EDENBRIDGE: Engelsgesänge aus dem Metal-Paradies

EDENBRIDGE: Engelsgesänge aus dem Metal-Paradies

Der österreichische Gitarrist LANVALL mag Freunden Art Rock-naher Instrumental-Musik ein Begriff sein, veröffentlichte er doch zwischen 1994 und 1998 drei äußerst ansprechende Solo-Alben, die leider hierzulande nicht allzu leicht zu finden waren. Nun tritt Arne Stockhammer, so sein bürgerlicher Name, erstmals im Rahmen eines festen Bandgefüges ins Rampenlicht. Und zwar mit EDENBRIDGE, deren Debüt-Album `…Sunrise In Eden…` jüngst bei Massacre-Records erschienen ist und auf Anhieb mit den lieblichsten Melodien aufwartet, die die Metal-Szene anno 2000 bislang gehört hat.

Arne, vorab eine Frage zur Klärung: Ist EDENBRIDGE eine richtige Band oder eher ein Projekt LANVALLs?

Bei EDENBRIDGE handelt es sich schon um eine richtige Band. Es ist natürlich so, daß ich für fast alles verantwortlich bin, also für das komplette Songwriting, die Vocallines, die Texte und das ganze Organisatorische, aber letztendlich ist natürlich schon jeder Musiker, der da mitspielt stark involviert, insofern kann man schon von einer Band reden. Wir proben ja auch gemeinsam und haben Ende Oktober unsere ersten Liveauftritte.

Wann und wie ist die Band entstanden?

Die eigentliche Band hat sich aus einem anderen Projekt heraus entwickelt, damals lebte ich noch in Wien. Sabine (Edelsbacher, Sängerin – der Verf.), Kurt (Bednarsky, Bassist – der Verf.)und ich haben dann alles eine Weile mehr oder weniger ruhen lassen, doch mit dem Einstieg von Roland (Navratil, Drummer – der Verf.) ist dann mehr oder weniger die Idee entstanden, endlich eine CD aufzunehmen. Bis es soweit war, lag natürlich reiner Songwriting-Prozess vor uns. Keiner wußte damals, wie das Ganze einschlagen würde. Wir haben die CD letztes Jahr aufgenommen und im Herbst verschickt, zwei Wochen später hatten wir dann das Vertragsangebot von Massacre im Briefkasten. Das war natürlich toll und seitdem haben wir auch versucht, sehr viel zu proben um letztendlich dann auch live zu spielen. Mittlerweile haben wir auch einen zweiten Gitarristen und bereiten uns seit März intensiv auf die anstehenden Auftritte vor.

Du warst ja bislang als Solokünstler aktiv. Fällt es Dir schwer, nun in einer Band tätig zu sein?

Eigentlich überhaupt nicht, denn neben den Soloalben hab` ich ja eigentlich schon immer die Band gehabt. Wir hießen zwar noch anders, aber ich habe eigentlich immer schon Songs für die Band geschrieben. Ich habe das auch immer schön unterteilen können, denn die Ideen, die ich für mein Soloprojekt hatte, waren halt ganz anders angelegt als die für die Band, denn im Prinzip geht`s in der Band in erster Linie um die Vocal-Lines, das ist das Allerwichtigste. Natürlich ist die Musik auch total wichtig, aber bei meine Soloprojekt habe ich mich in dieser Hinsicht immer einhundertprozentig austoben können und in der Band ist natürlich etwas anderes gefragt.

Lanvall

Ich vermute mal, im Zusammenhang mit Eurer Band wird häufig ein bestimmter Name fallen…

Fängt er mit N an? (lacht)

Genau! N wie NIGHTWISH…

Ja, natürlich, damit müssen wir leben, denke ich. Aber bei näherer Betrachtung denke ich auch, daß die Unterschiede doch recht gravierend sind. Schon vom Gesang her: Die Sabine hat eine komplett andere Stimme als Tarja und auch die Musik ist letztlich einigermaßen anders angelegt. Natürlich kann jetzt der Vergleich kommen: NIGHTWISH sind jetzt angesagt und plötzlich kreuzt da aus Österreich eine Band auf, die auch eine Sängerin hat. Nur muß man natürlich festhalten, daß ich mit der Sabine schon mehr als fünf Jahre und mit Sängerinen generell noch länger zusammenarbeite. Das hat ganz einfach den Grund, daß man in Österreich kaum gute Sänger mit relativ hohen Stimmen findet, und da habe ich mich damals schon entschieden, es einfach in Zukunft mit Sängerinnen zu probieren. Damals war in der Szene noch keine Rede von Bands wie NIGHTWISH. Gut, THE GATHERING hat man schon gekannt, obwohl Anneke ja auch erst nach 95 zu der Band gekommen ist. Damals war das also noch viel mehr ein Unikum in der Szene als jetzt, jetzt gibt es natürlich schon relativ viele Bands, die mit weiblichen Vocals arbeiten. Letztlich denke ich: Jeder, der genau hinhört, wird feststellen, daß wir keine Kopie von NIGHTWISH sind.

Anfangs ist die Übereinstimmung gewisser Trademarks eben recht frappierend: Weiblicher Gesang, eine Neigung zu klassischen Arrangements, starker melodischer Einschlag…

Ja, wenn man das alleine betrachtet, landet man schnell in der Ecke…

Aber es relativiert sich in der Tat recht schnell. Speziell die Melodieführung unterscheidet sich bei genauem Hinhören doch ein wenig von NIGHTWISH. Was böse Menschen – nicht mich, wohlgemerkt – schon zu der Bemerkung veranlaßt hat, Euch eine gewisse Neigung zum Kitschigen zu bescheinigen. Auf jeden Fall aber ist die Melodieführung nicht eben Metal-typisch…

Genau, das ist es, weil die Sabine eben auch keine Metal-typische Stimme hat. Ich kenne mittlerweile ihre Stimme sehr gut und weiß auch, wie sie Ausdruck hineinlegt, um die Vocal-Lines optimal rüberzubringen. Kurze Zwischenfrage: Woher stammt das mit dem Kitsch?

Oh, das ist mir irgendwo in einem Metal-Diskussionsforum im Internet begegnet. Jemand hatte den Song `Cheyenne Spirit` auf einer Magazin-CD gehört und wollte mehr über EDENBRIDGE wissen. Eine der Reaktionen war eben eine Bemerkung der Art ist doch nur kitschdurchtränkte Soße. Es gibt ja ohnehin Metal-Hörer, die der Meinung sind, melodische Frauenstimmen und vor allem allzu eingängige Melodien hätten in ihrer Musik nichts verloren…

Na, gut, ich meine, das ist natürlich eine andere Geschichte. Nur bin ich einfach da der totale Melodie-Typ. Melodien gehen mir einfach über alles. Gerade bei den Bands, die viel zu wenig mit Melodien arbeiten, bemängele ich immer das Fehlen derselben. Das ist das, was mir dann nicht so gefällt. So ist es eben.


Sabine

Letztlich war ich auch nicht überrascht, weil ich schon Solo-Sachen von Dir kannte und eben weiß, daß Du auch diese melodische Ader in Dir hast…

Haben Dir die CDs damals gefallen?

Ich hab sie leider nicht persönlich, aber jemand hat sie mir auf Tape aufgenommen…

Ja, WMMS (bei denen die drei Soloalben LANVALLs erschienen sind – der Verf.) hatten halt einen komplett schlechten Vertrieb in Deutschland, daher findet man die Platten, wenn überhaupt, meist nur über Mailorder und so, das war ein ziemlicher Krampf damals. Die Kritiken waren immer total gut und im Heavy, oder was war damals auch ein großes Interview in der Prog-Ecke. Da hätte sicher mehr passieren müssen, aber gut, ich schau` eben in die Zukunft und die sieht mit Massacre recht gut aus.

In der Tat, ist ja eine recht renommierte Plattenfirma. Aber das heißt jetzt hoffentlich nicht, daß Du Dich nur noch auf EDENBRIDGE konzentrierst und Deine Arbeit als Solokünstler ruhen läßt?

