JUCIFER: L`Autrichienne

JUCIFER: L`Autrichienne

Manche Frauen sind schlicht und ergreifend totale Zicken. Hillary Clinton, Alice Schwarzer, Heidi Klum, Burton C. Bells ehemalige Reitbeteiligung Tairrie B., Marie Antoinette, JUCIFER. Mit keiner möchte ich das Schlafgemach teilen. Nur mit JUCIFER ist mir das schon einige Male passiert, aber glaubt mir, ich habe nicht gut geschlafen. Das Duo hat vor gut anderthalb Jahren mit dem manischen If Thine Enemy Hunger schon schwer überzeugt. Mit ihrem anstrengenden wie Energie geladenen Mix ist es allerdings auch durchaus spannend, wie sie sich des Themas L`Autrichienne, also Marie Antionette annehmen.

Parallelen gibt es durchaus. Ein bewegtes Leben, viele Facetten, ein schillerndes Kult-Chick und ihr Mann, der – seien wir ehrlich – nur teilweise den Ton angibt. Denn JUCIFER werden nach wie vor durch Amber Valentine personifiziert, die mit ihrer Wandlungsfähigkeit, die meisten anderen Frauen im großen Rock-Zirkus alt aussehen lässt. Amber Valentine spielt erdige, eigentlich ziemlich simple Riffs, drückt sich viel mehr über ihre Stimme aus, die Gitarren sind anno 2008 bei JUCIFER eher Beiwerk. Ebenso das Drumming von ihrem Ehemann Edgar Livengood. Essentiell sind diese Elemente dennoch, denn das ist die Basis, ohne die L`Autrichienne gar nicht existieren könnte.

Vielleicht weil es ein Konzeptalbum ist, steht viel mehr der Ausdruck der Sängerin im Vordergrund als die Musik. Die ist aber beileibe nicht schlecht. Erdige Riffs, leise, melancholische Töne und metallisches, fast schon Grindcore-artiges Chaos treffen aufeinander. Auch derbe Doom-Songs wie Deficit, die BLACK SABBATH-Hommage Armada und das neunminütige The Mountain finden ihren Platz auf L`Autrichienne. Dennoch gefallen JUCIFER am besten, wenn sie relaxt und sexy rocken, wie in Blackpowder, Birds of a Feather und dem sensationellen Window (Where the Sea Falls Forever) oder tonnenschwere, boshafte Geschütze wie in Traitors auffahren. Aber auch die melancholischen Momente haben ihren Reiz, To Earth, To the End und der Titeltrack verschaffen nicht selten eine Gänsehaut.

Bei 21 Songs in 70 Minuten ist es leider unmöglich, nur Hits abzuliefern, somit gibt es mit Champ de Mars und auch gegen Ende des Werks ein paar Füller, die nicht aufgetaucht wären, hätten JUCIFER ihr Album besser komprimiert. Davon abgesehen ist dieser wilde Ritt durch alles, was Rockmusik in den letzten 30 Jahren ausgemacht hat, ein sehr spannender und guter, mit genügend Abwechslungsreichtum, um niemals langweilig zu werden. Das liegt vor allem an der großartigen Performance von Amber Valentine, doch sie wäre nur halb so gut, ohne ihren Partner Edgar Livengood. Das hört man einfach.

L`Autrichienne hat die passende, trockene Produktion, die sich sämtlicher Facetten des Duos optimal anpasst. Wer mit einem kruden Doom-Grunge-Grind-Mix etwas anfangen kann, der sollte hier mal reinhören. Völlig unbedarften Hörern empfehle ich dennoch den Vorgänger If Thine Enemy Hunger, der aufgrund seiner höheren Authenzität L`Autrichienne noch mal um eine Nasenlänge voraus ist. Sollten sich JUCIFER demnächst an einem Konzept über Mallory und Mickey Knox vergehen, werden sie unbesiegbar sein.

Veröffentlichungstermin: 20. März 2008

Spielzeit: 70:25 Min.

Line-Up:
Amber Valentine – Vocals, Guitars
Edgar Livengood – Drums, Guitars, Bass

Label: Relapse Records

Homepage: http://www.jucifer.com

Tracklist:
1. Blackpowder
2. Thermidor
3. To Earth
4. Decifit
5. Champ de Mars
6. Fall of the Bastille
7. To the End
8. Armada
9. L`Autrichienne
10. Behind Every Great Man
11. October
12. Birds of a Feather
13. Traitors
14. The Law of Suspects
15. Noyade
16. The Mountain
17. Window (Where the Sea Falls Forever)
18. Fleur de Lis
19. Procession a la Guillotine
20. Coma
21. The Assembly