DISPARAGED: For Those Enslaved

Sieben Jahre nach “And Babylon Fell” präsentieren DISPARAGED ihr fünftes Album “For Those Enslaved”. Dieses ist gleichzeitig der Albumeinstand des “neuen” Bassisten der Schweizer Death Metaller, Reto Hardmeier. Dieser dürfte vielen noch durch seine fleißige Tätigkeit bei PUNISH in Erinnerung sein und so erstaunt es kaum, dass sich DISPARAGED auch mit “For Those Enslaved” weiterhin gekonnt im Dreigestirn DISPARAGEDREQUIEMPUNISH positionieren. In Sachen Cover Artwork geht DISPARAGED wieder neue Wege – schlichte und schwungvolle Malerei mit schwarzer Tinte veredelt “For Those Enslaved” und die Energie des Covers erinnert an japanische Kanji-Kalligraphen, die ihr Schreibwerkzeug mit dem Führen eines Schwertes vergleichen. 

Gefrickel und Melodie dissonant vereint

Diese Energie fühlt man der Musik von DISPARAGED auch 2020 an. Natürlich sind die Death Metaller noch immer technik-verliebt und schneidend scharf unterwegs. Alle Breaks sitzen exakt, egal ob in den eigenen Songs oder den interessanten Coverversionen. Das Drumming von Heinz Imhof (EMBALMING THEATRE) ist rasend schnell und im JUDAS PRIEST-Cover “Monsters of Rock” erinnert der Bassdrumsound an die Nähmaschinen bei PROSTITUTE DISFIGUREMENT. Dass hier indes nur DISPARAGED am Werk sein können, merkt man spätestens bei “Tormented suicide”: schnell, unerbittlich, abwechslungsreich. Wild prallen Einflüsse von CARCASS, KATAKLYSM, DEATH und SLAYER aufeinander und besonders die Gitarrenarbeit von Fronter Tom Kuzmic darf man mit gutem Gewissen in die Chuck Schuldiner-Sphäre heben (schon nur wegen den perlenden Leads in “Coffin in the Wasteland” und den wunderbaren Melodien von “The Killing”). Egal wie verwickelt und angegrindet DISPARAGED agieren, so merkt man stets, dass das Quartett in all seinen Disharmonien miteinander harmoniert.

SLAYER, immer wieder SLAYER

Neben dem überzeugenden eigenen Material, warten DISPARAGED auch mit zwei Coverversionen auf, die sich an den Wurzeln der Truppe orientieren. “Monsters of Rock” von JUDAS PRIEST erstaunt mit einem beinahe an alte RAMMSTEIN-erinnernden Gesang zu Beginn des Songs, zeigt aber schön auf, wie man NWOBHM todesmetallisch interpretieren kann. Der unheilige Wunsch erwacht, dass DISPARAGED ein NWOBHM-Coveralbum aufnehmen sollen – bitte dann mit mehr PRIEST und noch ANGEL WITCH dazu… Und natürlich sind da noch SLAYER, die alte “Paradedisziplin” von DISPARAGED in Sachen Covers. Unvergessen der DISPARAGED-Auftritt als Opener für SLAYER anno 2010  im Zürcher Volkshaus und ihr früheres Cover von “Jesus Saves”, bei welchem Fronter Tom stets bewies, dass er eine höhere Wörterdichte hinkriegt als Tom Araya. Dass sie noch immer genügend Energie haben, um SLAYER “in alter Frische” zu rotzen, beweisen DISPARAGED mit ihrem MashUp-Cover “Silent Scream / Angel of Death”. Ja, man wünscht sich, als Fliege an der Wand im DISPARAGED-Proberaum zu sitzen, um sich hemmungslos der SLAYER-Nostalgie hinzugeben, die sich auf die Zeit konzentriert, als SLAYER noch SLAYER waren.

Technisch, aber nie ohne Melodie und Riffbrett

“For Those Enslaved” schließt mit ungewohnt ruhigen Klängen ab – der akustischen Version von “Bleed for me”. Aber genau so entstehen in der Proberaumrealität die wirklich großen Songs – man rifft miteinander, und da darf es eben auch mal unverzerrt sein. Die Verzerrung allein macht keinen krassen Song. Das wissen auch DISPARAGED und liefern mit “For Those Enslaved” ein tolles Album ab, das NWOBHM-Nostalgie, Death und Thrash Metal in sich vereint, mit reichlich Riffbrettern und Melodien. Cool!

Veröffentlichungsdatum: 13.11.2020
Spieldauer: 34:11
Label: Apostasy Records
Website: https://www.facebook.com/Disparagedofficial/

Line Up
Tom Kuzmic (AMPUTATE, Ex-CATARACT) –  Gitarre, Vocals
Heinz Imhof (EMBALMING THEATRE) – Drums
Ralph Beier – Gitarre
Reto Hardmeier (PYLON) – Bass

DISPARAGED “For those enslaved” Tracklist

1. Cry at dawn
2. Tormented suicide
3. Coffin in the wasteland
4. The killing
5. Salvation (Re-recorded 2020)
6. Monsters of Rock (JUDAS PRIEST-Cover)
7. Silent Scream / Angel of Death (SLAYER-Cover)
8. Bleed for me (Acoustic – Live at Bar 69)