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JOE SATRIANI: …wenn ich nichts anderes zu tun hätte!

JOE SATRIANI: …wenn ich nichts anderes zu tun hätte!

Joe Satriani über seine aktuelle Tour, das aktuelle Album Strange Beautiful Music, seine Zeit bei DEEP PURPLE, Nu-Metal und andere Geschichten..!

Hi Joe. Wo sitzt Du gerade?

Zu Hause in San Francisco.

Du tourst gerade mit Deiner Band quer durch Deutschland. Was dürfen wir erwarten?

Wir werden sowohl Lieder vom aktuellen Album „Strange Beautiful Music“ als auch Musik aus unserer Vergangenheit präsentieren – darunter Songs, die wir seit vielen Jahren nicht mehr gespielt haben. Eben ist eine neue DVD von uns herausgekommen: „Live in San Francisco“. Darauf gibt es eine zweieinhalbstündige Performance zu sehen, die das Set dokumentiert, das wir in den letzten Jahren gespielt haben. Nach Europa möchten wir diesmal eine neue Show mitbringen – wir, das sind Jeff Campitelli hinterm Schlagzeug, Matt Bissonette am Bass und ich an der Gitarre. An der Rhythmusgitarre wird uns ein Typ namens Galen Henson begleiten. Wir sind schon sehr gespannt, denn Europa wird uns als erstes zu sehen und hören bekommen, bevor wir nach Amerika zurückkehren und es dann weiter nach Asien geht.

Wie lange werdet Ihr auf Tour sein?

Bis zum Ende des Jahres.

Was kannst Du über Dein neues achtes Studioalbum „Strange Beautiful Music“ erzählen?

Journalisten haben mir das Album als eine Kreuzung aus „The Extremist“ und „Crystal Planet“ beschrieben. Ich für meinen Teil möchte nicht sagen, dass eine CD so oder so klingt, aber ich weiß, dass ich stilistisch sehr unterschiedliche Sachen veröffentlicht habe. Vielleicht ist es jedoch tatsächlich notwendig, die Menschen dort draußen wissen zu lassen, dass die Neue von Joe Satriani kein reines Blues-Album oder eine Techno- oder Trance-CD ist. „Strange Beautiful Music“ ist eine Rockscheibe geworden, die in die Richtung der genannten Alben geht und sich auf die Band konzentriert. Wir haben versucht, die Aufnahmen zu einem Event zu machen, bei dem sich die beteiligten Musiker frei fühlen durften. Was immer ihr Herz verlangte – wir nahmen es auf und versuchten, es zur Essenz dieser Scheibe zu machen.

Siehst Du nach wie vor einen Markt für rein instrumentale Gitarrenalben ohne Gesang?

Oh, auf diesem Gebiet kenne ich mich nicht mehr so gut aus. Seit ich – ziemlich spät in meiner Karriere – damit begonnen habe, Instrumentalalben aufzunehmen, dachte ich mir, dass es das beste sei, gar nicht erst über einen möglichen Markt für diese Art von Musik nachzudenken. Weltweit ist es heute gang und gäbe, eine exakte Planung darüber anzustellen, wie sich Kunst verkaufen wird, noch bevor sie überhaupt fertig gestellt ist. Deshalb denke ich über so etwas nicht einmal mehr nach (lacht). Vielleicht kann ich in einem Jahr etwas über „Strange Beautiful Music“ sagen. Rückwirkend ist es immer einfach, Dinge zu bewerten, die in der Vergangenheit liegen. Ich habe jedoch keine Lust, über die Kommerzialität einer CD nachzudenken, so lange sie noch nicht einmal veröffentlicht ist.

In meiner Phantasie kommen zu einem Joe Satriani-Konzert vorwiegend langhaarige Rockmusiker, die Dir den kompletten Abend über aufs Griffbrett schauen und hernach schwer beeindruckt feststellen: „Wau! Der Typ kann echt Gitarre spielen!“ Ist das ein Problem für Dich, Abend für Abend vor der lokalen Musikermafia der jeweiligen Stadt aufzuspielen?

Nein (lacht). Es ist mir echt egal, wer zu meinen Shows kommt – Hauptsache, es ist ein gutes Publikum. Das macht ein Konzert ja erst interessant: Ein gemischtes Publikum mit ganz unterschiedlichen Menschen. Mit Leuten, die gekommen sind, um zu tanzen, Leuten, die ihre Augen schließen und träumen und solchen, die mir auf die Finger gucken. Ich denke, die Tatsache, dass ich viele ganz verschiedene Menschen anziehe, ist hilfreich, damit unsere Auftritte spaßig und ereignisreich werden.

Wirst Du live auch singen oder geht das zweieinhalb Stunden rein instrumental?

Ähm … (überlegt). Ich denke, es wird vielleicht drei oder vier Lieder mit Gesang geben.

Mit Dir hinterm Mikro?

