PARKWAY DRIVE: Viva The Underdogs

PARKWAY DRIVE: Viva The Underdogs

„This has been the best show I have ever played in my whole fucking life!”, lässt uns ein ekstatischer Winston McCall im finalen “Bottom Feeder” wissen. Das sind große Worte, die wohl aber all jene bestens nachvollziehen können, die entweder im vergangenen Jahr live vor Ort waren oder den Live-Stream des WACKEN OPEN AIR 2019 mitverfolgten. Was an jenem Abend auf dem größten Metal-Festival der Welt passiert ist, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Vielleicht haben sich PARKWAY DRIVE auch deshalb dazu entschieden, ihren beeindruckenden Headliner-Gig als Live-Dokument festzuhalten.

Begleitend zur gleichnamigen Dokumentation erscheint mit „Viva The Underdogs“ ein Konzertalbum, das die besten Voraussetzungen hat, in manchen Aspekten gar brilliert und sich am Ende doch selbst im Weg steht. Wie das sein kann, ist schnell erklärt. Zunächst aber klappt uns jedoch ob des erstklassigen Audiomix die Kinnlade herunter.

Der Audiomix von „Viva The Underdogs“ ist ein Fest

Das basslastige Schlagzeug ist druckvoll, der Sound für eine Live-Aufnahme schön fett und doch so transparent, dass wir die einzelnen Instrumente problemlos wahrnehmen können. Selbst die Backing-Tracks, welche die Australier auch live verwenden, überschatten die restlichen Audiospuren keineswegs: Das Publikum hören wir nicht nur zwischen den Songs; die lautstarken Fans dringen auch während den Klassikern „Idols & Anchors“ und „Wild Eyes“ zu uns durch.

Dass Frontmann Winston McCall zudem einen guten Tag erwischt hat, freut uns umso mehr, weil die Screams sitzen und die eingestreuten Growls mit einer extra Portion Boshaftigkeit aus der Magengegend kommen. Kurzum, an der Aufnahme liegt es nicht, dass „Viva The Underdogs“ ins Straucheln kommt, zumal die übertriebene Nachbearbeitung wie das künstlich anmutende Klatschen im Clip zur Single „Wild Eyes“ [Link zu YouTube] aus dem finalen Produkt gestrichen wurde.

PARKWAY DRIVE opfern die Spannungsbögen ihres Live-Sets

PARKWAY DRIVE stolpern vielmehr über ihre eigene Stärke: Wer das Quintett im vergangenen Jahr auf der „Reverence“-Tour live erlebt hat, weiß um die dramaturgische Inszenierung ihres Live-Sets. Fast wie im Theater unterteilt sich das Programm in verschiedene Akte, die gewisse Spannungsbögen durchziehen. Genau diese Dramaturgie opfern PARKWAY DRIVE für einen stark gekürzten Mitschnitt, der wohl mehr auf Spotify-Playlists denn auf ein kohärentes Konzerterlebnis optimiert ist.

So wurde das Intro zum Band-Hit „Wild Eyes“ kurzerhand entfernt, was den irritierenden Effekt hat, dass das Publikum die einleitende Leadgitarre vom ersten Ton an in voller Lautstärke mitsingt. Analog wirken die Übergänge zwischen den einzelnen Tracks manchmal arg gehetzt und wenig stimmig. Dass die CD mit „Prey“ startet und nicht dem der Schere zum Opfer gefallenen Opener „Wishing Wells“, merken wir aufgrund des halbherzigen Fade-Ins schmerzlich.

Den deutschen Fans machen PARKWAY DRIVE ein gut gemeintes Geschenk

Als Wiedergutmachung gibt es drei Bonustracks in deutscher Sprache: „Vice Grip“ („Würgegriff“) und „The Void“ („Die Leere“) hat Sänger Winston McCall in deutscher Sprache neu eingesungen und macht dabei eine erstaunlich gute Figur. Bei „Schattenboxen“ (orig.: „Shadow Boxing“) übernimmt Rapper CASPER, der für die Band auch die übrigen Texte ins Deutsche übertragen hat, schließlich den Sprechgesang in der Bridge. Genau wie die anderen beiden Dreingaben handelt es sich dabei aber eher um eine nette Geste an die hiesigen Fans – in drei von drei Fällen ziehen wir die Originalfassung vor.

Auch deshalb sind wir nach rund 67 Minuten hin- und hergerissen. Sobald die Musik ertönt, können wir uns im mächtigen Live-Sound PARKWAY DRIVEs geradezu verlieren. Weil der Mitschnitt aber eher eine Aneinanderreihung von Songs, denn ein in sich geschlossenes Konzerterlebnis bietet, fällt es uns schwer, dasselbe überschwängliche Resümee zu ziehen wie Sänger Winston. Aber wer weiß, vielleicht haben PARKWAY DRIVE noch Erbarmen und lassen uns irgendwann die beste Show ihrer Karriere doch noch in voller Länge und vor allem audiovisuell auf BluRay nacherleben.

Das komplette PARKWAY DRIVE-Konzert auf dem WACKEN OPEN AIR steht noch bis zum 5. August 2020 via MagentaMusik360 auf Abruf bereit.

Zum Live-Mitschnitt auf magenta-musik-360.de

Veröffentlichungstermin: 27.3.2020

Spielzeit: 67:15

Line-Up:

Winston McCall – Vocals
Luke Kilpatrick – Gitarre
Jeff Ling – Gitarre
Jia O’Connor – Bass
Ben Gordon – Drums

Label: Epitaph Records

Homepage: http://www.parkwaydriverock.com
Facebook: https://www.facebook.com/parkwaydrive/

PARKWAY DRIVE “Viva The Underdogs” Tracklist

01. Prey (Live at Wacken)
02. Carrion (Live at Wacken)
03. Karma (Live at Wacken)
04. The Void (Live at Wacken) (Video bei YouTube)
05. Idols & Anchors (Live at Wacken)
06. Dedicated (Live at Wacken)
07. Absolute Power (Live at Wacken)
08. Wild Eyes (Live at Wacken) (Video bei YouTube)
09. Chronos (Live at Wacken)
10. Crushed (Live at Wacken)
11. Bottom Feeder (Live at Wacken)
12. Würgegriff (Vice Grip)
13. Die Leere (The Void) (Lyric-Video bei YouTube)
14. Schattenboxen (Shadow Boxing) feat. CASPER

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.