Nein, das nicht. Das liegt nur momentan auf Eis, weil ich mich natürlich entschlossen habe, die Band nach vorne zu bringen. Wir werden auch nächstes Jahr im Juni wieder im Studio sein, um die nächste Platte aufzunehmen, aber ich wird` sicher irgendwann mal eine vierte Solo-CD machen. Einige Nummern sind schon geschrieben, wobei: Wenn ich die aufnehme, dann möchte ich auch komplett mit einem Orchester arbeiten, denn das ist alles schon total für Orchester arrangiert. Aber das braucht Zeit, da muß auch dann das richtige Budget da sein, um so etwas realisieren zu können. Ich denke, da kann ich noch zwei drei Jahre warten, bis da irgendetwas spruchreif ist.

Schade, daß es so lange dauern wird, aber ich bin gespannt. Mal sehen, wie EDENBRIDGE so lange abschneiden werden. Ich könnte mir vorstellen, daß die Ansichten sehr auseinander gehen werden, wobei ich persönlich auf jeden Fall zu denen zähle, die `Bridge To Paradise` sehr mögen. Mich stören allenfalls noch zwei oder drei kleine Schwächen in der Produktion…

Welche?

Sie könnte manchmal etwas differenzierter sein, speziell die Keyboards gehen spätestens ein wenig unter, wenn die Arrangements allzu opulent werden…

Dazu muß man sagen, daß natürlich auch wahnsinnig viele Keyboardspuren angelegt sind. Die Produktionsschwächen rühren sicher auch daher, daß wir das Album zunächst in einem kleinerem Studio aufgenommen und erst dann im House Of Audio mit Dennis Wort noch im Remix wahnsinnig viel rausgeholt haben. Das nächste Mal werden wir wahrscheinlich gleich im House Of Audio aufnehmen und dann dürfte das eigentlich auch kein Thema mehr sein. Und was war noch?

Ansonsten gibt`s von meiner Seite nicht mehr viel zu auszusetzen, aber ich denke, eine Steigerung ixt noch möglich. Ab und an könnten die Songs vielleicht noch etwas straffer arrangiert sein…

Noch straffer? (lacht)

Naja, an einigen Stellen halt…

Da sprichst Du aber sicher die zwei längeren Nummern an?

Ja…

Nun, das ist klar. Von den langen Nummern wird`s beim nächsten Album wahrscheinlich nur eine geben und da denke ich, daß man da durchaus auch ein bißchen ausschweifen kann. Bei den kürzeren komm` ich von den Arrangements her eh schon total auf den Punkt, da sind eh mehr oder minder nicht viel Schnörkel drin. Bei den längeren Stücken macht`s mir dann einfach Spaß, wieder etwas auszuschweifen. Aber sicher, wenn Du es so empfindest, könnte ich Dir nicht widersprechen! (lacht)

Roland

Was mir hingegen sehr angenehm aufgefallen ist, ist die positive Ausstrahlung des Albums, die auch schon bei deinen Soloalben allgegenwärtig war und nun bei EDENBRIDGE auch aus den Texten spricht…

Ja, das Positive ist mir immer sehr wichtig. Das kommt, glaube ich, immer in meiner Musik rüber und, wie Du richtig sagst, natürlich auch in den Texten. Ich denke, es gibt eh schon zu viele Bands, die nur über negative Dinge schrieben und damit die Welt auch nicht verbessern. Ich denk mal, die Leute brauchen auch positive Energie.

Hat das auch einen spirituellen Hintergrund?

Würde ich schon so sagen, ja. Ich beschäftige mich schon ein bißchen mit solchen Dingen, wobei das jetzt aber nicht immer bewußt in die Texte mit einfließt. Aber die Lebensmaxime Träume nicht vom Leben, sondern lebe Deinen Traum, die auch in zwei Titeln vorkommt, ist irgendwie mein Grundmotto und ich versuche das jetzt schon seit Jahren zu realisieren. So langsam komme ich dem Ganzen ein Stück näher. (lacht)

Du arbeitest ja auch mit GANDALF zusammen, den ich aus meinen eigenen spirituellen Zeiten kenne, als ich New Age Musik für mich entdeckt habe. Obwohl er da ja nicht unbedingt rein paßt, aber in den diversen Musikabteilungen wird ja oft jede Art von Instrumental-Musik in die New Age-Ecke gesteckt…

Er ist etwas umgreifender, würde ich sagen, denn mit New Age-Musik assoziiert man dann doch eher endlose Keyboardflächen. In seiner Musik stecken einfach mehr Ideen drin und er arbeitet mit vielen verschiedenen Instrumenten.

