EIDOLON: The Parallel Otherworld

EIDOLON: The Parallel Otherworld

Leicht haben es sich EIDOLON definitiv noch nie gemacht. Nach dem Einstieg der Drover Brüder bei MEGADETH hätte manch einer erwarten können, dass die Band ihren neuen Bekanntheitsgrad nutzt, um vielleicht mit einem kommerzieller ausgerichteten Sound nun den Erfolg einzufahren, der ihnen trotz all der harten Überzeugungsarbeit bisher verwehrt geblieben ist. Mit PAGAN´S MIND-Sänger Nils K. Rue hat die Band zudem einen deutlich variableren Sänger in der Band, mit dem man diese Linie sicher ohne Probleme hätte verfolgen können.
Doch letztendlich ist auf EIDOLON Verlass – die Truppe zieht weiterhin schonungslos ihr Ding durch, und wirft mit The Parallel Otherworld den Fans einen schwer verdaulichen Brocken vor, der sperriger rüber kommt als alle bisherigen Alben.
Gleichzeitig macht bereits der Opener deutlich, dass EIDOLON deutlich abwechslungsreicher agieren, ja teilweise fast schon in progressive Gegenden abdriften. Der Titelsong beginnt mit Stakkatoriffs und Keyboardklängen, begleitet von düsteren Rufen, es folgt ein treibender Double-Bass-Teil, ein Drover-typisches Gitarrenlead und kurz darauf eine eingängige, einschmeichelnde Melodielinie, die man nach einigen Hördurchläufen kaum mehr aus dem Kopf bekommt. Break. Ein ruhiger Gitarrenteil mit verträumten, sanften Vocals, aber stets mit diesem unbehaglichen, düsteren Unterton versehen. Der Teil steigert sich langsam und der Power-Metal gewinnt allmählich die Überhand über die ungewohnt progressiven Elemente. Aber ehrlich: es passt alles hervorragend zusammen und der erste Song der neuen Scheibe ist gleichzeitig einer der Highlights des Albums. Die Texte von Nils K. Rue passen hervorragend zum Stil der Band, nach wie vor bekommt man schöne, mystisch angehauchte kurze Düsterstorys geboten, in die man sich so herrlich versinken lassen kann – selbst wenn man den Hintergrund der Geschichten nie so ganz durchschaut.
Was sich aber schon beim ersten Song andeutet, zieht sich am Ende durch das ganze Album. The Parallel Otherworld verlangt viel Arbeit und Gutwill vom Hörer ab. Eben mal kurz im Laden reinhören und dann mit nach Hause nehmen wird es bei diesem Album vermutlich nicht geben. Von daher ist es fraglich, ob EIDOLON mit ihrem neuen Werk unbedingt viel neue Fans für sich gewinnen können werden. Wer aber Spaß daran hat, sich ein Album richtig zu erarbeiten und seinen Powermetal gerne düster und abwechslungsreich mag, der ist hier definitiv richtig. Und mit weiterer Spieldauer rücken auch immer mehr die typischen EIDOLON-Trademarks in den Vordergrund und das sind eben diese messerscharfen Gitarrenriffs, die herrlichen Soloeinlagen und das stets nach vorne treibende Drumming von Shawn Drover.
Nils K. Rue liefert zudem einen hervorragenden Job ab und wenn der Gesang bei der MERCYFUL FATE-Coverversion, für die man auch Michael Denner und Hank Shermann für einen Gastauftritt gewinnen konnte, tatsächlich von ihm stammt, dann ist der Mann für mich wirklich überragend. Ich glaube so nahe an KING DIAMOND habe ich noch keinen Sänger kommen gehört. Fantastisch.

Veröffentlichungstermin: 16.06.06

Spielzeit: 60:33 Min.

Line-Up:
Shawn Drover – Drums
Glen Drover – Guitar
Adrain Robichaud – Bass
Nils K. Rue – Vocals
Label: Escapi / Edel

Homepage: http://www.eidolon-nightmareworld.com

Tracklist:
1. The Parallel Otherworld
2. Arcturus No. 9
3. The Eternal Call
4. Ghost World
5. Thousand Winters Old
6. Spirit Sanctuary
7. Shadowanderer
8. Astral Flight
9. Order of the White Light
10. The Oath

Fierce
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