SWALLOW THE SUN: Plague of butterflies

SWALLOW THE SUN: Plague of butterflies

Hattet Ihr auch vor einigen Wochen das Haus voll mit diesen auf den ersten Blick harmlosen Harlekinkäfern? Die aussehen wie unsere süßen Marienkäfer, aber letztendlich kleine chinesische Dämonen sind, die unsere Maikäfer ausrotten werden, nicht mal meinem Gecko schmecken? Und wenn man sie umbringt stinken sie wie ein Truemetaller nach fünf Tagen Wacken? Was das mit dieser CD zu tun hat? Nun, die wirklich toll erzählte Geschichte um einen Einsiedler in den tiefsten Wäldern Finnlands und seine Besucher solltet Ihr schon selbst erleben. Diese sollte erst als Ballettvorführung ausgebaut werden, was sicher eine spannende Sache geworden wäre. Das hat leider nicht geklappt, aber SWALLOW THE SUN wollen die Geschichte eventuell per Film umsetzen, was auch viel versprechend klingt.

Vorerst aber gibt es Plague of butterflies als musikalische Begleitung für dunkle Winterabende. In drei Teilen, der Titelsong ist 35 Minuten lang, zeigen die finnischen Doom-Deather ohne Umwege, warum sie in der Szene ganz oben stehen. Auch wenn jede der bisherigen Scheiben ein Genuss war, mit diesem als EP gehandelten Opus können sich die Jungs um Juha Raivio nochmals steigern. Beachtlich ist, dass SWALLOW THE SUN sich nicht krampfhaft über die Jahre bemühen, sich selbst und den Doom-Death neu zu erfinden, sondern schlichtweg daran arbeiten und wachsen, ihren typischen Sound immer weiter zu verfeinern und auszubalancieren. Der Beweis dafür ist Plague of butterflies, dessen Titelsong wohl das bisher grandioseste Werk der Finnen ist. Man findet alle Elemente, die den Sound von SWALLOW THE SUN und letztendlich auch den meisten anderen Doom-Deathern ausmachen. Hier aber wirkt das Zusammenspiel aus schwerfälligem Doom, harten Death-Metal-Ausbrüchen, zarten Klangbildern und ein paar bösen Black-Metal-Elementen perfekt ausbalanciert. Niemand drängt sich in den Vordergrund, es zählt nur die erstklassig gespielte Musik. Die Dynamik, mit der die Band arbeitet, gleicht einem guten Film und lässt die Geschichte spürbar werden. Man durchlebt mit dem Einsiedler die zerrende Einsamkeit, trübste Gedanken und die aufkommende Bedrohung. Mikko Kotamäki erzählt die Story sehr abwechslungsreich, auch die Verteilung von tiefen Growls, cleanem Gesang und bösem Gekeife passt sich harmonisch ins musikalische Bild ein. Teil Eins bringt uns das Seelenleid des Einsiedlers näher, präsentiert sich als typischer SWALLOW THE SUN-Song mit herrlichem Laut/Leise-Spiel. Teil Zwei deckt relativ ruhig und verspielt den Schatten der aufkommenden Bedrohung über uns, Teil Drei führt theatral zum Showdown. Wie gesagt gibt es hier für Fans keine großen Überraschungen, dafür den geliebten Sound nochmals eine ganze Ecke intensiver als bei den Vorgängern. Wer diese nicht mochte bringt sicher auch für Plague of butterflies nicht die notwendige Geduld mit, die erzählte Story zu durchleben. Doom-Deather werden diese Scheibe aufsaugen wie ein hungriger Schmetterling süßesten Nektar. Warum SWALLOW THE SUN sich vor keiner der schon bekannteren Genre-Bands verstecken brauchen, sondern selbst ganz vorn stehen, das machen sie hier deutlich klar.

Um das noch zu unterstreichen haben sie als Bonus ihr erstes Demo Out of this gloomy light von 2003 mit auf die Scheibe gepackt. Dabei waren selbst ihre ersten Songs schon um einiges reifer als die vieler Kollegen. Obwohl man hier ja mächtig schummelt bzw. mit dem Bonus übertreibt, die Songs waren auch noch mal auf dem ersten Longplayer Ghosts of loss zu finden. Schwere dunkle Schatten breiten sich auch heute noch schnell aus, wenn sich Through her silvery body, Out of this gloomy light oder das bedrohlich-schöne Under the waves über dem Zuhörer ausbreiten. Bei Swallow verbeugt man sich auch mal kurz vor CANDLEMASS. Die Melodieführungen sind meisterhaft erhaben, die schweren Grooves packen einen, die Songs kommen emotional und die Vocals etwas rauer und entschlossener. Wer die Band aus Jyväskylä im Seendurchzogenen Herzen von Finnland noch nicht kennt, der darf sich über diese zusätzlichen Songs also freuen. Wer die Aufnahmen bereits hat, der bekommt aber allein mit dem Haupttitel wirklich alles geboten, was ein echtes Doom-Death-Highlight beinhalten muss, Plague of butterflies ist ein klarer Pflichtkauf für Freunde schwerer, finsterer Klänge.

Veröffentlichungstermin: 19.09.2008

Spielzeit: 60:23 Min.

Line-Up:
Mikko Kotamäki: Vocals
Juha Raivio: Guitar
Markus Jämsen: Guitar
Matti Honkonen: Bass
Aleksi Munter: Keyboards
Pasi Pasanen: Drums

Produziert von Swallow The Sun & Sami Koivisto
Label: Spinefarm Records / Soulfood

Homepage: http://www.swallowthesun.net

MySpace: http://www.myspace.com/swallowthesundoom

Tracklist:
1. Plague of butterflies
– Losing the sunsets
– Plague of butterflies
– Evael 10:00

2. Through her silvery body
3. Out of this gloomy light
4. Under the waves
5. Swallow (Horror Pt.1)

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.