STREAM OF PASSION: Embrace The Storm

Wer Marcela Bovios Stimme mag und sich für melancholische, moderne Metalklänge begeistern kann, sollte "Embrace The Storm" auf jeden Fall eine Chance geben.

Die wohl größte Überraschung auf dem letzten AYREON-Album, der Doppel-CD The Human Equation, stellte wohl die bis dato völlig unbekannte mexikanische Sängerin Marcela Bovio dar. Mastermind Arjen Lucassen war von ihrer Gesangsleistung offenbar derart angetan, dass er beschloss, mit ihr als alleiniger Sängerin ein neues Projekt auf die Beine zu stellen.

Mit STREAM OF PASSION wandelt Lucassen grob gesagt auf den Pfaden des Gothic Metals. Die Besetzung stellte er so zusammen, dass sie möglichst förderlich für exakt den Sound sein würde, den er sich vorstellte. Bassist Johan van Stratum etwa wurde ausgewählt, um mit seinem Nu Metal-beeinflussten Spiel der Musik zum angestrebten modernen Charakter zu verhelfen. Ob dahinter allein kommerzielles Kalkül steckt oder allein das Streben des Künstlers, seine Vorstellungen zu verwirklichen, sei dahingestellt. Tatsache ist, dass das Fahrwasser, in dem STREAM OF PASSION unterwegs sind, zwar momentan recht angesagt ist. Fette Gitarrenriffs und Bassläufe treffen auf Streicher, welche der Musik eine gewisse Dramatik verleihen und hin und wieder arg verfremdete Drum-Sounds oder Drum-Loops. Wirklich eingängige Melodien und Songs, die auf den kommerziellen Erfolg zugeschnitten sind, sucht man auf Embrace The Storm aber nahezu vergeblich. Die Musik, eine Mischung aus den getragenen und düsteren Aspekten von AYREON und ELFONÍA, der Hauptband von Marcela Bovio und Pianist Alejandro Millán, klingt angenehm unaufdringlich und hat einen ganz eigenen Charakter – nicht zuletzt dank des filigranen, oft jazzigen Tastenspiels von Millán, aber auch Lucassens Handschrift ist stets erkennbar. STREAM OF PASSION versuchen nicht, den Hörer mit der Dampfhammer-Methode, sprich allzu gefälligen Melodien und Arrangements, für sich zu gewinnen. Lässt man das Album nur nebenher laufen, so ist die Musik immer kurz davor, an einem vorbei zu plätschern. Schenkt man den Klängen jedoch seine Aufmerksamkeit, so geht zunächst vor allem von der tollen Stimme von Marcela Bovio, welche ein wenig an Anneke van Giersbergen erinnert, eine ungeheure Faszination aus. Später jedoch erschließen sich dem Hörer auch die vielen zunächst unspektakulär anmutenden Melodien. Von Anfang an begeistern können nämlich allein das Dreiergespann bestehend aus dem mit typischen AYREON-Melodien durchsetzten Titelsong, dem balladesken, eingängigen Breathing Again und Out In The Real World, welches allerdings etwas zu sehr an THE GATHERING zu Mandylion-Zeiten erinnert.

Embrace The Storm ist ein Album, welches dem, der nicht wirklich den Zugang sucht, wenig aufregend erscheinen mag. Gerade AYREON-Fans, welche die Vielfalt von Werken wie The Human Equation schätzen, wird dieses Album zu eindimensional sein, zudem bleibt das Songwriting nur im Gegensatz zu AYREON nur gut. Wer jedoch Marcela Bovios Stimme mag und sich für melancholische, moderne Metalklänge begeistern kann, sollte Embrace The Storm auf jeden Fall eine Chance geben. Das Album erscheint auch als Special Edition mit einer Bonus-DVD, welche den Passion-Videoclip, ein Making-Of sowie frühe Demos aller Album-Tracks enthält.

Veröffentlichungstermin: 21.10.2005

Spielzeit: 53:50 Min.

Line-Up:
Marcela Bovio – Gesang, Geige

Lori Linstruth – Leadgitarre

Arjen Anthony Lucassen – Gitarre

Davy Mickers – Schlagzeug

Alejandro Millán – Klavier

Johan van Stratum – Bass

Produziert von Arjen Anthony Lucassen
Label: InsideOut Music

Hompage: http://www.streamofpassion.com

Tracklist:
1. Spellbound

2. Passion

3. Deceiver

4. I´ll Keep On Dreaming

5. Haunted

6. Wherever You Are

7. Open Your Eyes

8. Embrace The Storm

9. Breathing Again

10. Out In The Real World

11. Nostalgia

12. Calliopeia