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ASTROPHOBOS: Dann brauchst Du andere Freunde oder gute Kopfhörer!

Anfang Jahr haben die schwedische Black Metaller ASTROPHOBOS ihr zweites Full Length-Album „Malice of Antiquity“ veröffentlicht. Wie schon auf der ersten EP „Arcane Secrets“ und dem Debütalbum „Remnants of Forgotten Horros“ überzeugt das Stockholmer Trio mit gepflegtem Schwarzmetall und schreckt weder vor langen Songs noch einem Schuss Innovation zurück. Mehr als Grund genug also, um bei Gitarrist Martin Andersson (BLOOD WORSHIP) und Sänger Micke Broman (Vocals / Bass) per Mail nachzuhaken, was denn genau hinter den Kulissen von „Malice of Antiquity“ geschah und welche anderen dunklen Gedanken ASTROPHOBOS umtreiben… 

Zuerst vielen Dank für euer zweites Album „Malice of Antiquity“! Seid ihr zufrieden mit dem Feedback, das ihr bis anhin bekommen habt?

Martin: Ich denke, dass wir mit diesem Album viele neue Hörer erreicht haben, und das ist natürlich grossartig. Soweit ich gesehen habe, sind die Rezensionen grösstenteils positiv, und das freut uns natürlich auch. Am wichtigsten ist uns jedoch, dass wir mit unserem Album richtig glücklich sind und es sich anfühlt, als hätten wir erreicht, was wir erreichen wollten.

Wann habt ihr entschieden, welches Artwork ihr für „Malice of Antiquity“ wollt? Die beiden Singles „Begotten in black“ und „Fire of catharsis“ wurden ja im Voraus veröffentlicht und beide Singles haben ein Cover, das künstlerisch aus dem gleichen Guss zu sein scheint wie das Cover von „Malice of Antiquity“.

Micke: Das Album-Cover war fertig, bevor wir die erste Single veröffentlichten und alle Single-Coverdetails stammen davon ab. Scott Buoncristiano hat das Artwork unserer drei Alben gemacht “Enthroned in Flesh”, “Simulacrum” und jetzt eben “Malice of Antiquity”. Die Idee, wie das Cover zu „Malice of Antiquity“ aussehen, kam mir schon letztes Jahr, während ihr die Texte fürs Album schrieb. Also schickten wir Scott ein paar Referenzbilder und eine kurze Beschreibung davon, was wir wollten, und dieses Cover ist das Resultat. Es ist wunderbar, mit ihm zusammen zu arbeiten, weil man ihm gegenüber einfach eine Grundidee erwähnen kann und er macht daraus ein visuell kohärentes, harmonisch komponiertes Bild, das die Stimmung perfekt rüberbringt. Ich liebe seinen Malstil und habe auch einige seiner Bilder an den Wänden zuhause.

Malice of Antiquity“ ist zwar der Albumtitel, aber kein Song heisst so. Ist „Antiquity“ etwas Negatives in der Welt von ASTROPHOBOS?

Martin: Der Titel bezieht sich auf die böse Präsenz, die schon seit vor dem Anbeginn der Menschheit existiert und die sich – in diesem Szenario – auch in der Antike manifestiert. Das ist mehr oder weniger, was auch das Albumcover ausdrückt.

Da es in euren Lyrics einige lateinische Passagen gibt (und auch der Titel eures ausgezeichneten Songs „Imperator Noctis“ Lateinisch ist), würde ich gerne wissen, was euch an römischer Geschichte am besten gefällt.

Micke: Ich bin fasziniert von der Umbarmherzigkeit der römischen Expansion, vor allem in den ersten Jahrhunderten, als sie von der Stadt Rom ausging und sich auf die italienische Halbinsel konzentrierte. Die Römer waren von Anfang an richtig gut darin, andere Armeen zu besiegen, aber es gab mehrere Male, wo sie katastrophal verloren und realistisch gesehen aus der Geschichtsschreibung hätten verschwinden müssen. Aber irgendwie haben sie es immer geschafft, doch wieder eine neue Armee zusammenzustellen und ihre Widersacher zu besiegen. Diese Motivation und dieses endlose Selbstvertrauen, sogar nach einer Niederlage, das ist etwas, was ich an der römischen Geschichte wirklich faszinierend finde.

In welcher historischen Epoche würdest ihr gerne mal temporär – sagen wir mal, für zwei Wochen – leben?

Martin: Um ehrlich zu sein, bin ich sehr froh, im Zeitalter der Elektrizität und der modernen Medizin zu leben, aber wenn ich bestimmen dürfte, dass ich weder hingerichtet noch Opfer der Pest werde, dann würde ich gerne meine Heimatstadt Stockholm im Mittelalter sehen.

