VOID: Sessions 1981-83

"Hey Dad, du warst ja auch mal ein crazy motherfucker!"

Woah. Sessions 1981-83. Als das aufgenommen wurde, war ich noch nicht so wirklich in Musik interessiert, eher an Babybrei. VOID hingegen waren gerade da an Musik interessiert, beziehungsweise: An heillosem Chaos. Die vier Hardcore-Punk-Typen aus Columbia zeichnen sich aus durch, wie sagt das Info so schön: When VOID started a song, it was if each member was playing his own parts as fast as humanly possible, but not necessarily together. Nun sind die hier vorliegenden Hit and Run Sessions frühe Demoaufnahmen der Kult gewordenen Split von VOID und FAITH. Als die Labelbosse von DISCHORD kürzlich ihr Archiv durchforsteten, fanden sie diese frühen Vierspuraufnahmen der VOID-Demos, die bisher nie das Licht der Welt erblickten, jetzt weiß man auch warum. Das primitive Gebolze von VOID strahlt heute einen kruden Charme aus und macht höllisch Spaß. Vor dreißig Jahren aber war das Gebräu der vier damals noch knapp minderjährigen Musiker hingegen wahrscheinlich eine Beleidigung für viele Ohren.

Und dennoch, Songs wie Condensed Flesh, Suburbs Suck, Dehumanized, Annoyed, Black, Jewish And Poor, Authority, Organizes Sports und My Rules gehen ins Ohr und ins Bein, auch trotz eher suboptimaler instrumentaler Kenntnisse und dem rumpeligen Sound, der immerhin schon neu gemastert wurde. Der manische Sänger John Weiffenbach klingt nicht nur auf den Livesongs ziemlich kaputt, sondern auch auf den Demoaufnahmen. Die Riffs von Bubbs Dupree sind unwahrscheinlich schlecht gespielt, bleiben aber schnell im Ohr haften, und dass der mittlerweile verstorbene Schlagzeuger Sean Finnegan kein Metronom kannte, macht bei dieser kraftvollen Vorstellung auch nichts aus. Die hier enthaltenen Hit And Run Sessions und Inner Ear Sessions beinhalten größtenteils die gleichen Songs, was aber nicht stört, weil diese kurzen, radikalen Nummern einfach Spaß machen. Insgesamt versammeln sich in etwas mehr als fünfunddreißig Minuten ganze vierunddreißig Songs, die durch ihre Simplizität und ihre Primitivität so unglaublich toll wirken. Da findest man es direkt schade, früher nicht selbst dabei gewesen zu sein. Apropos Livesongs: als Bonus gibt es zwei Stück davon. Explode muss unbedingt jeder antesten, der Strukturen für überbewertet hält.

Für wen ist Sessions 1981-83 nun geeignet? Wer unter Hardcore HEAVEN SHALL BURN versteht, wird sich angewidert abwenden, wer aber auf MINOR THREAT, BAD BRAINS und BLACK FLAG steht, darf sich dieses ungeheuer frisch wirkende, dreißig Jahre alte Dokument der frühen Hardcore-Szene gerne zulegen. Hardcore-Punk-Fans von alten Schlag werden VOIDs erste Gehversuche mit Vergnügen verschlingen, so viel ist sicher. Vielleicht sollten sich die heutigen jungen Wilden mal anhören, was damals so angesagt war, vielleicht belächeln sie dann ihre in die Jahre gekommenen Väter etwas weniger. Getreu dem Motto: Hey Dad, du warst ja auch mal ein crazy motherfucker!

Veröffentlichungstermin: 28. Oktober 2011

Spielzeit: 36:10 Min.

Line-Up:

John Weiffenbach – Vocals
Bubba Dupree – Guitar
Chris Stover – Bass
Sean Finnegan – Drums

Label: Dischord

Tracklist:

Hit And Run Sessions, November 1981:
1. Void
2. War Hero
3. Go South
4. Condensed Flesh
5. Controller/Revolt
6. Dehumanized
7. Suburbs Suck
8. Organized Sports/W.T.F.A.Y.
9. Annoyed
10. Don´s Wanna Be Like You
11. Black, Jewish And Poor
12. Please Give Us A Chance
13. Protect And Serve
14. Time To Die
15. Self-Defense
16. Draft Me Please
17. Authority
18. All White Neighborhood
19. Halfway Boys
20. Wasted Party

Inner Ear Session, December 1981:
21. Dehumanized
22. Authority
23. My Rules
24. Get Out Of My Way
25. Condensed Flesh
26. Organized Sports/Annoyed
27. Controller/Revolt
28. Black, Jewish And Poor
29. War Hero
30. Go South

Inner Ear Session, June 1982:
31. Dehumanized
32. Get Out Of My Way

Live At 930 Club, February 13, 1983
33. Explode

Live At Wilson Center, July 1, 1983
34. My Rules