LONELY SPRING: Change The Waters

LONELY SPRING beweisen auf ihrem Debütalbum “Change The Waters” ein Händchen für eingängiges Songwriting mit emotionalem Tiefgang, weshalb die Renaissance des Emo-Rocks plötzlich gar nicht mehr so abwegig klingt.

Irgendwann kommt alles wieder. Der Power Metal erlebt so etwas wie eine Renaissance, im Metalcore werden selbst die poppigsten Vertreter wieder härter und im Black Metal gab es wahrscheinlich nie eine so große Vielfalt wie anno 2021. Warum also nicht auch der Emo Rock? Zumindest in LONELY SPRING hat man einen neuen Fürsprecher gefunden, der dem totgeglaubten Genre zu einem zweiten Frühling verhelfen will. So abwegig scheint die Idee zunächst gar nicht, denn „Change The Waters“ kopiert nicht einfach nur die Hochzeit von Bands wie MY CHEMICAL ROMANCE, FALLING IN REVERSE und wie sie alle heißen, sondern bringt die typischen Trademarks in die Gegenwart.

Das Quartett aus Niederbayern hält sich dabei nicht sklavisch an irgendwelche Konventionen, sondern experimentiert mutig mit Pop-Anleihen wie den Synth-Beats in „Hell(o)“ oder „Baby“, wo sie in den ruhigen Strophen die rockigen Ausbrüche kontrastieren. „Runaway“ wiederum gefällt mit seiner relaxten Atmosphäre und der zuckrigen Gitarre, wohingegen die Gitarrenarbeit im nicht minder entspannten „Oh K“ zwischendurch immer wieder an BLINK-182 denken lässt.

LONELY SPRING beweisen ein Händchen für eingängiges Songwriting mit emotionalem Tiefgang

Zugegeben, die Pop-Punk-Einflüsse bleiben insgesamt im Hintergrund, gehören aber genauso zum bandeigenen Sound wie der markante, oft mehrstimmige Gesang der beiden Brüder Julian und Simon Fuchs. Aufgrund der recht klaren Singstimme kommen hier die Emo-Wurzeln der Band besonders zum Tragen, wenngleich LONELY SPRING im energiegeladenen Opener „Satellite“ auch mit etwas Sprechgesang spielen und so ein wenig an LINKIN PARK mit Punk Rock-Schlagseite erinnern.

Mit ähnlich viel Drive geht der eingängige Titeltrack nach vorne, bevor LONELY SPRING in der zweiten Hälfte schließlich nachdenklicher werden. „Honesty“ durchzieht eine latent melancholische Note, während die Ballade „Kalifornia“ zwischen Sehnsucht und Fernweh balanciert. Dazwischen offenbart „Fix Me“ unter seiner Post Hardcore-Schale eine gewisse Zerbrechlichkeit: Keine Frage, indem sich LONELY SPRING verschiedenste Einflüsse zu eigen machen, beweisen sie ein Händchen für eingängiges Songwriting mit emotionalem Tiefgang.

Dank “Change The Waters” wirkt die Renaissance des Emo-Genres gar nicht mehr so abwegig

In Mitleid versinken müssen wir auf „Change The Waters“ deshalb nicht, denn das Quartett verpackt seine Musik mit genug Spielfreude und Energie, um uns dennoch regelmäßig ein Lächeln abzuringen. Ein Album für warme Sommerabende also? Auch, aber nicht ausschließlich – immerhin ist „Change The Waters“ trotz zugänglicher Strukturen keine rein oberflächliche Angelegenheit. Und selbst wenn wir uns gerade auf der Zielgeraden über etwas mehr Tempo gefreut hätten, müssen wir am Ende durchaus den Hut vor LONELY SPRING ziehen: Plötzlich scheint die Renaissance des Emo-Genres gar nicht mehr so abwegig – der Grundstein ist mit „Change The Waters“ ja nun gelegt.

Veröffentlichungstermin: 17.9.2021

Spielzeit: 42:16

Line-Up

Julian Fuchs – Vocals, Guitar
Manuel Schrottenbaum – Guitar
Simon Fuchs – Vocals, Bass
Matthias Angerer – Drums

Produziert von Flo Nowak und Christoph von Freydorf

Label: Ivorytower Records

Facebook: https://www.facebook.com/lonelyspring

LONELY SPRING “Change The Waters” Tracklist

1. Satellite (Video bei YouTube)
2. Baby
3. Runaway (Video bei YouTube)
4. Oh K
5. Hell(o)
6. December (Video bei YouTube)
7. Change The Waters (Video bei YouTube)
8. Honesty
9. Fix Me (Audio bei YouTube)
10. You Let Go
11. Kalifornia
12. Alive