KATATONIA: Interview mit Jonas Renkse

KATATONIA: Interview mit Jonas Renkse



Ein neues Album ist vollbracht. Wie ergeht es Dir bei diesem Gedanken ?

J: Wir sind sehr glücklich, weil es dem was wir erreichen wollten als wir das Studio betraten sehr nahe kommt.

Auf dem Album hat Dan Swanö die Drums eingespielt und somit stellt sich natürlich die Frage ob er ein festes Mitglied von Katatonia wird oder ist.

J: Er half uns lediglich aus, weil wir bis zum Start der Aufnahmen einfach keinen Schlagzeuger fanden, der gut genug war. Wir sind mit Dan nun schon sehr lange eng befreundet und wir wußten, dass er den Part übernehmen könnte. Wir riefen ihn an und fragten ob er spielen würde und den Rest kennst Du.

Ihr habt ja einige Male in seinem Studio aufgenommen.

J: Nur die ersten beiden Alben und die letzten Beiden wurden hier in Stockholm im Sunlight-Studio aufgenommen.

Um nochmalig auf Euer Bandgefüge zurückzukommen. Augenblicklich habt Ihr keinen Bassisten, richtig ?

J: Wir hatten für das Album keinen Bassisten und so hat Frederik, (zweiter Gitarrist) den Bass eingespielt. Wir testen zur Zeit einige Drummer und Bassisten und hoffen jemanden zu finden.

Somit ist es ein leichtes für mich eine Brücke zur nächsten Frage zu bauen. Wie stehen die Möglichkeiten für eventuelle Tourneen ?

J: Im Moment steht noch nichts endgültig fest, aber es wird eine Tour im Oktober oder November starten.

Nochmals auf das Album zu kommen. Wer zeichnet sich für das wundervolle Coverartwork verantwortlich ?

J: Er heißt Travis Smith und ist Amerikaner. Wir kamen in Kontakt, da wir einige seiner früheren Sachen kannten und mögen. Ich denke, er ist sehr talentiert.

In welcher Weise berührt Dich sein Bild und was gab den Ausschlag sich für sein Bild zu entscheiden ?

J: Wir lernten ihn kennen und erklärten ihm was für ein Album wir aufnehmen würden und etwas über die Essenz unserer Musik. Wir sagten ihm das wir Schienen in dem Bild plaziert haben möchten und dann kreierte er einige Vorschläge. Wir entschieden uns sofort für dieses Bild, weil wir es einfach perfekt finden.

Ihr habt nun auch das Label gewechselt und seit jetzt in den Händen von Peaceville.

J: Bis jetzt leisten sie hervorragende Arbeit uns. Wir hatten für das Studio mehr Geld als jemals zuvor und konnten in Ruhe arbeiten. Wir haben einen ausgezeichneten Sound bekommen, weil wir für 2 Monate im Studio arbeiten und einfach Alles ausprobieren konnten.

Sind die songwriterischen Prozesse eigentlich abgeschlossen wenn Ihr die Aufnahmen beginnt ? Oder konntet Ihr aufgrund der Zeit noch an Songs intensiv arbeiten.

J: Ich würde sagen, dass zu 80% die Songs standen und der Rest folgte im Studio. Man kann in erster Linie Ideen ausprobieren, die zu Hause nicht zu realisieren sind und zwischendurch mal relaxen.

Auf tonight´s decision ist ein Song, der mich sofort zutiefst berührte, es ist a darkness coming. Was steht hinter dem Song, durch welche Inspiration wurde er lebendig ?

J: Manchmal überkommt mich das Gefühl, Dinge zu sehen die andere Menschen übersehen. Ich schrieb den Text und er ist sehr persönlich. Ich bin mit einer Frau sehr lange zusammen gewesen und ich spürte etwas Schlechtes nahen und ES kam. Doch handelt dieser Song nicht direkt von dieser Begebenheit, es war ein Anstoß und nicht mehr.

Meine ersten Gedanken während des Hörens drehten sich um die Angst vor einem kommenden Niedergange, welcher Art auch immer.

J: Ja auch davon hat der Song etwas. Er berührt das Thema Niedergang sehr stark. Wenn ich Texte schreibe, dann möchte ich kleine Geschichten erzählen und möchte sie sehr persönlich halten. Ich wollte eben eine derartige Geschichte schreiben, weil ich den Niedergang auch in mir spürte.

tonight´s decision ähnelt dem vorangegangenen Album Discouraged Ones sehr stark und somit ist der Stil von Katatonia erstmalig gefestigt worden.

J: Du hast Recht, wir haben mit Discouraged Ones uns selbst gefunden und mit tonight´s decision konnten wir unseren Stil festigen und verbessern.

Katatonia´s Musik war zu jeder Zeit geprägt von depressivgelagerten Gefühlen oder der Quelle der Melancholie.

J: Diese Gefühle sind der Antrieb für unsere Musik. Wir würden die Band sofort auflösen, wenn irgendwann keine dunklen Lieder mehr entstehen sollten. Das nächste Album wird etwas anders werden, doch hoffentlich werden wir immer diese (unsere) Atmosphäre einbringen können. Doch wir müssen uns immer weiter entwickeln und somit werden wir ein wenig experimentieren.

Eine Tatsache, die ich sehr faszinierend finde ist, dass Eure Musik im Laufe der Zeit immer schlichter konzipiert wurde um der Atmosphäre mehr Raum zu verschaffen. Für meine Begriffe eine erfolgreiche Entwicklung. Wie denkst Du darüber ?

J: Ich denke ähnlich, als wir mit Katatonia begannen waren wir sehr jung. Mit 16 nahmen wir das Demo-Tape auf und mit 17 spielten wir Dance of the December Souls ein. Wir wollten einfach dunkle Musik kreieren und ließen uns von den dunkelsten und coolsten Sachen inspirieren. Doch mittlerweile lassen wir einfach unserem Inneren freien Lauf und ich denke, dass unsere Musik sehr an Intensität gewonnen hat. Die Atmosphäre ist bodenständiger, lebendiger und nachvollziehbarer geworden und deine Ansichten sind ein gutes Zeichen für uns, weil wir eben dies erreichen wollten. Wir wollen zeigen, dass man kein Image oder spezielles Outfit braucht um dunkle Musik zu leben. Katatonia ist einfach eine Reflektion unserer Persönlichkeiten.

Ist es für Dich vorstellbar, dass uns Katatonia eines Tages ein Live-Album aufnehmen präsentieren ?

J: Vielleicht in ein paar Jahren wäre es toll, aber wir haben noch nicht oft gespielt und brauchen ein konstantes Bandgefüge um unser Live-Feeling zu erreichen.

Etwas das ebenfalls immer besser wird ist Dein Gesang.

J: Danke, ich sehe das genauso. Als wir Discouraged Ones aufnahmen, entschieden wir vorher, dass keine Growls mehr auftauchen sollten. Die Anderen meinten ich solle einfach mit meiner normalen Stimme singen, doch ich hatte noch nie vorher in dieser Art gesungen. Ich hatte nie Unterricht oder habe viel geübt. Ich hatte einfach genug Zeit und es gab mir diesmal eine Menge Sicherheit bereits mit Discouraged Ones ein Album gemacht zu haben, auf dem ich mit Erfolg normal gesungen hatte.

Welches Gefühl überkommt Dich, wenn Du an die frühen Tage von Katatonia denkst ?

J: Wir haben sehr viel zusammen erlebt, da war so viel Enthusiasmus, Ambitionen und eine Menge lustiger Geschichten. Ich schaue mit einem Lächeln auf einige tolle Jahre zurück.

Fühltet Ihr euch von der norwegischen Szene beeinflußt ?

J: Hauptsächlich Anders hörte viele norwegische Black-Metal Bands wie z.B. Emperor usw., doch ein großer Einfluß waren sie nicht für uns. Ich finde es gut, dass Emperor sich von ihrem Image gelöst haben und sich mehr auf ihre Musik konzentrieren, weil sie wirklich gut sind. Mein größter Einfluß waren damals Paradise Lost und natürlich hörte ich auch einige Black-Metal Bands. Generell finde ich Black-Metal, der mit Herz gespielt immer noch interessant.

Wie sehen deine Wünsche für die nahende Zukunft aus ?

J: Ich freue mich auf die Reaktionen, wenn das Album veröffentlicht wird und dann auf Tour zu gehen, aber generell geht es mir augenblicklich sehr gut.

Famous last words ?

J: Danke für das interessante Interview und alles Gute.

Thomas