PARKWAY DRIVE: Viva The Underdogs [Film]

PARKWAY DRIVE: Viva The Underdogs [Film]

FULL FORCE, JERA ON AIR, RESURRECTION FEST, SUMMER BREEZE und schließlich WACKEN. Eigentlich erscheint es absurd bis realitätsfern, dass eine Band, die im Sommer 2019 die größten Metal-Festivals Europas als Headliner anführte, das erfolgreichste Jahr ihrer Bandgeschichte unter dem Motto „Viva The Underdogs“ Revue passieren lässt. Fakt ist: PARKWAY DRIVE sind oben angekommen. Dass das Quintett aus dem kleinen Badeort Byron Bay an der Ostküste Australiens überhaupt dorthin kommen konnte, ist die eigentliche Sensation.

„Viva The Underdogs“ ist aber kein Werk der Nostalgie, keine Nacherzählung der ereignisreichen und arbeitsintensiven Bandhistorie seit den Anfängen der Formation im Jahr 2003. Diesen Blickwinkel ermöglicht bereits die Dokumentation „Home Is For The Heartless“ (2012). Regisseur Allan Hardy setzt dagegen Anfang 2019 an, als sich PARKWAY DRIVE gerade auf ihre Tournee zum Album „Reverence“ (2018) vorbereiten.

PARKWAY DRIVE machen keine halben Sachen

Es kommt nicht von ungefähr, dass die Band in Berlin zu diesem Zeitpunkt eine geradezu wahnwitzig anmutende Show testet. Hinter allem, was PARKWAY DRIVE auf dieser Tour machen, steckt ein Ziel: Sie wollen an die Headliner-Slots der großen Festivals im Sommer. Um das zu erreichen, habe man alles auf eine Karte gesetzt. Gewinn mache man mit der Tour nicht, erklärt Frontmann Winston McCall, während kurz darauf meterhohe Flammensäulen durch die Halle schießen. Ob das nicht ein bisschen zu viel sei, hören wir ein Crewmitglied fragen. Gitarrist und Band-Manager Luke wiegelt aber umgehend ab: Das sei schon in Ordnung so.

Blicke hinter die Kulisse wie diese zeigen uns, warum das Projekt PARKWAY DRIVE letzten Endes so erfolgreich ist: Die Australier machen keine halben Sachen. Im Gegenzug zahlt sich der Mut ihrer Entscheidungen aus: Die Tour ist ausverkauft, die Fans sind außer sich und die Sommerfestivals quasi in der Tasche.

Natürlich zelebriert „Viva The Underdogs“ in erster Linie die Leistungen der Band

„Viva The Underdogs“ macht glücklicherweise nicht den Fehler, zu einer glorifizierten Ansammlung von Interviews zu verkommen. Regisseur Allan Hardy gewährt uns regelmäßig Einblicke hinter die Bühne, die mit spektakulären und fantastisch geschnittenen Live-Impressionen abgerundet werden. Zwischendurch gesteht uns der Film gar ein paar kurze Eindrücke aus dem Privatleben der Australier zu, doch Charakterporträts dürfen wir nicht erwarten. „Viva The Underdogs“ ist eine Dokumentation über die Band PARKWAY DRIVE und nicht zuletzt ein großer Klopfer auf die eigene Schulter.

Natürlich zelebriert der Film ganz unverhohlen die Leistungen der fünf Musiker und ihrer Crew im vergangenen Jahr. Problematisch aus cineastischer Sicht ist dabei lediglich, dass es für PARKWAY DRIVE fast zu gut gelaufen ist. Während die Band von einem Hoch zum Nächsten eilt, müssen eine Sturmwarnung und ein fehlgezündeter Pyro-Effekt für den dramaturgischen Tiefpunkt sorgen. Entsprechend kleinlich wirkt die Frustration von Sänger Winston McCall, als einmal nicht alles nach Plan läuft.

„Viva The Underdogs“ ist ein Statement

Der Festival-Sommer für PARKWAY DRIVE kulminiert schließlich wie „Viva The Underdogs“ selbst in der Headliner-Show auf dem WACKEN OPEN AIR 2019, wo die Australier vor rund 50.000 Leuten auftreten. Atemberaubende Aufnahmen und ein knackiger Live-Sound fangen die elektrisierende Energie des Abends auf grandiose Art und Weise ein, während zu „Prey“ ein schierer Ozean aus Menschen auf und ab springt und sich zu „Karma“ gleich mehrere Circle Pits bilden. Im Schnelldurchlauf erleben wir die Highlights der Show nach, wobei leider nicht jeder Schnitt und jeder Übergang gleich natürlich gelungen ist.

Nichtsdestotrotz sprechen diese Aufnahmen für sich. Beim Anblick der sieben Meter hohen Feuersäulen und den durchdrehenden Fans vor der Bühne erscheint es uns auf einmal nicht mehr als Sensation, dass ausgerechnet PARKWAY DRIVE das größte Metal-Festival der Welt anführen sollten. WACKEN 2019 mag das Ziel gewesen sein, doch seinen Anfang nahm die Reise dorthin vor rund 17 Jahren in einem kleinen Badeort an der australischen Ostküste. Und plötzlich ist auch der Titel dieser Dokumentation gar nicht mehr so absurd, geschweige denn realitätsfern, sondern ein Statement: „Viva The Underdogs“.

Veröffentlichungstermin: 22.01.2020

Spielzeit: 76 Min.

FSK: 12

Regie: Allan Hardy

Cast

Winston McCall
Luke Kilpatrick
Jeff Ling
Ben Gordon
Jia O’Connor

Label: Epitaph Records

Homepage: https://parkwaydriverock.com/

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.