Wie bist Du eigentlich an ihn geraten?

Das war ganz lustig, denn ich war eigentlich schon seit Beginn seiner Karriere Anfang der 80er Fan von ihm. Als ich `94 meine erste CD aufgenommen habe, habe ich sie ihm geschickt und lustigerweise hat er sich relativ bald bei mir gemeldet und meinte, sie gefalle ihm total gut. Kurz darauf hat er mich gefragt, ob ich in seiner Live-Band spielen möchte, es sei eine Tournee in Österreich und in Holland geplant. Da habe ich natürlich nicht nein gesagt und war dann zwei Tourneen lang als Keyboarder und Gitarrist bei ihm in der Band tätig. Das waren sehr tolle Konzerte. Auf meiner zweiten CD hat er dann auch mitgewirkt, ebenso auf einem Song der EDENBRIDGE-CD. Wir sind jetzt schon seit Jahren gute Freunde, sehen uns öfters, jammen miteinander und verstehen uns wunderbar.


Kurt

Wo liegen denn überhaupt Deine musikalischen Wurzeln?

Mein musikalischen Wurzeln liegen eigentlich komplett in der Klassik. Anfangs bin ich nur mit Klassik aufgewachsen, habe mit sieben Jahren begonnen Klavier zu spielen und habe zwölf Jahre lang klassischen Unterricht gehabt. Ich bin erst relativ spät, so mit 18 oder 19 zur Gitarre gekommen. Ich denke, so mit 14 habe ich dann auch den Metal für mich entdeckt und versuche eigentlich seit ich Gitarre spiele, diese beiden Stile zu kombinieren, was man auf meinen Solo-CDs und natürlich auch jetzt bei EDENBRIDGE hört

Welche Künstler liegen Dir heute am meisten am Herzen?

Da gibt es total viele, ich habe Berge von alten Platten und CDs. Aus der Klassik ist es auf jeden Fall Anton Bruckner, der mein absoluter Lieblingskomponist ist. Aus dem Metal-Bereich gibt es total viel, aber ich kann Dir mal ein paar Bands nenn, die ich sehr gut finde. Das sind auf jeden Fall SHADOW GAlLERY, ROYAL HUNT, STRATOVARIUS, Robby Valentine, natürlich auch DREAM TEHATER und Yngwie Malmstenn. Eben so diese klassische Metal-Ecke.

Die allesamt Teile ihrer Inspiration aus der Klassik-Ecke beziehen…

Ja. Ich denke, das sind auch einfach die Musikstile, die total gut miteinander harmonieren, auch wenn das viele Leute nicht glauben. Die passen einfach perfekt zusammen: Die Virtuosität in beiden Stilen, die Dramatik, die Melodien… man findet kaum bessere Melodien als in der Klassik und im Metal-Bereich. Das sind schon mal drei wichtige Dinge, die da perfekt zusammen passen.

Ich find es ohnehin immer recht interessant, wenn sich verschiedene Musikstile paaren und gegenseitig befruchten, um das mal in der Sprache der Biologie auszudrücken…

Mhm.. Wobei das nicht immer sehr zielführend ist, siehe im Metal-Bereich. Was da alles reingekommen ist, von Rap, Funk oder Soul oder Hip Hop. Ich meine, gut, wenn man darauf steht, ist`s OK. Ich steh` halt nicht drauf. (lacht)

Ich kann dem schon einiges abgewinnen, wenn`s auch eine Zeit lang zuviel des Guten war und sich etwas tot gelaufen hat. Ich habe dann schon eher Probleme mit der Attitüde, die da mit eingebracht wurde und wird, dieser ganze dämliche Gangsta-Quatsch. Damit kann ich nun wirklich überhaupt nichts anfangen…

So geht`s mir auch.

Na, dann stimmen wir doch wunderbar überein! An dieser Stelle endete der offizielle Teil des Interviews und mir bleibt nur mehr der Hinweis, daß EDENBRIDGE im November mit AXXIS und PINK CREAM 69 durch deutsche Lande ziehen werden. Die aktuellsten News zur Band gibt`s auf der offiziellen EDENBRIDGE-Homepage.