WALTARI: Blood Sample

Wer von WALTARI in den letzten Jahren enttäuscht war, sollte der Band noch einmal eine Chance geben, denn mit "Blood Sample" ist das Quartett definitiv wieder auf Kurs.

Das harmlose, extrem poppige Radium Round, mit Abstrichen aber auch das letzte Album Rare Species, stießen unter langjährigen WALTARI-Fans nicht ausschließlich auf Begeisterung. Mit Blood Sample, das vor kurzem endlich auch in Deutschland erschien, haben sich WALTARI aber wieder gefangen. Das Album steckt voller verrückter Ideen, guter Hooklines, Vermengung scheinbar unvereinbarer Stile und Ungestümtheit, so dass es etwas an die frühen Alben der Band erinnert, die in der ersten Hälfte der 90er veröffentlicht wurden. Deren Genialität wird freilich nicht erreicht, alleine schon deshalb, weil manche plötzlichen Stilwechsel für Kenner einfach keinen Überraschungseffekt bieten, aber auch, weil die Dichte von Hits, wie sie etwa auf Big Bang zu finden war, hier nicht gegeben ist.

Erinnerungen an frühe WALTARI werden vor allem beim punkigen, rotzigen Too Much Emptiness mit seinem coolen Shout-Refrain und den treibenden, doublebass-lastigen All Roads Will Lead To Rome mit seinen 2 UNLIMITED-artigen Rap-Einlagen wach, aber auch beim rockenden New York mit seinem kurzen Death Metal-Prügelpart und Exterminator Warhead, welches nahezu vollständig in Grindcore-Gefilden angesiedelt ist. Hochwertige WALTARI-Kost gibt es auch in etwas poppigerer Form: I´m In Pain, dessen Sprechgesang etwas angestaubt tönt und Shades To Grace, ein schöner, melancholischer Rocksong, zeigen das kommerzielle Potenzial der Finnen auf und überzeugen mit einer Fülle von Ohrwurmmelodien. Und auch die bekannte Vorliebe für Coverversionen und die BEATLES findet sich auf Blood Sample wieder in Form einer gelungenen Neuinterpretation von Julia.

WALTARI wärmen aber mit Blood Sample nicht bloß Altbewährtes auf, sondern betreten auch Neuland: Das industrial-lastige, über achtminütige Digging Inside ist vergleichsweise sperrig und erinnert an NINE INCH NAILS, während man in Pigeons Flamenco-Einflüsse einbringt.

Indem sie ohne Rücksicht auf Verluste in allen nur erdenklichen Genres wildern, schaffen es die verrückten Finnen um den unverwechselbaren Sänger Kärtsy immer wieder, die Nerven des Hörers zu strapazieren, etwa mit den technoiden Fly Into The Light oder Back To The Audio, um im nächsten Moment mit einer tollen Hookline zu begeistern. Wer von WALTARI in den letzten Jahren enttäuscht war, sollte der Band noch einmal eine Chance geben, denn mit Blood Sample ist das Quartett definitiv wieder auf Kurs.

Veröffentlichungstermin: 21.04.2006

Spielzeit: 78:49 Min.

Line-Up:
Kärtsy Hatakka – Bass, Lead Vocals, Keyboard
Jariot Lehtinen – Guitar, Vocals
Sami Yli-Sirniö – Guitar, Vocals
Ville Vehviläinen – Drums
Label: Bluelight Records/Dockyard 1

Homepage: http://www.waltarimusic.com

Tracklist:
1. Helsinki
2. Not Enough
3. Too Much Emptiness
4. Never
5. New York
6. I´m In Pain
7. All Roads Will Lead To Rome
8. Digging Inside
9. Fly Into The Light
10. Shades To Grace
11. Aching Eyes
12. Back To The Audio
13. Pigeons
14. Exterminator Warheads
15. Darling Boy
16. Wide Awake
17. Julia