MOONSORROW: Tulimyrsky [EP]

MOONSORROW: Tulimyrsky [EP]

Meine Mutter pflegt zu sagen: Wenn schon, dann denn schon. Ich wusste gar nicht, dass sogar MOONSORROW auf diese Frau hören. Denn wenn schon eine EP zur Überbrückung der Wartezeit auf das nächste Album, dann aber ordentlich. Wie es sich für MOONSORROW gehört, wird hier geklotzt und nicht gekleckert, eine Spielzeit von 68 Minuten ist wirklich saftig. Und selbst, wenn nur ein neues Stück geboten wird, dieses nimmt fast die Hälfte der Spielzeit ein.

Der Titeltrack Tulimyrsky ist nicht ganz der Feuersturm, wie es der Name sagt. Zwar sind vermehrt brutale und rasante Passagen zu entdecken als auf V: Hävitetty, aber im Großen und Ganzen wird die Richtung weiter geführt. Zwischen unpeinlichem Folk, ein wenig Progressive Rock und angeschwärztem Metal statuieren die Finnen nach wie vor ein Exempel, wie man diese Musik spielen kann, ohne sich lächerlich zu machen und wie ein versoffener Vollassi zu wirken, heroische Chöre hin oder her. Epischer sind MOONSORROW dennoch geworden, das Ganze klingt ein wenig mehr nach Soundtrack und hinterlässt im Kopf des Hörers ergo so einige Bilder von kalten, tristen Landschaften, in denen ein paar Gefährten unterwegs sind, um einen Ring… lassen wir das. Das 30minütige Tulimyrsky ist ein großartiges Stück, perfekt arrangiert, mit großartigen Riffs und Harmonien ausgestattet, das jedoch im Winter, beim Blick aus dem Fenster auf vereiste, neblige Landschaften, deutlich besser funktionieren wird, als jetzt im Frühling.

Der Rest dieser EP kann mit diesem Stück qualitativ jedoch leider nicht mithalten. Das METALLICA-Cover For Whom the Bell Tolls ist das verzichtbarste Stück der EP. Immerhin: Ohne dieser Nummer wäre der Gesamteindruck der Scheibe deutlich geschlossener gewesen. Zwar wurde diese olle Kamelle so umarrangiert, als wäre sie schon immer ein MOONSORROW-Song gewesen, aber eben ein ziemlich schwachbrüstiger. Besser wird es bei den Neuaufnahmen der Demo-Songs Taistelu Pohjolasta und Hvergelmir. Ersteres ist ein ziemlich kompromissloses, brutales Black Metal-Stück, das ziemlich nach Norwegen Mitte der 90er klingt, aber aus der Sicht von MOONSORROW 2008. Ähnlich Hvergelmir, das lediglich ein wenig epischer angehaucht ist.

Das abschließende MERCILESS-Cover Back to North wurde ebenso wie For Whom the Bell Tolls zum MOONSORROW-Song verarbeitet und noch dazu auf gut 13 Minuten ausgedehnt. Als Bonus eine runde Sache, wäre es nicht auf dieser Scheibe vertreten gewesen, würde es den Hörer auch nicht sonderlich wurmen. Das Hauptargument zum Kauf der EP ist und bleibt – trotz des größtenteils sehr guten Bonusmaterials – der beeindruckende Titelsong. Fans des Quintetts machen mit dem Kauf dieser epischen EP jedenfalls nichts falsch.

Veröffentlichungstermin: 9. Mai 2008

Spielzeit: 68:16 Min.

Line-Up:
Ville Sorvali – Vocals, Bass
Mitja Harvilahti – Guitar
Henri Sorvali – Guitar, Keyboards
Marko Tarvonen – Drums
Markus Eurén – Keyboards

Label: Drakkar Records

Homepage: http://www.moonsorrow.com

Tracklist:
1. Tulimyrsky
2. For Whom the Bell Tolls
3. Taistelu Pohjolasta
4. Hvergelmir
5. Back to North

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle