NACHTMYSTIUM: Assassins (Black Meddle Pt. 1)

NACHTMYSTIUM: Assassins (Black Meddle Pt. 1)

Weg mit peinlichem Corpsepaint, weg mit dem unleserlichen Logo und vor allem der miesen Musik. Das haben NACHTMYSTIUM schon vor einiger Zeit getan, ihr letztes Album Instinct: Decay zeigte schon auf, wozu die bislang nur belächelte Black Metal-Band imstande war. Stehen bleiben stand also nicht zur Devise, das Quartett aus Chicago um Gitarrist und Sänger Blake Judd entwickelt sich auf ihrem vierten Album Assassins (Black Meddle Pt. 1) überdimensional weiter.

Hat jemand PINK FLOYD gesagt? Ich denke, so ziemlich jeder, der den Vieren mal ein Ohr geliehen hat. Denn NACHTMYSTIUM zelebrieren auf Album Nummer Vier eine unheilige Allianz zwischen melodischem US-Black Metal und psychedelischem Delirium, das erstaunlich gut gelingt. Nach dem Intro legt der Titeltrack bereits beachtlich wild los und ist sowohl unbarmherzige Raserei, als auch mächtige Hymne, bis es nach drei Minuten deutlich ruhiger und durch den Einsatz von Synthesizern psychedelischer wird. Ganz so mitreißend sind die weiteren Songs dieser Colheur nicht ganz, Ghosts of Grace, Your True Enemy und Omnivore setzen dennoch fort, was Assassins ausmacht. Eine völlig eigenständige, intelligente Mischung und ein bizarrer Trip durch ein schwarzes Loch, das doch immer wieder in matten Farben schimmert.

Längen gibt es fast keine in diesen 45 Minuten, stattdessen werden zwischen den größtenteils angenehm kurzen Songs geschickt immer wieder instrumentale Zwischenspiele eingebaut, die die Spannung aufbauen. Wirklich nötig wäre das nicht gewesen, da sich die meisten Stücke sowieso chamäleonartig verwandeln und gerade das Instrumental Code Negative hat doch ein paar Längen. Ganz klar, NACHTMYSTIUM haben am Retro-Rock einen Narren gefressen und dadurch, dass sie niemals ihre schwarzmetallischen Wurzeln vernachlässigen, gibt es immer wieder neue Überraschungen zu erleben.

Die größte Überraschung ist jedoch die großartige Abschluss-Trilogie Seasick, die sich über zwölf Minuten erstreckt und gänzlich fern von Black Metal ist. Hier klingen NACHTMYSTIUM eher nach Leviathan, als nach XASTHUR oder TWILIGHT. Das ist jedoch kein Bruch im Stil der Band, viel mehr erweitert dies das Spektrum der Band noch weiter, fügt sich aber toll in das Gesamtbild ein. Gerade der herrliche zweite Teil Oceanborne, bei dem YAKUZA-Saxophonist Bruce einen Gastauftritt hat und in dem sich die Gitarren perfekt umgarnen, hinterlässt nichts als Gänsehaut. Der abschließende Teil ist dann deutlich hymnischer und hat Hooklines parat, die den Kopf nicht verlassen wollen.

Technisch wird hier ebenfalls Beachtliches geboten. Die Gitarrenarbeit ist enorm versiert und alles andere als verbohrt, von kalten Rasereien bis hin zu von Drogen beeinflussten Soli ist hier alles möglich. Das komplexe Drumming von Tony Laureno und die stellenweise auch sehr virtuosen Basslinien sorgen für ein ebenbürtiges Grundgerüst. Richtig Genre-typisch ist nur Blake Judds roher Gesang, der sich aber wie durch ein Wunder allen Facetten der Musik bestens anpasst. Für dieses Album perfekt ist die Produktion von Sanford Parker, dessen einzigartiges Klangbild der progressiven Musik zu wirklicher Authenzität verhilft.

Dass Assassins den Untertitel Black Meddle Pt. 1 trägt, macht die Sache deutlich komfortabler. Kleine Schwächen dürfen sich einschleichen, NACHTMYSTIUM sind keineswegs fehlerfrei und das sehen sie selbst ein. Aber, keine Frage, ihr Wille ist da, den Black Metal auf eine ganz andere Ebene zu bringen. Was wird der zweite Teil bringen? Sicherlich eine weitere Steigerung, doch das ist Zukunftsmusik. Die Vier aus Chicago beglücken offene Freunde von düsterer, ungewöhnlicher Musik solange mit Assassins, von dem man sich sowieso nicht so schnell satt hören kann. Auf in das schwarze, psychedelische Delirium!

Veröffentlichungstermin: 18. Juli 2008

Spielzeit: 45:05 Min.

Line-Up:
Blake Judd – Vocals, Guitars
Jeff Wilson – Guitars
Jon Necromancer – Bass
Tony Laureno – Drums

Produziert von Sanford Parker und NACHTMYSTIUM
Label: Candlelight Records

Homepage: http://www.myspace.com/nachtmystium

Tracklist:
1. One of These Nights
2. Assassins
3. Ghosts of Grace
4. Away from the Light
5. Your True Enemy
6. Code Negative
7. Omnivore
8. Seasick (Part 1: Drowned at Dusk)
9. Seasick (Part 2: Oceanborne)
10. Seasick (Part 3: Silent Sunrise)