THE BROWNING: End Of Existence

THE BROWNING bewahren auch auf “End Of Existence” ihren Charakter: Der Electronicore ist über weite Strecken kalt und erdrückend, lädt aber dennoch zum Entdecken ein.

Eines müssen wir THE BROWNING lassen. Sie wissen nicht nur, wie man das moderne Metalcore-Spiel spielt, sondern auch, wie man sich eine Identität aufbaut. Was sich auf dem Papier zunächst ziemlich ernüchternd liest – Gitarre, Bass, Synthesizer, Growls, Chugging und Breakdowns -, hat tatsächlich einen ganz eigenen Charme. Das liegt nicht zuletzt an Bandgründer Jonny McBee, dessen Synth-Arbeit deutlich von EDM, Electronica und vielleicht sogar Dubstep gezeichnet ist.

Selten gibt es flächige oder opulente Klangteppiche, meist sind es gezielte und doch prägende Nadelstiche, die den Songs eine ominöse Atmosphäre verleihen und für den melodischen Fixpunkt sorgen. Die Präsenz der elektronischen Elemente haben THE BROWNING im Vergleich zum Vorgänger „Geist“ (2018) dabei leicht zurückgefahren oder zumindest von der vordersten Front etwas mehr in den Hintergrund gezogen. Stilbildend sind die Einschübe dennoch – und natürlich auch ein willkommener Gegensatz zu den tief gestimmten Gitarren, die in der Regel mit aller Gewalt über uns hereinbrechen. Wäre Drummer Cody Stewart nicht, könnte man den eröffnenden Titeltrack fast als vierminütigen Breakdown samt Stakkato-Salven durchgehen lassen.

“End Of Existence” ist über weite Strecken kalt und erdrückend

Moshpit-tauglich ist „End OF Existence“ dagegen zu jeder Zeit, auch weil THE BROWNING vorsichtig mit dem Gaspedal hantieren und lieber im Midtempo die Groove-Keule schwingen. In „Destroyer“ folgt Synth-Buildup auf Deathcore-Eruption, bevor das Spiel von vorne losgeht. Gelächelt wird dabei übrigens nicht, die zwölf Tracks der Scheibe sind bewusst kalt und erdrückend ausarrangiert. Das passt zum fatalistischen Titel, kann inmitten der heruntergestimmten Riff-Salven allerdings auch ermüdend wirken.

Daher sind wir für jegliche Variation des grundlegenden Schemas dankbar. Da wären einerseits die rhythmisch gesungenen Strophen von „Anticendency“ oder „Gott ist tot“, wobei letzteres atmosphärisch im Industrial fischt und auch die eine oder andere RAMMSTEIN-Referenz durchblitzen lässt. An anderer Stelle zeichnen die Keyboards in „Chaos Reigns“ eine unheilvolle Ambient-Landschaft für das hämmernde Deathcore-Inferno. „Torment“ spielt dagegen mit Laut-leise-Dynamik, während die Vocals zwischen Spoken-Word-Passagen, Growls und brachialen Post-Metal-Shouts pendeln – man denke an einen verbitterten Cousin von SPIRITBOX‘ „Holy Roller“.

THE BROWNING beweisen Charakter

Die Abwandlungen und Variationen stecken im Detail, was einerseits zum Entdecken einlädt und trotzdem das repetitive Fundament nicht ganz überdecken kann. Immerhin bietet fast jeder Song eine charismatische Eigenheit wie beispielsweise den nachdenklichen Klargesang in „No Man Can Become A God“, ein wenig deutlicher könnten THE BROWNING diese Konturen aber gerne ausarbeiten. Vielleicht überrascht auch deshalb „Death Warp“ auf der Zielgeraden des Albums so sehr: Blastbeats treffen auf heftige Breakdowns und synth-getragene Melodiebögen, die einem alten „Castlevania“-Spiel entlehnt sein könnten.

Dass „End Of Existence“ trotz allem relativ leicht verdaulich bleibt, gleicht die kleineren Makel dafür größtenteils aus. Der Electronicore der US-Amerikaner mag nicht jedermanns Sache sein, gestaltet den Einstieg in dieses doch recht unterrepräsentierte Sub-Genre im Gegenzug vergleichsweise gut verdaulich. „Geist“ (2018) mag insgesamt durch seine präsenteren Synth-Hooks zugänglicher sein, den markanten Bandsound erweitern THE BROWNING aber auch 2021 vorsichtig durch neue Facetten.

Veröffentlichungstermin: 03.12.2021

Spielzeit: 46:18

Line-Up

Jonny McBee – Vocals, Programming
Brian Moore – Guitars
Collin Woroniak – Bass, Backing Vocals
Cody Stewart – Drums

Produziert von Jonny McBee

Label: Spinefarm Records

Homepage: https://www.thebrowningofficial.com/
Facebook: https://www.facebook.com/TheBrowningOfficial

THE BROWNING “End of Existence” Tracklist

  1. End of Existence (Lyric-Video bei YouTube)
  2. Destroyer
  3. Anticendency
  4. Gott ist Tot
  5. Torment
  6. Cataclysm
  7. Rage
  8. Chaos Reigns (Lyric-Video bei YouTube)
  9. No Man Can Become A God
  10. Death Warp
  11. Prophecy
  12. Fearless