PAN & ME: Ocean Noise

Auf Jacques Costeaus Spuren: PAN & ME verlieren sich in der Tiefsee.

Im Atlantik, westlich vom europäischen Festland liegt eine Schlucht, die größer ist als der Grand Canyon. Kaum vorstellbar für uns, die an das einfache Leben der Oberfläche gewohnt sind, und unvorstellbar, was alles am schwarzen Grund dieses Weltmeeres liegen könnte. Christophe Mevel wagt einen Tauchgang, stürzt sich in die Fluten, und plötzlich wird alles ruhig, still, leise, feierlich. Wie ein Tor ins Jenseits, wie ein stiller, ruhiger Tod. In der Welt von PAN & ME liegt die See still da und ist sanft und kalt. Ocean Noise ist weniger die stürmische Brandung der Bretangne, viel mehr dafür das dunkle, schwer zu ergründende Unterwasserleben.

Wo DALE COOPER QUARTET & THE DICTAPHONES ihren elektronischen, avantgardistischen Jazz voller Intensität und Verruchtheit ins Hirn fräsen, so ist PAN & ME sehr zurückhaltend. Mevel, Gründer von DALE COOPER QUARTET & THE DICTAPHONES und beinahe alleiniger Musiker bei PAN & ME, wählt eine ganz andere Herangehensweise bei Ocean Noise, seine Handschrift ist aber stets klar erkennbar. Die Klangfarben sind dunkel, schimmern, reflektieren. Eine Menge Synthesizer, Drone-Gitarren und Streicher erzeugen eine unheimliche Welt des Wassers, je tiefer wir sinken, umso stärker wird der Druck, umso dichter wird die Instrumentierung, umso lauter, komplexer und fordernder wird die Musik. Der Nachfolger von Paal bietet eine Menge zu entdecken, hat eine ganz eigenwillige Atmosphäre, ist poetisch aber nicht kitschig, sanft und auf zurückhaltende Art und Weise doch irgendwie brutal.

PAN & ME spaziert nur selten am Meeresgrund entlang, kämpft an gegen Strömungen und verliert die Zeit aus den Augen. Ocean Noise hat vielleicht deshalb mit ein paar wenigen Längen zu kämpfen, die aber nur in den extralangen Stücken vorkommen. Zweiundsiebzig Minuten dauert das, was Jacques Costeau gebraucht hätte, um seine Filme zur spirituellen Erfahrung werden zu lassen. PAN & ME Musik geht unter die Haut, schneidet in den besten Momenten die Luft zum Atmen ab, ist in all seiner Subtilität sehr breit gefächert, ist hier und da fast neoklassisch (Yotsuya Station), dann wieder nah an BERSARIN QUARTETT (La Jetee), erinnert mal an ULVER (Re-Wind), greift Themen von DALE COOPER QUARTET & THE DICTAPHONES auf (Fahrenheit) und kann schier losgelöst von Zeit und Raum dahinfließen (A Bigger Grand Canyon und The Sea Is So Quiet). Am Ende tauchen wir auf, als Geist unter Menschen. Als wären wir ertrunken und unsere Seele verweigert sich, dies einzugestehen. Das ist beinahe philosophisch. Und endlos schön.

Veröffentlichungstermin: 19. September 2014

Spielzeit: 71:49 Min.

Line-Up:
Christophe Mevel – Instrumente

Gastmusiker:
Cyril Pansal – Found-Sounds, Guitars
Gaelle Kerrien – Vocals

Label: Denovali Records

Homepage: http://www.denovali.com/panme

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/panandme

Tracklist:
1. Yotsuya Station
2. La Jetee
3. Oberland
4. A Bigger Grand Canyon
5. Le Rose Du Bleu
6. Nickel Empire
7. Fahrenheit
8. Parchemin
9. The Sea Is So Quiet
10. Viva
11. Sun In An Empty Room
12. Re-Wind