PAN & ME: Paal

Jazz, Ambient und das Gefühl, dass alles gut werden wird.

Hallo Heimathafen, lange nicht gesehen. Die raue See hat dafür gesorgt, dass wir uns nicht schon früher wieder näher kamen. Der Soundtrack der Heimatlosen hat mich begleitet, ein Verlorensein auf hoher See, in einer fremden Welt voller Geister und ruheloser Seelen. Viele vor mit hat die See schon zu sich geholt, in ihren nassen Schoß. Paal ist der Soundtrack des Verlustes, des Verlustes von sich selbst. PAN & ME, das ist Christophe Mevel von DALE COOPER QUARTET AND THE DICTAPHONES, erzeugt in einer unbändigen Ruhe eine brodelnde Stimmung, die jederzeit auszubrechen droht. PAN & ME ist elektronische, im Jazz verwurzelte Musik, die in keiner dieser beiden musikalischen Welten zuhause ist. Egal ob es hypnotisch und Ambientlastig wird, wie im zehnminütigen Opener The Lighthouse At Two Lights, ob es eine düstere, sich immer weiter verfremdende Klavierballade wie Unalaska ist, ob es mit ein paar spastischen Rhythmen ausgestattet wird, wie in The Everlasting Fog, ob komplett entrückt und introvertiert wie Bush Leaf Dreaming, mit Trip Hop liebäugelnd, wie im stärksten Stück der Platte 53° 18´N 167° 52´W oder feierlich und fatalistisch wie auf dem nicht minder guten Abschluss The Clearing, der wie ein Heimkehren klingt.

PAN & ME erzeugen in nur fünfunddreißig Minuten eine totale Sogwirkung, die nur während Bush Leaf Dreaming etwas nachlässt. Insgesamt wirkt das Album wie Alkohol, der langsam aber sicher zu wirken beginnt. Paal ist ein Album, das wie ein abstraktes Zwischending aus FENNESZ und AMON TOBIN klingt, dabei stets erkennen lässt, dass hier ein Musiker von DALE COOPER QUARTET AND THE DICTAPHONES die Hand an den Tasten hat. Christophe Mevel zeigt unendlich viel Gefühl, ist ein Poet, der sich Zeit lässt und genau im richtigen Moment das richtige Instrument zur Hand hat. Anfangs wirkt Paal vielleicht ein wenig langatmig und unspektakulär, doch dass wird zum großen Vorteil des Albums. PAN & ME hat es nicht nötig mit Effekthascherei zu prahlen, die Atmosphäre und das Besondere an der Musik kommt durch diese stoische Ruhe, dieses schaukelnden Masts auf dem Boot bei rauer See. Nein, dieses Mal versinken wir nicht in das blaue, nasse Grab. Immer getreu dem Motto, es wird schon alles gut werden. The Clearing beweist, dass tatsächlich alles gut wird und wir wieder daheim sind. Im Vorfeld habe ich von PAN & ME einfach ein Soloalbum von einem Musiker erwartet, der ein wenig experimentieren wollte. Schön, dass es mehr weit mehr als das geworden ist.

Veröffentlichungstermin: 24. Februar 2012

Spielzeit: 35:35 Min.

Line-Up:

Christophe Mevel

Label: Denovali Records

Homepage: http://www.denovali.com/panme/

Mehr im Netz: http://www.facebook.com/pages/Pan-Me/118955054856269

Tracklist:

1. The Lighthouse At Two Lights
2. Unalaska
3. The Everlasting Fog
4. Bush Leaf Dreaming
5. 53° 18´N 167° 52´W
6. The Clearing