiges Gesamtbild zu erzeugen, sprich die musikalische Komponente auch dementsprechend zu visualisieren. Dies resultierte vor allem aus meinen eigenen Erfahrungen als Konzertbesucher, welche stark von Enttäuschungen geprägt waren beziehungsweise sind. Inzwischen bin ich jedoch zu der Erkenntnis gelangt, dass Aufwand und Resonanz in einem zu großen Missverhältnis stehen, weshalb ich verfügt habe, dass es diese Inszenierung in Zukunft nicht mehr – beziehungsweise nur noch eingeschränkt – geben wird. Kein Helm mehr, keine Felle und Tuniken!

Hier und da mischt auch mal ein Troll mit. Sei es textlich (Grim Omens) oder musikalisch (die teilweise vorhandenen Parallelen zu FINNTROLL). Was fasziniert dich an Trollen? Kann es sie heute noch geben?

Ob es sie geben kann? Was für eine Frage, natürlich existieren sie… Sie lassen sich nur gegenwärtig wesentlich seltener blicken. Dass es Wesen gibt, welche nicht tierischer oder menschlicher Abstammung gibt, steht ja wohl hoffentlich außer Frage. Dass in irgendwelchen pseudowissenschaftlichen/-historischen Abhandlungen Thursen, Jöten, Trolle usw. als Sinnbilder für Naturgewalten abgetan werden, halte ich für rationalistischen Humbug. Das ist diese was-ich-nicht-sehen/beweisen-kann-ist-auch-nicht-existent-Mentalität. Widerlich!

FINNTROLL wird im Zusammenhang mit eurer Musik nicht selten genannt. Welche Bands waren und sind Einflüsse von KROMLEK nach deiner Meinung? Und durch welche Band wurdest du ursprünglich auf den Viking Metal aufmerksam?

FINNTROLL waren es ganz am Anfang. Aber das ist lange her. AMON AMARTH hat Hrim bei der Komposition von Strandhagg Pt. I inspiriert. Ansonsten sehen wir uns – besonders in den Atmosphärenparts und Soloteilen – von WINDIR beeinflusst. Das war`s. Meine Ersten waren THYRFING, MITHOTYN und EINHERJER.

Kromlek
Ich bin ein moderner Vargr i veum, der sich sinnigerweise in jene Zeiten sehnt, aus welchen dieser Terminus stammt. -Bandkopf Alphavarg identifiziert sich mit allen Aspekten, die sein Pseudonym inne hat.

Stichwort Viking Metal. Die Genregrenzen zum Pagan Metal scheinen oft relativ klein, einige Bands mischen die beiden Genres auch. Was macht für dich das Genre Viking Metal aus und für wie wichtig hältst du die Abgrenzung zum Pagan Metal? Ist diese Schubladisierung sinnvoll?

Dieses Genregewichse ist was für Kleingeister. Schubladisierung ist gerade in der Pagan/Viking Szene völliger Unsinn, da dieses Subsubgenre ohnehin schon sehr überschaubar ist… Ich kann mir auch keinen Reim darauf machen, was das Ganze überhaupt soll, im Prinzip ist Viking Metal auch Pagan Metal (pagan bedeutet ja heidnisch), nur eben mit einem thematischen Fokus auf die Wikinger.

In einigen eurer Songs habt ihr recht dominante Keyboardlines, etwa in Grim Omens. Einige Bands im heidnischen Metal-Genre verzichten mehr auf so gestaltete Tastenklänge und setzen mehr authentische Instrumente ein, so zum Beispiel ELUVEITIE. Kam bei euch jemals der Gedanke auf, die Keyboards mehr zurückzuschrauben und mehr auf natürlicher klingende Samples oder authentische Instrumente zu setzen?

Du meinst abgesehen von unserer Geige, haha?

Ja, abgesehen davon.

Ich habe ehrlich gesagt nie nachvollziehen können, was alle (Metal-)Welt gegen den Einsatz von Keyboards hat… Ist es truer, ein Flötenloch zuzuhalten als eine Taste zu drücken? Das ist so arm und dazu noch lächerlich! Hrisdolgr hat mit seinem Keyboard mehr drauf als 80% dieser Dudel-, Fiedel- und Flöttrottel. Das Keyboard ist eine großartige Erfindung und wir werden sie so nutzen, wie es uns beliebt… Diese ganzen Lutscher, die meinen, eine Saite zu zupfen ist das Höchste und Keyboards seien untrue, sollen sich meinetwegen zu diesen ganzen Drecksschrammelbands einen runterholen, Dreck zu Dreck! Ich kann im Grunde nur müde lächeln über diese Loser!

So eine leidenschaftliche Rede für Keyboards hört man selten. Jetzt wurde KROMLEK ja erst 2004 gegründet, mittlerweile habt ihr allerdings schon die Mini-CD Kveldridhur und euer aktuelles Album Strange rumours…distant tremors im Gepäck. Es ist nicht alltäglich, dass eine Band, die erst so kurz besteht, schon so zu überzeugen versteht. Gibt es Mitglieder bei KROMLEK, die schon vorher in anderen Bands tätig waren? Wenn ja, in welchen? Und hat jemand bei euch irgendwelche Side-Projekte am Start?

