DISPARAGED: SLAYER ist eine Religion

DISPARAGED: SLAYER ist eine Religion

DISPARAGED gehören seit 1999 zum festen Inventar der Schweizer Death Metal-Szene. Ähnlich wie ihre Landsleute von REQUIEM haben auch sie als Schweizer Band den Sprung zu einem großen deutschen Label geschafft und verbreiten international ihre todesmetallischen Klänge. Dass hierbei auch die eine oder andere Thrash-Anleihe nicht fehlen darf und das Quartett gerne mit technischen Spielereien brilliert, macht DISPARAGED sowohl auf CD als auch live zu einem überzeugenden Erlebnis. Nach dem dritten Werk Blood Source wurde es also höchste Zeit, Basser und Sänger Adrian einige Fragen zu stellen und einen Blick hinter die Kulissen zu riskieren. Bei einer Frage meldete sich auch Gitarrist und Fronter Tom zu Wort, da er primär für die Lyrics amtet.

Ihr seid ja gerade von der Deutschlandtour mit MACABRE zurückgekehrt. Was hast du als erstes gemacht, als du wieder zu Hause im idyllischen Kanton Uri warst?

Nach gut neun Stunden Autofahrt von Halle war ich froh endlich duschen zu können.
Danach die Taschen ausräumen, meine Katzen knuddeln und in Ruhe meine Frau genießen. Ein gutes Glas Rotwein, die Ruhe und der Ausblick auf den Vierwaldstättersee genießen.

Wie war die Tour? War sie anstrengender als eure vorherige Tour mit GRAVE? Und was war dein persönliches Highlight?

Die Tour verlief gut. Wir waren schon im Vorfeld deutlich entspannter als bei der GRAVE-Tour. Denn wir wussten bereits, was uns organisatorisch erwartete. Da es praktisch dieselbe Crew von Bruchstein-Tours war wie letztes Mal, war die Vorfreude noch größer. Im Vergleich zum letzten Mal waren wir ja nur neun Tage on the Road. Von daher war es eigentlich nicht anstrengend…wenn man sich an einen gewissen Tagesablauf hält. Macht man jeden Tag Party bis in die frühen Morgenstunden, kann es natürlich schon anstrengend sein. Aber das muss jeder selber für sich entscheiden. Ich für meinen Teil bevorzuge die frühe Nachtruhe um am nächsten Morgen irgendwo auf einem Autohof frühstücken zu können. Wer mich kennt, weiß, dass Adrian ohne Frühstück ziemlich zickig werden kann.
Ich schaute aber dann schon dazu, dass es nicht zu bunt wurde. Denn das eigentliche Ziel war, jeden Abend 100% auf der Bühne zu geben! Als besonderes Highlight würde ich den ersten Gig in Holland bezeichnen.

Wie haben die Fans auf euer neues Material reagiert? Und wie seid ihr eigentlich mit den Pressestimmen auf Blood Source zufrieden?

Die Reaktionen auf die neuen Songs waren sehr positiv. Zudem haben wir bei jeder Show die Setliste etwas verändert, um raus zu finden, welche Songs beim Publikum besonders ankommen und welche eher weniger.
Wie wir zufrieden sind mit dem Pressestimmen? Da braucht es schon fast keine Worte mehr. Wir haben fast überall die maximale Punktezahl erhalten. Und da wir jetzt mit internationalen Bands verglichen werden, macht uns das natürlich sehr stolz und glücklich.

Ihr seid ja bereits mit dem Vorgängeralbum Overlust bei Twilight untergekommen. Wie kam die Zusammenarbeit mit eurem Label zustande? Schließlich gibt es ja nicht allzu viele Schweizer Bands, die bei einem deutschen Label dieser Größe unterkommen…war es für euch als Schweizer Band schwieriger?

Thomas, der Chef von Twilight, rief mich an und meinte als erstes: Habt ihr schon einen Plattendeal? Er war durch einen Gästebucheintrag auf DISPARAGED aufmerksam geworden, wo uns jemand für ein Openair vorgeschlagen hatte. Dann saugte er sich die Mp3 von Overlust runter und war begeistert.
Wir unterschrieben zuerst nur für Overlust, haben den Vertrag danach auf zwei weitere Alben verlängert. Sprich: Das nächste Album erscheint ebenfalls über Twilight. Die Jungs machen ihren Job sehr gut und sie glauben an uns.

