EIDOLON: Best I Can

EIDOLON: Best I Can

Coma Nation – das neue Album der Kanadier EIDOLON – schlägt bei den Kritikern derzeit wieder einmal so richtig ein. Meiner Meinung nach zu Recht, und so ist es zu hoffen, dass auch endlich das Metalpublikum die Klasse dieser Powermetalband anerkennt und mit entsprechenden Verkaufszahlen reagiert. Denn dass EIDOLON in Europa das gleiche Schicksal ereignet, wie es in den USA der Fall ist – nämlich ohne Deal dazustehen – gilt es auf jeden Fall zu verhindern. Die Band selbst hat mir ihrem neuesten Werk jedenfalls wieder einen guten Grundstock gelegt und nun gilt es abzuwarten, wie es weitergehen wird.

Hauptsongwriter und treibende Kraft der Band – neben seinem Bruder Glen -, Shawn Drover, nahm sich speziell für vampster die Zeit für ein längeres Gespräch, das wieder einmal zeigt, mit welcher Begeisterung EIDOLON ihrer Musik nachgehen…

Für mich war die Spannung bezüglich des neuen Albums sehr groß, da ich bei EIDOLON schon immer sehr auf den Gesang stand und ich hatte ein wenig Angst, dass die Band mit einem neuen Sänger etwas an Identität verlieren könnte. Mit Pat bin ich aber nun wirklich glücklich, da er meiner Meinung nach mit seiner Stimme ein ähnliches Feeling erschafft wie Brian.

Ganz deiner Meinung. Wir haben auch gar nicht nach einem Sänger gesucht, der großartig anders klingt. Wir wollten einfach jemand, der einen größeren Stimmumfang und mehr Kraft besitzt. Er sollte das, was ich von ihm wollte auch umsetzen können. Mit Brian war das so leider nicht möglich. Wir wussten, dass wir etwas ändern mussten, auch wenn es uns angekotzt hat. Als wir damit anfingen einen neuen Sänger zu suchen, waren wir uns darüber im klaren, dass er noch immer sehr melodisch sein müsste, gleichzeitig aber auch viele Dinge mit seiner Stimme anfangen kann. Er sollte aggressiver sein und kräftiger. Pat hat das meiner Meinung nach und ich denke, dass er sehr gut in die Band passt. Für mich klingt das ganze nach wie vor nach EIDOLON, allerdings mit einem besseren Sänger. Das ist alles was wir wollten und ich denke dass wir das auch erreicht haben.

Aber allein die Stimme war ja letzten Endes gar nicht das Problem von Brian. Da gab es ja auch noch andere Schwierigkeiten…

Ja, es gab tatsächlich mehrere Gründe. Ein weiterer Grund war, dass Brian während den Proben für das Bang Your Head komplett seine Stimme verlor. Am ersten Tag probten wir gemeinsam, am zweiten Tag war seine Stimme weg und die nächsten vier Tage mussten wir ohne Sänger proben. Seine Stimme erholte sich aber nicht richtig, weshalb er auch ziemlich nervös und unsicher wurde. Er hatte richtig Angst vor der Show. Er hatte alles andere als die richtige Einstellung – die Aggressivität die ein Sänger braucht. Ein Sänger benötigt einfach eine starke Bühnenpräsenz und eine kräftige Stimme. Brian hatte das nur zum Teil. Der Hauptgrund war aber schon seine Stimme, auch wenn vieles zusammen kam. Nach dem Bang Your Head wussten wir einfach, dass es so nicht weiter gehen würde. Es war aber schon beschissen, da ich mit Brian 5 Jahre meines Lebens verbrachte. Diese Band muss einfach weiter gehen können, sie muss sich entwickeln und Brian konnte da nicht mithalten.

Mir persönlich hat der Bang Your Head-Gig ja extrem gut gefallen. Ward ihr denn wirklich total unzufrieden?

Nein, die Show war schon wirklich gut. Und an dem Tag war Brian´s Stimme auf jeden Fall auch so gut wie noch nie, seit er seine Stimme bei den Proben verloren hatte. Er hat seine Sache dort dann auch ganz gut gemacht, aber wie gesagt waren es sehr viele Faktoren die zusammen kamen. Er war von seiner Einstellung her einfach zu negativ. Es ist einfach schlecht, wenn du auf die Bühne gehst und dir immer Sorgen machen musst, ob es dein Sänger wohl packen wird.

Glen hat im letzten Interview erklärt, dass das Bang Your Head definitiv ein Wendepunkt in der Karriere von EIDOLON werden müsste. Denkst du, dass es tatsächlich ein Wendepunkt war oder nur insofern, als dass die Entscheidung in der Band fiel, mit einem anderen Sänger weiter zu machen?

Ich denke es war von beidem etwas. Was beim Bang Your Head extrem schade war, ist dass wir so früh am morgen spielen mussten. Wir spielten um 10.30 Uhr am zweiten Tag und jeder stand erst gerade auf, weil er am Abend davor Party gemacht hatte. Ich hätte schon gehofft, dass uns mehr Leute sehen würden. Aber letzten Endes waren wir einfach nur froh, dass wir dort auftreten konnten. Für uns war es der erste Gig in Europa und ein Festival ist ein wirklich guter Anfang. Wir hoffen, dass wir schon bald wieder in Europa spielen und noch einige Festivals mehr machen können.

Meiner Meinung nach spielen die besten Bands auf dem Bang Your Head eh immer viel zu früh. Ich sag da nur SOLITUDE AETURNUS oder WATCHTOWER…

Weißt du, ich denke man muss auch einfach sehen, wo wir stehen. Wir können nicht zum ersten mal in Europa spielen und erwarten, dass wir abends um 9 Uhr auftreten werden. Das ist einfach nicht möglich. In Europa gibt es so viele gute Bands und einfach nur dort auftreten zu dürfen ist für uns etwas wirklich großes.

Denkst du denn, dass es eine Chance geben wird, euch noch dieses Jahr hier spielen sehen zu können?

Schwer zu sagen. Ich denke es hängt einfach auch davon ab, wie die Reaktionen in der Presse aussehen und wie gut sich unser Album verkaufen wird. Wir wollen in Europa spielen, nichts lieber als das! Wir werden uns mit Metal Blade unterhalten und sehen, was sie davon halten. Wir wollen nächstes Jahr auf jeden Fall wieder bei Festivals auftreten und für das Bang Your Head sieht es sehr gut aus.

In eurer sängerlosen Phase, hattet ihr da manchmal die Befürchtung dass ihr keinen passenden Mann für die Band finden werdet? Jemanden, der wirklich in die Band passt.

Ja sicher. Glen und ich haben viel darüber gesprochen. Wir wussten auch nicht so recht, was wir tun sollten. Was sollen wir machen, wenn wir niemanden finden der besser ist als Brian? Es ist nicht einfach in Kanada einen guten Sänger zu finden, es ist nicht wie in Europa. Ein Ralf Scheepers findet man in Kanada nicht an jeder Straßenecke. Es ist wirklich schwer einen melodischen Sänger mit viel Power zu finden. Wir hatten da schon Ängste, aber wir wussten einfach, dass wir nur so weiter machen können. Ich glaube schon, dass gewisse Dinge aus bestimmten Gründen passieren.

Als Pat dann auf den Plan trat, ward ihr euch da vom ersten Moment an sicher, dass er der richtige ist?

Nicht unbedingt. Er hat zuerst meinen Bruder getroffen und Glen hat mir von ihm erzählt. Er hat mir Musik von ihm geschickt und es war definitiv so, dass ich ihn sofort gut fand. Wir hatten auch schon mit Wade Black von CRIMSON GLORY/SEVEN WITCHES gesprochen und es waren auch sonst noch ein paar Sänger in der engeren Auswahl. Aber letzten Endes kamen wir zu dem Schluss, dass Pat die beste Wahl sein würde. Und das ist er absolut!

Lebt Pat denn auch bei euch in der Nähe?

Er wohnt in Toronto, sehr nahe bei Glen und Adrian.

Und wie habt ihr euch abgesichert, dass er auch menschlich zu euch passt?

Wir sind mit ihm losgezogen und haben uns betrunken!

Hehe…sehr coole Art und Weise…

Wir wollten sicher sein, dass wir mit ihm auch abhängen können. Wir wollten sicher sein, dass er kein Arschloch ist und die richtigen Beweggründe hat in die Band einzusteigen. EIDOLON ist Teamarbeit. Auch wenn ich Songs schreibe, geht es immer um die Band. Es sollte klar sein, dass er sich darüber bewusst ist. Es sollte auf jeden Fall passen, bevor wir zusammen ein Album aufnehmen und live spielen.

