RPWL: The RPWL Experience

RPWL: The RPWL Experience

Auf ihrem letzten Album World through my eyes haben die Bayern-Proggies RPWL inhaltlich anscheinend alles erreicht, was ihnen wichtig war. Um nicht einfach platt an dieser Linie festzuhalten, haben sie sich für ihr fünftes Studioalbum The RPWL Experience komplett freigemacht und gehen laut Info nun neue Wege. Die alten Alben einschließlich einer Live-Scheibe kenne ich nicht, da muss das neue Album ganz für sich sprechen. Und das machte es sehr eindringlich, auch wenn es wohl eher nicht sooo sehr abweicht von den Alben, welche die Kollegen schon mal besprochen hatten.

RPWL orientieren sich sehr deutlich an den Großmeistern des Prog-Rock, PINK FLOYD. Nicht nur beim wirklich tollen Gesang, auch in den ausufernden Arrangements, die aber wie bei den Vorbildern immer schlüssig zu Ende gedacht sind. Ok, hier und da klaut man mal ganz direkt, aber wer macht das nicht, und hier passt es perfekt. Darauf beschränken lassen sich RPWL aber nicht, am Anfang von Breath in, breath out hab ich kurz an THE TEA PARTY gedacht, der Song entwickelt sich jedoch zu einem fluffig schwebenden Herzerwärmer, bei dem man unweigerlich mit ausgebreiteten Armen über blühende Wiesen tanzen möchte. Sie können auch ganz anders und überraschen zum Beispiel mit ur-britischen Klängen mit starken BEATLES/PAUL McCARTNEY-Anleihen, die auch Freunde des aktuellen Brit-Rock ansprechen dürften. Fixpunkte bleiben aber die Verbeugungen vor PINK FLOYD und das Warten auf ein Lebenszeichen der Prog-Rentner wird deutlich entspannter. Wenig überraschend, wenn man sich etwas umsieht und erfährt, dass RPWL anscheinend als PINK FLOYD-Coverband angefangen haben. Selbst das BOB DYLAN-Cover Masters of war wird auf diese Weise veredelt, aber auch andere Bands des 70er Prog-Rock werden zitiert. Gelegentlich geht die Band aus Freising auch mal überraschend heftig rockend nach vorn, dann denkt man vielleicht etwas an ENCHANT, was den absolut tollen ruhigen, manchmal auch dezent melancholischen Momenten noch mehr Tiefe gibt, oder begibt sich mit Mellotron-Gewabber in die psychedelische Ecke und macht Ausflüge zum Alternativ-Rock. Tiefe haben zudem auch die Texte, die mal nachdenklich, mal sehr direkt den hohen Anspruch der Band an sich selbst belegen. Beim locker-flockigen This is not a prog song hingegen präsentieren sie sich ironisch mit einem Augenzwinkern, da stand sicher der schräge 83er Hit This is not a love song von PUBLIC IMAGE LTD (bzw. PIL) Pate.

World through my eyes bringt alles mit, was man sich als Prog-Rocker wünscht: anspruchsvolle Klänge, die mal vertraut, mal erfreulich anders klingend dazu einladen, sich mit der CD zu beschäftigen und auch mal wegzuträumen vom Alltag. Egal ob nun unterm Kopfhörer, beim Autofahren oder beim Plausch in gemütlicher Runde, diese Scheibe macht viel Spaß.

Veröffentlichungstermin: 29.02.2008

Spielzeit: 67:05 Min.

Line-Up:
Yogi Lang – Gesang, Keyboards
Karlheinz Wallner – Gitarre
Christian Postl – Bass
Manni Müller – Drums

Produziert von RPWL
Label: InsideOut Music/SPV

Homepage: http://www.rpwl.net

Tracklist:
1. Silenced
2. Breath in, breath out
3. Where can I go
4. Masters of war
5. This is not a prog song
6. Watch myself
7. Stranger
8. River
9. Choose what you want to look at
10. Turn back the clock

Frank Hellweg
Frank (“WOSFrank”) ist seit 2002 bei vampster und alt genug, um all die spannenden Bands live gesehen zu haben, als die selber noch jung und wild waren! Er kümmert sich um Reviews, News und andere Artikel sowie um interne Hintergrundarbeit. Lieblingsbands: TROUBLE, CANDLEMASS, BLACK SABBATH, SWALLOW THE SUN. Genres: Doom, Stoner, Classic/Retro/Hard Rock, US/Power Metal, Southern/Blues Rock, Psychedelic/Progressive Rock, Singer/Songwriter.