Bei Blood Source vereint ihr Altes und Neues. Bevor wir auf das Musikalische zu sprechen kommen: War gleich von Anfang an klar, dass ihr wieder mit Sandro (PIXELPUNISHMENT) zusammen arbeiten werdet?

Ja schon. Wobei das fertige Artwork nicht 100% dem entsprach, was wir und Sandro uns vorstellten. Aber im Endeffekt sind wir ganz zufrieden mit dem Ergebnis. Zudem entwirft er auch unsere T-Shirt, Flyer, Poster usw.

Ihr habt ja bereits bei Overlust mit Sandro gearbeitet. Der Mund auf dem Cover hatte so eine weiße Flüssigkeit dran – war es echtes Sperma oder war es etwas aus dem ganz normalen Lebensmittelregal?

Das
Für eine gewisse Firma in der Schweiz war es aber eindeutig Sperma, was diese dazu bewegte, Overlust nicht zu pressen – aus Image-Gründen, ha ha.. – Das Coverartwork zum letzten Album Overlust kam nicht überall gut an.

Natürlich ist das Sperma? Oder nur Brausepulver? Oder reine Fotomontage?
Für eine gewisse Firma in der Schweiz war es aber eindeutig Sperma, was diese dazu bewegte, Overlust nicht zu pressen – aus Image-Gründen, ha ha…

Wenn es wirklich Sperma war, wäre das ja schon etwas eher Krasses für ein Cover. Gerade beim Death Metal ist man ja allerdings schockierende Cover gewohnt (man denke etwa an die alten CANNIBAL CORPSE-Sachen). Wo liegt für dich bzw. bei DISPARAGED die Grenze bei solchen Covers? Was würdet ihr nicht drauf nehmen (und warum)?

Krass? Findest Du? Also da bin ich jetzt nicht derselben Meinung.
Für mich ist ein Mund, aus dessen Winkel irgendein weißes Zeug runtersabbert, wesentlich harmloser, als die ganzen Aufschlitz-Cover.
Was man bei DISPARAGED bestimmt nie finden wird, sind irgendwelche menschenverachtenden Covers. Es kann sein, dass wir mal leicht angehauchte Gore-Elemente mit einbauen werden, aber ganz bestimmt nie in dem Ausmaß wie CANNIBAL CORPSE, DEBAUCHERY oder die meisten Brutal Guttural Bands. Ich liebäugle da schon mit einer Idee für die nächste Platte. Das wäre etwas ganz Anderes für DISPARAGED Verhältnisse. Aber ob Tom, Ralph und Heinz damit einverstanden sind, weiß ich noch nicht.

Um beim Coverartwork zu bleiben: Auf den Latexhandschuhen ist ja nicht sonderlich viel Blut darauf. Wo ist die Blood Source an sich? Oder ist das Cover so zu verstehen, dass die Musik im Innern die Quelle des Blutes ist?

Genau genommen sind die Handschuhe nur ein Teil vom ganzen Cover. Der Hintergrund bei der Geschichte soll, wie bei Overlust, zum Nachdenken anregen.
Aber Du hast es schon richtig interpretiert. Die Quelle des Blutes liegt in uns vier Musiker. Denn man muss den Death Metal im Blut und im Herzen haben, um ihn so spielen zu können, damit die Leute merken, dass da nichts aufgesetzt oder künstlich ist. Blood Source ist also 100% Death Metal!

In Sachen Produktion seid ihr ja neue Wege gegangen und habt wie REQUIEM (CH) zuvor, Jean-Francois Dagenais (KATAKLYSM) an die Regler gelassen. Wie ist die Zusammenarbeit mit ihm zustande gekommen? Haben REQUIEM ihn euch empfohlen und den Kontakt hergestellt?

Natürlich sind wir auch durch REQUIEM auf J.F. Dagenais aufmerksam geworden. Im Vorfeld haben wir uns aber mögliche Wunsch-Mixer aufgeschrieben und uns ihre Arbeiten angehört. Darunter eben auch die von Herrn Dagenais. Eine wesentliche Rolle spielte natürlich das Budget und die freie Kapazität der Wunschkandidaten. Wir haben ja das Glück, in Ralphs eigenem Studio aufzunehmen, was uns keine zeitlichen Grenzen und Einschränkungen bringt. Das Schlagzeug wurde dieses Mal im Studio von unserem Drummer Heinz aufgenommen. Auf Grund dessen konnten wir den Zeitpunkt für den Mix und das Mastering selber aussuchen. Wir entschieden uns dann für J.F. Dagenais für den Mix. Und die Master Studios in den USA lieferten das Mastering. Tom und Ralph nahmen dann den Kontakt auf und so das brachte die ganze Geschichte ins Rollen.