Mit mir und Matt Bissonette. Er ist mein Bassist und zudem ein fantastischer Sänger.

Du hast Gitarrenhelden Steve Vai, Larry LaLonde (ehemals Possessed, jetzt Primus) und Kirk Hammett (Metallica) Gitarrenunterricht gegeben…

Ich stehe nach wie vor im Kontakt mit all diesen Jungens, weil wir in bestimmter Weise den gleichen Traum teilen. Erst letzte Woche war ich mit Steve Vai und John Petrucci (Dream Theater) in Mexiko. Wir sind so etwas wie Kameraden.

Was geht derzeit in Deiner Heimatstadt San Francisco?

Oh, hier passiert jede Menge. Deep Purple haben sich angesagt, Jethro Tull werden in der Stadt spielen, Michael Tilson Thomas leistet großartige Arbeit an der San Francisco Symphony. Vor ein paar Wochen habe ich hier um die Ecke den California Music Award gekriegt – da haben wir dann auch gleich gespielt. San Francisco ist ein großartiger Ort, um Musik zu erleben.

Mit Deep Purple warst Du auf Tour, als Ritchie Blackmore die Band Anfang der 90er Jahre verließ …

Stimmt. Ich habe – lass mich überlegen – gut sieben Monate mit ihnen gespielt.

Warum bist Du nicht geblieben?

Es war so ein Gefühl… Ich wollte nie in der Position sein, jemanden zu ersetzen, der so berühmt und talentiert ist wie Ritchie Blackmore. Ich bin als großer Deep Purple-Fan aufgewachsen – da passt es nur schwer in mein Weltbild, dass ich den Platz von jemandem wie Ritchie Blackmore einnehmen soll. Da war aber auch gar kein Zwang, bei Purple einsteigen zu müssen, schließlich verkaufe ich unter meinem eigenen Namen rund um den Globus Millionen von Platten. Ich hätte es getan, wenn ich nichts anderes zu tun hätte … (lacht) Ich habe jedoch meine eigene Karriere am Laufen, die ich kurz angehalten habe, um diese Jungens zu treffen und nicht die Erfahrung zu missen, mal mit ihnen gespielt zu haben. Damals bin ich aber fest davon ausgegangen, dass sich Deep Purple früher oder später eh zusammenraufen und wieder im Original Line Up antreten werden. Ich wusste, dass Steve Morse gefragt wurde, ob er in die Band einsteigen will, und ich hielt ihn für eine vorzügliche Wahl, doch auch bei ihm war ich mir nicht sicher, wie lange er dabei bleiben würde. Bei Bands wie Deep Purple besteht immer die Möglichkeit, dass sie wieder zusammenkommen, wenn Du weißt, was ich meine…

Klar: Kaum gehen Ritchie die Kohlen aus, winkt er kurz, und schon bist du als ewiger Interimsgitarrist bei Purple draußen. Themawechsel: Was war die letzte CD, die Du Dir gekauft hast und die Du richtig gut fandest?

Oh, „Toxicity“ von System Of A Down – eine richtige gute Platte von einer richtig guten Band!

Wie denkst Du über all den Nu-Metal-Kram wie Limp Bizkit und System Of A Down?

Ich denke, es gibt keinerlei Gemeinsamkeiten zwischen Limp Bizkit und System Of A Down. System Of A Down sind ohne Zweifel eine echte, talentierte Rockband. Limp Bizkit hingegen sind bereits am Auseinanderfallen. Immer, wenn eine Band viele Obszönitäten benutzt, um auf sich aufmerksam zu machen, sehe ich das als einen Mangel an Kreativität. Ich mag den Sound von Limp Bizkit, aber ich war immer der Ansicht, dass sich Fred Durst zu sehr an irgendwelche Obszönitäten gehängt hat. Wenn Musik- oder Kunstgeschichte eines bewiesen hat, dann die Tatsache, dass so etwas zwar einen großen Aufschrei bewirken kann, jedoch niemals lange währt. Eben weil es nicht sonderlich kreativ ist. Jeder kann „fuck“ sagen, nach einer Weile bedeutet das nicht mehr viel (lacht). System Of A Down sind da einfach ein Stück weit kreativer in ihren Texten, und ich denke, genau das macht sie langlebiger. Außerdem ist Serj Tarkin, ihr Sänger, einfach großartig.

Stell Dir vor, Du feierst eine Gartenparty und darfst drei Bands Deiner Wahl einladen, die für Dich und Deine Freunde in dieser Nacht aufspielen (Leichen willkommen!). Wen würdest Du engagieren?

Ich denke, das wären erst mal ich, Jimi Hendrix, John Bonham, Wes Montgomery und Jaco Pastorius. Wir würden als erstes spielen. Dann würden wir uns auf die Seite setzen, und den Rest des Abends würde wahrscheinlich Mozart in die Tasten greifen.