Was die einzelnen musikalischen Biographien unserer Mitglieder anbelangt, gibt es eigentlich gar nicht so viel zu vermelden. Ich selbst war früher (etwa 1999) in einer Viking Metal Formation namens ANSUZ aktiv, welche mit mir stand und mit mir auch wieder fiel, danach nahm ich mit einem damaligen Freund unter dem Projektnamen VALASKJALF das Konzeptalbum Gangleri auf, welches wir auf 30 Exemplare reduziert selbst vertrieben haben. Leider haben sich irgendwann unsere Wege getrennt, ideologisch wie freundschaftlich. Danach geriet ich in die Black Metal-Band PURITAN DISBELIEF, welche aus Draugh, Galt und Riko bestand. Aus dieser Formation entwuchs dann letzten Endes KROMLEK, nachdem Hrim und Hrisdolgr 2004 dazu gestoßen waren.

Für Hrim und Forath ist KROMLEK die erste Band, einzig unser Bassist Alex kann auf eine reichhaltig angefüllte Musikerbiographie zurückblicken. Vor allem der Einsatz mit seiner (inzwischen aufgelösten) Band INFERNAL BLASPHEMY sei dabei hervorzuheben, er ist aber auch im außermetallischen Bereich tätig. Zurzeit ist er noch in ein progressives Metal-Projekt involviert, in welchem wohl auch der Ex-Gitarrist von INFERNAL BLASPHEMY und Hrisdolgr aktiv sind, aber da bin ich zugegebenermaßen etwas uninformiert…Hrisdolgr und Aoife hatten wohl keine nennenswerten vorangegangenen Bands inne.

Fast so jung wie eure Band ist ja auch das Label, bei dem ihr unter Vertrag sind. Auch hier kommen wieder die Trolle zum Zug. Wie kamt ihr zu TROLLZORN und wie seid ihr mit der Labelarbeit bis jetzt zufrieden?

Interessanterweise wurden wir von TROLLZORN angeschrieben. Sie boten uns einen Vertrag über drei CDs an, wobei unser Demoalbum bereits inklusive war, was quasi bedeutet, dass unser Label das Demo finanziert hat, mit welchem wir uns bei dem Label vorstellen wollten, haha! Ich habe mich im Vorfeld mit Kai per Mail auseinandergesetzt, um auszuloten, ob es sich bei TROLLZORN um ein seriöses Label handelt oder nur um ein aus dem gegenwärtigen Trend heraus entstandenes, halbherziges Unterfangen… Zum Glück konnte ich definitiv ersteres feststellen. Die Jungs sind absolute Idealisten, dabei aber völlig bodenständig!

Mit der Labelzusammenarbeit bin ich definitiv zufrieden, bislang gab es keinen Grund zur Klage und der Vorteil ist vor allem der, dass ich es nicht mit studierten Erbsenzählern zu tun habe, sondern im Prinzip mit guten Freunden, mit denen man auch reden kann!

Kromlek-Interview
Dass es Wesen gibt, welche nicht tierischer oder menschlicher Abstammung gibt, steht ja wohl hoffentlich außer Frage. Dass in irgendwelchen pseudowissenschaftlichen/-historischen Abhandlungen Thursen, Jöten, Trolle usw. als Sinnbilder für Naturgewalten abgetan werden, halte ich für rationalistischen Humbug. – Artenschutz der etwas anderen Art…



Obschon euer Werk Strange rumours…distant tremors erst am 17. März erschienen ist: Habt ihr schon Pläne für das nachfolgende Album? Wie sieht die fernere Zukunft von KROMLEK aus?

Ich habe keine Pläne, ich habe ein komplettes Konzept. Drei Stücke stehen bereits im Endstadium der Strukturierung, etliche weitere befinden sich noch in der Hinterhand. Allerdings habe ich verfügt, dass diese Stücke bis zum Erscheinen des nächsten Albums unter Verschluss gehalten werden. Ich denke, die ferne Zukunft sieht verdammt gut aus für uns. Wir haben zum Sturm auf den Viking Metal-Thron geblasen und das ist ein Ziel, das wir durchaus mit aller Ernsthaftigkeit verfolgen.
Außerdem möchte ich das Engagement für Tibet erweitern.

Zum Abschluss eine Frage nach der näheren Zukunft. Werdet ihr Strange rumours…distant tremors auch mit einer Tour promoten? Und wie sehen eure Live-Aktivitäten in nächster Zeit aus?

Damit streust du eine ganz gewaltige Ladung Salz in meine Wunde. Wir wurden von BLACK MESSIAH gefragt, ob wir sie auf eine zweieinhalb-Wochen-Europatour begleiten und wir mussten mit blutendem Herzen absagen, da beide Gitarristen aus beruflichen beziehungsweise studientechnischen Gründen keine Zeit haben. Ich könnte immer noch heulen bei dem Gedanken an diese verpasste Chance… Aber das ist eben das Problem bei einer 7-Mann – oder besser 6-Mann-eine-Frau-Band, da alles zeitlich unter einen Hut zu bringen ist eine wahre Sisyphusarbeit…

Konzert- und festivaltechnisch sieht es da schon wesentlich sonniger aus. Die nächsten Termine sind:
31.3. RAGNARÖK FESTIVAL IV
1.4. BATTLE FEST im holländischen Zaandam
14.4. ENDLESS PAIN FESTIVAL
17. bis 20.5. Holland-Mini-Tour mit ELUVEITIE und ELEXORIEN
14.-16.6. QUEENS OF METAL
23.6. HÖRNERFEST
17.-19.8. BARTHER Metal Open Air
24.-25.8. UP FROM THE GROUND
Und im Herbst 2007 noch das WOLFSZEIT-Festival

Da werdet ihr ja ganz schön viel zu tun haben auf den Brettern, die die Welt bedeute! Takk fyrir fürs Beantworten meiner Interviewfragen.

Ich danke dir für die interessanten Fragen.
Man sieht sich! Othinn blessi thig & tashi delek!
Freiheit für Tibet!

Bilder: Band