Meiner Meinung nach ist das Soundgewand von Blood Source druckvoll und überzeugend ausgefallen. Einzig der getriggerte Drumsound stört mich, da ihr mit Heinz (EMBALMING THEATRE) ja einen ausgezeichneten Schlagzeuger hinter den Kesseln habt, der sicher auch aus einem gut gestimmten, echten Kit alles rausholen kann. Wie kamt ihr zu diesem Drumsound?

Freut mich, dass dir der Sound gefällt.
Der Drumsound ist sehr stark getriggert, das stimmt. Es liegt daran, dass wir zum einen das so wollten, und zum anderen, dass es wohl in den Genen von Dagenais liegt. Wenn man sich die KATAKLYSM-Alben anhört, dann weiß man, woher es kommt. Wir stehen 100% zu unserer Scheibe. Was Heinz betrifft; er hat natürlich alles aus dem Kit rausgeprügelt, was das Ding hergab. Und wer uns schon mal live gesehen hat, weiß, was ich meine. Der Junge ist unglaublich…

Promobild
Ich für meinen Teil bevorzuge die frühe Nachtruhe um am nächsten Morgen irgendwo auf einem Autohof frühstücken zu können. Wer mich kennt, weiß, dass Adrian ohne Frühstück ziemlich zickig werden kann. – Auf Tour regiert die Vernunft

Letzerem kann ich nur zustimmen.
Außerdem verwendet ihr auf Blood Source einige Samples. Stammen sie aus Horrorfilmen? Wer von euch hatte die Idee dazu und inwiefern gehören sie zu den einzelnen Songs (nehmen z.B. die Lyrics Bezug auf sie)? Entstand die Idee dazu erst im Studio oder schon beim ursprünglichen Songwriting?

Die Idee der Samples besteht ja schon seit der ersten CD Death trap. Diese haben sich dann über beide Alben hinweg gezogen und sie werden auch in Zukunft auf unseren Alben zu finden sein. Die einen stören sich daran, die anderen finden es wiederum genial, lustig, speziell – oder was auch immer.
Wir verwenden Samples die zum Song passen. Oder aber auch solche, die einfach gut rüberkommen. Die Kunst besteht ja darin, diese in den Song mit einzubauen. Ich denke, das ist ganz gut gelungen.

Eure Songs sind ja nicht in der Schublade einfache Kost abzulegen. Wie läuft bei euch der Songwritingprozess ab? Und schreibst du deine Basslines selber?

Wir hören uns ja all die sparten von Death Metal an. Groovig, technisch, Blast-lastig… Und es gibt viele Bands, die uns beeinflussen. Und jeder hat da so seine speziellen Bands, die er ganz besonders gut findet. Das spiegelt sich dann im Songwriting wider. Hauptkomponisten sind Tom und Ralph. Ich selber beteilige mich, wenn überhaupt, meist erst ganz zum Schluss der Songs. Es gibt auch fertige Demo-Songs von mir. Aber die beiden machen ihren Job sehr gut, was die Reviews ja auch bestätigen. Die fertige Demoversion der Songs hören wir uns aber alle noch gemeinsam an, bevor wir diese dann einproben. So können wir die Zeit nutzen, um im Proberaum wirklich nur zu proben.
Bei DISPARAGED spielt der Bass nicht solch eine Rolle wie z.B. bei CANNIBAL CORPSE, PROFANITY oder CYNIC – jetzt kennst du auch gleich die Bassisten, welche ich bewundere. Bei DISPARAGED bedeutet das, dass der Bass drücken und Boden geben muss. Wobei auch ich zum Teil sehr technische Sache einbaue. Aber wie gesagt, das kommt halt sehr auf den Song an. Die Basslinie übernehme ich zum Teil von der Gitarre oder schreibe eigene Melodien dazu.

