KARIN RABHANSL: Tod & Teufel

KARIN RABHANSL: Tod & Teufel

Mit Karin Rabhansl verbindet man Schlagwörter, die im ersten Moment für vampster ungewöhnlich klingen: eine bayrische Liedermacherin, die mal im Dialekt und mal Hochdeutsch singt und deren Titel mit „Wenn I doad bin“, „Hoam“, „Liachtal“ oder „Aloa“ erstmal befremdlich anmuten. Doch spätestens beim ersten Durchhören wird klar. Hier steckt mehr dahinter. „Tod & Teufel“ ist alles andere als seicht und folkloristisch angestaubt. Stattdessen gibt es handgemachten und manchmal düsteren, manchmal proggigen Rock, selten nett und öfters schräg, was sich zum Beispiel in 7/8-Takten durch die Boxen niederschlägt. Dazu kommt eine gute, warme Produktion und eine Band voller talentierter Musiker. Und natürlich Karin Rabhansl, die mit ihrer tollen Stimme und Persönlichkeit das Album prägt.

Mit einem Cover-Song geht’s auf „Tod & Teufel“ los

Los geht es mit einem von gleich drei Cover-Songs, die es auf „Tod & Teufel“ geschafft haben: „Wenn’s Dir a Freid mocht“ ist eine Hommage an Sheryl Crow und ein sanfter Einstieg für die Fans der „alten“ Karin Rabhansl. Die werden bei den folgenden Stücken vielleicht etwas mehr zu knabbern haben. „Dieses Heulen“ erweckt Werwölfe zum Leben bevor es mit der Single „Wenn i doad bin“ schon zum ersten richtigen Highlight des Albums kommt. Diese Gesangsmelodie im Refrain verfolgt mich immer wieder auf’s neue und das Video ist einfach klasse.

Mit „Der Leiermann“ (Coversong Nummer zwei), „Aloa“ und „Liachtal“ wird es schaurig und traurig, bevor „Preiskampf“ vermeintlich poppiger und klarer daher kommt. In Wirklichkeit verbirgt sich aber ein schräger Takt und ein ernster Gedanke hinter der Nummer. Überhaupt lebt dieses Album viel vom Gesang und der wahnsinns Stimme. Wie sie ihre Stimme als ausgebildete Sängerin und Gesanglehrerin trainiert, erzählte sie uns hier im Interview.

Die „60 Watt Sonne“ macht erstmal sprachlos

Mein heimliches Highlight auf dem Album: „60 Watt Sonne“. Die KEINE ZÄHNE IM MAUL ABER LA PALOMA PFEIFEN-Coverversion ist dermaßen intensiv, dass ich nach dem ersten Hören erstmal verschnaufen musste – um mir den Song im Anschluss in Dauerrotation zu geben. Dass es sich hier um eine Coverversion einer Punkband handelt, wird im ersten Moment gar nicht so bewusst, so gut fügt sich das Lied ins Album ein. Großen Respekt für dieses Stück, das live sicherlich nochmal an Intensität zulegt.

Karin Rabhansl zeigt sich vielseitig

Mit „Wind“ kommt eine waschechte Ballade, bevor dich „Erwachsen“ noch einmal aus deinem lethargischen Sumpf reißt. Mit Abstand die fröhlichste Nummer auf „Tod & Teufel“ in FARIN URLAUB Manier. Zum Ende hin werden die schweren Gitarren nochmal ausgepackt, mit „Sie“ und „Haut“ wird es nochmal schön Prog Rockig, bevor dich ein trauriges „Hoam“ unbequem aus dem Album schmeißt.

Karin Rabhansl ist mit „Tod & Teufel“ etwas tolles gelungen: Ein ernstzunehmendes, düsteres Rock Album das trotz Dialekt und deutschem Gesang absolut überzeugend ist. Dazu kommt eine super Produktion und ein ungewöhnliches Cover-Artwork in Linolschnitt, das aus dem Album nicht nur einen Hinhörer sondern auch Hinkucker macht.

www.karinrabhansl.de
facebook.com/rabhansl

VÖ-Datum: 19.10.2018

Tracklist „Tod & Teufel“:
1 Wenn’s Dir a Freid mocht
2 Dieses Heulen
3 Wenn i doad bin
4 Der Leiermann
5 Aloa
6 Liachtal
7 Preiskampf
8 60 Watt Sonne
9 Wind
10 Erwachsen
11 Sie
12 Haut
13 Hoam

Line-Up:
Karin Rabhansl – Gitarre, Gesang
Simon Weber – Schlagzeug
Chris Kilgenstein – Gitarre, Gesang
Julia Fischer – Keys, Gesang
Basti Braun – Bass

Markus
Markus ("boxhamster") hat das Magazin 1999 gegründet und kümmert sich um die Technik und die Weiterentwicklung von vampster, schreibt ab und zu Reviews und fotografiert bei Festivals und Konzerten.