Wie sah denn seine Verbindung zu EIDOLON aus?

Er hat von uns über ein großes Metal-Magazin in Kanada erfahren. Er hat über uns gelesen und sich die Alben angehört. Ihm gefiel die Band sehr und als er sich bei uns bewarb, wusste er schon recht gut über uns Bescheid.

Wirklich froh war ich auch, dass ihr mit einem neuen Sänger nicht komplett eure Melodielinien über den Haufen geworfen habt. Noch immer steckt im Gesang dieses Gefühl der Melancholie und Verzweiflung.

Ich schreibe die Melodien und warum sollte ich daran etwas ändern, nur weil jemand neues in der Band ist. Ich ziehe einfach mein Ding durch und der Sänger setzt meine Ideen dann entsprechend 95um. Ich sag Pat schon, was meine Vorstellungen sind, sage ihm aber auch, dass er es auf seine Art machen soll. Ich gebe ihm meine Grundidee und er macht dann weiter. Was mich teilweise wirklich zum Lachen bringt ist, wenn die Leute behaupten Pat würde wie Brian klingen, nur weil die Melodien noch dieselbe Struktur aufweisen wie zuvor. Natürlich klingt das irgendwie ähnlich, aber ich kann nur noch einmal betonen, dass ich den Gesangsstil überhaupt nicht ändern wollte, ich wollte einfach einen besseren Sänger. Wir werden immer nach EIDOLON klingen. Wir werden immer einen melodischen Sänger haben. Unsere Musik wird immer Power und diese dramatischen Melodien haben. Es wird sich nichts ändern.

Das ist eben auch eine Sache, die ich an EIDOLON sehr schätze. Ich zieht euer eigenes Ding durch. Es ist halt einfach so, dass sich heutzutage zu viele Bands damit begnügen wie eine andere Band zu klingen…

Ich weiß genau was du meinst. Es ist einfach so: wir machen unsere Musik zuerst für uns selbst, und dann für die Leute die sie mögen. Weißt du, was ich meine? Wenn ich die Musik nicht mag, wenn ich sie schreibe, wie kann ich dann erwarten dass jemand anderer sie mag? Das ist die Musik die wir machen wollen und ich geb ´nen Scheiß drauf was gerade in ist. Wenn Metal in ist, dann ist das klasse, wenn nicht, dann ist es mir auch egal. Wir haben Zero Hour 1996 rausgebracht und damals war Metal bei uns völlig tot. Es war wohl das schlechteste Jahr für Metal überhaupt. Aber das war mir egal. Und ich denke letzten Endes werden das die Leute auch viel mehr respektieren. Sollten wir irgendwann mal einen größeren Erfolg haben, dann werden die Leute sagen hey, diese Band hat sich nie verändert nur um wie irgend eine andere Band zu klingen!

Ich denke das merkt man euch auch deutlich an. Ich kenne kaum eine andere Band, die derart begeistert und enthusiastisch rüberkommt, wenn es um die eigene Musik geht. Man spürt deutlich, wie viel Kraft ihr in die Band legt.

Es ist eben einfach so, dass ich total aufgeregt bin, wenn es um ein neues Album geht. Ich will, dass die Leute die Musik hören. Ich denke es ist gute Musik und die Leute sollen sie zu hören bekommen. Ich will, dass uns die Leute eine Chance geben. Wir können leider nicht in Europa spielen und umso schwerer ist es für die Metalfans uns zu entdecken. Coma Nation ist unser bislang bestes Album und dementsprechend enthusiastisch bin ich natürlich auch. Für mich ist dieses Album in gewisser Weise auch fast wie ein neuer Anfang. Die Sache mit Brian hat die Stimmung doch ziemlich gedrückt und mit Pat ist einfach wieder die Begeisterung da. Wir sind voller Energie und zu allem bereit. Wir haben derzeit eine sehr coole Zeit.

Heute morgen habe ich mir in der S-Bahn seit langem mal wieder Seven Spirits angehört und ich muss echt sagen, dass ich irgendwie überrascht war, wie sich die Band seit diesem Album doch entwickelt hat – in allen Belangen. Das war mir so gar nicht bewusst…

Absolut. Es ist wirklich sehr anders. Auch wenn ich das Album sehr mag, gibt es viele Dinge darauf, die einfach viel besser gemacht sein könnten. Wir haben auch schon darüber gesprochen, ob wir das Album irgendwann noch mal machen sollen. Wir sind einfach in allem so viel besser geworden und ich denke dass das Album ein Killer sein könnte. Wir sind uns noch nicht sicher, es würde viel Zeit kosten das umzusetzen.

