MARILYN MANSON: Eat Me, Drink Me

MARILYN MANSON: Eat Me, Drink Me

Wohin würde die musikalische Reise bei Boulevard-Schocker MARILYN MANSON gehen, nachdem in den letzten Monaten vor allem seine Scheidung von Sternchen Dita von Teese dafür gesorgt hatte, dass von ihm öfter in Leute heute und taff die Rede war, als in den einschlägigen Musikmagazinen? Diese Frage drängt sich auf, und Eat Me, Drink Me liefert nun die Antwort. Zunächst einmal fällt die gemäßigtere Rhythmik auf. Vergeblich sucht man die wüsten Stampfer in der Tradition von mObscene und The Beautiful People. Dafür breitet sich Mister Manson erst einmal in If I Was Your Vampire im relativ gewöhnlichen Rock-Sound über sechs Minuten aus und gibt eine durchaus melancholische und schleppende, jedoch auch arg unspektakulär schrammelnde Rock-Ausrichtung vor. Damit kein Missverständnis entsteht: Der Meister selbst befindet sich gesanglich in Topform, seine unverwechselbare Stimme lässt keinen Zweifel aufkommen, wer hier am Werk ist. Einmal mehr wird erkennbar, wie leicht man bislang inmitten all des Industrial-Krachs und all der Provokation vergessen konnte, dass Brian Warner ein exzellenter Sänger ist, mit einem fast schon unheimlichen Gespür dafür, wie vielseitig und doch charakteristisch er sein prägnantes Organ einsetzen kann. Folglich erfreut Putting Holes In Happiness mit einem unwiderstehlichen Refrain, der jedoch ebenfalls nicht die bereits bemängelte brave Lagerfeuer-Schrammelei übertünchen kann. In der Folge ödet die uninspirierte Gitarrenarbeit, die angezerrte Zupfereien den fetten Riff-Stakkatos vorzieht und sich in talentlosen und sinnfreien Solos verliert, den Hörer besonders an. Haut hier wirklich der erfahrende Riffschmied Tim Skold in die Saiten? Auch die Single-Auskopplung Heart-Shaped Glasses (When The Heart Guides The Hand) leidet unter einem Mangel an Härte und unkreativem Gitarrengefudel. Umso beachtlicher, dass der Song dennoch funktioniert und wie ein Skelett eines Achziger-Stadionhits wirkt – eingängig, vordergründig poppig und doch mit einem fiesen Dreh. In der Folge gelingt es Eat Me, Drink Me jedoch nicht mehr, die Mittelmäßigkeit hinter sich zu lassen. Selbst so typisch zynische Songtitel wie Mutilation Is The Most Sincere Form Of Flattery ändern nichts an der gähnenden Langeweile, die bei der widerlichen Eurodance-Remix-Version von Heart-Shaped Glasses dann noch die Grenze zur Niveaulosigkeit überschreitet. Private Schicksalsschläge sorgen allem Anschein nach wohl nicht immer für kreative Explosionen.

Veröffentlichungstermin: 01.06.2007

Line-Up:
Marilyn Manson
Tim Skold

Produziert von Marilyn Manson & Tim Skold
Label: Interscope/Universal

Homepage: http://www.marilynmanson.de

Email: 56:32

Tracklist:
If I Was Your Vampire
Putting Holes In Happiness
The Red Carpet Grave
They Said That Hell´s Not Hot
Just A Car Crash Away
Heart-Shaped Glasses (When The Heart Guides The Hand)
Evidence
Are You The Rabbit?
Mutilation Is The Most Sincere Form Of Flattery
You And Me And The Devil Makes 3
Eat Me, Drink Me
Heart-Shaped Glasses (When The Heart Guides The Hand) – Inhuman Remix