Micke: Es gibt so viele interessante Zeitalter zur Auswahl! Aber ich würde definitiv zu Ephesus ins alte Griechenland, als der Artemistempel noch da war. Das muss ein beeindruckender Anblick gewesen sein.

Mein Lieblingssong auf „Malice of Antiquity“ ist „Imperator Noctis“. Meistens sind cleane Frauenvocals im Black Metal eine Gratwanderung (weil es rasch zu kitschig wird), aber ihr habt die perfekte Balance gefunden. Hattet ihr die Idee für dieses ungewohnte Element in eurer Musik schon von Anfang an oder kam sie erst im Studio? Und wie kam der Kontakt mit Elisabetta Marchetti zustande?

Micke: „Imperator Noctis“ war einer der letzten Songs, den wir für das Album geschrieben haben, und wir haben erst ganz am Schluss die Idee gehabt, noch cleane Vocals hinzuzufügen. Irgendwie machte es einfach Sinn für den Song. Elisabetta ist eine Freundin von mir und sie hat Operngesang studiert, also war sie die perfekte Person für unseren Wunsch. Dass sie auch noch Italienerin ist, passte natürlich noch extra perfekt zum Album, und speziell zu „Imperator Noctis“. Ich bin wie du der Meinung, dass cleane Vocals einen Black Metal-Song nicht immer besser machen, aber ich denke, dass Elisabettas dramatische Stimme perfekt ist für diesen Song und ihn auf ein anderes Level bringt. Marco Mastrobuono wusste auch genau, wie man dieses Element richtig in den Gesamtmix integriert und wir sind sehr glücklich, dass Elisabetta auf unserem Album mitwirkt.

Welche Black Metal-Bands sind eurer Meinung nach anno 2019 noch relevant?

Martin: Von den Bands, die in den frühen Neunzigern angefangen hatten und die noch immer da sind, würde ich gerne ROTTING CHRIST positiv hervorheben. Ich habe ihr letztes Album angehört und es gefällt mir sehr. Neuere Black Metal-Bands, die meiner Meinung nach starke Alben abliefern, sind GRIFT, MGLA, ANAAL NATHRAKH oder DJEVEL. Die schätze ich alle sehr.

Eure Diskographie hat meines Wissens nach keine Split-CD. Welche Band wäre euer Traum-Split CD/-Vinyl-Partner? Tot oder lebendig…

Micke: Für mich wäre es klar ROTTING CHRIST. Sie sind schon seit meinen Anfangstagen im Black Metal eine meiner Lieblingsbands und sie waren immer ein Einfluss für mich. Wir haben sogar eine Coverversion ihres Songs „The Sign of Evil Existence“ gemacht, die wir auf YouTube veröffentlicht haben. Zufälligerweise diskutieren wir gerade mit einer anderen Black Metal-Band über eine Split-CD, aber es ist noch zu früh, um Konkretes dazu verlauten zu lassen. Es ist noch nichts in Stein gemeisselt hierzu.

Misanthropie gehört zum Black Metal. Ist es besser, sich ASTROPHOBOS alleine anzuhören oder mit anderen Menschen?

Martin: Wenn deine Freunde ASTROPHOBOS hören, dann hör dir ASTROPHOBOS mit deinen Freunden an. Wenn nicht, dann suche dir bessere Freunde oder gute Kopfhörer.

Habt ihr Live-Pläne, um “Malice of Antiquity” 2019 zu promoten?

Micke: Es wird vermutlich keine Auftritte geben, da wir keinen permanenten Drummer haben – und zudem arbeiten wir schon an unserem nächsten Projekt. Es wäre für uns zeitlich nicht machbar, gleichzeitig einen festen Schlagzeuger zu suchen, am nächsten Projekt zu arbeiten, zu üben und dann noch Konzerte zu geben. Stattdessen versuchen wir, produktiver zu sein und nicht wieder fünf Jahre bis zum nächsten Full Length-Album zu brauchen.

Aber unser nächstes Projekt ist ein bisschen anders. Es ist eine Kollaboration mit einem Künstler und einem Fotograf, es wird also kein Standardalbum, sondern eine Zusammenarbeit, bei der drei Seiten alle zum Projekt beitragen. Der Plan ist, eine Ausstellung für Kunst und Fotografie zu kreieren, bei der unsere Musik sozusagen der „Soundtrack“ ist – und danach das Projekt als Buch zusammen mit der Musik zu veröffentlichen. Das sollten wir bis Ende 2020 unter Dach und Fach haben.

Klingt interessant, vielen Dank fürs Interview!