MYRA: Godspeed

MYRA: Godspeed

Im Metalcore geht es schon lange nicht mehr darum, das Rad neu zu erfinden, sondern sich inmitten der etablierten Bands eine eigene Nische einzurichten. Wenn dann noch genügend Eigenständigkeit hinzukommt, umso besser. Genau das ist MYRA aus Leipzig größtenteils gelungen. Ich würde zwar nicht zu sehr auf den zweitgenannten Aspekt pochen, eine prägnante Zuordnung fällt mir innerhalb des Genres indes trotzdem schwerer als erwartet.

Tatsache ist, dass die Jungs Gefallen an brachialen Riffwänden gefunden haben, die zu großen Teilen den Charakter von „Godspeed“ formen, welches wiederum so eine nicht zu unterschätzende Härte entwickelt. Anstatt sich nun dem stumpfen Moshballett hinzugeben, streut die Leadgitarre wie in „Architects“ und „Said And Done“ immer wieder melodische, nicht selten schwedische Parts in das mächtige Fundament ein, wodurch „Godspeed“ eine – salopp ausgedrückt – eingängige Note angeheftet wird.

Nüchtern betrachtet ist „Godspeed“ nicht allzu einfallsreich

Dass diese Melodien, obwohl zweifellos wichtig, keine derart integrative Rolle spielen wie etwa bei HEAVEN SHALL BURN, zeigt die massive Produktion, die Gitarrenleads und Ähnliches geschickt in das gesamte Soundkonstrukt einarbeitet und zu keiner Zeit zu sehr in den Vordergrund stellt. Gleiches gilt übrigens für den selten verwendeten Klargesang, dem wie bei „Architects“ allein die Aufgabe zukommt, die erschütternden Shouts von Sebastian Spillner zu unterstützen.

Nüchtern betrachtet ist „Godspeed“ also nicht allzu einfallsreich ausgefallen. Es gibt melodische Tracks genauso wie treibende Death Metal-Stücke und Moshnummern für den Pit. Diesbezüglich sticht vor allem die zweite Hälfte des Albums mit „Phobia“, „The Wreckage“ und dem an MAROON erinnernden „Memento“ hervor. Einen echten Ausfall leisten sich MYRA nicht, wenngleich gerade das thrashige „Wrath“ eher zu solchem Material gezählt werden muss, das heute wirkliche jede Band des Sektors auf dem Kasten hat.

MYRA sind eine verlässliche Anlaufstelle für Genrefans

Dementsprechend wäre es auch vermessen, bei „Godspeed“ von einem essentiellen Album zu sprechen, denn voran bringt es den Metalcore trotz seines starken Death / Thrash Metal-Einschlags nicht. Nichtsdestoweniger ist MYRA eine verlässliche Anlaufstelle für alle Genrefans, die es gerne etwas härter und vor allem metallischer mögen. Die bekommen für ihr Geld vielleicht kein Rad 2.0, aber dafür ein fantastisches Artwork, solide Songs und einen Circlepit um den Küchentisch.

Veröffentlichungstermin: 14.05.2010

Spielzeit: 43:13 Min.

Line-Up:

Sebastian Spillner – Vocals
Heavy – Guitars
Rony Henkel – Guitars
Felix Thyrolf – Bass
Hando – Drums

Produziert von Andy Schmidt
Label: European Label Group / Broken Silence

MYRA „Godspeed“ Tracklist

01. Architects
02. The Change And The Unchangeable
03. Said And Done
04. Three Cheers For Dedication
05. Godspeed
06. Phobia
07. Memento
08. (For)get What You Deserve
09. Wrath
10. The Wreckage

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.