TEN: Babylon

TEN: Babylon

Melodischer Hardrock darbt in unseren Breiten – aller Wiederbelebungsversuche zum Trotze – nach wie vor dahin und hochwertige Genre-Veröffentlichungen haben Seltenheitswert. Eine Band, die in dieser Musiksparte mit ihren jeweils neusten Alben regelmäßig – und vor allem zu recht – Anspruch auf den Titel Album des Jahres erheben kann, sind die Briten TEN. Auch Studiowerk Nummer Vier, benannt `Babylon`, macht da keine Ausnahme und führt die musikalische Linie seiner Vorgänger konsequent fort.

Im direkten Vergleich zu `Spellbound` klingt `Babylon` zwar erdiger und weniger Bombast-lastig, trägt aber dennoch die unverkennbare Handschrift Gary Hughes, des umtriebigen Sängers und Songwriters der Band, der zuletzt auch als Solokünstler und als treibende Kraft hinter den Bob Catley (ex-MAGNUM)-Soloalben von sich Reden machte. Wie kein anderer Songwriter dieser Tage versteht es Hughes, typisch britischen Hardrock mit der geschmeidigen Eingängigkeit US-amerikanischen AORs zu verschmelzen und dabei allzu schmalzige Genre-Klischees (zumindest weitgehendst) außen vor zu lassen.

`Babylon` ist, in derlei melodischen Gefilden ungewöhnlich genug, ein Konzeptalbum. Und was könnte besser zu den großen Gesten TENs passen, als eine bittersüße Lovestory? Genau: Nichts! In zehn Songs schildern Gary Hughes und seine Band daher die tragische Geschichte des Paares Jen und Lex, die sich im Jahre 2999 lieben lernen, durch ein Komplott zweier Eifersüchtler aber auseinandergerissen werden: Jen bezahlt für ihre Liebe mit dem Leben. Und Lex sinnt auf Rache. Dies ist die Kulisse, in der sich TEN austoben, und fürwahr: Sie schöpfen aus dem Vollen.

Kraftvolle Rocker wie `The Stranger`, The Barricade` oder das grandiose `Black Hearted Woman` fehlen ebensowenig wie lauschige Balladen á la `Silent Rain` oder das wahrlich herzzerreissende Finale `Valentine` oder epische Dramen wie `Timeless` (mit arabischen Schnörkeln und einer Strophenmelodie, die mehr als nur ein wenig an Cat Stevens `Wild World` erinnert), das zeitweise gar düster-schleppende `Love Became The Law` oder das wuchtige `Thunder In Heaven`. Unnötig fast der Hinweis, daß jeder einzelne der aufgezählten Songs ausreichend Hit-Appeal besitzt, um bei einem imaginären Zeitsprung in das Amerika der 80er ganze Arenen in frenetische Wallungen zu bringen. Gary Hughes wäre schließlich nicht Gary Hughes, wüßte er nicht, was er seinen Fans schuldig ist. Wer ergo schon beim Wort Konzept in grausiger Erwartung einer Dreiviertelstunde 08/15-Hörspiel mit halbgarer musikalischer Untermalung zusammen zuckt, darf aufatmen: Hier stehen die Songs im Mittelpunkt, sonst nichts.

Und da auch deren Umsetzung kaum besser sein könnte (neben Hughes selbst stehen immerhin noch so gestandene Musiker wie Vinny Burns (Gitarre, ex-ASIA, ex-DARE, ex-ULTRAVOX) und Don Airey (Keyboard-Legende, ex-unzählig) im Dienste der Band), verdient sich auch `Babylon` – wie schon eingangs verlautbart und ungeachtet der Tatsache, daß bis Sylvester noch einige Wochen ins Lande ziehen – den Titel Album des Jahres im Genre melodischer Hardrock. Von mir aus auch Poserrock, wie eine gewisse V. aus S. in einem gewissen ReSys so hämisch zu bemerken wagte! 😉

Spielzeit: 58:41 Min.

Line-Up:
Gary Hughes – vocals

Vinny Burns – guitars

John Haliwell – guitars

Greg Morgan – drums

Steve McKenna – bass

Produziert von Gary Hughes
Label: Frontiers/Point Music

Homapage: http://www.proweb.co.uk/~ckerry/ten/tenmain.htm

Tracklist:
The Stranger

Barricade

Give In This Time

Love Became The Law

The Heat

Silent Rain

Timeless

Black Hearted Woman

Thunder In Heaven

Valentine