Auf Blood Source habt ihr Songs wie The Evil Man und Saviour, zu Overlust gab es ein Shirt mit dem abgewandelten Spruch zu den sieben Todsünden als Rückenprint. Inspirieren euch Religionsfragen zu euren Texten? Und um was geht es im Song Split in Half (doch nicht etwa um das Kind beim Salomonischen Urteil)?

Ja, das mit dem Salomonischen Urteil wäre auch eine prima Idee gewesen – haha. Aber es ist leider die banale ich räche mich an dir, du Stück Scheiße du-Nummer. Nach anfänglich zaghaftem und schizoiden Zwiegespräch kommt es ja im Song zu einem Bruch (auch deshalb der Name…weil der Song im Grunde genommen aus zwei grundverschieden Teilen besteht) und dann kommt die Racheorgie (fucking will slay you even as you kill), die privat inspiriert aus dem vorletzten Krieg auf europäischen Boden stammt.
Religiöse Themen greifen wir auch auf – die sind immer etwas verschleiert und nie bloß dümmlich provokativ, denn wir sind in der Band alles unterschiedlich ausgerichtete Individuen und deshalb macht es keinen Sinn, eine ganz bestimmte Gesinnung zu vertreten. Jeder soll an das glauben, was er will, wenn er es denn für nötig hält haha. [Tom Kuzmic (Gitarre / Gesang)]

Nachdem ihr auf Overlust bereits sehr gute Resonanzen erhalten habt, habt ihr einen gewissen Erfolgsdruck beim Songwriting für Blood Source gespürt? War es etwas anderes, neue Songs zu schreiben mit einem starken Album wie Overlust im Rücken?

Wir haben die Bandprobe so umgestellt, dass wir die neuen Songs intensiver üben können. Der Druck saß schon etwas im Nacken. Auch die Zeit spielte eine Rolle, wollten wir doch nicht allzu lange mit dem Overlust-Nachfolger warten.
Tom und Ralph haben ihren Job wirklich sehr gut gemacht. Die Songs sind in meinen Augen noch abwechslungsreicher als auf dem Vorgänger. Man versucht sich zu steigern, um den Zuhörer begeistern zu können. Zurzeit schreiben beide wieder neues Material. Die Herausforderung bei einer neuen CD ist ja, noch bessere Songs zu schreiben und einen Schritt in die richtige Richtung zu machen, ohne dabei abzudriften und den typischen DISPARAGED-Stil zu verlieren.

Promobild
Man muss den Death Metal im Blut und im Herzen haben, um ihn so spielen zu können, damit die Leute merken, dass da nichts aufgesetzt oder künstlich ist.

Soweit ich weiß, wohnt ihr nicht gerade in der Nähe voneinander und dein Dodge PickUp wird vermutlich an der Zapfsäule eher gierig sein. Probt ihr dennoch alle zusammen mehrmals wöchentlich oder wie muss man sich die Probenarbeit bei DISPARAGED vorstellen?

Ha ha….Ja, mein Dodge. Der gibt immer wieder zu reden…Fakt ist, dass zwei aus Zürich kommen, Heinz aus Schwyz und ich aus Uri. Geprobt wird in Luzern. Für Heinz und mich heißt das 40 Minuten Autofahrt und für Tom und Ralph ein bis zwei Stunden – je nach Verkehr. Den Proberaum hatten die zwei Zürcher schon vor DISPARAGED im Rahmen einer anderen Band.
Leider können wir aus anderen Gründen nur ein- bis zweimal die Woche proben. Mehr ist im Moment einfach nicht möglich. Zum Glück hat Ralph sein eigenes Studio, wo er und Tom die neuen Songs fixfertig einspielen können. So können wir uns im Proberaum wirklich nur aufs Proben konzentrieren und nicht, bis auf ein paar wenige Ausnahmen, aufs Songschreiben. Heinz und ich studieren die neuen Songs zu Hause ein, bevor sie dann zusammen eingeübt werden. So können wir trotz der Situation speditiv arbeiten. Es sind aber noch andere Ideen da, um noch effizienter proben zu können.

DISPARAGED wurde ja erst 1999 gegründet, zuvor war z.B. euer Fronter Tom u.a. bei NÄCHTLICH THRÄNET. Wie habt ihr eigentlich zusammengefunden (schließlich wohnt ihr ja nicht alle im gleichen Ort)? Und bei welchen anderen Bands haben du, Ralph und Heinz vorher gespielt?

