JUCIFER: If Thine Enemy Hunger

JUCIFER: If Thine Enemy Hunger

Ihr armen Lärmfetischisten der Nation, seid gewarnt. Wenn ihr vom neuen JUCIFER-Album etwas Brutales, Derbes, Technisches erwartet, ihr werdet enttäuscht sein. Nur weil auf der CD Relapse Records steht, heißt es noch lange nicht, dass dieses Label nur Lärm im Programm hat. Nein, JUCIFER sind ein ganz anderes Kaliber und auf ihre Art und Weise mindestens genauso heftig wie so manche Prügelband.

Doomig und schwer beginnt If Thine Enemy Hunger und man möchte meinen, es geht so weiter. Doch das Duo aus Georgia zeigt sich launisch, wie Frauen eben so sind. JUCIFER dreschen mal in zäher Geschwindigkeit die Hütte nieder, dann lassen sie Grunge an die Oberfläche treten und manchmal werden sie ganz leise, bedächtig und richtig schön. Toll ist das Album jedoch durchgehend, selbst wenn man beim beginnenden She Tides the Deep auf eine sehr harte Probe gestellt wird. Zwei Riffs, tonnenschweres Drumming, am Nullpunkt der Geschwindigkeit mit bittersüßem, weiblichem Gesang verzerrt dieses Stück den ersten Eindruck des knapp einstündigen Albums.

Denn was nach einigen Durchgängen hängen bleibt, sind Songs wie Lucky Ones Burn mit seinen coolen Grooves und Vocals, sowie den eingängigen Riffs sowie das chaotische und wilde Antietam, bei dem Sängerin Amber Valentine explodiert und kreischt, als würde die Welt untergehen. Auch das rockende Pontius of Palatia und das unterkühlte, sehr sexy klingende Backslider sind großartige Songs, die dem Heavy Rock ein neues Gesicht geben. Schlichtweg genial ist das ruhige The Plastic Museum, das Amber nur von einer Gitarre begleitet zeigt und trotz oder gerade wegen seiner geringen Lautstärke ein unglaublich intensives Lied ist.

Sängerin Amber Valentine verleiht JUCIFER das Charisma, denn die Frau ist wandlungsfähig wie glaubwürdig. Sie haucht, flüstert, schreit, fleht, quält, hasst, liebt. Und ist eine großartige Schauspielerin, der man alles abnimmt. Sie hat Stil und liefert ungewöhnliche Gesangslinien ab, ganz in der Tradition von JARBOE und auch PJ HARVEY. Wobei sie letzterer den Rang abläuft. Ohne ihren Mann und Partner Edgar Livengood wäre sie jedoch nichts, denn dieser liefert mit seiner kreativen Musik, den teils sehr monolithischen Riffs und dem simplen wie drückenden Drumming das essenzielle Grundgerüst für JUCIFER.

Die Nomaden aus den Staaten liefern Musik für Aufgeschlossene, jene, die einen breit gefächerten Musikgeschmack haben und auch mal eine Melange aus Drone Doom und Grunge aushalten. Geboten wird hier eine knappe Stunde an erstklassigem Material, das vielleicht nicht typisch für Relapse ist, sich aber definitiv nicht zu verstecken braucht. Für mich ist If Thine Enemy Hunger eine Schatztruhe, in der sich viel mehr findet, als man vermuten möchte. Kurzum: JUCIFER sind prickelnd, sexy, unbequem, schaurig, ungewöhnlich und tief.

Veröffentlichungstermin: 8. September 2006

Spielzeit: 56:33 Min.

Line-Up:
Amber Valentine – Vocals, Guitars
Edgar Livengood – Guitars, Bass, Drums

Label: Relapse Records

Homepage: http://www.jucifer.com

Tracklist:
1. She Tides the Deep
2. Centralia
3. Lucky Ones Burn
4. Hennin Hardine
5. Antietam
6. My Benefactor
7. Four Suns
8. Pontius of Palatia
9. Backslider
10. Luchamos
11. Ludlow
12. The Plastic Museum
13. In a Family Way
14. Medicated
15. Led