OCEANSIZE: Self Preserved While The Bodies Float Up

Erst stürmisch, dann fad dahin plätschernd. OCEANSIZE sorgen mit ihrem vierten Album für einen äußerst zwiespältigen Eindruck.

Die Briten nehmen uns wieder mit auf die Reise, zum vierten Mal nun schon in abendfüllender Form – dabei ist dieses Album, wie schon seine beiden Vorgänger Everyone Into Position und Frames ein Kampf mit dem sagenhaften Debüt Effloresce. OCEANSIZE geben sich zwar unbeeindruckt vom großen Schatten ihres Erstlings, der wie ein Damoklesschwert über jeder neuen Veröffentlichung des Quintetts schwebt, egal wie gut sie auch sein mag. Aber der Hörer, der ist natürlich jedes Mal aufs Neue aufgeregt und fragt sich, ob er endlich wieder in den selben Strudel von Effloresce geworfen wird, aus dem es monatelang keinen Ausweg gab. Im Falle von Self Preserved While The Bodies Float Up lautet die Antwort natürlich: Nein.

Nachdem das geklärt ist, können wir versuchen OCEANSIZE im Jahr 2010 zu genießen. Denn trotz des übermächtigen Schattens, der auf Self Preserved While The Bodies Float Up liegt, werden solche Gedanken gleich weggewischt. Mit Part Cardiac legen OCEANSIZE gleich überraschend brutal und doomig los, sie sind verdammt heavy und konsequent dabei die Hirnschale des Hörers zu knacken und diese danach mit einem Sammelsurium an typisch britischen Ideen zu füllen. Das gelingt in der ersten Hälfte des Albums auch wirklich gut. SuperImposer verbindet heavy Riffing mit schönen Melodien und schrägen Rhythmen, Build Us A Rocket Then… ist an der Grenze zu Polyrhythmus und dank seiner brachialen Härte, wie immer gepaart mit schönen, ungewöhnlichen Melodien, progressiver Herangehensweise und der Unschuld des Alternative Rock.

Schade, dass OCEANSIZE auf Self Preserved While The Bodies Float Up schon viel zu früh ihren Zenith erreichen. Oscar Acceptance Speech, bei dem der Name Programm ist, ist nicht nur das längste, sondern auch das am besten durchdachte und stärkste Stück dieses Albums. Eher ruhig, mit einer wundervollen Gesangslinie, wundervoll arrangiert und instrumentiert, mit einem heftigen Chorus und einem herrlichen, fast kitschigen Streicheroutro. Danach scheint es so, als hätten sich OCEANSIZE die Hörner abgestoßen, es bleibt mit Ausnahme des nicht gerade aufregend rockenden It´s My Tail And I´ll Chase It If I Want To größtenteils ruhig und nur noch selten können die Briten uns mitreißen. Ransoms ist immerhin ein schön komponiertes Lied und Silent/Transparent bietet ordentliche dynamische Steigerungen gegen Ende, aber A Penny´s Weight, das wie ein fader RADIOHEAD-Abklatsch klingt, sowie Pine und SuperImposter sind vielleicht ordentlich geschrieben, andererseits bieten sie außer gepflegter Langeweile nichts Besonderes.

Das Ende von Self Preserved While The Bodies Float Up relativiert den starken Beginn des Albums. Es liegt nicht daran, dass die ruhigen Songs schlecht wären, hier haben OCEANSIZE einfach weniger zu sagen. Viele der Stücke in der zweiten Hälfte ziehen sich, auch trotz deren relativ kurzen Länge, und es scheint so, als hätten OCEANSIZE nur das Material für eine EP gehabt, dann aber auf Druck des Labels doch recht motivationslos ein Full Length-Album geschrieben. Wenigstens das Artwork und die Aufmachung des Digibooks sind mehr als nur gelungen, die Produktion ist rau und doch mit viel Raum versehen. Die Band spielt wie immer tadellos und mit viel Können und Feeling ihre Songs; gerade Mike Vennart wird immer besser am Mikrofon, so gut hatte er seine Stimme noch nie unter Kontrolle.

All das ändert nichts an der traurigen Wahrheit: Nach der wirklich guten ersten Hälfte lassen OCEANSIZE stark nach, können sich nach dem unglaublich guten Oscar Acceptance Speech nicht mehr aus der Belanglosigkeit retten und hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck. Als EP wäre Self Preserved While The Bodies Float Up grandios gewesen, als Album bleibt es eine Enttäuschung. Entgegen der globalen Erwärmung, in der die Ozeane immer größer werden, schrumpft dieser hier auf ein britisches Binnengewässer. Jammerschade.

Veröffentlichungstermin: 3. September 2010

Spielzeit: 55:02 Min.

Line-Up:

Mike Vennart – Vocals, Guitars, Bass
Gambler – Guitars, Keyboards
Steven Hodson – Bass, Keyboards, Guitars
Steve Durose – Guitar, Backing Vocals
Mark Heron – Drums, Drums, Drums, Percussion

Produziert von OCEANSIZE
Label: Superball Music

Homepage: http://www.oceansize.co.uk
MySpace: http://www.myspace.com/oceansizeuk

Tracklist:

1. Part Cardiac
2. SuperImposer
3. Build Us A Rocket Then…
4. Oscar Acceptance Speech
5. Ransoms
6. A Penny´s Weight
7. Silent / Transparent
8. It´s My Tail And I´ll Chase It If I Want To
9. Pine
10. SuperImposter
11. Cloak (Bonus Track)