Metal Blade haben im Labelinfo zu EIDOLON das Geburtsjahr der Band auf 1993 datiert. Wenn man sich dem anschließen möchte, dann wäre es im Grunde doch keine schlechte Idee, zum zehnjährigen Jubiläum etwas Besonderes zu machen, vielleicht in Form der Neuaufnahme zu Seven Spirits?

Nun, 1996 veröffentlichten wir unser erstes Album und 1995 haben wir unser Sacred Shrine-Tape rausgebracht. Glen und ich haben im Grunde genommen 1993 zu zweit den Grundstein für die Band gelegt aber für mich ist Zero Hour eigentlich unser Anfang. Man könnte aber schon sagen, dass es 2003 zehn Jahre her ist, dass wir die Band ins Leben riefen. Ich glaube aber, dass wir für Seven Spirits schon einige Jahre bräuchten. Wenn wir das Album nochmals veröffentlichen wollen, dann soll es perfekt sein. Es müsste auch schon deutlich besser rauskommen als das Original. Wir würden das schon gerne durchziehen, aber man muss auch mal schauen ob Metal Blade das wollen und wie sie es wollten. Vielleicht wird es ja auch als Doppel-CD herauskommen, eine CD mit einer neuen EIDOLON-Scheibe und die andere mit der Neuaufnahme zu Seven Spirits. Ich weiß es nicht…die Jahre werden es zeigen.

Hörst du dir die älteren EIDOLON-Alben denn überhaupt ab und zu an?

Nicht wirklich oft. Vor allem die ersten beiden Scheiben leg ich nur sehr selten auf. Wenn ich mir die Sachen heute anhöre dann denke ich halt ständig nach, was man besser hätte machen können. Ich glaube aber dass das jede Band macht, das ist etwas ganz natürliches.

Welches Album würdest du denn am ehesten jemandem als Einstieg empfehlen, der noch nie etwas von EIDOLON gehört hat?

Ich würde ihm schon Coma Nation empfehlen, da es für mich einfach die Band am besten repräsentiert.

Denkst du nicht, dass das neue Album als Einstieg fast zu komplex sein könnte?

Nein, denn Coma Nation ist einfach Metal. Es deckt sicher ein breites Spektrum ab, aber letzten Endes ist es Metal. Mit dem neuen Album wollte ich aber ganz klar wieder abwechslungsreicher werden. Ich denke Hallowed Apparition ist ein sehr direktes Album, sehr geradeaus. Wie ich dir aber schon einmal gesagt habe, wollen wir ein Album nicht zweimal machen. Warum sollte ich auch? Hallowed Apparition war sehr straight, deshalb sollte Coma Nation wieder anders ausfallen.

Gleichzeitig ist Coma Nation meiner Meinung nach aber auch ein Album geworden, bei dem man viele Dinge erst entdecken muss. Es gibt viele Kleinigkeiten, die einem nicht sofort auffallen…

Ja, und auch darauf haben wir hingearbeitet. Jeder erzählt uns, dass er viele Dinge erst nach einer gewissen Zeit entdeckt. Man muss sich das Album schon mehr als einmal anhören um es wirklich zu erfassen. Als ich das erste mal Operation: Mindcrime hörte, dachte ich mir ganz nett, aber mit jedem weiteren Durchlauf wurde es besser. Ich habe es bestimmt tausend mal gehört und immer wieder viel mir etwas auf, bei dem ich dachte wow, was war denn das? Ich habe mich bei Coma Nation wirklich darauf konzentriert, dass viele Dinge passieren und das man auch etwas davon hat, wenn man es sich oft anhört. Letzten Endes ist es aber Metal und das ist es, was wir machen wollen.

Mit dem Song Coma Nation ist auf dem Album nun ja auch der dritte Teil der Nightmare World-Trilogie enthalten. Um ehrlich zu sein: ich bin mir immer noch nicht im klaren darüber, was bei der Story genau Sache ist….

Nun, Nightmare World war ja eigentlich der zweite Teil der Trilogie und Prelude into Fear war der erste. Im dritten Teil Coma Nation hat dieser üble Overlord einen großen Teil der Menschheit ausgerottet und all diese leblosen Seelen vereinen sich nun zu einem bösen Überwesen, das Rache an den Leuten verübt, die die Unschuldigen abgeschlachtet haben. Sie wollen Vergeltung und kreieren dieses Monster – den Kettenmann vom Cover. Die Leute, die man auf dem Cover sieht, die an seinen Ketten hängen, befinden sich in einer Art Coma-Stadium, weshalb ich den Song auch Coma Nation betitelt habe. Klarer kann ich dir die Sache wohl nicht machen…haha.

Heißt das denn, dass ihr euch mit dem dritten Teil von Nightmare World dann auch von eurem Maskottchen, dem Kettenmann verabschieden werdet?

Ich weiß nicht. Um ehrlich zu sein bin ich mir nicht sicher. Ich weiß es nicht, ob die Tatsache, dass wir uns in den Lyrics nicht mehr auf ihn beziehen, bedeutet, dass wir ihn auch nicht mehr auf den Covern haben werden. Er ist ja irgendwie EIDOLON. Man wird es sehen, was passiert. Wenn Jan mit einem coolen Cover ankommt, dann ist alles möglich, es gibt keine Regeln.

Ihr werdet also weiter mit Jan arbeiten?

Ich wüsste nicht warum nicht! Er ist fantastisch! Ich hätte nicht gedacht, dass er Hallowed Apparition toppen könnte aber das neue Album ist mein absoluter Favorit! Ich gebe ihm einfach eine Idee und sag ihm mach was draus! Und das Ergebnis ist grandios! Er hat in gewisser Weise dieselbe Vision dessen, was wir wollen.

Scarred ist ein weiterer Song, in dem es um Vergeltung geht, aber eigentlich liegt dem Song ein sehr ernstes Thema zugrunde, richtig?

Ja, es geht um eine Vater-Figur, der seine Kinder und seine Frau misshandelt. Der Kinder werden älter und irgendwann geben sie es ihm zurück. In den Lyrics kannst du lesen, dass wenn die Kinder etwas gegen ihren Vater sagen, sie von ihm verprügelt werden. Aber innerlich spüren sie diesen Hass und sie wissen, dass er es eines Tages zurückbekommen wird: Secretly unified in hatred and vengeance.

Es ist mir auf diesem Album ganz besonders aufgefallen, dass du sehr oft über Vergeltung in welcher Form auch immer schreibst. Man könnte also auf die Idee kommen, dass Shawn Drover eine sehr rachsüchtige Person ist.

Ja das ist schon lustig, da ich genau das Gegenteil davon bin, das sagt jeder der mich kennt. Ich denke die Lyrics sind eine Art Kanal für meine Wut. Wenn ich etwas im Fernsehen sehe oder etwas im Internet lese das mich ankotzt, dann verarbeite ich das in meinen Texten. Außerdem passt es perfekt. Bei dieser Musik kannst du nicht über Blumen und solche Dinge schreiben, das passt einfach nicht. Viele Dinge im Leben inspirieren mich beim Schreiben und heutzutage gibt es sehr viel Negativität auf der Welt. Es passiert so viel Scheiße…

…was mich zu den Lyrics von Day of Infamy führt. Wenn ich den Text richtig verstanden habe, dann dürfte das der erste Song von EIDOLON sein, der ein rein reales Thema behandelt…

Richtig, es geht nicht direkt um das was am 11. September geschehen ist, aber die Sache hat mich schon ziemlich wütend gemacht, wie jeden anderen auch. Den Text habe ich innerhalb von zehn Minuten geschrieben. Ich wollte die Lyrics eigentlich sofort schreiben, aber ich habe mich dazu gezwungen erst mal noch etwas zu warten, da ich einfach voller Hass und Wut war. Dennoch kamen die Worte sehr schnell aus mir heraus. Es geht nicht direkt um die Ereignisse des 11. Septembers, aber der Text basiert ganz offensichtlich darauf. Ich habe einige Sachen geändert um es zu etwas eigenem werden zu lassen.

Für mich ist es ganz schwierig mit dieser Sache umzugehen. Wie alle anderen Menschen haben mich die damaligen Bilder ganz klar schockiert und die Tat an sich darf man nicht verharmlosen. Allerdings habe ich persönlich Probleme mit diesem blinden Ruf nach Rache…ich denke die Dinge sind viel komplexer als man sie gerne sehen möchte und viele Leute machen es sich zu einfach…

Die Sache ist viel komplexer als es sich überhaupt jemand hätte vorstellen können. Sicher. Was mich eben ganz besonders betroffen gemacht hat, ist dass Freunde von mir in diesem Gebäude waren. Sie haben überlebt. Sie befanden sich so im 100sten Stockwerk und sie konnten die Hitze spüren, als das erste Flugzeug in den Nachbarturm einschlug. Sie wussten nicht, dass es ein Flugzeug war. Sie bekamen einfach eine Explosion mit. Mein Freund war mit seiner Frau und seinem Kind in dem Gebäude und sie sagte immer nur wir müssen raus hier! Er fragte nur, warum sie raus gehen sollten, schließlich handelte es sich ja um das andere Gebäude. Sie bestand aber darauf und wenn das nicht der Fall gewesen wäre, wären sie sicher gestorben. Wegen ihr haben sie überlebt. Ich habe mit ihnen gesprochen und was sie erzählten war einfach unglaublich. Es ist sicher eine sehr komplizierte Angelegenheit, aber wer sagt, dass so was nicht noch einmal passiert? Dieses Ereignis hat einfach alles kaputt gemacht, für jeden. Viele Menschen haben Angst und wir könnten sicher endlos darüber reden…aber ich denke nicht dass wir das tun sollten…es ist furchtbar aber was sollen wir machen?

Sicher…also gehen wir zurück zu Scarred. Bei dem Song gibt es einen sehr geilen Part, bei dem ihr den Refrain wiederholt, in ein paar Töne tiefer setzt und mit Akustikgitarren unterlegt. Gerade bei solchen Details merkt man meiner Meinung nach extrem, wie viel ihr als Songwriter dazugelernt habt, gerade wenn man das neue Album mit Seven Spirits vergleicht. Es fließt einfach alles viel mehr…

Ja, das kommt einfach mit der Zeit. Wir versuchen immer das Beste zu machen, was zur jeweiligen Zeit möglich ist. Seven Spirits war damals das Beste, was wir machen konnten. Mit jedem Album haben wir uns gesteigert und wir versuchen auch immer besser zu werden. Wenn du das nicht tust, wird die Musik scheiße. Es reicht nicht, wenn du einfach sagst okay, schreiben wir mal wieder zehn Songs und das ist dann okay so… Wenn ich ein neues Album schreibe, dann versuche ich, dass es zehn mal besser wird als das letzte. Vielleicht krieg ich das nicht hin aber ich versuche es auf jeden Fall.

Tatsächlich habe ich auch das Gefühl, das das, was du gerade angesprochen hast, bei vielen Bands das Problem ist: sie geben sich viel zu schnell zufrieden. Es reicht ihnen, wenn sie einfach ein paar Songs gemacht haben und so klingen wie irgend eine andere Band…

Ich weiß nicht….ich versuche mit EIDOLON so einzigartig wie möglich zu sein. Wir klingen nicht wie die europäischen Powermetal-Bands und ich glaube einfach auch, dass wir wie jemand anderer klingen. Oder nenn mir mal eine Band, die wie wir klingt…

Kann ich nicht…

Eben…und ich denke letzten Endes werden die Leute das dann auch zu respektieren wissen, egal ob man uns mag oder nicht. Und ich will einmal sagen können: mit EIDOLON habe ich die Musik gemacht, die ich machen wollte. Ich habe nicht versucht wie eine andere Band zu klingen oder Trends zu folgen. Ich mach das nicht fürs Geld, ich mach das für die Musik. Wir machen das für den Metal! Ich weiß, dass das dämlich und klischeehaft klingt, aber es ist einfach wahr.

Und das zeichnet EIDOLON ja auch aus!

Beim Song The Pentacle Star gibt es wieder einmal einen Instrumentalpart, den ich anfangs so ganz und gar nicht in den Kontext des Songs setzen konnte. Ich wusste nicht so recht, wie er in die Komposition passt. Ich weiß ja, dass du die Texte erst schreibst, wenn die Musik fertig ist, aber lustigerweise ergab dieser Part für mich plötzlich einen Sinn, als ich die Texte gelesen habe. Es ist ein Teil des Songs, bei dem die Action einsetzt, bei dem man seiner Fantasie freien Lauf lassen kann und den man sich gut in einem Video vorstellen könnte…

Nun, um ehrlich zu sein ist dieser Mittelteil einfach so gedacht gewesen, dass wir einfach die Musik in den Vordergrund gesetzt haben. Lass der Musik einfach freien Lauf, spiel einfach… Es sollte schlicht Spaß machen, ein Part einfach für uns selbst, ohne auf die Texte Rücksicht zu nehmen, ein kleiner Jam, der sich dann aber wieder in den Song einfügt. Es sollte einfach anders sein, nicht so durchdacht.