Ich weiß noch, wie ich lange Zeit Leute für eine Band suchte. Für mich war klar, dass es Leute sein müssen, die Banderfahrung haben und Songs schreiben können.
1998 an einem Konzert im Wärchhof Luzern lernte ich Beat Geser kennen, den ersten Sänger und Drummer von DISPARAGED. Er stellte mich Ralph vor. Kurz darauf erhielt ich ein Tape mit Songs von den beiden. Beim ersten Hinhören war ich allerdings noch skeptisch ha ha! Aber meine Frau und heutige Managerin der Band, Franziska, meinte, ich sollte da mitmachen, da sei sehr viel Potential drin – und wie Recht sie doch hatte.
Also ging ich damals in den Proberaum, wo ich dann auch gleich Tom kennen lernte. Irgendwann verließ uns Beat aus beruflichen Gründen. So standen nur noch Tom, Ralph und ich da. Wir suchten lange, ohne Erfolg, einen Drummer. Also entschlossen wir uns, ein Tape bzw. eine CD mit Drumcomputer einzuspielen und mit dieser auf Drummersuche zu gehen. Ein paar Wochen später stieß Heinz zur Band. Es hatte sich also gelohnt.

Stichwort andere Bands – Heinz trommelt ja auch noch bei EMBALMING THEATRE. Wie sieht es bei euch anderen aus mit Sideprojekten? Gab es da schon mal Terminüberschneidungen mit DISPARAGED?

Bis jetzt gab es noch keine Terminüberschreitungen. Und falls es mal welche geben sollte, finden wir da bestimmt eine Lösung.
Ansonsten schlägt unser Herz, oder zumindest meines, nur für DISPARAGED. Zu meiner Person kann ich sagen, dass ich schon zwei verdammt schmackhafte Angebote von andern Bands bekommen habe. Namen möchte ich hier keine nennen. Ich hätte allerdings bei beiden Bands, DISPARAGED und vermutlich auch meinen Job schmeißen müssen. Aber wie gesagt, mein Herz schlägt für DISPARAGED. Und mein heutiger Job ist mir zu wichtig, um diesen aufzugeben. Aber verlockend wäre es allemal.

Heinz ist Schlagzeuglehrer, euer Gitarrist Ralph betreibt das Assburn Studio, in dem ihr u.a. die Aufnahmen für Overlust und Blood Source abgewickelt habt. Sind das beides full-time Jobs oder arbeitet ihr alle eigentlich etwas ganz anderes neben DISPARAGED? Haben eure Jobs (also auch deiner und der von Tom) etwas mit Musik zu tun?

Wie schon erwähnt, habe ich einen Job, der mir sehr viel abverlangt und wo ich ständig gefordert werde. Dort nehme ich täglich Führungsaufgaben war, bin Lehrmeister, arbeite an vielen Projekten, gehöre dem Sicherheitsausschuss der Firma an und und und… Zudem möchte ich neben der Band auch noch meine Familie und meine Freunde genießen können. Der Rest der Zeit gehört der Band. Und das kann ja nach Situation mehr als die Hälfte meiner Feizeit ausmachen. Aber es macht Spaß, wenn man sieht, wie die Arbeit Früchte trägt.
Die andern drei haben auch Fulltime-Jobs, wobei Ralph sehr viel Freizeit in die Band investiert. Sei es neue Songs zu schreiben, sein Assburnstudio aufzumotzen, irgendwelche Kurse für Aufnahmetechnicken zu besuchen oder auch andere Bands aufzunehmen. Wenn Tom nicht gerade mit seiner Tochter am Rumhampeln ist oder mit der ganzen Familie einen Ausflug macht, sitzt er bestimmt zu Hause am Songschreiben oder bei Ralph im Studio, um Songs aufzunehmen.
Heinz ist der extremste von uns allen. Jede freie Minute, die er hat, bezieht sich auf die Musik. Dazu macht er viel Sport, um fit zu bleiben. Was er bei seinen endlos langen Blastbeats und Doublebassattacken ja wirklich sein muss. Zudem gibt er noch Drumstunden und spielt, wie schon erwähnt, bei EMBALMING THEATRE. Es gibt aber auch Momente in Heinz`s leben, wo er andere Sachen unternimmt…..wenn das auch selten ist ha ha! Dasselbe trifft übrigens auch auf Ralph zu.

