THE ABSENCE: Enemy Unbound

THE ABSENCE: Enemy Unbound

Kaum zu glauben, aber THE ABSENCE stammen aus dem sonnigen Florida, wo sogar die Zitronenbäume blühen. Das ist deshalb so verwunderlich, weil sich die Jungs ausgerechnet an einer skandinavischen Paradedisziplin üben und zu allem Überfluss kaum noch von den zahlreichen nordeuropäischen Kollegen zu unterscheiden sind. Es geht natürlich um Melodic Death Metal, genauer: die Göteborger Spielart. Und die haben THE ABSENCE so gründlich in sich aufgesogen, dass zumindest die Musikpolizei die Amerikaner problemlos durch den Zoll winken würde.

Neues hat „Enemy Unbound“ nicht vorzuweisen, die elf Songs stützen sich allesamt auf bewährte Genrepfeiler und können höchstens durch vermehrte Bay-Area-Thrash-Zitate auffallen. Zugleich erheben THE ABSENCE allerdings den Zeigefinger, um etwaigen Nörglern gar nicht erst eine Plattform zu bieten. „Enemy Unbound“ ist nämlich davon abgesehen richtig gut. Die Schwedenriffs sitzen, die Leadgitarren lassen alte Helden wie IN FLAMES und AT THE GATES wieder aufleben und das solide Rhythmusfundament harmoniert perfekt miteinander.

THE ABSENCE imitieren den göteborgschen Sound nahezu perfekt

Überhaupt wirkt das Album wie aus einem Guss, was man durchaus der druckvollen und doch organischen Produktion anrechnen kann. Frontmann Jamie Steward fügt sich in das Gefüge hervorragend ein, kann ansprechend growlen, legt aber auf die Melodeath-typischen Screams einen wesentlich größeren Wert. Markanz mag seiner Stimme diesbezüglich vielleicht fehlen, doch macht er das mit seiner routinierten, angepissten Performance locker wieder wett.

Das größte Manko, das „Enemy Unbound“ derweil anlastet, ist das Fehlen eines eigenen Charakters. So gut man den göteborgschen Sound imitieren mag, den Namen THE ABSENCE wird man sich deswegen nicht im Kopf behalten, könnte das Dargebotene trotz seiner hohen Qualität im Prinzip doch von tausenden anderer Gruppen stammen. So erinnern Songs wie „Deepest Wound“ oder „Maelstrom“ nicht von ungefähr an DIMENSION ZERO. Anhänger der westschwedischen Metalhochburg können dennoch bedenkenlos zugreifen, denn Hits vom Schlage eines „Erased“, „Enemy Unbound“ und „Deepest Wound“ gehören mit zum Besten, was man dieses Jahr aus dieser Richtung gehört hat. Selbst wenn es weder innovativ ist noch aus Schweden kommt.

Veröffentlichungstermin: 10.09.2010

Spielzeit: 49:46 Min.

Line-Up:

Jamie Steward – Vocals
Peter Joseph – Guitars
Patrick Pintavalle – Guitars
Mike Leon – Bass
Jeramie Kling – Drums

Produziert von Peter Joseph und Patrick Pintavalle
Label: Metal Blade

THE ABSENCE „Enemy Unbound“ Tracklist

01. Vertigo
02. Erased
03. Deepest Wound
04. Maelstrom
05. Enemy Unbound
06. Solace
07. The Bridge
08. Wartorn
09. Hidden In White
10. Vengeance And Victory
11. Triumph

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.