SKARNTYDE: Da jeg gr​å​t ved jordens ruiner [EP]

Dem Trend zum Bayerischen zum Trotz singen diese Black-Metal-Bayern auf Norwegisch – weil das grimmiger klingt? Die Thematik lässt’s vermuten: Es geht um nicht mehr und nicht weniger als das Ende der Welt wie wir sie kennen.

Ob die beiden Anarchisten, die jetzt mehrere Tage in einem Tunnel unter Lützerath ausgeharrt haben, um damit irgendwie die Welt zu retten, wohl SKARNTYDE hören? Vermutlich nicht: Die Vorliebe für rauen Black Metal alter Schule ist eher selten in diesen Kreisen, und außerdem haben die offenbar andere Sorgen. Thematisch indes würde es passen: SKARNTYDE betrauern auf “Als ich an den Ruinen der Erde weinte” – so der Titel ihrer EP ins Deutsche übersetzt – nicht mehr und nicht weniger als die drohende Öko-Apokalypse. Und dunkel ist ihre Musik auch. Tiefschwarz, um ganz genau zu sein.

Ja, mit Harmonie haben’s die beiden Herren aus Bayern nicht so: Es scheppert, sägt und knarrt gewaltig im Gebälk, der Klang ist trocken wie die mitteleuropäischen Sommer leider, und im Vordergrund wird geknurrt, dass es eine dunkle Freude ist. Man bewegt sich meist in gemächlichem Tempo durch die verwüsteten Landschaften, stolpert hier und da wie Polizisten im Schlamm, und alles in allem wirkt die Musik doch ein wenig zerfahren, so als hätte man Idee an Idee gefügt und wenig dem kreativen Fluss überlassen.

Wie verbittert kann man sein? SKARNTYDE: Ja.

Am besten funktioniert die Musik von SKARNTYDE beim dritten Stück dieses liebevoll von Trollmusic in Handarbeit aus Kraftkarton hergestellten knorrigen Kleinods, denn da darf der Schlagzeuger etwas länger die Blast Beats sprechen lassen und lässt sich nicht mehr so sehr von Stock und Stein irritieren. Die Gitarren jedoch laufen nie Gefahr, all zu episch oder atmosphärisch zu werden; dafür sind SKARNTYDE einfach zu verbittert. Die Welt ist schlecht, bald tot, und Schuld hat mal wieder wer? Na klar: der Mensch. Bzw. alle Menschen, die nicht auf SKARNTYDE gehört haben:

“Meine Verzweiflung über eure Lethargie in eurem Handeln, angesichts des Niedergangs, den ihr bewirkt, sie wächst und macht mich einsam. Wenn ihr aus dargelegten Zusammenhängen keine Schlüsse für euer eigenes Handeln ziehen könnt, wie soll es Hoffnung geben?”
(aus “Worte (für taube Ohren)”)

Ja, wie? Beziehungsweise: Wie bitte? Das soll ein Songtext sein? Kommen die Jungs etwa aus der Hardcore-Szene? Kurzer Blick aufs Bandfoto: Nein, lange Haare, eindeutig Metalheads. Egal, ist ja kein Lyrik-Wettbewerb hier, die Musik ist wie gesagt eh viel zu sperrig für das feine Wort, und außerdem haben SKARNTYDE ja alles ins Norwegische übertragen, um das Gefühl der guten alten Neunziger zu evozieren, in denen man sich noch um so Kinkerlitzchen wie Sauren Regen und das Ozonloch Gedanken gemacht hat und nicht um die totale Verwüstung der Erde durch globale Erwärmung. Passt schon; auch wenn ich natürlich wie immer zu meckern habe, dass es eben nicht Verantwortungslosigkeit ist, die den Planeten zerstört, sondern staatlicherseits ausgesprochen verantwortungsvoll garantiertes Wirtschaftswachstum durch private Vermehrung von Kapital.

Aber das schreie ich ja auch immer nur sinnlos gegen den Wind.

Spielzeit: 25:15 Min.

Veröffentlichung am 25.11.2022 auf Trollmusic und Schattenpfade

https://skarntyde.bandcamp.com/album/da-jeg-gr-t-ved-jordens-ruiner

SKARNTYDE “Da jeg gr​å​t ved jordens ruiner” Tracklist

1. Erkjennelser
2. Ord (vor døve ører)
3. Midt i ruinene