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Religiöse Themen greifen wir auch auf – die sind immer etwas verschleiert und nie bloß dümmlich provokativ, denn wir sind in der Band alles unterschiedlich ausgerichtete Individuen und deshalb macht es keinen Sinn, eine ganz bestimmte Gesinnung zu vertreten. – Tom Kuzmic.

Ihr covert live SLAYER, z.B. Hell Awaits (an der Blood Source-Plattentaufe Jesus Saves). In eurem Sound ist die eine oder andere Anleihe an die Amis vorhanden und du erinnerst mich manchmal an Tom Araya. Ist SLAYER die Band, welche dich zum Metal an sich gebracht hat? Oder gab es da eine andersweitige Initialzündung?

Begonnen hatte bei mir alles mit IRON MAIDEN. Irgendwann entdeckte ich VENOM und von daher war es noch einen Katzensprung bis SLAYER. Diese Bands begleiten mich nun schon rund 17 Jahre. SLAYER ist für mich kein Metal. SLAYER ist eine Religion!
Ihre Songs, ihre Art zu spielen, die unglaubliche Live-Macht. Für mich die größte Band der Erde. Tom Araya läuft ans Mikrophon, schmunzelt in die Menge und eine ganze Halle jubelt ihm zu. Verdammt, das ist Magie! Ob mich Tom inspiriert hat? Oh Yeah… und wie. Vor allem wenn ich selber am Mikrophon stehe und singe. Beeinflussen tut uns die Band bestimmt. Was sich ja auch in gewissen Songs widerspiegelt. Und sicher wird auch in Zukunft die eine und andere SLAYER-Anleihe zu hören sein.

An den Metal Dayz im Z7 habt ihr ja einmal mit SLAYER gespielt. Habt ihr einander auch Backstage getroffen und wenn ja, wie war es?

Backstage leider nein. Wobei ich vermutlich keinen Pieps raus gebracht hätte – ha ha. Aber ich schnappte mir Tom Araya vor der Abschrankung zu einem Foto. Welches man übrigens auf der Website anschauen kann. Er könnte mein Bruder sein. Fuck war ich nervös….

Gibt es eine Band, mit der du persönlich mal noch unbedingt auf derselben Bühne stehen willst? Wenn ja, welche?

Sicher denkst Du jetzt ich antworte mit: SLAYER. Da muss ich dich enttäuschen. Wir hatte die Ehre am selben Tag auf derselben Bühne wie SLAYER zu spielen. Aber wenn du unmittelbar vor den Göttern spielst, wird man nach drei Songs nur noch SLAYER, SLAYER, SLAYER-Sprechgesang hören. Nee, lieber nicht.
Mein Traum wäre eine Tour mit CANNIBAL CORPSE. Jeden Abend für die Band zu eröffnen oder den Co-Headliner zu spielen wäre das Größte. Sie sind für mich im Death Metal das, was SLAYER im Thrash Metal sind….die Größten.

Ihr seid zwar erst gerade zurück von einer Tour, aber wie sieht der DISPARAGED-Sommer aus? Spielt ihr wieder am PARTY.SAN? Oder zieht es euch dieses Jahr zu anderen Festivals?

Diesen Sommer läuft nicht viel bei uns. Wir spielen am 18. August am BARTHER FESTIVAL im Norden Deutschlands. Und das war es dann auch schon. Wir werden die Zeit nützen um neues Songmaterial zusammen zu tragen und auch um ein auszuspannen.

Wie sieht die Zukunft von DISPARAGED aus? Arbeitet ihr bereits an neuen Ideen fürs nächste Album?

Wie gesagt, sind Ralph und Tom dabei neue Songs zu schreiben. Wann wir uns wieder ins Studio zurückziehen, steht noch in den Sternen. Ich danke aber, das wird voraussichtlich im 2007 sein. Konkrete Pläne für eine Tour stehen im Moment nicht an. Allerdings kann sich das schnell ändern. Wir werden sehen was die Zukunft bringen wird.

Promobild
DISPARAGED v.l.n.r.: Tom, Ralph, Heinz, Adrian

Bilder: Band

Arlette Huguenin Dumittan
Arlette ist seit 2000 bei vampster und unsere Schweizer Fachfrau für schwarze Musik und vegane Backrezepte. Lieblingsbands: DARKTHRONE, MAYHEM, HAIL OF BULLETS. Genres: Black Metal, Death Metal, Dark Metal/Rock.