Wir kommen natürlich auch nicht daran vorbei über den Song Within the Gates zu sprechen…ich liebe die Story und die Atmosphäre des Songs, aber ich muss ehrlich mal wieder zugeben, dass ich ihn mal wieder nicht hundertprozentig verstanden habe.

Haha, ich wohl auch nicht…weißt du, die Lyrics….oh Gott, wie kann ich das in ein paar Worte zusammen fassen….es geht um diesen Typ, der der Auserwählte darstellt. Ihm wird eingetrichtert, dass er der Eine ist, der die Tore durchschreiten kann, der den Schlüssel holen und die bösen Menschen, die sich innerhalb der Tore befinden, zur Hölle schicken kann. Als er sich dann innerhalb der Pforten befindet erfährt er, dass er keine Chance hat jemals zurück zu kehren. Natürlich ist er angepisst, aber dennoch versucht er seine Aufgabe zu erfüllen. Er trifft seinen Vater, der bereits zuvor durch die Tore geschickt wurde und er macht seinem Sohn klar, dass eigentlich die außerhalb die Bösen sind. Hilf uns, bring uns hier raus! Schau was sie mit den unschuldigen Menschen hier gemacht haben! Du bist der einzige der uns retten kann! Er erhält den Schlüssel, der ihm die Macht verleiht die Menschen zu befreien….

Soweit konnte ich die Story nachvollziehen, doch habe ich wieder einmal die Hintergrundgeschichte gesucht…gibt es da zum Beispiel eine spezielle Inspiration für die Menschen draußen und innerhalb der Pforten?

Um ehrlich zu sein: nein. Ich hatte einfach diese Idee – Within the Gates. Es war ein cooler Name. Ich musste Lyrics für einen 19-minütigen Song schreiben, was zur Hölle sollte ich machen? Within the Gates, das war die Idee. Und dann find ich an Lyrics zu schreiben. Es brauchte einige Zeit aber langsam flossen die Ideen ineinander. Ich wollte eine interessante Geschichte schreiben. Ich bin stolz auf die Lyrics und gemeinsam mit der Musik ergibt alles einen Sinn. Ich denke es ist einer der besten Songs, die wir je geschrieben haben. Alles was in dem Song ist gehört meiner Meinung nach auch rein, musikalisch als auch lyirsch.

Als ich heute Mittag von der Arbeit heimgefahren bin, saß ich in der S-Bahn und habe mir den Song noch mal richtig angehört. Das Wetter draußen war extrem schlecht, es hat geregnet, es war düster – die ideale Stimmung für den Song, ich war total in die Geschichte eingetaucht…völlig geil…

Haha, das ist cool! Das war auch meine Absicht. Wie du sagtest: lass deiner Fantasie freien Lauf, kreiere deine eigenen Bilder im Kopf. Ich denke ich habe mein Ziel erreicht, wenn du ein Mensch bist, der gerne seine Vorstellungskraft benutzt und du den Song magst…

Wieso war es für euch denn überhaupt ein Anliegen, einen 19-minütigen Song aufzunehmen?

Ich habe das nicht geplant. Es ist einfach passiert. Ich habe an einem Riff gearbeitet, es auf Band aufgenommen, dann kam Glen mit einer Idee und so kam wieder alles zusammen. Plötzlich hatten wir einen 19-Minuten-Song. Dreamscape war schon hart genug, und als ich dann den Song vor mir sah, dachte ich nur oh my god. Aber es war eine Herausforderung. Am Ende, wenn dann alles fertig ist, bist du umso begeisterter.

Würdest du Within the Gates als euer Dante´s Inferno bezeichnen, oder stört es dich, wenn derartige Vergleiche gezogen werden?

