SCARVE: Luminiferous

SCARVE: Luminiferous

Was habe ich mich letzens noch über die „Experimentierfreudigkeit“ der Franzosen KRONOS geärgert? Nun liegt mir wieder die CD einer französischen Band vor, den mir bisher gänzlich unbekannten SCARVE. Und eins ist sicher: Meine Meinung über französische Bands kann revidiert werden!

SCARVE könnte man mit STRAPPING YOUNG LAD und MESHUGGAH aufgrund deren Riffs und Songaufbauten vergleichen. Doch klingen sie um einiges verschärfter, mit Blast-Beats, und melodic Death Metal-Einflüssen. Dabei geht’s auch ziemlich modern zu, einige Samples geben der Musik den nötigen Pep. Als „New Age Death Metal“ wird die Musik von der Plattenfirma beschrieben, mit dem ich zwar nicht vollends übereinstimme, aber es doch einen Anhaltspunkt gibt.

Verrückt, aber nicht zu verrückt, muss es sein. Es ist SCARVE wichtig, sich von gängigen Schubladen abzugrenzen, trotzdem wirken sie dadurch niemals zu extravagant. Vielmehr wird in diese Originalität auch bekannte Zutaten gemischt. Diese besondere Form von Bodenständigkeit gibt schon mal einen Sympatiebonus. Die Musiker sind auch ziemlich fit, die Rhythmusarbeit ist schön tight und weicht auch oft von gängigen Schemen ab, so baut Drummer Dirk lieber mal ein paar Spielereien ein statt tausendfach gehörte Schalgzeuguntermalungen. Die Rhythmusgitarren sind ebenfalls schön vertrackt, was im Intro von „Crustcraper“ gut nachzuhören ist. Besonders hervor sticht der zweistimmige Gesang von den Sängern Pierrick und Guillaume. Während Pierrick den aggressiven, extremen Gesang übernimmt, gibt sich Guillaume den Melodien hin und klingt dabei wie eine Mischung aus Hevy Devy (STRAPPING YOU LAD, DEVIN TOWNSEND) und Pasi Koskinen (AMORPHIS). Ganz großes Lob an diese tolle Stimme! Ebensfalls superb sind die Gitarren-Leads, die sich manchmal ganz unterschwellig ins Hirn fräsen und sich dort einnisten.

Manchmal versinken allerdings einige Teile dieses Albums im Sumpf der Bedeutungslosigkeit. Sie scheinen etwas zu undurchdacht, die Hookline fehlt und selbst nach mehrmaligem Hören kann man immer noch nichts besonderes daran finden. Das hält sich aber in Grenzen, denn der positive Gesamteindruck überwiegt definitiv. Kein Wunder bei Songs wie „Capsized“ und „The Path to Aptopsis“. Außerdem wartet das Album mit einer Killer-Produktion von Daniel Bergstrand (hat auch SCARVE´s erstes Album „Translucence“ und deren große Vorbilder produziert, fragt jetzt ja nicht noch wer das sein könnte!) und einem tollen Artwork von Nailwork (u.a. SOILWORK, THEORY IN PRACTICE) auf. Vielleicht bedeutet „Luminiferous“ das Sprungbrett für eine ganz große Karriere…

Spielzeit: 44:13 Min.

Line-Up:
Pierrick Valence: Screams

Guillame Bideau: Melodies

Patrick Martin: Rythm Guitars

Sylvain Coudret: Rythm & Lead Guitars

Loic Colin: Bass

Dirk Verbeuren: Drums

Produziert von SCARVE & Daniel Bergstrand
Label: Listenable Recods

Homepage: http://www.scarve.net

Email: scarve@free.fr

Tracklist:
1. Emulate the Soul

2. Alteration

3. Crustcraper

4. Capsized

5. The Resonating Cycle

6. The Path to Aptopsis

7. Futile Resend

8. Serpent Speech

9. Infertile Ways

10. The Day After

11. Blackloaded