OF MICE & MEN: Echo

OF MICE & MEN komplettieren ihre EP-Trilogie und fassen sie zum Jahresabschluss zu einem runden Gesamtwerk zusammen. “Echo” ist nicht der große Metalcore-Wurf, stimmt jedoch auch dank des routinierten Songwritings und eines überzeugenden letzen Drittels versöhnlich.

Im Idealfall ist ein künstlerisches Werk mehr als lediglich die Summe seiner Teile. Ob sich aus der Makroperspektive eine neue Wertigkeit ergeben würde, war dann auch die große Frage, die „Echo“ im Vorfeld begleitete. Denn mit den beiden EPs „Timeless“ (2021) sowie „Bloom“ (2021) hatten OF MICE & MEN das Material ihres neuen Albums bereits zuvor etappenweise unters Volk gebracht und dabei einen gefestigten, aber wenig spektakulären Eindruck hinterlassen.

Ein drittes Mini-Album („Ad Infinitum“) – drei Eigenkompositionen und das abschließende Electronic-Ambient-Cover „Helplessly Hoping“ (CROSBY, STILLS & NASH) – soll nun die Leerstellen füllen, ja vielleicht sogar ein spätes Metalcore-Highlight aus der Track-Sammlung machen. Eines direkt vorweg: Zum euphorischen Siegeszug mutiert „Echo“ allein dadurch nicht unbedingt, obwohl wir OF MICE & MEN zugutehalten müssen, dass sie im letzten Drittel mit dem mutigen Cover-Song sowie der atmosphärisch dichten Powerballade „Fighting Gravity“ tatsächlich neue Wege gehen. Während Letzteres dank Instrumentierung und Melodiebögen in den Strophen etwas an die melancholischen Momente von ARCHITECTS erinnert, bringt Sänger Aaron Pauley im ausdrucksstarken Refrain sein heimliches Pop-Faible in packender Weise zum Ausdruck.

Die düstere Grundstimmung von “Echo” passt zum pandemiegebeutelten Jahr 2021

Diese emotionalere Seite harmoniert gut mit den harten Stücken à la „Mosaic“ oder „Pulling Teeth“, wo sich der Frontmann mit Wut im Bauch den tief gestimmten Gitarren entgegenstemmt. Das macht aus „Echo“ insgesamt ein schlüssiges Werk, dessen düstere und farblose Grundstimmung irgendwie auch zum pandemiegebeutelten Jahr 2021 passt. Das Songmaterial ist zeitweise melancholisch, häufig verbittert und entsprechend rau produziert. Dass die Band dabei vorsichtig mit dem Gaspedal hantiert, fällt gar nicht so sehr auf. „Echo“ lässt dank klug gesetzter Clean-Vocals und reflektierter Momente („Anchor“) ausreichend Raum für Dynamik, die brachialen Parts und Breakdowns wie in „Pulling Teeth“ verlieren somit kaum an Kraft.

Allein aus dem soliden bis guten Material formt der zusätzliche Kontext, den „Echo“ bereitstellt, derweil kein absolutes Ausnahme-Album. Das gelingt letztendlich auch den zuvor unveröffentlichten Stücken nicht, welche uns aber immerhin versöhnlich stimmen: Die siebte Scheibe der US-Amerikaner mag nicht der große Wurf sein, kämpft sich mit Routine und Hartnäckigkeit aber zurück in unsere Playlisten – nicht zuletzt auch deshalb, weil „Echo“ als Komplettpaket doch etwas mehr repräsentiert als drei wahllos aneinandergereihte EPs. Der Kontext macht’s.

Veröffentlichungstermin: 03.12.2021

Spielzeit: 39:23

Line-Up

Aaron Pauley – Vocals, Bass
Phil Manansala – Gitarre, Backing Vocals
Alan Ashby – Gitarre, Backing Vocals
Valentino Arteaga – Drums, Percussion

Produziert von OF MICE & MEN

Label: SharpTone Records

Homepage: https://www.ofmiceandmenofficial.com/
Facebook: https://www.facebook.com/ofmice/

OF MICE & MEN “Echo” Tracklist

  1. Timeless (Audio bei YouTube)
  2. Obsolete (Visualizer bei YouTube)
  3. Anchor
  4. Levee (Audio bei YouTube)
  5. Bloom (Audio bei YouTube)
  6. Pulling Teeth
  7. Mosaic (Audio bei YouTube)
  8. Fighting Gravity (Video bei YouTube)
  9. Echo (Audio bei YouTube)
  10. Helplessly Hoping (CROSBY, STILLS AND NASH-Cover)