Weißt du, so was werte ich als Kompliment. Für mich ist ICED EARTH eine der besten Powermetalbands derzeit. Aber ich suche bei ICED EARTH nicht zwingend Inspiration. ICED EARTH feiern inzwischen sogar in Amerika einen großen Erfolg und das weil sie an dem festgehalten haben, was ihnen wichtig war. Am Ende erhalten diese Bands den Respekt, den sie verdient haben – NEVERMORE, OPETH,… das sind Bands, die ihr Ding durchziehen. Du kannst die Musik nicht machen um andere zufrieden zu stellen. Zehn verschiedene Leute haben zehn verschiedene Meinungen. Wenn ich mit den Leuten geredet habe, sagte mir der eine Brian ist klasse, der andere sagte Brian ist scheiße. Der eine sagt ich mag deinen Drumsound, der andere sagt der Drumsound ist zum Kotzen. Es ist klasse, wenn die Leute gute Dinge über dich sagen, aber letzten Endes muss ich die Musik für mich selbst schreiben. Ich kann sie nicht für das Label schreiben oder sonst wen. Wenn du nicht an dich selbst glaubst, dann kannst du auch nicht an die Dinge glauben, die du tust. Ich hoffe einfach dass wir in Europa populärer werden und dass dies über eine gewisse Zeit auch passieren wird. Wir werden nicht aufgeben und weiter das Beste geben, was wir können. Irgendwann müssen die Leute einfach erkennen, dass wir etwas eigenes machen. ICED EARTH sind auch nicht mit ihrem ersten Album bekannt geworden. Ich denke aber, dass die Band in den nächsten Jahren immer größer werden wird. Die Band hat nicht auf den kurzen Ruhm geschielt, sie hatte mehr ein großes Ziel vor Augen: wie wird es in zehn Jahren aussehen. Sie haben darauf gebaut, dass sie ihr Ding durchziehen und immer mehr Leute damit begeistern können.

Würdest du eigentlich immer noch Horrofilme als deine größte lyrische Inspiration bezeichnen?

Nun, offensichtlich habe ich mich beim neuen Album mehr auf realistische Hintergründe bezogen. Aber klar, Horrorfilme beeinflussen mich immer noch. Es ist schon ein Teil meines Schreibprozesses geworden, da das ja auch perfekt zum Metal passt. Es muss aber kein Horrorfilm sein, es geht mehr um diese Ideen.

Übrigens war ich schwer schockiert, dass Within the Gates ein positives Ende hat…

Hehe, aber wenn du genau hinhörst, was hörst du am Ende des Songs?

Meinst du We will return?

Genau…sicher, die Story hat ein positives Ende, aber dieses We will return kommt von den Bösen, haha…

Gab es denn in der letzten Zeit einen Horrorfilm, den du empfehlen würdest?

Ja, und zwar From Hell. Der Film über Jack the Ripper mit Johnny Depp. Großartiger Film! Pentacle Star handelt übrigens von diesem Film. Es ist eben wieder meine Version davon. Ich hab mir den Film gemeinsam mit meiner Frau angeschaut und als wir heimgekommen sind, habe ich die Lyrics geschrieben. Die Texte handeln von dem Film, aber irgendwie auch nicht. Ich wollte es auch nicht so offensichtlich machen, dass man sofort erkennt, dass die Lyrics auf dem Film basieren.

Eure ersten beiden Alben sind ja als Eigenproduktionen erschienen. Gibt es derzeit eine kanadische Eigenproduktionsband, der du das Potential zusprechen würdest, größere Erfolge feiern zu können?

Es gibt eine Band aus Montreal namens QUO VADIS – ein sehr guter Act. Es ist eine Art progressiver Deathmetal. Sie haben einen Deathmetal-Sänger aber musikalisch ist die ganze Sache etwas komplizierter. Sehr cool! Das ist die erste Band die mir einfällt…ich hoffe dass sie in den nächsten Jahren einen entsprechenden Erfolg feiern können.

Und was waren die letzten drei Alben, die du dir zugelegt hast?

Ich habe mir die neue RUSH gekauft, die neue VADER und SEVENDUST.

Was mich zum Schluss noch interessieren würde: Glen hat mir im letzten Interview von einem Projekt gemeinsam mit Jeff Loomis (NEVERMORE) erzählt. Kannst du mir darüber noch etwas sagen?

Nun, wir haben mit Jeff schon einige Male gesprochen und auch mit Michael von OPETH. Aber die Terminpläne haben bisher nicht mehr zugelassen. Irgendwann wird es vielleicht klappen, aber es wird bestimmt noch eine Weile dauern…aber es wäre schon sehr cool. Sowohl Jeff als auch Michael waren auf jeden Fall interessiert.


Fierce
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