SHEPHERD: Laments

SHEPHERD: Laments

Nach der „Doomonstration“-CD legen SHEPHERD noch einen drauf und liefern zu ihrem Debütalbum eines der kultigsten Bandinfos, dir mir bisher unter die Augen gekommen sind, denn es lautet „DOOM“. Nicht mehr und nicht weniger. Und damit treffen sie den Nagel auf den Kopf, denn Doom ist an „Laments“ ist so ziemlich alles: Das Cover, welches aussieht wie das einer Hellhound-Veröffentlichung aus den frühen 90er Jahren (zufällig ist das SHEPHERD-Label ebenfalls in Berlin ansässig…), die düsteren, enorm stimmungsvollen Fotos im Booklet, die unter anderem einen Friedhof, Wälder sowie ein keltisches Kreuz zeigen, und natürlich die Musik. SHEPHERD bedienen sich mit einem Augenzwinkern sämtlicher Doomklischees und vorhandener Rezepte. Und das „Schlimme“ ist, man mag ihnen gar nicht böse sein, denn sie machen ihre Sache einfach verdammt gut. Ganz gleich, ob beim Opener, einem flotten Hippie-Doom-Rocker, der mit seinem coolen Gitarrenriffing einfach nur gute Laune macht, bei langsameren Songs wie „Times“ oder im Tempo variabel gehaltenen Stücken wie dem neunminütigen „Black Faced Witch“, das mit seinem bluesigen, auf einer Akustikgitarre gespielten Pentatonik-Outro heraussticht und einen das Hier und Jetzt völlig vergessen lässt. Hier wird klassischer Doom in Reinkultur fabriziert, immer wieder angereichert mit Feedbackorgien und versehen mit einer richtig dreckigen Produktion. Der eine oder andere wird vielleicht Probleme mit dem knarzigen Gitarrensound haben, dem es objektiv deutlich an Sustain mangelt, der aber den Retro-Faktor deutlich erhöht und wunderbar zur Musik passt.

Der Gesangsstil des Front-Schafhirten passt zum instrumentalen Fundament wie die Faust aufs Auge. Mit seinem etwas weinerlichen Sprechgesang erinnert er über weite Strecken des Albums verdammt stark an Lee Dorrian. Nicht nur die Phrasierungen sind ähnlich, es gelingt ihm sogar, ganz wie der CATHEDRAL-Sänger immer wieder leicht daneben zu liegen. Aber auch Scott Reagers muss als Referenz herhalten, wie etwa bei „Sleepless“.

SHEPHERD können mit „Laments“ dem Doom ganz sicher keine neuen Impulse geben, sondern betreten alte Pfade. Aber es sind genau diese Pfade, denen die Doom-Schafe liebend gerne folgen werden, denn SHEPHERD haben einen sicheren Tritt und rutschen nicht aus, um im Sumpf der Mittelmäßigkeit zu versinken.

VÖ: 18.04.2003

Spielzeit: 52:24 Min.

Line-Up:
Guitars, Bass, Drums and Vocals
Label: Exile On Mainstream Records

Tracklist:
1. Healing

2. Times

3. Suburban Boogie

4. Black Faced Witch

5. Sleepless

6. The Art Of Being Lost

7. The Coldest Day/The Story Of The Holy Drinker