MAJESTY: Sword & Sorcery

MAJESTY: Sword & Sorcery

Jetzt hab ich die Arschkarte gezogen. Nach dem im Vorfeld der Veröffentlichung von „Sword & Sorcery“ das halbe vampster-Team, allen voran natürlich unsere Verfechter des wahren Metals (ich nenne mal keine Namen *g*), fast schon tumultartige Szenen innerhalb unserer geheiligten Hallen ausgelöst hat, um MAJESTYs neue CD besprechen zu dürfen, ist bei diesen Herren nach den ersten Probeläufen des guten Stücks recht schnell Ernüchterung eingekehrt und irgendwie wollte das Ding nach einer ausführlichen Hörprobe kein Mensch mehr haben, geschweige denn besprechen… So ist es nun also an mir, euch von „Sword & Sorcery“ zu erzählen – und glaubt mir, ich könnte mir durchaus angenehmeres vorstellen!

Leute, diese CD kann doch kein Mensch, der auf METAL (also auf richtigen Metal, so wütend – und mit harten Gitarren) steht, *ernsthaft* gut finden!!?! Was für einen Schwachfug musste ich über dieses Werk bereits lesen – von den deutschen MANOWAR, die sogar besser als diese sein sollen, war die Rede, die Retter des Metals sollen MAJESTY sein, und so weiter.

Kraftlos, langweilig, überflüssig – eine Beleidigung für den Metal! Das sind die angemessenen und eher treffenden Umschreibungen für dieses Machwerk. Einer Gehirnwäsche gleich, zelebrieren MAJESTY auf „Sword & Sorcery“ ihren Bierzelt-Metal, lassen aber auch überhaupt kein Klischee aus und singen auf die dumpfeste und primitivste Weise ihre Lieder über (na was wohl), Schwerter, Kämpfe, Stahl und den (natürlich) wahren Metal…

„Sword & Sorcery – The Battle has begun“ heißt es da gleich im Refrain des ersten Songs. Ich frage mich nur, wie sieht ein Kampf aus, der durch so ein lahmarschiges, langweiliges und zum Schunkeln animierendes Lied besungen wird? Zwei Opas im Rollstuhl, die sich mit Gummischwertern bekämpfen? Dieter Thomas Heck im Zweikampf mit Kurt Felix, die beim Versuch, gegeneinander zu kämpfen, im Stehen einschlafen? So was in der Art müssen MAJESTY assoziiert haben, als sie den Song „Sword and Sorcery“ ins Leben (?) gerufen haben. Nicht nur, dass man sich herrlich über die Texte lustig machen kann, auch musikalisch treten MAJESTY schön auf der Stelle, um den breit getrampelten Weg ja nicht zu verlassen – nach dem man bereits drei mal diesen fießen Refrain über sich ergehen hat lassen, kommt das ganze noch mal – und zwar verpackt in den ältesten Trick, seit es Popmusik gibt: Spielen wir den ganzen Käse doch einfach einen Halbton höher, dann klingt es doch gleich wie neu!

Und so geht es auch den Rest des Albums weiter, ja immer schön auf alt bewährtes setzten, nur keine eigenen Ideen verwenden, könnte ja dem Erfolg schaden! So beginnt Song Nummer zwei („Fields of War“) zwar ganz nett, doch spätestens beim Refrain („I was born with a iron wheel“ oder ähnlicher Krampf – ich hör´s mir jetzt aber bestimmt nicht noch mal an!) fällt einem das frisch geschärfte Sword of Blood, Tears and Dauerwurst aus der Hand! Das ist doch einfach nur MÜLL! Austauschbarer Tralala-Metal, am Ende wieder mit bis zum Erbrechen wiederholtem Refrain, um auch dem letzten Deppen beizubringen, wie der Song funktioniert.

Der dritte Song (soll wohl ein atmosphärisches, gesprochenes Intro da zu Beginn sein – irgendwas mit verschwörerischem „Warriors“ und „Battle“ im Text eben (und was reimt sich auf Battle? Richtig, Metal natürlich… uargh, ist das schlecht..!). Die Nummer ist durchaus zu den besten des Albums zu zählen, mit einem Spannungsaufbau über Strophe und Bridge wird der Song interessant gemacht, bis ein furchtbarer Refrain wieder alles zerstört: Das witzige daran ist, das Lied trägt den Titel „Heavy Metal“, warum dies allerdings wieder in einen Bierzelt-Schunkel-Refrain verpackt werden musste, bleibt schleierhaft.

Naja, und so geht es weiter, bis zum bitteren Ende, vorbei an einem drögen 7-8 Minuten Song (soll wohl episch sein, haben MANOWAR ja schließlich auch schon mal gemacht), bis mit „Metal To The Metalheads“ endlich Schluss ist. Und danke für den Tipp, das werde ich als Metalhead nun auch machen, nämlich METAL hören!

Diese Scheibe verkauft sich definitv gut und MAJESTY sind ein Glücksgriff für jede Plattenfirma, die es versteht, so etwas entsprechend zu vermarkten – anspruchslose Musik, die selbst der letzte Depp noch im Vollrausch mitgrölen kann, sowie ein perfekt abgestimmtes Image und Outfit dürften aus MAJESTY ein kommerziell erfolgreiches Produkt machen.

So, jetzt aber raus mit diesem Teil aus dem CD-Schacht, damit ich mir endlich mal wieder was Vernünftiges anhören kann…

1.Sword and sorcery

2.Fields of war

3.Heavy metal

4.Epic war

5.Ride silent

6.Fist of steel

7.Aria of bravery

8.Metal to the metalheads

Label: Massacre Records

Veröffentlichungstermin: 24.06.2002

Markus
Markus ("boxhamster") hat das Magazin 1999 gegründet und kümmert sich um die Technik und die Weiterentwicklung von vampster, schreibt ab und zu Reviews und fotografiert bei Festivals und Konzerten.