RORCAL: Myrra, Mordvynn, Marayaa

RORCAL: Myrra, Mordvynn, Marayaa

Schon auf der Kollaboration Ascension mit KEHLVIN konnten RORCAL zeigen, dass sie es verstehen, die zermalmende Langsamkeit besonders stilvoll zu gestalten. Mit ihrem Debütalbum, dass noch schwerer verdaulich und heftiger ist, wie es der unorthodoxe Albumtitel vermuten lässt, geht der Wahnsinn in die nächste Runde. Riesige, gnadenlose Riffwände bauen sich auf, erscheinen so trist und sind so kalt, wie die Eiswüsten in Sibirien, sind ebenso harmonisch wie die klirrende Kälte. Ein wirklicher Abenteuertrip ist dieses Album, da ist eine gute Vorbereitung essentiell. Also, warm angezogen, das Sitzfleisch trainiert, tief Luft geholt und vor allem Zeit genommen.

Myrra, Mordvynn, Marayaa ist ein Album, dass den Hörer geradezu zerquetscht, es scheint zunächst so, als würde es nur drücken, quetschen, drücken, quetschen, so lange bis der letzte Tropfen Blut aus dem Körper verschwunden ist. Entsprechend brutal ist dieses Album, entsprechend anstrengend ist es, vor allem der Großteil der ersten Songs Aurore und Savernaya. Hintern den Wänden aus ultratiefen und schweren Riffs, steckt jedoch immer ein Funken Licht. Wie eine dichte Wolkendecke reißen melodische Einschübe die Finsternis entzwei, so dass scheinbar ungehindert die Sonne hindurch bricht und für Erblindung sorgt. Egal ob leise und melancholisch oder monströs und wütend, alles, was RORCAL anpacken ist von einer ungemeinen Gewalt geprägt.

Und so fließt das Album 75 Minuten lang dahin. Es ist eine Erfahrung, dieses Album ins sich aufzunehmen. Eine Erfahrung, die zunächst eher wie eine Qual anmutet, denn bis das Myrra, Mordvynn, Marayaa zumindest ansatzweise gezündet hat, vergeht viel Zeit. Dafür kristallisiert sich immer mehr und mehr Schönheit heraus, mehr Substanz, mehr Logik. Und dann merkt man, dass Songs wie Ether und Ataraxia eigentlich nichts anderes als wunderschön sind. Als würden THE OCEAN zu Zeiten von Fluxion auf DIRGE und BURIED AT SEA treffen, befinden sich RORCAL jenseits von klassischen Herangehensweisen des Doom oder Sludge-Genres. Somit haben sie jede Menge Möglichkeiten sich frei zu entfalten, ihren eigenen Weg zu gehen.

Und obwohl jederzeit irgendwelche Einflüsse bei RORCAL hindurchschimmern, gab es so ein Album bislang noch nicht zu hören. Das Quintett aus der Schweiz folgt einer Intuition, die schon fast selbstmörderisch ist, denn wer hört sich das schon freiwillig an? Die Antwort ist ganz einfach, denn RORCAL hegen keine Erwartungen seitens des Erfolges, viel mehr schneidern sie ihr monolithisches Gebräu auf das kleine Klientel zu, dass diesem Nihilismus etwas abgewinnen kann. Zu dissonant und brutal für Doom Metal-Fans, zu langsam und erdrückend für Post Hardcore-Anhänger und genau da liegt der Reiz dieses mächtigen Werks.

So konsequent das unglaubliche Material ist, so ist auch das Soundgewand, denn die Gitarren und der Bass sind so heftig und tief, das Schlagzeug peitscht so brachial und das Gebrüll ist so krass, dass man keine Chance zu atmen mehr hat. Aus all diesen Elementen entsteht mit Myrra, Mordvynn, Marayaa ein Debütalbum, das in seiner Intensität nur schwer zu überbieten ist, wenngleich es nur einem wirklich kleinem Teil dieser Welt zusagen wird. Dieser jedoch wird begeistert sein. Und nach einem langen, langen Anlauf gehöre ich eindeutig in diese Kategorie. Wer langsame, brutale Musik auf einem neuen Level erleben will, der muss hier reinhören.

Veröffentlichungstermin: September 2008

Spielzeit: 74:13 Min.

Line-Up:
Junior – Vocals
JP – Guitar
Diogo – Guitar
Bruno – Bass
Ron – Drums

Produziert von Stéphane Kroug & RORCAL
Label: Thundering Records

Homepage: http://www.rorcal.com

MySpace: http://www.myspace.com/doomrorcaldoom

Tracklist:
1. Aurore
2. Savernaya
3. As Doubt Grew from Her Soul
4. Norys
5. Dysrethmia
6. Tension Echoed from the Heart of the Ocean
7. Ether
8. Ataraxia
9. And from Their Corpses a New Chapter Begins