MISOTHEIST: For The Glory Of Your Redeemer

Wer ist dein Erlöser in dieser herausfordernden Zeit? Jesus? Du selbst? Ritalin? Satan? Jeff Bezos? Die Programmgestalter von Netflix? Eine zweifache Impfdosis? Oder doch MISOTHEIST? Immerhin, letztere zeigen sich auf „For The Glory Of Your Redeemer“ selbstbewusst genug dafür. Die norwegische Black Metal-Band, die recht isländisch und französisch klingt, hat schon mit dem selbstbetitelten Debüt für Anerkennung gesorgt. Prädikat: Bestes TERRATUR POSSESSIONS-Material, das auch auf NORMA EVANGELIUM DIABLOLI veröffentlicht werden könnte. Und genau diesen Weg beschreiten MISOTHEIST auch mit dem Zweitwerk, sind nur noch ein wenig raffinierter als zuvor.

Insgesamt klingen MISOTHEIST wie eine schnörkellose Variante von DEATHSPELL OMEGA – die Melodieführung und Freude an der Dissonanz sprechen dafür, aber auch wie AOSOTH in Sachen Atmosphäre und REBIRTH OF NEFAST und SINMARA in puncto Heaviness. Die Mischung, die den drei Stücken von „For The Glory Of Your Redeemer“ innewohnt, mag nicht besonders originell sein, aber sie ist absolut souverän ausgeführt. Da ist oft eine unnahbare Epik und Erhabenheit in all dem Chaos, das auch auf „Fas – Ite, Maledicti, In Ingnem Aeternum“ für ungläubiges Staunen gesorgt hat. Und da ist eine Klarheit, eine Heaviness und auch zeitgemäßer Black Metal, der an sich schon intensiv ist, aber wie ein Brodeln wirkt, wie das Ende von „Benefactor Of Wounds“ beweist. Und in „Acts Of The Flesh“ gibt es ein paar echt fiese, ätzende Riffs, wie sie schon auf „Only Death“ begeisterten.

„For The Glory Of Your Redeemer“ ist nicht besonders originell, aber souverän ausgeführt: MISOTHEIST schlagen sich wacker auf ihrem Zweitwerk

Diese Zutaten beherrschen, wie erwähnt, auch andere. MISOTHEIST formen daraus immerhin ihre eigene Version, statt plump zu kopieren. Die drei Stücke sind also durchaus komplex und herausfordernd in ihren Arrangements, aber immer ausgewogen. Nie überwiegt das Chaos, immer wieder besinnt sich die anonyme Band auf eine gewisse Geradlinigkeit. Es ist somit auch beim mehrfachen Hören in Folge immer noch spannend, MISOTHEIST zu folgen. Dabei stimmen die finstere, bedrückende Atmosphäre, die mit Furor gespielten, aber auch sehr präzisen Instrumente und die erstklassige, wuchtige und dreckige Produktion gut überein.

Die Sogwirkung, die MISOTHEIST entfachen, wirkt auch in nur 30 Minuten. Wie schon das Debüt ist auch „For The Glory Of Your Redeemer“ ein kurzes Album, aber es wirkt eben wie ein vollständiges Gesamtwerk und nicht wie eine EP. Es mag ein Klischee sein, aber MISOTHEIST setzen auf Qualität statt Quantität und erzeugen so ein rundes Album – das ist absolut achtbar. Gleichzeitig setzen die Norweger keine neuen Impulse, an allen Ecken und Enden scheint ihre Heldenverehrung durch. Das ist ein Abzug in der B-Note, tut aber insgesamt nicht besonders weh, sorgt aber auch dafür, dass MISOTHEIST mit „For The Glory Of Your Redeemer“ aus ihrer Nische noch nicht heraustreten können. Vermutlich wollen sie das aber auch erstmal nicht. Zum rumreichen Erlöser reicht es so allerdings noch nicht.

Wertung: 8 von 10 Heilsbringer

VÖ: 5. Februar 2021

Spielzeit: 30:29

Label: Terratur Possessions

MISOTHEIST “For The Glory Of Your Redeemer” Tracklist

1. Rope and Hammer (7:25)
2. Benefactor of Wounds (6:54) (Audio bei YouTube)
3. Acts of the Flesh (16:08)

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