RED HARVEST: The Red Line Archives

RED HARVEST: The Red Line Archives

Prinzipiell steckt hinter The Red Line Archives ein interessantes Konzept. RED HARVEST, die mit ihrem letztjährigen Werk A Greater Darkness leider enttäuschten, haben in der Vergangenheit genügend Remixe und rares Zeug gesammelt, das nur darauf wartete, irgendwann den Fans das Geld aus der Tasche zu ziehen. The Red Line Archives versucht aber aus zusammengeklauten alten Songs, raren Remixen und unveröffentlichten Nummern ein neues Full-Length-Album zu erzeugen.

Das mag für diejenigen klappen, die mit RED HARVEST noch keinerlei Berührung hatten. Wenn die ersten düsteren Töne von Songs wie Dead, Abstract Morality Junction, Synthesize My DNA oder Desolation erklingen, weiß der Fan sofort, wer hier an der Arbeit ist, ergo klingt es unmissverständlich nach Compilation. Nun, das Album ist auf jeden Fall durchaus interessant. Einerseits geben die Remixe dem Material ein neues Gesicht, meistens jedoch hätte man hier kompromissloser und brutaler zu Werke gehen können und die Songs so verfremden müssen, dass getanzt wird bis zum Umfallen, mit Ausnahme vom Opener Move or Be Moved, bei dem genau das eingetreten ist.

The Red Line Archives ist also inkonsequent und größtenteils leider unnötig, schließlich gibt es fast die gleichen Versionen der meisten Songs auf Sick Transit Gloria Mundi und Internal Punishment Programs zu hören, die eh das Publikum der Band zu Hause im Regal stehen hat. Dennoch gibt es einige Gründe, zumindest für Sammler, sich diese Scheibe anzueignen. Die bisher unveröffentlichten Stücke sind nämlich ziemlich geil. Bleed, ein neu eingespieltes Stück von 1996, ist purer, verzerrter Lärm, der den Schädel platzen lässt. Das abschließende The Central Sun – Part 1 ist ebenfalls ein Hirnfick per excellence, der eingeleitet von einem Kinderchor wird und zu einem bizarren, elektronischem Weltuntergangsszenario verkommt.

Dennoch, The Red Line Archvies ist wirklich nur etwas für die sammelwütigen Fans der Band um den gemeingefährlichen Sänger und Gitarrist Ofu Khan. Wer in Sachen RED HARVEST jedoch erstmal Fuß fassen will, der sollte sich die unheilige Dreifaltigkeit Cold Dark Matter, Sick Transit Gloria Mundi und Internal Punishment Programs auf der Zunge zergehen lassen.

Veröffentlichungstermin: 16. Mai 2008

Spielzeit: 46:44 Min.

Line-Up:
Ofu Khan – Vocals, Guitar
Selveste TurboNatas – Guitar
Thomas B – Bass
E_Wroldsen – Drums
LRZ – Samples, Programming, Synthesizer

Label: Indie Recordings

Homepage: http://www.redharvest.com

Tracklist:
1. Move or Be Moved (Full Version Mix 2008)
2. Dead (Sick Transit Gloria Mundi – 2002 :: Refactor 2008)
3. Last Call (Cold Dark Matter – 2000)
4. Abstract Moral – Junction Mix (Internal Punishment Programs – 2004, Remix 2008)
5. Synthesize My DNA (Internal Punishment Programs – 2004)
6. Bleed (1996 / 2008)
7. 4418 (Internal Punishment Programs – 2004)
8. Desolation (Sick Transit Gloria Mundi – 2002)
9. Technocrate (Dunkelheit Version 2008 Mix)
10. Cyborg Era / Dead End (Remix 2008)
11. The Central Sun – Part 1 (1996)

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle