NORNA: Star Is Way, Way Is Eye

Schafft Tomas Liljedal es, an die Großtaten seiner Vergangenheit anzuknüpfen? Mit NORNA liefert er Riffs wie Gebirgsketten, doch ist Heaviness alleine ausreichend, um wirklich zu begeistern? „Star Is Way, Way Is Eye“ kennt die Antwort.

Einer, der nicht totzukriegen ist: Tomas Liljedal. Legendär mit BREACH, zum ersten Mal wiederauferstanden mit THE OLD WIND und nun mit NORNA mindestens so laut wie eh und je. „Star Is Way, Way Is Eye“, das Debütalbum des schweizerisch-schwedischen Trios, definiert das Wort kompromisslos. Riffs wie Gebirgsketten für Freunde von derbstem Post Metal und Sludge und für diejenigen, die sich wünschen, NEUROSIS wären mal wieder so heavy wie in den Neunzigern, ziehen sich wie ein karges Panorama durch diese sechs Songs. Kann da was schiefgehen? Nun, eigentlich nicht. Eigentlich. Denn „Star Is Way, Way Is Eye“ ist in letzter Konsequenz reichlich unspektakulär.

Tomas Liljedal ist nicht totzukriegen – mit seiner neue Band NORNA feiert er allerdings keine spektakuläre Rückkehr.

Klar, an Brutalität mangelt es nicht, die Riffs sind beeindruckend und auch prägnant, wenn schon nicht besonders originell, und es tut immer gut, Tomas Liljedals heiseres Geschrei zu hören. Aber so richtig unter die Haut wollen NORNA, die zu zwei Dritteln aus Mitglieder von ØLTEN bestehen, nicht gehen. Dafür fehlt es an Finesse, die eingestreuten Details reichen nicht, um die Monotonie zu vertreiben. Und wenn Monotonie ein Stilmittel dieser Band sein soll, dann wird sie nicht konsequent genug ausgespielt. Wo „The Truther“ noch ansatzweise eine solide Songstruktur erkennen lässt, verliert sich das folgende „Serpent Spine“ irgendwo im Riffnirwana.

Etwas definierter wird es im Anschluss dann doch wieder. NORNA lassen häufig Erinnerungen an ganz frühe CULT OF LUNA aufsteigen, zeigen sich aber kratziger und weit weniger raffiniert in Sachen Arrangements. Immerhin tauchen in den meisten Songs kurze Momente auf, in denen NORNA sich etwas öffnen, wie in „The Perfect Dark“ und dem abschließendem „Mother Majestic“. Hier variieren Tomas Liljedal und seine Schweizer Mitmusiker auch marginal das Tempo, aber das ist nicht genug, um wirklich zu begeistern, denn diese Energiebooster sind regelmäßig schnell aufgebraucht.

„Star Is Way, Way Is Eye“ erhebt Monotonie nicht zur Kunstform: NORNA bleiben hinter den Erwartungen zurück.

Heaviness alleine reicht also nicht. Ein schlechtes Album ist „Star Is Way, Way Is Eye“ nicht geworden, NORNA bleiben nur klar hinter den Erwartungen zurück. THE OLD WIND, die stilistisch ähnlich klangen, waren doch erheblich besser, weil offener, dynamischer und somit einfach intensiver. Vielleicht ist Liljedal etwas eingerostet – seine wie üblich starke Stimme würde das allerdings nicht vermuten lassen –, vielleicht müssen sich NORNA als Band erst finden. Das Trio bleibt leider hinter seinen Erwartungen und Möglichkeiten zurück, alive but not kicking, sozusagen. Das einigermaßen traurige Fazit lautet also: Wer richtig harte Entzugserscheinungen durch das dauerhafte Fehlen von BREACH hat, darf natürlich reinhören, einen modernen Klassiker erschaffen NORNA indes nicht.

Wertung: 3 von 6 verregnete zweite Frühlinge

VÖ: 18. Februar 2022

Spielzeit: 42:28

Line-Up:
Thomas Liljedal
Christophe Macquat
Marc Theurillat

Label: Vinter Records

NORNA: „Star Is Way, Way Is Eye“ Tracklist:

1. The Truther (Official Audio bei Youtube)
2. Serpent Spine (Official Video bei Youtube)
3. Tabula Rasa
4. The Perfect Dark (Official Audio bei Youtube)
5. Écône
6. Mother Majestic (Official Audio bei Youtube)

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