RED HARVEST: Internal Punishment Programs

RED HARVEST: Internal Punishment Programs

Nein, sie sind noch nicht von einem Raumschiff entführt worden: RED HARVEST waren höchstens für ein paar kurze Abstecher mit kleinen grünen Hilfsmitteln im All und beglücken uns wieder mit ihren Weltuntergangshymnen. Wie erwartet ist Internal Punishmeht Programs weder ein Album geworden, dass man sich jederzeit anhören kann, noch ist es für die sonnigen, schönen Tage im Jahr geeignet. Die böseste Industrial-Band der Erde meldet sich wieder und prompt wird es kalt und finster.

Im Gegensatz zu Sick Transit Gloria Mundi gibt es wieder mehr Metal, dafür weniger Elektronik. Das soll nicht heißen, dass die Norweger ihren Stil radikal geändert haben, sie haben sich lediglich auf den Faktor Brutalität fokussiert und nehmen dieses Mal entgültig keine Gefangenen. Die Songs treten einerseits in die Fresse, andererseits fühlt sich der Hörer wie in einem Strudel, wird im Raum von einer Ecke zur anderen geschleudert. Heavy waren RED HARVEST schon immer, aber dieses Mal setzen sie dem ganzen die Krone auf. Wo Sick Transit Gloria Mundi wie ein sich wie ein eiskaltes Händchen anschickte, den Rücken herauf zu krabbeln, packt das Quintett dieses Mal geradezu bestialisch den Holzhammer aus und knallt ihn dem Hörer mal groovig, mal pfeilschnell in die Fresse.

Ich hab mich schon oft gefragt, wie es RED HARVEST schaffen, so dermaßen fies und böse zu klingen, wo sie doch eigentlich nichts allzu Besonderes machen. Sind es die kranken und fiesen Vocals von Ofu Kahn oder ist es die mordsmäßig fette Produktion? Ich habe es nicht herausgefunden, aber das Wichtigste ist eh etwas anderes: Jedes Riff von RED HARVEST ist charakteristisch, die Originalität kommt nicht krampfhaft gewollt, sie ist einfach da. Brutale Tracks wie Anatomy of the Unknown, zu dem es auch ein herrlich trashiges Video zu sehen gibt, Fall of Fate, Mekanizm und Wormz sind keine typischen Metalsongs, es sind brutale Tritte in die empfindlichsten Teile des Körpers. Dennoch ist Soundtüftler Lrz. nicht arbeitslos: Oftmals finden sich seine kranken Snythis nur im Hintergrund, geben aber eine ganz spezielle Atmosphäre an die Songs. In Abstract Morality Junction und Synthesize My DNA spielt er jedoch die Hauptrolle und zeigt, dass man nicht Metal machen muss um brutal zu klingen.

RED HARVEST haben mit ihrem achtem Output ein komplett anderes Album als den Vorgänger geschaffen, sind dennoch unverkennbar RED HARVEST geblieben. Brutaler und eingängiger waren sie nie, der direkten Ausrichtung des Material sei es gedankt. Meiner Meinung nach ist Internal Punishment Programs einen Tick besser als sein Vorgänger, auch wegen der mordsmäßig fetten Produktion. Wer also immer noch meint, RED HARVEST bieten leichte Kost, den will ich hiermit warnen: Epileptische Anfälle, erhöhte Anfälligkeit für Misanthropie und obszessive Abhängigkeit sind bei dieser Scheibe, die an der anderen Härteskala von MINISTRY und Co. steht, durchaus möglich.

Veröffentlichungstermin: 27. September 2004

Spielzeit: 40:46 Min.

Line-Up:
Ofu Kahn – Guitars, Vocals, Maximum Brutalicus

TurboNatas – Guitars

Thomas B. – Bass

E_Wroldsen – Drums

Lrz. – Samples, Programming, Synths

Produziert von RED HARVEST
Label: Nocturnal Art Productions

Homepage: http://www.redharvest.com

Email: mail@redharvest.com

Tracklist:
1.

2. Anatomy of the Unknown

3. Fall of Fate

4. Abstract Morality Junction

5. Mekanizm

6. Symbol of Decay

7. Teknocrate

8. Synthesize My DNA

9. Wormz

10. 4-4-1-8

11. Internal Punishment Programs

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle